Mortalität bei Parkinson-Demenz: Studien und Erkenntnisse

Einführung

Die Parkinson-Krankheit ist eine gefürchtete Erkrankung, die durch schwere motorische Symptome wie Zittern, Muskelsteifheit und verlangsamte Bewegungen gekennzeichnet ist. Häufig treten begleitende Symptome wie Schluckstörungen, Verstopfung, Inkontinenz sowie Depressionen auf. Im Spätstadium der Erkrankung kann es zu einer demenziellen Entwicklung kommen. Obwohl Parkinson selbst selten direkt zum Tod führt, sterben Betroffene oft an Begleitkomplikationen wie Lungenentzündungen oder Sepsis. Eine aktuelle Statistik zeigt einen Anstieg an Todesfällen aufgrund der Parkinson-Erkrankung, was die Notwendigkeit von Präventionsmaßnahmen unterstreicht.

Zusammenhang zwischen Gehirnerschütterungen und Parkinson

Eine im JAMA Neurology veröffentlichte US-Kohortenstudie (2016) deutet darauf hin, dass Menschen, die im Laufe ihres Lebens eine Gehirnerschütterung mit Bewusstseinsstörung erlitten haben, im späteren Leben häufiger an Morbus Parkinson erkranken. Überraschenderweise konnte in derselben Studie keine Assoziation mit Demenzen oder Morbus Alzheimer nachgewiesen werden.

Es wird seit Längerem vermutet, dass traumatische Hirnverletzungen das Risiko für die Entwicklung einer neurodegenerativen Hirnerkrankung erhöhen. Frühere Studien haben bereits eine Verbindung zwischen Gehirnerschütterungen und Morbus Alzheimer gefunden, und das Institute of Medicine betrachtet traumatische Hirnverletzungen als etablierten Risikofaktor für Demenzen. Die wissenschaftliche Beweislage für einen Zusammenhang mit Morbus Parkinson war bisher weniger überzeugend.

Studienergebnisse

Eine Analyse von drei amerikanischen Kohortenstudien liefert nun wissenschaftliche Belege für ein erhöhtes Parkinson-Risiko nach Gehirnerschütterungen. In der „Adult Changes in Thought study" (ACT) war eine Bewusstlosigkeit von mehr als einer Stunde mit einem mehr als dreifach erhöhten Risiko verbunden (Hazard Ratio 3,56; 95-Prozent-Konfidenzintervall 1,52-8,28). In der Religious Orders Study (ROS) und dem Memory and Aging Project (MAP) war auch nach kürzerer Bewusstlosigkeit ein Fortschreiten von Parkinson-ähnlichen Symptomen erkennbar.

Paul Crane von der University of Washington School of Medicine in Seattle und seine Mitarbeiter präsentierten eine umfassende Untersuchung zu dieser Fragestellung mit Daten von 7.130 älteren Erwachsenen. Die Studie zeichnete sich durch regelmäßige, genaue Untersuchungen der Teilnehmer und die Möglichkeit zur Untersuchung des Gehirns von 1.652 Teilnehmern nach ihrem Ableben aus.

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Die Forscher konnten feststellen, dass Gehirnerschütterungen, die in jungen Jahren auftraten, im Alter zu krankheitsspezifischen Ablagerungen im Gehirn führten. Bereits Gehirnerschütterungen mit kürzerer Bewusstlosigkeit waren mit einem häufigeren Nachweis von Lewy-Körpern im frontalen und temporalen Cortex verbunden (relatives Risiko RR 1,59; 1,06-2,39). Bei einer Bewusstlosigkeit von mehr als einer Stunde stieg das Risiko an (RR 1,78; 0,82-3,77), und es kam häufiger zu Mikroblutungen (RR, 1,58; 1,06-2,35).

Implikationen für die klinische Medizin

Die Ergebnisse der Studie legen nahe, dass Gehirnerschütterungen in der Vorgeschichte nicht zu einer vorschnellen Diagnose einer Demenzerkrankung führen sollten. Hinter einer Gedächtnisstörung könnte sich auch ein beginnender Morbus Parkinson oder eine Lewy-Körper-Demenz verbergen. Zu Beginn der Erkrankung sind die Krankheitsbilder oft schwer zu unterscheiden.

Anstieg der Parkinson-bedingten Todesfälle

Eine aktuelle Statistik aus Nordrhein-Westfalen (NRW) zeigt einen besorgniserregenden Anstieg der Todesfälle aufgrund der Parkinson-Erkrankung. Im Jahr 2023 starben 2.950 Menschen aus NRW an den Folgen dieser Krankheit, was einem Anstieg von 66,3 Prozent gegenüber 2013 entspricht (1.774 Fälle). Dieser Anstieg spiegelt den seit Jahren beobachteten Aufwärtstrend der Erkrankungsraten wider und wird sich voraussichtlich fortsetzen.

