Muskelkrämpfe durch Medikamente: Ursachen und Behandlung von Nackenbeschwerden

Schmerzen im Nacken sind ein weit verbreitetes Problem, von dem schätzungsweise jeder dritte Mensch in Deutschland mindestens einmal jährlich betroffen ist. Die Ursachen für Nackenschmerzen sind vielfältig und reichen von Muskelverspannungen über Medikamentennebenwirkungen bis hin zu ernsthaften Erkrankungen. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Ursachen von Muskelkrämpfen und Nackenschmerzen, insbesondere im Zusammenhang mit Medikamenten, und bietet einen umfassenden Überblick über Behandlungsmöglichkeiten und präventive Maßnahmen.

Einführung

Muskelschmerzen, in der Fachsprache als Myalgie bezeichnet, sind ein häufiger Grund für Arztbesuche. Sie können akut oder chronisch auftreten und verschiedene Ursachen haben. Während harmlose Verspannungen, Zerrungen oder Verletzungen oft die Ursache sind, können auch Medikamente, Erkrankungen des Nervensystems oder des Skelettsystems eine Rolle spielen. Besonders im Bereich von Rücken und Nacken sind Muskelschmerzen weit verbreitet und können die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen.

Was sind Muskelschmerzen?

Muskelschmerzen (Myalgie) sind Schmerzen, die in einzelnen Muskeln, Muskelgruppen oder diffus im ganzen Körper wahrgenommen werden. Sie können sich unterschiedlich äußern: als Krämpfe, Druck, Reißen oder Ausstrahlen der Beschwerden. Medizinisch werden akute und chronische Muskelschmerzen unterschieden.

Akute Muskelschmerzen

Akute Muskelschmerzen treten plötzlich auf und halten nur kurze Zeit an. Beispiele hierfür sind Muskelkater nach Überanstrengung, Gliederschmerzen bei Erkältungen oder Grippe sowie Schmerzen nach Prellungen oder Brüchen.

Chronische Muskelschmerzen

Chronische Muskelschmerzen dauern länger als sechs Monate an oder treten in diesem Zeitraum an mehreren Tagen pro Woche auf. Bei unklarer Ursache sollte frühzeitig ein Arzt aufgesucht werden, um die Ursache abzuklären und eine geeignete Behandlung einzuleiten.

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Arten von Muskelschmerzen

Muskelschmerzen lassen sich in vier Hauptarten unterteilen:

  • Muskelkrämpfe: Treten häufig abends und nachts auf, insbesondere in den Waden. Sie sind schmerzhaft, aber von kurzer Dauer und oft auf Stoffwechselstörungen in der Muskulatur zurückzuführen.
  • Muskelverletzungen: Prellungen, Zerrungen oder ungewohnte Muskelarbeit beim Sport können zu Verletzungen führen, die Schmerzen verursachen.
  • Verspannungen: Fehlhaltungen oder Fehlbelastungen können zu Verhärtungen und Verspannungen der Muskeln führen, die Schmerzen verursachen und die Bewegung einschränken. Häufig treten diese im Bereich von Nacken und Rücken auf.
  • Generalisierte Muskelschmerzen: Treten in mehreren Bereichen oder im ganzen Körper auf, beispielsweise bei Infektionen, Erkältungen oder Grippe sowie bei entzündlichen Prozessen im Zusammenhang mit Allergien.

Ursachen von Muskelschmerzen

Muskelschmerzen können vielfältige Ursachen haben. Selbst die gleiche Schmerzart kann durch verschiedene Auslöser verursacht werden.

Muskelverletzungen

Zu den häufigsten Muskelverletzungen zählen:

  • Muskelkater: Folge einer ungewohnten Belastung der Muskulatur.
  • Muskelzerrungen: Treten bei starker Dehnung der Muskelfasern auf.
  • Muskelrisse: Starke Überdehnung, bei der es zum Riss der Muskelfasern kommt.
  • Muskelprellungen: Entstehen, wenn der Muskel gegen den Knochen gequetscht wird.

Muskelverspannungen

Muskelverspannungen sind oft die Folge von:

  • Monotonen Bewegungsabläufen
  • Bewegungsmangel und untrainierten Muskeln
  • Einseitigen Belastungen
  • Fehlhaltungen und -belastungen
  • Stress und Nervosität

Muskelerkrankungen

Muskelerkrankungen (Myopathien) gehen oft mit Muskelschwäche und -schmerzen einher. Auch Autoimmunerkrankungen, Fibromyalgie, Stoffwechselstörungen, Viren, Bakterien und Parasiten können die Ursache sein. Ebenso können Muskelschmerzen ein Symptom anderer Erkrankungen wie Arthrose oder Erkrankungen des Nervensystems und der Arterien sein.

