Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die von starken Kopfschmerzen begleitet wird und das alltägliche Leben erheblich beeinträchtigen kann. Etwa jede zehnte Person ist betroffen, wobei Frauen häufiger betroffen sind als Männer. Migräne-Attacken sind durch einseitige, pulsierende Kopfschmerzen gekennzeichnet, die häufig von Übelkeit und Erbrechen begleitet sind. Obwohl die genaue Ursache von Migräne noch nicht vollständig verstanden ist, haben Studien gezeigt, dass bestimmte Nährstoffe, insbesondere B-Vitamine, Magnesium, Coenzym Q10 und Vitamin D, helfen können, das Auftreten von Migräne zu reduzieren und Symptome zu lindern.
Die Rolle von B-Vitaminen bei Migräne
B-Vitamine sind eine Gruppe von wasserlöslichen Vitaminen, die eine Vielzahl wichtiger Funktionen im Körper erfüllen. Sie spielen eine entscheidende Rolle im Energiestoffwechsel, der Neurotransmitter-Synthese und der Zellgesundheit. Mehrere B-Vitamine haben sich als nützlich bei der Vorbeugung und Linderung von Migräne erwiesen.
Vitamin B2 (Riboflavin)
Vitamin B2, auch Riboflavin genannt, spielt im Zellstoffwechsel bei der Energiegewinnung eine zentrale Rolle. Die Mitochondrien, die oft als Kraftwerke der Zellen bezeichnet werden, können nur dann richtig arbeiten, wenn Vitamin B2 als Coenzym fungiert - sozusagen als Prozessmanager der Energiegewinnung. Weil Wissenschaftler in der Störung dieses Energiestoffwechsels eine mögliche Mitursache der Migräne sehen, ist das Vitamin B2 ebenfalls zum Gegenstand der Prophylaxeforschung geworden.
Eine ältere Studie mit 55 Patienten verglich die Wirksamkeit von hochdosiertem Vitamin B2 als Migräne-Vorbeugung mit einem wirkstofflosen Präparat (Placebo). In dieser Studie erwies sich Vitamin B2 in der Migräne-Vorbeugung gegenüber dem Placebo als überlegen. Ähnliche Hinweise auf eine Wirksamkeit von Vitamin B2 gegen Migräne zeigte eine Studie mit 41 Kindern und Heranwachsenden, die über festgelegte mehrmonatige Zeiträume täglich Vitamin B2 erhielten.
Die empfohlene Tagesmenge für Erwachsene im Alter von 19 bis 51 Jahren liegt für Frauen bei 1,1 mg. Schwangere ab dem zweiten Trimester und Stillende benötigen eine etwas höhere Vitamin-B2-Zufuhr. Für Männer gilt eine Empfehlung von 1,4 mg am Tag.
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Vitamin B6 (Pyridoxin)
Vitamin B6 ist an der Bildung wichtiger Neurotransmitter, wie Serotonin und GABA, beteiligt. Diese Neurotransmitter spielen eine Rolle bei der Regulierung der Stimmung und der Schmerzwahrnehmung.
Folat (Vitamin B9)
Folat ist wichtig für die DNA-Synthese und die Bildung neuer Zellen. Es spielt auch eine Rolle bei der Reduzierung von Homocystein, einer Aminosäure, die mit Migräne in Verbindung gebracht wird. Hohe Homocysteinwerte wurden mit einem erhöhten Risiko für Migräne in Verbindung gebracht. Der Homocysteinspiegel ist bei Männern aber in der Regel höher als bei Frauen und steigt mit dem Alter an. Doch auch bestimmte Gruppen von Frauen haben ein besonderes Risiko für erhöhte Homocysteinwerte:
- Schwangere Frauen: Während der Schwangerschaft steigt der Bedarf an B-Vitaminen, um das Wachstum des Fötus zu unterstützen.
- Frauen mit genetischen Veränderungen: Einige genetische Varianten können den Homocysteinspiegel beeinflussen.
B-Vitamine und Homocystein
Durch die Reduzierung von Homocystein, einer Aminosäure, die mit Migräne in Verbindung gebracht wird, können B-Vitamine die Häufigkeit und Schwere der Migräneanfälle verringern.
Um ausreichende Mengen an B-Vitaminen zu erhalten, ist es wichtig, eine ausgewogene Ernährung mit einer Vielzahl von Nahrungsmitteln zu sich zu nehmen. Es ist jedoch zu beachten, dass die individuelle Aufnahme von B-Vitaminen variieren kann und in einigen Fällen Nahrungsergänzungsmittel erforderlich sein können, um den Bedarf zu decken.