Globale Perspektive

Schätzungen zufolge waren 2016 weltweit etwa 6,1 Millionen Menschen von Parkinson betroffen, 2021 bereits 11,9 Millionen. Bis 2050 soll sich diese Zahl sogar auf 25,2 Millionen erhöhen. Dieser rasante Anstieg der Mortalitätsrate unterstreicht die Notwendigkeit verstärkter Präventionsmaßnahmen.

Prävention und Lebensstil

Expertinnen und Experten raten dazu, Präventionsmaßnahmen gesamtgesellschaftlich stärker in den Blick zu nehmen. Ein gesunder Lebensstil mit ausgewogener Ernährung und viel Bewegung kann das Risiko für neurodegenerative Erkrankungen signifikant reduzieren. Auch gesamtgesellschaftliche Anstrengungen zur Reduzierung von Umwelteinflüssen wie Luftverschmutzung und Exposition gegenüber Schwermetallen und Giften sind wichtig.

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Mortalitätsrisiko und Begleiterkrankungen

Parkinson selbst führt in der Regel nicht zum Tod. Die Betroffenen versterben meist an Begleitkomplikationen wie Lungenentzündungen, Stürzen mit Komplikationen oder Sepsis bei Harnwegsinfekten. Eine aktuelle Studie aus NRW zeigt, dass die meisten an Parkinson Verstorbenen ältere Menschen waren, wobei fast drei Viertel (73,3 Prozent) 80 Jahre oder älter waren.

Lebenserwartung trotz Parkinson

Trotz des Risikos für Folgekomplikationen ist die Lebenserwartung der Parkinson-Patienten in Deutschland hoch und liegt sogar etwas über der der Allgemeinbevölkerung. Dies deutet auf eine hohe Qualität der Versorgung hin.

Kognitive Beeinträchtigungen und Mortalität

Kognitive Störungen und Demenzen treten häufig im Rahmen der Parkinson-Krankheit auf. Eine Studie aus Schweden untersuchte den Zusammenhang zwischen Gedächtnisleistung und Sterberisiko bei Parkinson-Patienten. Patienten, die schon zu Beginn der Studie Probleme mit der Merk- und Denkfähigkeit hatten, trugen ein mehr als doppelt so hohes Sterberisiko als Personen ohne solche Defizite.

Verhaltensbezogene und psychologische Symptome (BPSD)

Je schwerer die verhaltensbezogenen und psychologischen Symptome (BPSD) bei Menschen mit Demenz sind, desto mehr steigt das Sterblichkeitsrisiko an. Insbesondere Essstörungen, Unruhe, Apathie und Halluzinationen sind mit einem höheren Sterblichkeitsrisiko verbunden. Die Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung einer angemessenen Behandlung von BPSD.

Prävention kognitiver Störungen bei Parkinson

Während die Demenzprävention insbesondere im Kontext der Alzheimer-Krankheit starkes Interesse auf sich zieht, wurde die Prävention kognitiver Störungen bei Parkinson bisher kaum berücksichtigt. Das kognitive Kontinuum bei Parkinson erstreckt sich von altersgemäßen kognitiven Leistungen über eine leichte kognitive Störung (PD-MCI) bis hin zur Parkinsondemenz (PDD).

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Risikofaktoren und kognitive Reserve

Die kognitiven Profile von Parkinson-Patienten können sehr heterogen sein. Risikofaktoren für eine frühe Progression zur PDD sind u. a. höheres Alter, männliches Geschlecht, geringere Bildung, visuelle Halluzinationen und Schwere der motorischen Symptomatik. Die kognitive Reserve, die über die Lebensspanne aufgebaut wird, kann die Widerstandskraft gegenüber Hirnschädigungen erhöhen.

Präventionsstrategien

Nach neuen Berechnungen wären weltweit ca. 45 % aller Demenzen verhinderbar oder könnten verzögert werden, wenn alle identifizierten modifizierbaren Risikofaktoren optimiert werden würden. Zu diesen Risikofaktoren gehören u. a. geringe Bildung, Hörminderung, Schädel-Hirn-Trauma, Bluthochdruck, Rauchen, Depressionen, soziale Isolation und physische Inaktivität.

