Morbus Parkinson, umgangssprachlich auch als „Schüttelkrankheit“ bezeichnet, ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen neben Demenz. Sie ist vor allem durch Zittern gekennzeichnet. Eine frühzeitige Erkennung und die richtige Therapie ermöglichen es Betroffenen, ein möglichst normales Leben zu führen.
Was ist Morbus Parkinson?
Morbus Parkinson ist eine neurologische, unheilbare Erkrankung, die meist im höheren Lebensalter auftritt. Nach Alzheimer ist Morbus Parkinson die zweithäufigste neurodegenerative Krankheit und betrifft Schätzungen zufolge etwa 400.000 Menschen in Deutschland. Zwar kann Parkinson auch bei jungen Menschen im Alter von 20 Jahren auftreten, doch die meisten Betroffenen sind bei Eintritt der Krankheit mindestens 60 Jahre alt. Etwa zehn Prozent der Parkinson-Patientinnen und Patienten erkranken bereits vor dem 50. Lebensjahr.
Ursachen von Morbus Parkinson
Die Ursache der Bewegungsstörungen ist ein Sterben der Nervenzellen (Neurone) in der Substantia Nigra im Gehirn - genauer gesagt im Mittelhirn, was einen Mangel an Dopamin verursacht. Warum die Nervenzellen absterben, ist nicht vollständig geklärt, jedoch spielen genetische Faktoren eine Rolle.
Das Parkinson-Syndrom umfasst vier Gruppen, die die typischen Symptome wie Bewegungsstörungen, Muskelsteifheit und Zittern gemeinsam haben - auch wenn die Ursachen des jeweiligen Parkinson-Syndroms unterschiedlich sein können. Folgende Parkinson-Syndrome gibt es:
- Idiopathisches oder auch primäres Parkinson-Syndrom
- Genetisch bedingtes Parkinson-Syndrom
- Atypisches Parkinson-Syndrom
- Symptomatisches oder auch sekundäres Parkinson-Syndrom
Das primäre Parkinson-Syndrom ist mit einer Häufigkeit von etwa 75 Prozent die häufigste parkinsonsche Krankheit, dessen Ursachen und Auslöser bisher unbekannt sind. Beim idiopathischen bzw. primären Parkinson-Syndrom sind die Ursachen und Risikofaktoren bisher nicht geklärt, während das symptomatische bzw. Bei einem genetisch bedingten Parkinson-Syndrom tritt die Krankheit gehäuft in Familien auf. Atypische Parkinson-Syndrome treten im Zusammenhang mit anderen neurologischen Erkrankungen wie etwa der Lewy-Körper-Demenz auf. Das symptomatische bzw.
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Das primäre Parkinson-Syndrom entsteht in der Substantia Nigra im Mittelhirn. Die sich dort befindenden Nervenzellen (Neurone) produzieren den Botenstoff Dopamin, der für die Steuerung von Bewegungen wichtig ist, und können so mit anderen Nervenzellen kommunizieren. Doch aus bisher ungeklärten Gründen sterben diese Nervenzellen ab, sodass ein Dopaminmangel entsteht.
Symptome von Morbus Parkinson
Vor den Hauptsymptomen wie Bewegungsstörungen, Muskelsteifheit, Zittern und Gleichgewichtsstörungen können erste Frühsymptome auf Parkinson hindeuten. Da die Beschwerden sehr unspezifisch sind, werden sie häufig nicht mit der parkinsonschen Krankheit in Verbindung gebracht.
Die Bewegungen von Rumpf, Armen, Beinen und der Gesichtsmuskulatur sind verlangsamt (Bradykinese). Dies bewirkt Veränderungen der Körperhaltung, des Gangs, der Mimik, Sprache und Feinmotorik - wobei zunächst nur eine Körperhälfte betroffen ist. Es kommt zu zeitlichen Verzögerungen, wenn Patientinnen und Patienten ihren Arm oder ein Bein bewegen möchten. Auch Gangstörungen kommen hinzu. Dabei ziehen Betroffene beispielsweise ein Bein nach oder haben einen kleinschrittigeren Gang. Neben einer gebeugten Körperhaltung vermindert sich auch die Mimik des Gesichts. Sprachstörungen wie etwa eine leisere oder monotone Sprache begleiten das Krankheitsbild von Parkinson.