Magnesium: Ein wichtiger Mineralstoff bei Migräne
Magnesium erfüllt zahlreiche Funktionen im menschlichen Körper. Es spielt eine Rolle bei der Funktion von etwa 300 verschiedenen Enzymen, ist essenziell für den Erhalt von Knochen und Zähnen und beeinflusst den Hormonstoffwechsel. Außerdem ist Magnesium für die Erregungsübertragung vom Nerv auf den Muskel und für die Muskelkontraktion verantwortlich. Migräneattacken werden teilweise auch mit Magnesiummangel in Verbindung gebracht.
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Es gibt Hinweise, dass bei Kopfschmerz- und Migränepatienten häufig auch ein Magnesiummangel vorliegt bzw. dass ein niedriger Magnesiumspiegel mit einer erhöhten Anfälligkeit für Spannungskopfschmerzen und Migräne in Verbindung steht. Als zentraler Mechanismus gilt die Modulation der NMDA-Rezeptoren im Nervensystem. Diese sind unter anderem für die Schmerzübertragung zuständig. Eine übermäßige Aktivierung der NMDA-Rezeptoren kann die neuronale Erregbarkeit erhöhen und die Schmerzwahrnehmung verstärken, was zu chronischen Schmerzen wie beispielsweise Migräne führen kann. Magnesium blockiert die NMDA-Rezeptoren und dämpft so die Schmerzwahrnehmung. Darüber hinaus reduziert Magnesium die Freisetzung proinflammatorischer Substanzen, die bei der Schmerzentstehung eine Rolle spielen.
Eine intravenöse Magnesiumtherapie von ein bis zwei Gramm Magnesiumsulfat, je nach Schwere der Symptomatik, empfiehlt sich beim akuten Migräneanfall. Die orale Magnesiumsupplementierung hat sich vor allem in der Migräneprophylaxe bewährt. Durch Tagesdosen von bis zu zweimal 300 mg traten in verschiedenen Studien im Vergleich zu Placebo weniger Anfälle auf, die zudem auch in der Schmerzintensität abgenommen haben und zu einer signifikanten Verbesserung der Lebensqualität führten. Kurz gesagt: durch oral substituiertes Magnesium kann eine signifikante Reduktion der Migränetage und Migräneattacken erreicht werden.
Über eine solche Migräneprophylaxe sollten Betroffene laut der aktuellen Leitlinie nachdenken, wenn die Anfälle länger als 72 Stunden anhalten, pro Monat mindestens drei schwere Anfälle auftreten, die Häufigkeit der Anfälle zunehmen, von Auren begleitet sind und/oder eine Akuttherapie mit Triptane oder Analgetika nicht wirksam bzw. verträglich ist.
Coenzym Q10: Ein Antioxidans für den Energiestoffwechsel
Coenzym Q10 ist für den Stoffwechsel essenziell und kann auch vom Körper selbst gebildet werden. Es ist ein sogenanntes Antioxidans und kann den Körper vor Schäden durch freie Radikale schützen. Außerdem spielt es eine bedeutende Rolle im Energiestoffwechsel, wodurch es möglicherweise Energiedefiziten im Gehirn, welche bei der Entstehung von Migräne beteiligt sind, entgegenwirken könnte.
Coenzym Q10 gehört in den Leitlinien der DGN und DMKG zu den Nahrungsergänzungsmitteln, die in der Migräneprophylaxe als wirksam beschrieben werden. Die wissenschaftliche Evidenz wird allerdings als gering beschrieben. In einer kleineren Studie führte eine Tagesdosis von 3x 100 mg zu einer Reduktion der Attackenfrequenz. In einer weiteren Studie bei Kindern und Jugendlichen konnte hingegen keine Überlegenheit von Coenzym Q10 gegenüber Placebo gezeigt werden.
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Die Kombination aus Coenzym Q10, Magnesium und Vitamin B2 ist in Deutschland ebenfalls weit verbreitet. In einer Studie reduzierte sie die Schwere der Migräneattacken und die Migränetage pro Monat sanken von 6,2 auf 4,4 Tage. Auch die Lebensqualität verbesserte sich. Ein Effekt auf die Häufigkeit der Attacken konnte allerdings nicht festgestellt werden.
