Die Meningokokken-Meningitis ist eine gefürchtete Erkrankung, die insbesondere bei Säuglingen und Kleinkindern lebensbedrohlich verlaufen kann. Obwohl sie selten vorkommt, ist schnelles Handeln entscheidend, um schwerwiegende Folgen zu vermeiden. Dieser Artikel beleuchtet die Erfahrungen von Betroffenen, erklärt die Symptome, möglichen Folgen und Präventionsmaßnahmen, insbesondere Impfungen.
Erfahrungsberichte betroffener Familien
Kellys Geschichte: Frühe Diagnose rettet Leben
Tamara Leippert erinnert sich an den Februar 2018, als ihre sechs Monate alte Tochter Kelly Fieber bekam. Zunächst dachte sie an einen grippalen Infekt, doch da Kelly sich auch erbrach, suchte sie eine Kinderärztin auf. Die Ärztin erwähnte den Begriff "Meningitis", da Kelly noch nicht gegen Meningokokken geimpft war. Die Symptome waren jedoch unspezifisch.
Am nächsten Morgen war Kelly unruhig, schrie und überstreckte ihren Kopf. Tamara entdeckte rote Punkte auf ihrem Bauch. "Sie war gar nicht mehr bei mir, guckte nur ins Leere, nahm mich gar nicht mehr richtig wahr." Tamara fuhr sofort in die Kinderarztpraxis und von dort aus ins Krankenhaus.
Die Ärzte entnahmen Hirnwasser, das dickflüssig und voller Eiter war. Die Diagnose: Meningokokken-Meningitis, ausgelöst durch Meningokokken-B-Bakterien. Kelly erhielt sofort Antibiotika und Kortison. Glücklicherweise schlugen die Medikamente schnell an.
Heute ist Kelly normal entwickelt und zeigt keine Spätfolgen. Tamara ist unendlich dankbar für die schnelle Reaktion der Kinderärztin und der Ärzte im Krankenhaus. "Abschließen kann man damit nie, das wird immer ein Teil von uns sein", sagt sie.
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Leonies Geschichte: Ein Sommerlicher Hitzeausschlag entpuppt sich als Sepsis
Frau Augé's Tochter Leonie wurde nach einem normalen Tag in der Nacht plötzlich unruhig, zog ihre Beine an, krampfte und spuckte. Im Krankenhaus stellte die Ärztin fest, dass es dem Baby allgemein nicht gut ging, sie gräuliche Lippen hatte und ihre Haut wie marmoriert wirkte. Die ersten Blutbilder brachten keine Hinweise. Erst als die Ärztin nach roten Pünktchen fragte, gab es eine konkrete Vermutung. Frau Augé hielt sie für einen sommerlichen Hitzeausschlag. Es waren jedoch Einblutungen unter der Haut.
Leonie bekam sofort ein Antibiotikum. Zwei Stunden später wäre es vermutlich zu spät gewesen. Im weiteren Verlauf hatte sie Hauteinblutungen von Kopf bis Fuß und erlitt einen septischen Schock mit Herz-Kreislauf-Versagen. Ihre Organe waren auch schon angegriffen. Die Ärzte kämpften 24 Stunden um ihr Leben.
Leonie überlebte und trug keine Folgeschäden davon. Heute ist sie 15 Jahre alt und kerngesund.
Leandras Geschichte: Die Mutter setzt sich für Aufklärung ein
Karen, die Mutter der achtjährigen Leandra, spricht über ihre Erfahrungen mit der Meningokokken-Erkrankung ihrer Tochter. Leandra erkrankte im Alter von 15 Monaten. Karen setzt sich heute für mehr Aufklärung über diese Krankheit ein.
Leandra hat die Erkrankung ohne körperliche Folgen überstanden, aber das Erlebte hat bei der Familie Spuren hinterlassen. Karen wurde damals nur über die Meningokokken-C-Impfung aufgeklärt. Heute empfiehlt die STIKO auch die Meningokokken-B-Impfung.
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Karen appelliert an andere Eltern, sich umfassend zu informieren und beim Kinderarzt nachzufragen.
Hannahs Geschichte: Eine Mutter vertraut ihrem Bauchgefühl
Miri erzählte auf einer Pressekonferenz anlässlich der Welt-Impfwoche im April über die Meningitis-Erkrankung ihrer Tochter Hannah. Hannah erkrankte 2010 an Meningokokken, als sie ein halbes Jahr alt war. Sie bekam sehr plötzlich hohes Fieber, trank wenig und war sehr schläfrig und schlapp.