In der Regel zittern bei Betroffenen die Finger, Hände oder Arme, während sie im Ruhezustand sind. Durch die Störung der Reflexe, die für ein Ausbalancieren des Körpers während einer Bewegung sorgen, entstehen Gleichgewichtsstörungen. Unvorhergesehene Bewegungen können somit nicht mehr ausgeglichen werden.
Zusätzlich zu den Hauptsymptomen von Parkinson können weitere Symptome auftreten, die sich in ihrer Schwere zwischen einzelnen Betroffenen unterscheiden oder nicht bei jeder Patientin bzw. jedem Patienten vorkommen.
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Frühsymptome und Warnsignale
Das Parkinson-Syndrom entwickelt sich in der Regel schleichend. Bei vielen Betroffenen kündigt sich die Erkrankung zum Teil schon Jahre vor den Hauptsymptomen durch unspezifische Frühsymptome an.
Mögliche Anfangssymptome bei Parkinson sind:
- Betroffene sprechen, lachen oder gestikulieren, während sie träumen, weil diese Aktivitäten bei ihnen während des Traum-Schlafs nicht blockiert sind (REM-Schlaf-Verhaltensstörung), wie es bei gesunden Menschen der Fall ist.
- Der Geruchssinn ist vermindert oder fällt komplett aus (Hyposmie/Anosmie).
- Es kommt zu Missempfindungen und Schmerzen in Muskeln und Gelenken, besonders im Nacken, Rücken und in den Extremitäten.
- Tätigkeiten wie Aufstehen, Waschen oder Anziehen dauern länger als früher.
- Die Handschrift wirkt verkrampft und wird besonders am Ende einer Zeile oder Seite kleiner.
- Betroffene fühlen sich steif, zittrig und unsicher.
- Die Mimik lässt nach und das Gesicht verliert seinen Ausdruck.
- Es kommt zu körperlichen Beschwerden wie Verstopfung und Sehstörungen (zum Beispiel einem gestörten Farbensehen).
- Betroffene sind häufig müde und abgeschlagen und bewegen sich wenig.
- Es kommt bei Parkinson zu Persönlichkeitsveränderungen und zu Veränderungen des Gefühlslebens. Betroffene sind beispielsweise ohne besonderen Grund depressiv oder gereizt, ziehen sich sozial zurück und vernachlässigen ihre Hobbys.
Viele dieser Parkinson-Frühsymptome sind sehr unspezifisch. Das bedeutet, dass auch viele andere Ursachen möglich sind, zum Beispiel das höhere Alter. Deshalb werden sie oft nicht als frühe Anzeichen für Parkinson erkannt. Deshalb ist es besonders wichtig, sich bei einem entsprechenden Verdacht ärztlich untersuchen zu lassen. Nur so kann man zuverlässig feststellen, ob es sich wirklich um die Parkinson-Krankheit handelt.
Als wichtigstes frühes Anzeichen gilt die REM-Schlaf-Verhaltensstörung: Wer diese Form von Schlafstörung zeigt, hat generell ein erhöhtes Risiko für neurodegenerative Erkrankungen. Das sind fortschreitende Erkrankungen, die mit dem Verlust von Nervenzellen einhergehen. Die meisten Menschen mit einer REM-Schlaf-Verhaltensstörung entwickeln später Morbus Parkinson. Andere erkranken an einer bestimmten Form von Demenz, der sogenannten Lewy-Body-Demenz.
Begleitsymptome
Neben den Hauptsymptomen des Parkinson-Syndroms kommt es bei einigen Menschen zu weiteren Beschwerden. Diese sind aber nicht spezifisch für die Parkinson-Krankheit, sondern treten auch bei anderen Erkrankungen auf. Hierzu zählen zum Beispiel:
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- Psychische Auswirkungen: Es kommt bei Parkinson zu Auswirkungen auf die Gefühlswelt, zu Wesens- und Persönlichkeitsveränderungen wie Antriebslosigkeit, Depressionen oder Ängstlichkeit. Dies wirkt sich unter Umständen auf das Sozialverhalten der Betroffenen aus.