Vitamin D: Wichtig für Knochen und möglicherweise auch bei Migräne
Vitamin D ist ein Hormon, das der Körper zum größten Teil selbst herstellt - aber mithilfe von Sonnenlicht. Laut Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) ist diese körpereigene Bildung von Vitamin D in unseren Breitengraden nur von circa März bis Oktober möglich, weil der Körper dafür eine bestimmte Sonnenintensität benötigt. Ein deutlich geringerer Teil an Vitamin D wird über die Nahrung aufgenommen. Unter anderem spielt Vitamin D eine wichtige Rolle im Kalziumstoffwechsel und damit in der Mineralisierung der Knochen. Bei einem Vitamin-D-Mangel kann es daher vor allem zu Beschwerden und Krankheiten der Knochen kommen, etwa zu Osteoporose.
Es scheint einen Zusammenhang zwischen Vitamin-D3-Spiegeln und Migräne sowie Spannungskopfschmerzen zu geben. So konnten bei Betroffenen erniedrigte Vitamin-D3-Spiegel nachgewiesen werden. In Studien zeigte eine Vitamin-D-Supplementation von 2000 IU täglich bis 50.000 IU wöchentlich positive Effekte auf die Kopfschmerzhäufigkeit. Die Datenlage zu Vitamin D ist jedoch noch wenig aussagekräftig, weshalb es derzeit keine Empfehlungen zur Vitamin-D-Einnahme gibt.
Um einem Vitamin-D-Mangel entgegenzuwirken, kann man selbst einiges tun:
- Setze deine Haut in den sonnenreicheren Monaten zwischen März und Oktober zwei- bis dreimal pro Woche für einige Minuten der Sonne aus - unbedeckt und ohne Sonnenschutz. Achte aber unbedingt darauf, dass es ohne Sonnenschutz tatsächlich nicht mehr als einige Minuten sind, da ansonsten die Haut geschädigt werden kann.
- Über die Ernährung kann man ebenfalls einen - wenn auch deutlich geringeren - Teil deines Vitamin-D-Bedarfs decken.
Weitere Nahrungsergänzungsmittel, die bei Migräne in Betracht gezogen werden können
Neben den oben genannten Vitaminen und Mineralstoffen gibt es noch weitere Nahrungsergänzungsmittel, die bei Migräne in Betracht gezogen werden können:
- Pestwurz: Pestwurzextrakt wird aufgrund seiner entzündungshemmenden Eigenschaften in der Migräneprophylaxe verwendet. Die Wirksamkeit von Pestwurz wurde in zwei placebokontrollierten Studien belegt. In den Studien zeigte sich, dass die höchste Dosierung mit zweimal täglich 75 mg Pestwurzextrakt die stärkste Wirkung hatte.
- Mutterkraut: Mutterkraut wird außerdem eine entzündungshemmende Wirkung nachgesagt und Entzündungsprozesse im Gehirn spielen eine Rolle bei der Entstehung von Migräne. Als CO2-Extrakt war es in zwei Studien als Prophylaktikum wirksam.
- Selen: Eine sehr aktuelle randomisiert kontrollierte Studie untersuchte nun 12 Wochen den Effekt von 200 µg/ Tag Selen auf oxidativen Stress sowie klinische und physiologische Migräne Symptome. Die Ergebnisse waren vielversprechend. Im Vergleich zum Placebo reduzierten sich Marker für oxidativen Stress, sowie Kopfschmerzhäufigkeit und -Stärke signifikant. Außerdem wurde ein signifikant protektiver Effekt gegen Marker für oxidativen Stress beobachtet und die Lebensqualität verbesserte sich deutlich.
- Omega-3-Fettsäuren: Omega-3-Fettsäuren werden mit entzündungshemmenden und schmerzhemmenden Wirkungen in Verbindung gebracht. Sie sind lebensnotwenig, werden allerdings nicht vom Körper selbst hergestellt, sondern vorwiegend über die Nahrung aufgenommen.
Wichtige Hinweise zur Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln
Bei der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln sollten einige wichtige Hinweise beachtet werden:
- Absprache mit dem Arzt: Spezielle Vitaminpräparate können bei Bedarf zwar eingesetzt werden, dies sollte man aber mit seinem Hausarzt besprechen und abstimmen.
- Dosierung: Auf die Dosis sollte geachtet werden.
- Nebenwirkungen: Eine Nebenwirkung von Vitamin B2 Supplementation kann eine intensive Gelbfärbung des Urins sein, ansonsten bestehen aber keine schwerwiegende Nebenwirkungen. Laut den Leitlinienexperten kam es in der Vergangenheit in extrem seltenen Fällen zu schwerwiegenden Leberfunktionsstörungen in Folge der Einnahme von Pestwurzextrakt.
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