Das Morton Neurom, auch bekannt als Morton-Neuralgie, Morton-Metatarsalgie oder Morton-Syndrom, ist eine schmerzhafte Erkrankung des Vorfußes, die durch eine Verdickung des Nervengewebes um einen der Zehennerven (Interdigitalnerven) verursacht wird. Diese Verdickung, oft als Nervenknoten bezeichnet, führt zu einer Kompression des Nervs, was zu Schmerzen, Taubheit und anderen Missempfindungen in den Zehen führen kann. Betroffen sind meistens Frauen. Obwohl konservative Behandlungen oft erfolgreich sind, kann in einigen Fällen eine Operation erforderlich sein. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen von Taubheit nach einer Operation des Morton Neuroms und gibt einen Überblick über verschiedene Behandlungsansätze.
Was ist ein Morton Neurom?
Die Morton-Neuralgie ist eine häufige Erkrankung des Mittelfußes, die überwiegend Frauen betrifft. Zwischen den Mittelfußknochen verlaufen Nerven, die bei der Morton-Neuralgie komprimiert werden. Dabei kommt es durch überlastungsbedingte Umbauprozesse zu einer Verdickung der Mittelfußnerven und damit zu einer Beeinträchtigung der Funktion.
Ein Morton Neurom beschreibt eine Nervenausstülpung (gutartige Wucherung der Nervenscheide) im Bereich des Vorfußes. Dabei sind die zwischen den Zehen verlaufenden Interdigitalnerven betroffen. Typischerweise wird der Nerv zwischen dem 3. und 4. Zeh oder der Nerv zwischen dem 4. und 5. Zeh eingeklemmt. Seltener kommt es zwischen dem 2. und 3. Zeh vor, sehr selten zwischen dem 2. und großen Zeh.
Die Bezeichnung Neurom verwendet man bei gutartigen Tumoren des Nervengewebes. Es handelt sich nicht um eine gutartige Wucherung des Nervengewebes, sondern eher eine Entzündung der bindegewebigen Nervenhülle.
Benannt wurde das Morton Neurom nach dem US-amerikanischen Chirurgen Thomas G. Morton (1835-1903). Neurom steht dabei für die Vermehrung von Nervengewebe.
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Ursachen und Risikofaktoren
Die Entstehung des Morton Neuroms ist abschließend nicht geklärt. Die Ursache für die Verdickung des Nervens zwischen den Mittelfußknochen ist unklar. Begünstigende Faktoren sind ein Spreizfuß, hohe berufliche oder private Belastung (Lauftraining) enges Schuhwerk und Übergewicht. Auch ein Platzmangel zwischen den Mittelfußknochen kann eine Ursache sein.
Weitere Risikofaktoren:
- Spreizfuß: Das Morton Neurom entsteht meist vor dem Hintergrund eines Spreizfußes. Diese Fehlstellung führt zu einer fehlerhaften Lastverteilung des Körpergewichts, wodurch es zu einem erhöhten Druck auf die zweiten bis vierten Mittelfußköpfchen kommt. Folge ist ein Aneinanderreiben der Knochenköpfchen, welche die Nerven zwischen den Zehen einengen. Abrollbewegung beim Gehen einen viel stärkeren Druck auf die an der Fußsohle verlaufenden Nerven aus.
- Enges Schuhwerk und hohe Absätze: Schuhe mit hohen Absätzen oder zu enge Schuhe können die Vorfußbelastung erhöhen und die Nerven komprimieren. Mechanische Belastung: Enge Schuhe mit hohen Absätzen sowie Sportarten mit hohem Stoß- und Druckaufprall sorgen für eine wiederholte, mechanische Belastung und Druck auf den Vorfuß.
- Überlastung: Einseitige Belastungen könnten auch eine Ursache sein: Sie sorgen dafür, dass Muskeln und Faszien hohe Spannungen aufbauen.
- Genetische Veranlagung: Forscher gehen davon aus, dass auch die familiäre Veranlagung eine Rolle spielt.
- Traumatische Verletzungen: Bei Verstauchungen und Prellungen im Bereich des Vorfußes wird mitunter der Nerv geschädigt.
Symptome
Die Symptome bei einem Morton Neurom lassen sich oft nicht klar einordnen, weil sie bei Betroffenen unterschiedlich ausfallen können. Die Betroffenen beklagen belastungsabhängige Beschwerden. Es kommt zu einem Schmerz im Bereich des Vorfußes, der bis in die Zehen ausstrahlt. Anfänglich äußert sich dieses in einem Kribbeln, das später in ein Brennen übergehen kann. Zeitweise entsteht eine Taubheit der Zehen. Oftmals berichten Betroffene, dass sie nach kurzer Pause oder Ausziehen des Schuhs eine deutliche Verbesserung verspüren.