- Übermäßige Talg-Bildung der Gesichtshaut, die Haut wirkt fettig und glänzend (Salben-Gesicht)
- Sprechstörungen (oft leise, monotone, verwaschene Sprache)
- Bewegungsstörungen und Zittern der Augen (Augen-Tremor)
- Schluckstörungen
- Schlafstörungen
- Bei fortgeschrittener Erkrankung Störungen des vegetativen Nervensystems (zum Beispiel Blasenschwäche, Verstopfung, Erektionsstörungen, Absacken des Blutdrucks)
Viele Menschen mit Parkinson geben außerdem an, Schmerzen zu haben. Eine mögliche Ursache sind zum Beispiel Schmerzen, die durch die Muskelversteifung entstehen. Welche Schmerzen man bei Parkinson im Einzelfall hat, lässt sich jedoch nicht genau vorhersagen. Für Betroffene ist es ratsam, ihren Arzt nach einer Parkinson-Schmerztherapie zu fragen.
Einige Betroffene berichten zudem von einer Verschleimung, diese ist allerdings nicht typisch für die Erkrankung. Unter Umständen steht sie mit den bei Parkinson möglichen Schluckstörungen in Verbindung.
Schluckstörungen und Schleimbildung bei Parkinson
Schluckstörungen (Dysphagie) sind ein häufiges Problem bei Menschen mit Parkinson. Sie entstehen durch die beeinträchtigte Funktion der Muskeln, die am Schluckvorgang beteiligt sind. Dies kann dazu führen, dass Speichel, Nahrung und Flüssigkeiten nicht richtig in die Speiseröhre transportiert werden und stattdessen in die Atemwege gelangen (Aspiration).
Die orale Phase des Schluckens ist bei Menschen mit Parkinson oft gestört. Durch die verminderte Flotationsbewegung des Kiefers und die Abnahme der Beweglichkeit/Kraft der Zunge kann der Speisebrei (Bolus) nicht richtig geformt und der Transport der Nahrung beeinträchtigt werden. Die Speise verbleibt zu lange im vorderen Mund, der Schluckreflex wird zu spät oder gar nicht ausgelöst, was zum unkontrollierten Überlaufen der Nahrung oder Flüssigkeiten in den Rachen führt (Leaking). Weiter führen Bewegungseinschränkungen im Rachen- und Kehlkopfbereich zu einem verlangsamten Nahrungstransport durch den Rachen und zu einem reduzierten Kehlkopfverschluss, der dringend nötig ist, um den "falschen Weg“ der Nahrung in die Luftröhre zu verhindern. Nahrungsreste verbleiben im Rachen und werden aufgrund von Wahrnehmungsproblemen nicht bemerkt.
Die Aspiration kann zu Husten, Würgen, Heiserkeit und im schlimmsten Fall zu einer Lungenentzündung führen. Zudem kann sie die Schleimbildung in den Atemwegen verstärken.
Menschen mit Parkinson schlucken deutlich weniger als gesunde Personen. Aus diesem Grund leiden etwa 70 Prozent der Betroffenen an einem verminderten Abschlucken von Speichel bzw. störendem Speichelaustritt aus dem Mund. Erstaunlicherweise kann man bei Parkinson neben einem verstärkten Speichelfluss auch das Phänomen der zum Teil akuten Mundtrockenheit beobachten (Xerostomie), die aufgrund einer verminderten Produktion von Speichel entsteht.
Was kann man gegen Schluckstörungen und Schleimbildung tun?
- Logopädie: Eine logopädische Therapie kann helfen, die Schluckmuskulatur zu stärken und die Koordination des Schluckvorgangs zu verbessern.
