Myasthenia Gravis: Rollator und Hilfsmittel für mehr Lebensqualität

Myasthenia gravis ist eine Autoimmunerkrankung, die die Reizübertragung zwischen Nerven und Muskeln beeinträchtigt und zu einer belastungsabhängigen Ermüdbarkeit der Muskulatur führt. Diese chronische Erkrankung kann den Alltag erheblich erschweren, da alltägliche Verrichtungen zunehmend schwieriger oder ohne Hilfe unmöglich werden. Glücklicherweise gibt es eine Vielzahl von Hilfsmitteln und Unterstützungsmöglichkeiten, die Betroffenen helfen können, ihre Selbstständigkeit und Lebensqualität zu erhalten oder zurückzugewinnen. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte der Hilfsmittelversorgung bei Myasthenia gravis, von der Beantragung bei der Krankenkasse bis hin zu praktischen Tipps für den Alltag und die Urlaubsplanung.

Was ist Myasthenia Gravis?

Myasthenia gravis ist eine Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem fälschlicherweise körpereigene Rezeptoren angreift, die für die Muskelkontraktion notwendig sind. Dies führt zu einer Schwächung der Muskulatur, die sich bei Belastung verstärkt. Die Symptome können vielfältig sein und unterschiedliche Muskelgruppen betreffen, darunter die Augenmuskeln (was zu Doppelbildern und hängenden Augenlidern führt), die Gesichts-, Sprech-, Kau- und Schluckmuskulatur sowie die Muskulatur der Extremitäten und des Rumpfes.

Die Erkrankung verläuft individuell sehr unterschiedlich, und der genaue Beginn sowie die Auslöser sind oft unklar. Myasthenia gravis kann Menschen jeden Alters und Geschlechts betreffen, wobei es zwei Häufigkeitsgipfel gibt: einen zwischen dem 15. und 30. Lebensjahr und einen weiteren zwischen dem 60. und 75. Lebensjahr. Frauen sind in der jüngeren Altersgruppe häufiger betroffen, während Männer in der älteren Altersgruppe überwiegen.

Obwohl Myasthenia gravis eine seltene Erkrankung ist, gibt es Behandlungsoptionen, die darauf abzielen, den Betroffenen ein weitgehend normales Alltagsleben mit geringen Einschränkungen zu ermöglichen. Eine vollständige Kräftigung ist jedoch meist nicht erreichbar, und gewisse Einschränkungen der körperlichen Belastbarkeit müssen toleriert werden.

Hilfsmittelversorgung bei Myasthenia Gravis

Wenn die Muskelkraft nachlässt, werden alltägliche Verrichtungen allmählich schwieriger oder sind vielleicht - ohne Hilfe - gar nicht mehr ausführbar. Ankleiden, Kämmen, das Türschloss öffnen, mit der Hand schreiben - diese Funktionen fallen schwer, wenn die Feinmotorik der Hände beeinträchtigt ist. Selbständigkeit und Mobilität werden von den meisten Menschen als wesentliche Faktoren der persönlichen Zufriedenheit und Lebensqualität angesehen.

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Hilfsmittel sind technische Produkte, die von Menschen mit Behinderung oder Erkrankung genutzt werden, um Funktionseinschränkungen oder -verluste im Alltag auszugleichen und / oder therapeutische Ziele zu erreichen. Sie vermitteln bei der richtigen Anwendung mehr Unabhängigkeit, Selbstständigkeit und Sicherheit - je nach Situation - im privaten, im gesellschaftlichen oder / und im beruflichen Leben. Hilfsmittel gleichen nicht nur Bewegungseinschränkungen aus, sondern sie unterstützen Sie und aktivieren Ihre vorhandene Eigenbeweglichkeit und Muskelkraft. Es gibt eine Vielzahl von Hilfsmitteln, die unterschiedlichen Zielsetzungen dienen. Exemplarisch sind nachfolgend zentrale Bereiche zusammengestellt. Die im Text aufgeführten Produkte sind Beispiele ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Beachten Sie dabei: Nicht jedes Hilfsmittel ist für jeden geeignet und notwendig.

