Migräne ist eine neurologische Erkrankung, von der in Deutschland schätzungsweise acht bis zwölf Millionen Menschen betroffen sind. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft Migräne als eine der Erkrankungen ein, die den Alltag der Betroffenen am stärksten beeinträchtigen. Trotz dieser hohen Prävalenz werden die Symptome oft nicht richtig erkannt und diagnostiziert. Obwohl Migräne nicht heilbar ist, da ihre Ursachen noch immer nicht vollständig geklärt sind, gibt es vielfältige Therapieansätze, die den Betroffenen helfen können, ihr Leiden zu lindern und ihre Lebensqualität zu verbessern.
Ursachen und Auslöser der Migräne
Die Entstehung von Migräne ist komplex und noch nicht vollständig verstanden. Fest steht, dass sich die Gefäße in der Hirnhaut während einer Attacke weiten und entzünden. Dahinter verbirgt sich eine Kaskade von Prozessen im Gehirn, bei der verschiedene Botenstoffe und Neurotransmitter eine Rolle spielen. Verspannungen in der Schulter- und Nackenmuskulatur können ebenfalls als Auslöser oder Verstärker von Attacken wirken.
Migräneanfälle sind genetisch bedingt, werden aber oft durch bestimmte Trigger ausgelöst. Zu den häufigsten Triggern gehören:
- Stress
- Anstrengungen
- Hormonelle Umstellungen
- Veränderungen im Tagesrhythmus
- Bestimmte Lebensmittel
Bei jungen Betroffenen kann die migränetypische Erweiterung der Blutgefäße das Risiko für einen Schlaganfall erhöhen.
Symptome der Migräne
Zentrales Symptom einer Migräne sind die häufig einseitigen, pulsierend-pochenden Kopfschmerzen. Begleitend treten oft Übelkeit mit Erbrechen, extreme Licht-, Geräusch- und Geruchsempfindlichkeit auf. Frauen sind häufiger betroffen als Männer. Bei Kindern äußern sich die Kopfschmerzen oft im gesamten Kopf, begleitet von den genannten Symptomen. Eine Attacke kann zwischen vier und 72 Stunden dauern. Währenddessen ist es für die Betroffenen fast unmöglich, ihren Alltag zu bestreiten. Jede Bewegung verstärkt die Kopfschmerzen.
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Etwa 10 Prozent der Migräniker leiden zusätzlich an Aura-Symptomen, die der eigentlichen Attacke vorausgehen. Diese äußern sich oft in Seh- und anderen Wahrnehmungsstörungen. Symptome können Schwindel, Übelkeit oder Taubheitsgefühle sein. Auch Lähmungserscheinungen, Sprachstörungen und Sehstörungen kommen vor.
Diagnose der Migräne
Die Diagnose von Migräne erfordert eine ausführliche Anamnese und gegebenenfalls eine neurologische Untersuchung, um andere Ursachen auszuschließen. Es ist wichtig, dass die Migräne als ernstzunehmende Erkrankung wahrgenommen wird. Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) hat eine Initiative gestartet, um Hausärzte und hausärztliche Internisten besser zu informieren und zu schulen, um die Versorgung von Migränepatienten flächendeckend zu verbessern.
Akuttherapie der Migräne
Bei leichten bis mittelschweren Attacken können Standard-Schmerzmittel wie Acetylsalicylsäure (ASS) oder Ibuprofen helfen. Bei stärkeren Attacken kommen Triptane zum Einsatz. Eine aktuelle Metaanalyse von Forschenden des dänischen Kopfschmerzzentrums in Kopenhagen hat ergeben, dass Eletriptan, Rizatriptan, Sumatriptan und Zolmitriptan die wirksamsten Triptane zur oralen Einnahme sind.
Allerdings bergen Triptane, wie alle Schmerzmittel, bei übermäßigem Gebrauch die Gefahr eines medikamenteninduzierten Kopfschmerzes. Eine chronische Migräne liegt vor, wenn die Betroffenen mehr Kopfschmerztage als schmerzfreie Tage im Monat haben. Durch Übergebrauch von Schmerzmitteln kann es zum Status migraenosus kommen, bei dem eine Migräneattacke in die nächste übergeht.
Vorbeugende Maßnahmen und Therapien
Neben der Akuttherapie gibt es verschiedene Möglichkeiten, Migräneanfällen vorzubeugen. Ziel ist es, die Häufigkeit, Intensität und Dauer der Attacken zu reduzieren und die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern.
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Medikamentöse Prophylaxe
Zur medikamentösen Prophylaxe werden Wirkstoffe eingesetzt, die ursprünglich zur Behandlung von Bluthochdruck, Depressionen oder Epilepsie zugelassen wurden. Dazu gehören:
- Betablocker (Metoprolol, Propanolol)
- Kalziumantagonisten (Flunarizin)
- Valproinsäure
- Botulinumtoxin
- Antidepressiva (Amitriptylin)
Seit 2018 gibt es zudem eine Antikörpertherapie mit dem Wirkstoff Erenumab. Diese Medikamente greifen direkt in den Migränemechanismus ein und haben in Studien gezeigt, dass sie in mindestens 50 Prozent der Fälle eine Verbesserung bewirken. Allerdings sind bei allen Wirkstoffen mögliche Nebenwirkungen und Einschränkungen in der Anwendung aufgrund von Begleiterkrankungen zu berücksichtigen.