- Anpassung der Ernährung: Weiche, pürierte oder angedickte Speisen sind leichter zu schlucken. Es ist wichtig, ausreichend Flüssigkeit zu sich zu nehmen, um den Speichel dünnflüssig zu halten.
- Schlucktechniken: Bestimmte Schlucktechniken, wie z.B. das Kinn zur Brust neigen beim Schlucken, können helfen, die Aspiration zu verhindern.
- Medikamente: In manchen Fällen können Medikamente helfen, die Speichelproduktion zu reduzieren oder die Muskelspannung zu verbessern.
- Bewusstes Schlucken: Liegt lhr Problem in einer verminderten Schluckrate sollten Sie versuchen, bewusst zu schlucken, auch wenn Sie weder essen noch trinken. Üben Sie 2x täglich mit dem "Schluck-Wecker": Stellten Sie sich alle zwei Minuten über einen Zeitraum von 30 Minuten einen Wecker - schlucken Sie bei jedem Klingeln Ihren Speichel. Die Schluckfrequenz erhöht sich damit nach drei Wochen und der Speichelfluss wird weniger.
- Klinische Schluckuntersuchung (KSU): Durch die klinische Schluckuntersuchung (KSU) soll das Vorhandensein sowie die Schwere von Schluckstörungen festgestellt werden - gegebenenfalls werden weitere Untersuchungsverfahren eingeleitet.
Schluckstrategien im Eigentraining
Es gibt verschiedene, zielgerichtete Behandlungsmethoden und Übungen, um bestehende Schluckstörungen zu überwinden. Diese lassen sich in drei Gruppen unterteilen:
- RESTITUIERENDE VERFAHREN (RV): Dienen zum Aufbau erhaltener Restfunktionen und streben eine maximale Beweglichkeit an (Mobilisation).
- KOMPENSATORISCHE VERFAHREN (KV): Zum Erlernen von Schlucktechniken und Haltungsänderungen, um den Schluckakt zu unterstützen.
- ADAPTIERENDE VERFAHREN (AV): Beinhalten eine Kostanpassung bzw. einen Einsatz spezieller Ess- und Trinkhilfen (z. B. Andickungsmittel).
Weitere Hinweise für die Nahrungsaufnahme
- Salziges fördert dünnflüssigen Speichel.
- Säurehaltiges regt die Speichelproduktion an.
- Süßigkeiten, Milch und Milchcremes (außer Joghurt oder Sauermilch) eher vermeiden - sie fördern dicken, schleimigen Speichel.
- Lange kauen, Nahrung gut einspeicheln.
- Eher "feuchte Kost" zu sich nehmen (z. B. Suppen, Soßen).
- Benutzen Sie einen flachen Löffel.
- Trinken Sie möglichst aus breiten Tassen oder ausgeschnittenen Bechern.
- Sitzen Sie beim Essen aufrecht und halten Sie Ihren Kopf dabei so gerade wie möglich.
- Konzentrieren Sie sich auf das Essen und vermeiden Sie Ablenkung, z. B. durch den Fernseher.
- Bereiten Ihnen harte Nahrungsmittel beim Schlucken Schwierigkeiten, versuchen Sie nicht, diese mit Flüssigkeit hinunterzuspülen - greifen Sie besser nach weicheren Alternativen.
- Dicke Soßen und Dips können zusätzlich helfen, die Nahrung im Mund besser unter Kontrolle zu bringen.
Sialorrhö (vermehrter Speichelfluss)
Ein vermehrter Speichelfluss kann viele Ursachen haben; er tritt beispielsweise als Nebenwirkung mancher Medikamente auf. Auch wenn es sich zunächst harmlos anhört: Ein übermäßig gesteigerter Speichelfluss (Sialorrhö, Hypersalivation oder Ptyalismus) ist eine ernst zu nehmende Erkrankung, da er für die Betroffenen sehr belastend ist. Denn von der Umwelt wird eine Sialorrhö oft als »feuchte Aussprache« oder »Sabbern« negativ wahrgenommen. Neben sozialer Ausgrenzung kann sie zu medizinischen Problemen führen. Hautinfektionen, Husten, Würgen und Erbrechen sind möglich.