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Medikamente als Auslöser für Muskelschmerzen

Einige Medikamente können als unerwünschte Nebenwirkungen Muskelschmerzen verursachen. Dazu gehören beispielsweise Interferon, Diuretika und Statine. Auch Giftstoffe und Drogen, darunter Heroin, können zu schmerzenden Muskeln führen.

Statine und Myotoxizität

Statine, die häufig zur Senkung des Cholesterinspiegels eingesetzt werden, gehören zu den wichtigsten Arzneistoffen, bei denen mit muskulären Nebenwirkungen gerechnet werden muss. Patienten sollten während der Behandlung mit Statinen auf Muskelschmerzen achten, die nicht auf übermäßige körperliche Belastung zurückzuführen sind. Dunkel gefärbter Urin kann ein Warnzeichen für Muskelschäden sein.

Die Myotoxizität von Statinen hängt vor allem von den Blutspiegeln ab. Apotheker sollten auf mögliche Wechselwirkungen achten, die das Risiko erhöhen können. So können beispielsweise Wechselwirkungen mit Azol-Antimykotika, Makrolid-Antibiotika oder Grapefruitsaft die Myotoxizität verstärken.

Weitere Medikamente mit muskulären Nebenwirkungen

Neben Statinen finden sich in den Fachinformationen zahlreicher weiterer Arzneistoffe Hinweise auf Muskel- oder Gliederschmerzen, wie beispielsweise bei Carvedilol, Ramipril, Risperidon oder Citalopram. Auch Gelenkschmerzen können als Nebenwirkungen einer Arzneimitteltherapie auftreten, beispielsweise bei der Behandlung mit Aromatase-Hemmern oder Interferonen.

Einige Arzneistoffe können auch den intrakraniellen Druck erhöhen und so zu Kopfschmerzen führen. Nicht zuletzt sollte auch die Selbstmedikation bei Kopfschmerz-Patienten kritisch hinterfragt werden, da der Dauergebrauch von Analgetika paradoxerweise selbst Kopfschmerzen verursachen kann.

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Symptome von Muskelschmerzen

Die Symptome bei akuten Muskelschmerzen treten plötzlich auf, können auf einen Bereich beschränkt sein oder sich auf den gesamten Körper ausbreiten. Typisch sind Krämpfe und Verspannungen, aber auch Druck und Reißen sowie Wundgefühle. Chronische Schmerzen halten länger an und können einschränkend wirken.

Begleitsymptome bei chronischen Muskelschmerzen sind häufig:

  • Bewegungseinschränkungen
  • (Morgen-)Steifigkeit
  • Schwellungsgefühle
  • Schlafstörungen
  • Müdigkeit
  • Depression

Nackenschmerzen: Ein besonderes Problem

Nackenschmerzen sind ein häufiges Problem, das meist durch eine verspannte und verkrampfte Halsmuskulatur verursacht wird. Die Schmerzen können auf den Nacken beschränkt bleiben oder auf die Schulter übergehen und in den Hinterkopf oder die Arme ausstrahlen. In manchen Fällen gehen die Nackenbeschwerden auch mit Ohrensausen (Tinnitus) einher.

Ursachen von Nackenschmerzen

Häufigste Ursache für Nackenschmerzen ist eine Überlastung der Muskulatur durch Fehlhaltungen, zum Beispiel durch lange Bildschirmarbeit. Generell begünstigt eine ungünstige Haltung des Halses und/oder Kopfes Nackenschmerzen, so auch bei einer schlechten Schlafposition oder einer häufigen Nutzung des Smartphones mit gebeugtem Kopf.

Weitere Ursachen können sein:

  • Verschleißerscheinungen der Halswirbelsäule
  • Verengung des Wirbelkanals (Spinalkanalstenose)
  • Bandscheibenvorfall
  • Mikroverletzungen im Muskel- und Bindegewebe durch einen Unfall

"Handy-Nacken"

Die Nutzung eines Smartphones verlangt unserem Nacken Höchstleistungen ab. Wenn wir auf das Handy schauen, ist unser Kopf um etwa 60 Grad nach unten geneigt. Dieser extreme Winkel lässt die fünffachen Kräfte auf die Halswirbelsäule wirken. Eine häufige und lange Nutzungsdauer des Smartphones bedeutet somit für die Wirbel, Bandscheiben und Muskeln in diesem Bereich eine enorme Belastung. Muskelverspannungen und Schmerzen bis hin zum Bandscheibenvorfall können die Folge sein.