Wissensstand der Bevölkerung zur Demenzprävention

Befragungen der Allgemeinbevölkerung zeigen, dass diese nur ungenügend über das Thema Demenzprävention informiert ist. Viele Menschen sind davon überzeugt, dass Demenzprävention nicht möglich sei. Es besteht ein Bedarf an verstärkter Aufklärung und Information über modifizierbare Risikofaktoren und präventive Maßnahmen.

Prävention in der klinischen Versorgung von Parkinson-Patienten

Es stellt sich die Frage, wie das Thema Prävention kognitiver Störungen stärkeren Eingang in die klinische Versorgung von Parkinson-Patienten finden kann. Die anamnestische und psychometrische Erfassung der geistigen Leistungsfähigkeit und des Vorliegens von PD-MCI und PD-SCD sollten regelmäßig im Rahmen der neurologischen Routineuntersuchungen erfolgen.

Multidomäneninterventionen und Lebensstilanpassungen

Basierend auf der aktuellen Evidenzlage werden für Menschen mit erhöhtem Demenzrisiko Multidomäneninterventionen bzw. personalisierte Risikoreduktionsprogramme empfohlen. Diese umfassen eine Kombination aus kognitivem und physischem Training, Ernährungsintervention und Management gesundheitlicher Risikofaktoren über einen längeren Zeitraum.

Mortalität und Krankheitsverlauf

Eine Studie aus Norwegen zeigte, dass die Sterblichkeit von Parkinson-Patienten doppelt so hoch ist wie in der norwegischen Bevölkerung. Ein Erkrankungsbeginn vor dem 40. Lebensjahr erhöhte die Sterblichkeit um den Faktor 5. Auch eine relevante kognitive Beeinträchtigung beeinflusste die Sterberate.

Todesursachen

Parkinson wurde bei 41% der Patienten als Todesursache angegeben. Weitere häufige Todesursachen waren Neubildungen, Pneumonien, Herz-Kreislauf- und zerebrovaskuläre Erkrankungen sowie äußere Ursachen.

Antipsychotika und Mortalität

Der Einsatz von antipsychotisch wirksamen Arzneistoffen bei Parkinson-Patienten ist mit einer Verdopplung des Mortalitätsrisikos verbunden. Auch die Auswahl des Antipsychotikums spielt eine Rolle. Typische Antipsychotika wie Haloperidol sind mit einem höheren Mortalitätsrisiko behaftet als atypische Antipsychotika wie Olanzapin.

Empfehlungen für die klinische Praxis

Aufgrund dieser Ergebnisse wird empfohlen, Antipsychotika bei Parkinson-Patienten nur sehr zurückhaltend einzusetzen und die Substanzauswahl sorgfältig zu treffen.

Demenzrisiko und Alter

Parkinson-Patienten haben ein erhöhtes Demenzrisiko. Entscheidend für die Entwicklung einer Demenz ist aber offenbar nicht die Erkrankungsdauer, sondern alleine das Alter - ab 70 Jahren steigt das Demenzrisiko dramatisch.

Fußballspielen und Demenzrisiko

Eine Studie aus Schottland untersuchte die Sterblichkeit aufgrund verschiedener Ursachen bei ehemaligen Fußballprofis. Fußballer starben seltener an ischämischen Herzerkrankungen und Lungenkrebs, aber signifikant häufiger an neurodegenerativen Erkrankungen wie Morbus Parkinson, Motorneuronerkrankungen, Morbus Alzheimer und anderen Demenzen. Es ist jedoch nicht möglich, aus diesen Ergebnissen zu folgern, dass professionelles Fußballspielen das Risiko erhöht, später an einer Demenz zu erkranken und zu sterben.

Lebenserwartung bei Parkinson

Laut Statistik hat ein optimal behandelter Mensch mit Parkinson-Syndrom heute fast die gleiche Lebenserwartung wie eine gleichaltrige gesunde Person. Die gestiegene Lebenserwartung ist auf moderne Medikamente zurückzuführen, die die wesentlichen Beschwerden der Betroffenen weitgehend beheben.

Verlauf und Verlaufsformen

Da beim Parkinson-Syndrom im Laufe der Zeit immer mehr Nervenzellen absterben, verläuft die Erkrankung langsam fortschreitend. Je nach Symptomatik unterscheiden Mediziner vier Arten bzw. Verlaufsformen: akinetisch-rigider Typ, Tremor-Dominanz-Typ, Äquivalenz-Typ und monosymptomatischer Ruhe-Tremor.

Pflege bei Parkinson

Im fortgeschrittenen Verlauf werden die Betroffenen häufig pflegebedürftig. Ursache ist in den meisten Fällen eine Demenz, aber auch eine hohe Symptomlast.

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