Eine Sialorrhö kommt zustande, wenn die Produktion vermehrt ist und der Speichel nur ungenügend abfließen kann. Meist ist bei neurologischen Krankheitsbildern nicht die Produktion erhöht, sondern der Abfluss behindert durch Schluckstörungen oder erniedrigte Schluckfrequenzen. Ein vermehrter Speichelfluss kann als Nebenwirkung einiger Medikamente und als Vergiftungserscheinung auftreten.
Behandlung von Sialorrhö
Bei der Behandlung sollte versucht werden, zuerst die Ursache oder Grunderkrankung zu beseitigen. Falls das nicht gelingt, können Arzneistoffe zur Reduktion der Speichelproduktion beitragen. Zur Behandlung der Sialorrhö ist derzeit kein Medikament explizit zugelassen. Genutzt wird vor allem die anticholinerge Wirkung von Parasympatholytika. Muscarinrezeptor-Antagonisten wie Scopolamin oder Atropin reduzieren deutlich die Speichelproduktion. Auch die Anwendung von Botulinumtoxin rückt immer mehr in den Fokus.
Diagnose von Morbus Parkinson
Eine Diagnose der neurologischen Erkrankung Morbus Parkinson wird in der Regel durch eine körperliche Untersuchung und ein ausführliches Gespräch bei einer Neurologin oder einem Neurologen gestellt. Zusätzlich werden die Reflexe, die Empfindlichkeit gegenüber Schmerz oder Druck und die Beweglichkeit getestet. Für eine noch sicherere Diagnosestellung der „Schüttelkrankheit“ kann der sogenannte L-Dopa-Test durchgeführt werden. Da Parkinson insbesondere im Anfangsstadium nur schwer von anderen Erkrankungen unterschieden werden kann, ist es sinnvoll, die Beschwerden und deren Entwicklung genau zu beobachten. Mit dem L-Dopa-Test wird das Medikament Levodopa verabreicht und geprüft, ob die Symptome abnehmen.
Die Diagnose des idiopathischen Parkinsonsyndroms (IPS) wird klinisch gestellt. Dazu gehört eine komplette neurologische Untersuchung mit besonderem Augenmerk auf:
- Anamnestische Angaben zu Beginn und Dauer der Beschwerden, Seitenbetonung, autonomen Funktionen, Familienanamnese
- Bradykinese (Supinationsbewegungen der oberen Extremität, Faustöffnung und -schluss, repetitive Zeigefinger-Daumen-Kontakte)
- Rigor (leichte Flexions- und Extensionsbewegungen im Hand- und Ellbogengelenk, Tonuszunahme der kontralateralen Hand bei Faustschluss)
- Tremor
- Posturale Instabilität (Patient steht mit geschlossenen Beinen und wird an den Schultern nach ventral oder dorsal ausgelenkt - mehr als ein Ausfallschritt pathologisch)
- Okkulomotorikstörungen (Sakkadengeschwindigkeit, vertikale Blickparese, Vestibulookulärer Reflex (VOR), Fixationssuppression des VOR)
- Frontale Zeichen (z.B. Nachahmung von Handlungsabfolgen)
Weiterführende Untersuchungen:
- Fluordesoxyglucose Positronen-Emissions-Tomographie - FDG-PET (in besonderen, gut begründeten Fällen zur Abgrenzung anderer neurodegenerativer Erkrankungen, off-label)
- Präsynaptische Dopamin-Single-Photonen-Emissions-Computertomographie - DAT-SPECT (bei klinisch unklarem Parkinson- oder Tremor-Syndroms zum Nachweis eines nigrostriatalen Defizites)
- myokardiale 123MIBG-SPECT (zur Unterscheidung von IPS und Multisystematrophie)
- validierte Geruchstestung (Frühsymptom)
- Transkranielle Sonographie (nur erfahrene Untersucher)
- Genetische Testung (auf Wunsch des Patienten, wenn mindestes zwei erstgradige Verwandte ebenfalls erkrankt sind oder bei Manifestation vor dem 45. Lebensjahr)
Behandlung von Morbus Parkinson
Die Parkinson-Krankheit ist bisher nicht heilbar. Dennoch lässt sie sich gut mit Medikamenten wie Levodopa behandeln, welche die Erkrankung zwar nicht verlangsamen, doch ihre Symptome lindern. Ein chirurgischer Eingriff am Gehirn, die sogenannte Tiefe Hirnstimulation, wird ebenfalls zur Behandlung der Krankheit eingesetzt.