Nicht-medikamentöse Therapien
Ergänzend zur medikamentösen Therapie können verschiedene nicht-medikamentöse Verfahren helfen, Migräneanfälle zu reduzieren und die Lebensqualität zu verbessern. Dazu gehören:
- Physiotherapie: Passive Dehnübungen und aktive Übungen können helfen, Fehlhaltungen und muskulären Problemen im Bereich von Wirbelsäule, Rücken-, Hals- und Kopfmuskulatur entgegenzuwirken. Leichter Ausdauersport wie Nordic Walking ist ebenfalls sinnvoll, wobei der Puls kontrolliert werden sollte, um Überanstrengung zu vermeiden.
- Verhaltenstherapie: Sie kann helfen, den Tagesrhythmus besser zu strukturieren, Trigger zu identifizieren und die Anzahl und Dauer der Attacken zu minimieren.
- Entspannungstechniken: Yoga, Pilates oder progressive Muskelentspannung können zu einer besseren Lebensqualität beitragen.
- Ernährungsumstellung: Eine ausgewogene Ernährung und der Verzicht auf Alkohol und Zigaretten können ebenfalls positive Effekte haben.
- Biofeedback: Mit dieser Methode können Migräniker lernen, unbewusst ablaufende Prozesse wie Anspannung im Körper oder die Weite der Gefäße im Kopf zu beeinflussen.
Multimodale Therapie
Eine multimodale Therapie kombiniert verschiedene Behandlungsansätze und wird individuell auf den Patienten abgestimmt. Sie umfasst in der Regel Medikamente, Physiotherapie, Verhaltenstherapie, Entspannungstechniken und Sport. Ziel ist es, Beschwerden einzugrenzen, Trigger-Faktoren zu erkennen und zu vermeiden, die Einnahme von Medikamenten zu reduzieren, Migräneattacken zu reduzieren, abzumildern und zu verkürzen sowie Alltagskonzepte für den Umgang mit der Krankheit zu entwickeln.
Einige spezialisierte Zentren in Deutschland bieten stationäre oder ambulante multimodale Therapien an.
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Migräne bei Kindern und Jugendlichen
Migräne tritt auch bei Kindern und Jugendlichen immer häufiger auf. Spezielle Medikamente für diese Altersgruppe gibt es nicht. Studien zeigen, dass Stress in der Schule, mit Freunden oder in der Familie sowie der Umgang mit Smartphones zu steigenden Fallzahlen führen können.
Die Therapie bei Kindern und Jugendlichen setzt daher auf interdisziplinäre Ansätze, insbesondere Physiotherapie, um die Muskeln zu entspannen. Verhaltenstherapie kann helfen, die eigenen Bedürfnisse und Gefühle wahrzunehmen und Stress abzubauen.
Neue Entwicklungen in der Migränetherapie
In den letzten Jahren gab es bedeutende Fortschritte in der Migränetherapie. Seit 2018 sind in Deutschland Medikamente mit Antikörpern gegen das Protein CGRP (Calcitonin Gene-Related Peptide) verfügbar. Diese Medikamente sind speziell auf die Migräne ausgerichtet und haben sich als wirksam und gut verträglich erwiesen.
Leben mit Migräne
Migräne kann das Leben der Betroffenen stark beeinträchtigen. Es ist wichtig, die Erkrankung ernst zu nehmen und sich professionelle Hilfe zu suchen. Mit einer individuellen Therapie und einem angepassten Lebensstil können Migräniker ihre Lebensqualität deutlich verbessern und ein aktives und erfülltes Leben führen. Es ist wichtig, sich nicht von der Migräne kontrollieren zu lassen, sondern die Kontrolle über die Erkrankung zu übernehmen.
Jodversorgung: Ein wichtiger Faktor für die Gesundheit
Ein weiteres wichtiges Thema im Zusammenhang mit der Gesundheit ist die Jodversorgung. In Deutschland besteht bei 32 Prozent der Erwachsenen und 44 Prozent der Kinder das Risiko für einen Jodmangel. Jod ist ein essentielles Spurenelement, das der Körper nicht selbst produzieren kann, aber für die Herstellung von Schilddrüsenhormonen benötigt wird. Ein Jodmangel kann verschiedene gesundheitliche Folgen haben. Es ist daher wichtig, auf eine ausreichende Jodversorgung über die Ernährung zu achten. Jodreiche Lebensmittel sind beispielsweise Seefisch, Algen und mit Jod angereichertes Speisesalz.
Menopause: Gut durch die Wechseljahre kommen
Auch die Menopause, die Wechseljahre der Frau, ist ein wichtiges Gesundheitsthema. Hitzewallungen, Stimmungsschwankungen und Schlafstörungen sind häufige Begleiterscheinungen dieser Lebensphase. Eine Hormontherapie kann helfen, die Beschwerden zu lindern, birgt aber auch Risiken. Es gibt auch alternative Behandlungsmöglichkeiten. Es ist wichtig, sich umfassend zu informieren und gemeinsam mit dem Arzt die beste Therapie zu finden.
Sturzprophylaxe im Alter
Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko, das Gleichgewicht zu verlieren und zu stürzen. Muskelschwäche, unsicherer Gang und schlechtere Augen sind Faktoren, die dazu beitragen können. Fast ein Drittel der Senioren über 65 Jahre stürzt mindestens einmal im Jahr. Knochenbrüche und andere Verletzungen können die Folge sein. Es ist daher wichtig, Maßnahmen zur Sturzprophylaxe zu ergreifen, wie z.B. Bewegungstraining, Verbesserung der Sehfähigkeit und Anpassung des Wohnumfelds.
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