Diagnose von Muskelschmerzen

Bei unklarer Ursache der Muskelschmerzen ist eine umfassende Diagnose erforderlich. Zur Abklärung werden in der Regel die folgenden Untersuchungen eingesetzt:

  • Bildgebende Verfahren: CT, MRT, Röntgen und Ultraschall, um zugrundeliegende Veränderungen, Fehlentwicklungen und Entzündungsherde sichtbar zu machen.
  • Elektromyographien: Messung der elektrischen Muskelaktivität.
  • Muskelbiopsien: In örtlicher Narkose durchgeführt, um Muskelerkrankungen zu diagnostizieren.
  • Blutuntersuchungen: Um Entzündungswerte zu messen, Stoffwechselstörungen oder auch Mangelerscheinungen zu entdecken.

Die Wahl der Untersuchung richtet sich nach Dauer und Art der Muskelschmerzen sowie nach den Ergebnissen bereits erfolgter diagnostischer Verfahren.

Behandlung von Muskelschmerzen

Die Behandlung von Muskelschmerzen ist abhängig von ihrer Ursache. Es gibt jedoch einige Mittel und Maßnahmen, die häufig zum Einsatz kommen.

Medikamentöse Behandlung

Gängige Wirkstoffe bei Muskelschmerzen sind:

  • Ibuprofen
  • Diclofenac

Diese sind als Tabletten, Salben und Gele erhältlich. Es gibt aber auch bewährte Arzneimittel mit pflanzlichen Wirkstoffen, wie Arnika oder Beinwell-Kraut. Förderlich für die Durchblutung, Versorgung und Heilung sowie Entspannung sind Wärmepflaster. In manchen Fällen werden auch spezielle muskelentspannende Mittel (Muskelrelaxanzien) verschrieben, die jedoch nur kurzfristig eingenommen werden dürfen.

Therapie-Verfahren

Kehren die Schmerzen immer wieder oder treten sehr häufig auf, können die folgenden Therapieverfahren ursächlich ansetzen:

  • Akupunktur und Akupressur
  • Elektrotherapie
  • Krankengymnastik
  • Entspannungstraining
  • Rückentraining
  • Sport (Yoga, Schwimmen, Joggen)
  • Ernährungsumstellung (bei Mangel oder Stoffwechselstörung)

Kälte- und Wärmeanwendungen

Bei akuten Muskelschmerzen, insbesondere nach Prellungen oder Zerrungen, haben sich Kälteanwendungen bewährt. Kalte Kompressen, kühle Luft, lauwarme Duschen und Bäder sowie Salben und Gele mit kühlenden Wirkstoffen bringen Linderung. Bei chronischen Muskelschmerzen hilft vor allem die Anwendung von Wärme. Warme Bäder, Wärmepflaster und durchblutungsfördernde Salben und Gele können sich hier bewähren.

Hausmittel

Bei Muskelschmerzen durch Überlastung, monotone Bewegungsabläufe, Stress, Nervosität und Verspannungen können Hausmittel zur Linderung eingesetzt werden:

  • Kühlung: Direkt nach dem Sport, bei Zerrungen oder Prellungen.
  • Wärme: Ein warmes Bad, eine heiße Dusche oder ein Wärmepflaster regt die Durchblutung an und wirkt entspannend.
  • Massagen: Bei verspannter Muskulatur können Massagen auflockernd wirken.
  • Flüssigkeitszufuhr: Ausreichendes Trinken sorgt dafür, dass Nährstoffe schneller zu den Muskeln und Stoffwechselprodukte schneller abtransportiert werden.
  • Schonung und leichte Bewegung: Eine gesunde Balance aus Schonung und Aktivität ist wichtig, um weitere Verspannungen zu vermeiden.

Prävention von Muskelschmerzen

Nicht allen Muskelschmerzen kann vorgebeugt werden, das Risiko für Verletzungen, Muskelkater und Verspannungen lässt sich jedoch durch einige Maßnahmen reduzieren:

  • Flüssigkeitszufuhr: Bei Dehydrierung sind die Muskelfasern anfälliger für Verletzungen.
  • Ergonomischer Arbeitsplatz: Achten Sie bei Ihrem Büro-Arbeitsplatz auf ergonomisches Arbeiten.
  • Regelmäßige Entspannungs- und Bewegungspausen: Vermeiden Sie einseitige Belastungen und Fehlhaltungen.
  • Kräftigung der Nacken- und Rückenmuskulatur: Durch Bewegung und gezieltes Training.
  • Geeignete Matratze und Nackenkissen: Um eine optimale Schlafposition zu gewährleisten.

Wann sollte ein Arzt aufgesucht werden?

Es ist ratsam, einen Arzt aufzusuchen, wenn:

  • Die Nackenschmerzen nach einem Unfall oder einer Verletzung auftreten.
  • Die Schmerzen in die Schulter oder den Arm ausstrahlen.
  • "Ameisenlaufen", Kribbeln oder Taubheitsgefühle in den Händen auftreten.
  • Arme oder Beine plötzlich kraftlos sind.
  • Lähmungserscheinungen auftreten.
  • Die Blase oder der Darm nicht mehr kontrolliert werden können.

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