Zu den wirksamsten Medikamenten bei Parkinson gehört Levodopa. Nimmt der Körper das Medikament in die Nervenzellen auf, kann es Dopamin daraus herstellen. Dopamin-Agonisten sind dem Dopamin chemisch ähnliche Moleküle, die wie der natürliche Botenstoff wirken. Zur Unterstützung von Levodopa und Reduzierung seiner Nebenwirkungen werden COMT-Hemmer und MAO-B-Hemmer verwendet.
Mittels Physiotherapie werden die Beweglichkeit, Reaktionsfähigkeit und die Stabilität des Körpers gefördert. Die Sprechtherapie dient der Verbesserung der Sprechstörung. Dabei werden die Muskeln für die Lautstärke der Stimme, die Atemtechnik und eine klare Aussprache trainiert. Bei der Ergotherapie üben an Parkinson Erkrankte Alltagsbewegungen und -tätigkeiten.
Für die medikamentöse Behandlung des IPS stehen zahlreiche Medikamente zur Verfügung. Hierzu gehören:
- Levodopa (in Kombination mit einem Decarboxylasehemmer)
- Dopaminagonisten (Non-Ergot-Dopaminagonisten wie Piribidil, Pramipexol, Ropinirol, Rotigotin, Apomorphin und Ergot-Dopaminagonisten wie Bromicriptin, Cabergolin, α-Dihydroergocriptin, Lisurid, Pigolid)
- MAO-B-Hemmer (Selegilin, Rasagilin)
- COMT-Inhibitoren (Entacapon, Tolcapon)
- NMDA-Antagonisten (Amantadin, Budipin)
- Anticholinergika (z.B. Biperiden)
Frühe Stadien des IPS: Hier werden zur symptomatischen Therapie Levodopa (möglichst niedrige, aber ausreichende Dosis), Dopamin-Agonisten oder MAO-B-Hemmer empfohlen. Dabei sollten Ergot-Dopaminagonisten nur eingesetzt werden, wenn die Therapie mit den schlechter verträglichen non-Ergot-Dopaminagonisten nicht ausreichend wirkt oder nicht vertragen wird. Amantadin kann als Mittel der zweiten Wahl bei frühen IPS-Formen erwogen werden. Anticholinergika werden aufgrund des ungünstigen Nutzen-Schaden-Profils nicht als Mittel der ersten Wahl und schon gar nicht bei geriatrischen Patienten empfohlen.
Wirkfluktuationen (jeweils in Kombination mit Levodopa):
- Dopaminagonisten
- COMT-Hemmer
- MAO-Hemmer
- In schweren Fällen evtl. subkutane Apomorphin-Injektionen oder subkutane Pumpentherapie
Dyskinesien: Kombinationen verschiedener Antiparkinson-Medikamente, evtl. Amantadin
Nichtmedikamentöse Therapien:
- Physiotherapie
- Logopädie
- Ergotherapie
Tiefe Hirnstimulation
Bei neurologischen Bewegungsstörungen ist die tiefe Hirnstimulation eine gut etablierte Therapieoption. Viele Patienten mit Parkinson-Syndrom profitieren enorm von einer tiefen Hirnstimulation.