Typisch sind brennende oder stechende Schmerzen im Mittelfuß und in den Zehen (Mittelfußschmerzen und Vorfußschmerzen), die plötzlich einschießen. Die Beschwerden verschlimmern sich bei Fortschreiten der Krankheit. Der Fuß wird vorne breiter. Auch Belastungsschmerzen sind typisch.
Weitere Symptome:
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- Belastungsabhängige Schmerzen zwischen dem 3. und 4. Zeh.
- Plötzlich einschießende Schmerzen bei Belastung. Dabei handelt es sich um einen sogenannten Nervenschmerz, der typischerweise einen brennenden oder stechenden Charakter besitzt.
- Die Schmerzen können von Missempfindungen wie Kribbeln, Taubheits- oder Fremdkörpergefühlen begleitet werden und bis in die Zehenspitzen ausstrahlen.
- Schmerzen, die sich beim Tragen enger Schuhe verstärken.
Diagnose
Unsere Orthopäden im Orthozentrum Freiburg werden Sie in einem ausführlichen Gespräch bezüglich Ihrer Beschwerden befragen. Anschließend findet eine körperliche Untersuchung statt, in der u.a. geprüft wird, ob ein Druckschmerz im Bereich der Mittelfußknochen ausgelöst werden kann. Zusätzlich wird das sogenannte Mulder Zeichen geprüft, indem der Untersucher die Mittelfußköpfchen zusammendrückt. Im weiteren Verlauf können bildgebende Verfahren, wie eine Ultraschall- oder eine Kernspinuntersuchung, den Verdacht auf eine Morton-Neuralgie erhärten.
Neben dem lokalen Druckschmerz kann auch die Kompression der Mittelfußknochen zu einem Geräuschphänomen (Mulder-Klick) führen. Dieses ist nahezu beweisend für das Vorliegen eines Morton Neuroms.
Zur Sicherung der Diagnose kann eine diagnostische Infiltration durchgeführt werden. Dabei wird eine geringe Menge Lokalanästhetikum an den Schmerzpunkt gespritzt. Kommt es zu einer Schmerzausschaltung ist das Vorliegen eines Morton Neurom sehr wahrscheinlich. Zur Sicherung der Diagnose sind eine MRT-Untersuchung oder eine sonograpische Darstellung hilfreich.
Die MRT Untersuchung ist eine Standardmethode zur Darstellung des Morton Neuroms. Falls möglich, sollte das MRT in Bauchlage durchgeführt werden. Neben der direkten Darstellung des Morton Neuroms bietet das MRT einen großen Vorteil: Wichtige weitere Erkrankungen, die ähnliche Beschwerden auslösen, können zeitgleich identifiziert werden (z.B. Ermüdungsbruch der Mittelfußknochen).
Weitere Diagnosemethoden:
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- Klinische Untersuchung: Der Arzt drückt auf die Stelle, an der die Morton-Neuralgie vermutet wird.
- Mulder-Zeichen: Hierbei komprimiert der Orthopädie die Metatarsalköpfchen von der Seite und löst so ein Schmerz oder Brennen in den betroffenen Zehen aus.
- Ultraschalldiagnostik: Im Rahmen eines Morton Neuroms wird die Nervenaussackung durch den Ultraschallkopf komprimiert. So kann das Neurom besser lokalisiert werden. Ist die Aussackung ausreichend groß, kann sie bildlich festgehalten werden.
- Röntgenbild: Im Röntgenbild sieht man vor allem die Stellung der Mittelfußknochen. Damit dient es der Ursachenuntersuchung eines Morton Neuroms. So kann ein Hohl-, Spreiz- oder Plattfuß diagnostiziert werden. Das Neurom selbst als eine Art Bindegewebsveränderung ist allerdings nicht sichtbar.
Behandlungsmöglichkeiten
Das Ziel der Behandlung besteht in der Entlastung der Mittelfußnerven. Wie ein Morton Neurom behandelt wird - ob klassisch konservativ, medikamentös oder sogar operativ - hängt in erster Linie davon ab, wie ausgeprägt die Symptome sind.
Konservative Behandlung
Die konservative Behandlung stellt dabei die Behandlung der Wahl dar. So kann durch eine stützende Einlage der Querwölbung die Druckentlastung des Nervens bewirkt werden. Physikalische Maßnahmen wie eine lokale Kältetherapie können ebenfalls zu einer zu einem Abschwellen des Nervens führen.