Eine Vertretungskinderärztin beruhigte Miri und meinte, sie hätte bereits 20 Kinder mit denselben Symptomen untersucht. Miri verließ die Praxis mit einem unguten Bauchgefühl. In der Nacht reagierte Hannah kaum noch. Miri fuhr zu ihrer Kinderärztin, die an dem Morgen zum Glück wieder in der Praxis war.
Hannah kam sofort in ein Isolationszimmer auf der Intensivstation. Es wurde eine Hirnwasserpunktion gemacht und festgestellt, dass sie eine Meningokokken-Meningitis hat. Die Ärzte starteten sofort mit einer Dreifach-Antibiose.
Hannah überstand die Erkrankung ohne bleibende Schäden. Miri rät jeder Mama und jedem Papa, sich genau über die unterschiedlichen Schutzimpfungen zu informieren und auf das Bauchgefühl zu hören.
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Was ist Meningokokken-Meningitis?
Meningokokken sind Bakterien, die durch Tröpfcheninfektion übertragen werden. Sie können eine Meningitis (Hirnhautentzündung) und eine Sepsis (Blutvergiftung) verursachen. Kinder im ersten Lebensjahr sind besonders gefährdet, da ihr Immunsystem noch nicht vollständig ausgereift ist.
Symptome einer Meningokokken-Infektion
Die Symptome einer Meningokokken-Infektion sind unspezifisch und können einem grippalen Infekt ähneln. Zu den möglichen Symptomen gehören:
- Fieber
- Schüttelfrost
- Kopfschmerzen
- Schwindel
- Erbrechen
- Nackensteifigkeit
- Schläfrigkeit
- Krampfanfälle
- Petechien (kleine, punktförmige Hautblutungen)
- Berührungsempfindlichkeit am Kopf
Bei Säuglingen können die Symptome noch unspezifischer sein, wie z.B.:
- Unruhe
- Schreien
- Erbrechen
- Trinkschwäche
- Überstreckung des Kopfes
- Apathie
Diagnose und Behandlung
Bei Verdacht auf Meningokokken-Meningitis muss sofort ein Arzt aufgesucht werden. Die Diagnose wird durch eine Lumbalpunktion (Entnahme von Hirnwasser) gestellt.
Die Behandlung erfolgt mit Antibiotika. Je früher die Behandlung beginnt, desto besser sind die Heilungschancen.
Mögliche Folgen einer Meningokokken-Meningitis
Auch bei rechtzeitiger Behandlung kann es zu Spätfolgen kommen. Dazu gehören:
- Hörverlust
- Sehverlust
- Neurologische Schäden
- Lernschwierigkeiten
- Verhaltensauffälligkeiten
- Epilepsie
- Amputationen
- Hautvernarbungen
- Tod
Vorbeugung durch Impfung
Der wirksamste Schutz vor Meningokokken-Meningitis ist die Impfung. Es gibt verschiedene Impfstoffe gegen die unterschiedlichen Meningokokken-Gruppen.
Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt folgende Impfungen:
- Meningokokken-C-Impfung: Für alle Kinder im Alter von 12 Monaten.
- Meningokokken-B-Impfung: Seit Januar 2024 generelle Impfempfehlung für alle Säuglinge ab dem Alter von zwei Monaten.
Es gibt auch Impfstoffe gegen die Meningokokken-Gruppen A, W und Y, die für bestimmte Risikogruppen empfohlen werden.
Impf-Erfahrungen von anderen Eltern
Viele Eltern berichten von positiven Erfahrungen mit der Meningokokken-Impfung. Einige Kinder hatten leichte Nebenwirkungen wie Fieber und Schläfrigkeit, die aber schnell wieder verschwanden. Andere Kinder hatten gar keine Nebenwirkungen.
Einige Eltern berichten, dass ihre Kinder nach der Impfung Fieber hatten.
Es ist wichtig, sich vor der Impfung vom Arzt über mögliche Nebenwirkungen aufklären zu lassen.
Meningokokken-Übertragung
Meningokokken werden durch Tröpfcheninfektion übertragen, beispielsweise beim Husten, Niesen oder Sprechen. Auch symptomfreie Träger können die Bakterien weitergeben.
Meningitis bewegt
Die Kampagne "Meningitis bewegt" setzt sich für die Aufklärung über Meningokokken-Erkrankungen und die Bedeutung von Impfungen ein. Auf der Website www.meningitis-bewegt.de finden Eltern weitere Informationen und Unterstützung.
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