Verlauf von Morbus Parkinson
Der Verlauf des Parkinson-Syndroms lässt sich in fünf Stadien beschreiben:
- Anfangsstadium (Stadium 0)
- Einsetzen der Beschwerden (Stadium 1)
- Beidseitige Beschwerden (Stadium 2)
- Langsamere Bewegungen (Stadium 3)
- Stark erkennbare Beschwerden (Stadium 4)
- Hilfs- und Pflegebedürftigkeit (Stadium 5)
Im Anfangsstadium lassen noch keine Symptome darauf hindeuten, dass Parkinson bei einer Person vorliegt, was eine frühzeitige Diagnose dieser Krankheit so schwierig macht. Das erste Stadium zeichnet sich dann durch erste Symptome wie Zittern, eine veränderte Mimik und Körperhaltung auf einer Körperseite aus. Die Parkinson-Erkrankung ist im zweiten Stadium auf beiden Körperhälften sichtbar. Zu den bisherigen Symptomen können Antriebslosigkeit und Sprechstörungen hinzukommen. Das vierte Stadium ist gekennzeichnet durch eine ausgeprägte Symptomatik. Zwar können Patientinnen und Patienten in diesem Stadium noch stehen und gehen. Im letzten und fünften Stadium sind Parkinsonpatienten und -patientinnen auf vollständige Hilfe oder Pflege angewiesen und können sich zunächst mit Gehhilfen oder einem Rollstuhl fortbewegen.
Kommt es bei Parkinson zum Endstadium, sind die meisten Patientinnen und Patienten bettlägerig und pflegebedürftig.
Leben mit Parkinson
Die Lebenserwartung von Menschen mit Parkinson hängt von individuellen Faktoren ab wie der jeweiligen Parkinson-Form, dem Stadium, dem Gesundheitszustand und dem Alter des oder der Betroffenen. An Parkinson Erkrankte sollten möglichst auf Fertiggerichte, gesättigte Fettsäuren und übermäßigen Zuckerkonsum verzichten. Viel Bewegung und eine gute Ernährungsweise zahlt sich insbesondere auch für Parkinsonpatienten aus.
Rigor bei Parkinson
Als Rigor bezeichnet man durchgehend unwillkürlich angespannte Muskeln. Er ist eines der Hauptsymptome bei Parkinson und entsteht aufgrund der damit einhergehenden Nervenschäden im Gehirn. Muskelsteifigkeit kann jedoch auch im Zusammenhang mit verschiedenen Erkrankungen, Verletzungen oder Nebenwirkungen von Arzneimitteln auftreten. Die Therapie richtet sich nach der zugrundliegenden Ursache.
Der Rigor unterscheidet sich von einer Spastik (auch Spastizität), bei der die Anspannung der Muskeln zunimmt, je schneller sie passiv bewegt werden. Beim Rigor ist die Spannung der Muskeln unabhängig davon, wie schnell oder in welche Richtung die Gliedmaßen von außen bewegt werden.
Wie entsteht Rigor?
Es gibt zwei Wege, über die ein schwerer Rigor entstehen kann: Entweder sind die hemmenden Nervenzellen (Neuronen) ausgefallen, die der Anspannung des Muskels entgegenwirken oder die Nervenzellen, die zur Anspannung des Muskels führen (α-Motoneuronen), werden permanent angeregt.
Wie behandelt der Arzt Rigor?
Da Rigor in den meisten Fällen nur ein Symptom einer anderen Erkrankung ist, wird er selten direkt behandelt. Bei Entzündungen oder Muskelverletzungen kommen nichtsteroidale entzündungshemmende Medikamente (NSAID) zum Einsatz. Ist ein Arzneimittel die Ursache, besteht die Möglichkeit, die Dosis anzupassen oder auf eine alternative Medikation umzustellen. Bei Parkinson ist der Ansatzpunkt die zugrundliegende fehlerhafte Ansteuerung der Muskeln durch das Gehirn. Dann kommen NMDA-Rezeptor-Antagonisten zum Einsatz. Lange Phasen der Inaktivität vermeiden (z. B. durch Physiotherapie).
Forschung und Ausblick
Bisher ist es mit keinem Medikament gelungen, die Progression eines Morbus Parkinson aufzuhalten. Die Forschung arbeitet intensiv daran, die Ursachen der Erkrankung besser zu verstehen und neue Therapieansätze zu entwickeln. Möglicherweise hilft regelmäßiger Sport.
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