- Schuheinlagen: Zur Korrektur eines bestehenden Spreizfußes sollten Schuheinlagen, die das Fußlängsgewölbe unterstützen, zum Einsatz kommen. spezielle Einlagenversorgung: Stützung Querwölbung. Es wird ein Abdruck des Fußes genommen, um das Gewölbe der Einlage individuell anzupassen. Ziel ist es, die Kräfte über den Fuß optimal zu verteilen. Mittels Einlage kann diese Problematik therapiert werden. Der Vorfuß wird entlastet und die Reibung der Mittelfußköpfe aneinander reduziert. Das Ziel der Einlage bei einem Morton Neurom ist die Mittelfußköpfchen (Os metatarsale) auseinander zu drücken, um Platz am Morton Neurom zu schaffen. Folglich hat der Nerv wieder ausreichend Freiraum und schwillt bei erfolgreicher Therapie ab.
- Weiter Schuhe: Die Schmerzen werden durch eine Entlastung des Vorfußes gelindert. Die Reibung der Mittelfußknochen aneinander, sowie die Schwellung des Nervs müssen reduziert werden.
- Schmerzmittel: In fortgeschrittenen Fällen können zur Linderung der Schmerzen kurzfristig Schmerzmittel aus der Gruppe der nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) angewandt werden. Eis, Schmerzmittel.
- Kortison-Spritzen: Eine Cortisonspritze eignet sich zur Therapie eines schmerzhaften Morton Neuroms. Das Glukokortikoid (Cortison) dient dazu, den Reizzustand im Vorfuß zu mindern. Es kann die Ödembildung im Nerven reduzieren und zum Abschwellen anregen. Lokale Infiltration (Lokalanästethikum, ggf.
- Physiotherapie und Fußgymnastik: Eine intensive Physiotherapie und Fußgymnastik bezieht auch die Wadenmuskulatur ein.
- Kinesiotaping: Im Rahmen eines Morton Neuroms soll das Tape vor allem den Vorfuß entlasten. Eine spezielle Klebetechnik ermöglicht es, die Zehenzwischenräume zu dehnen und eine Art Fußgewölbe zu imitieren.
Operative Behandlung
Persistieren trotz Ausreizung der konservativen Maßnahmen die Beschwerden weiterhin, so ist ein operatives Vorgehen zu prüfen. Eine Operation, bei der der verdickte Nerv entfernt wird, ist nur selten nötig.
- Nervenerhaltende Operationen (Dekompression): Bei nervenerhaltenden Operationen wird eine Dekompression des Nervens durchgeführt. Diese Verfahren sind sinnvoll, wenn das Morton Neurom eine gewisse Größe nicht überschritten hat. Dann besteht eine gute Möglichkeit der Regeneration. IHat das Morton Neurom eine gewisse Größe erreicht, sind nervenerhaltende Verfahren nicht sinnvoll.
- Nervenresektion (Neurektomie): Dann ist eine Resektion des Morton Neuroms indiziert. Dabei wird das veränderte Nervenstück entfernt.
Um ein Morton Neurom zu entfernen, erfolgt der Zugang heute üblicherweise über den Fußrücken, hierfür ist lediglich ein Minischnitt von etwa zwei Zentimetern notwendig. Der Vorteil: Durch den Zugang von oben bleibt die Fußsohle, die das gesamte Körpergewicht trägt, intakt. Dadurch kann man praktisch sofort wieder gehen.
Ursachen von Taubheit nach der Operation
Wichtig zu wissen: Nach dem Eingriff muss man mit Taubheitsgefühlen zwischen den betroffenen Zehen rechnen. Eine erwartbare Komplikation nach der OP eines Morton Neuroms ist eine dauerhafte Taubheit der Zehen, da der Nerv durch die OP in der Regel irreversibel geschädigt wird.
Die Nervenresektion bedeutet dauerhafte Sensibilitätsverluste in den Zehen. In dem von diesem Teil versorgten Bereich verbleibt ein Sensibilitätsverlust bis hin zu einer Taubheit.
Prognose
Sollte dies nicht gelingen, ist eine Operation indiziert, bei der ein Teil des Nervs entfernt wird. In dem von diesem Teil versorgten Bereich verbleibt ein Sensibilitätsverlust bis hin zu einer Taubheit. Nur in sehr seltenen Fällen besteht der Schmerz auch nach einer Operation. Meist ist dies der Fall, wenn das Morton Neurom zu spät therapiert wurde und sich bereits ein Schmerzgedächtnis gebildet hat.