Arten von Hilfsmitteln

Es gibt eine Vielzahl von Hilfsmitteln, die den Alltag von Menschen mit Myasthenia gravis erleichtern können. Diese lassen sich grob in folgende Kategorien einteilen:

  • Mobilitätshilfen: Rollatoren, Rollstühle (manuell oder elektrisch), Elektromobile, Treppenlifte, Gehstöcke
  • Hilfen für den Haushalt: Greifzangen, Öffnungshilfen, Schneidebretter mit Fixiervorrichtung, Spezialbesteck mit verdickten Griffen, rutschfeste Unterlagen
  • Hilfen für die Körperpflege: Badewannenlifter, Duschstühle, Haltegriffe, erhöhte Toilettensitze, Anziehhilfen
  • Kommunikationshilfen: Sprachverstärker, Diktierprogramme, spezielle Tastaturen
  • Hilfen für die Freizeit: Blattwender, Buchstützen, Kartenhalter

Finanzierung von Hilfsmitteln

Die Kosten für Hilfsmittel können von verschiedenen Leistungsträgern übernommen werden, abhängig von der Art des Hilfsmittels und dem individuellen Bedarf des Patienten. In den meisten Fällen ist die gesetzliche Krankenversicherung (GKV) der primäre Ansprechpartner.

Gesetzliche Krankenversicherung (GKV)

Die GKV ist zuständig für Hilfsmittel, die dem Behinderungsausgleich und/oder der Therapie dienen. Um eine Kostenübernahme zu erhalten, muss ein Antrag bei der Krankenkasse gestellt werden. Dieser sollte idealerweise vor der Anschaffung des Hilfsmittels eingereicht werden. Dem Antrag ist eine ärztliche Verordnung mit einer detaillierten Begründung der medizinischen Notwendigkeit beizufügen.

Die Krankenkasse prüft den Antrag und kann bei Bedarf den Medizinischen Dienst der Krankenversicherung (MDK) einschalten, um die Notwendigkeit des Hilfsmittels zu überprüfen. Die Krankenkasse muss innerhalb von drei Wochen über den Antrag entscheiden. Wenn der MDK eingeschaltet wird, verlängert sich die Frist auf fünf Wochen.

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Wird der Antrag abgelehnt, besteht die Möglichkeit, Widerspruch einzulegen. Es ist ratsam, sich dabei von einem Reha-Berater oder einerPatientenorganisation unterstützen zu lassen.

Pflegeversicherung

Die Pflegeversicherung kann für Hilfsmittel zuständig sein, die die Pflegesituation verbessern, die Pflege erleichtern oder eine selbstständige Lebensführung ermöglichen. Dies gilt insbesondere für Pflegehilfsmittel wie Pflegebetten, Lagerungshilfen und Inkontinenzprodukte.

Sozialhilfe

Die Sozialhilfe ist ein nachrangiger Leistungsträger und kommt nur dann in Frage, wenn keine vorrangigen Ansprüche gegenüber der Kranken- oder Pflegeversicherung bestehen.

Private Krankenversicherung (PKV)

Bei privat Krankenversicherten richtet sich die Kostenübernahme nach den individuellen Vertragsbedingungen. In der Regel erfolgt die Abrechnung nach dem Kostenerstattungsprinzip, d.h. der Versicherte verauslagt die Kosten und erhält diese von der PKV erstattet.

Der Antragsprozess

  1. Bedarfsermittlung: Klären Sie mit Ihrem Arzt, Therapeuten oder einem Reha-Berater, welche Hilfsmittel für Ihre individuelle Situation geeignet und notwendig sind.
  2. Ärztliche Verordnung: Lassen Sie sich von Ihrem Arzt eine Verordnung für das benötigte Hilfsmittel ausstellen. Die Verordnung sollte die genaue Bezeichnung des Hilfsmittels, die Diagnose und die medizinische Begründung für die Notwendigkeit enthalten.
  3. Kostenvoranschlag: Holen Sie bei einem Sanitätshaus oder einem anderen Leistungserbringer einen Kostenvoranschlag für das Hilfsmittel ein.
  4. Antragstellung: Reichen Sie den Antrag auf Kostenübernahme zusammen mit der ärztlichen Verordnung und dem Kostenvoranschlag bei der zuständigen Krankenkasse ein.
  5. Prüfung und Genehmigung: Die Krankenkasse prüft den Antrag und entscheidet über die Kostenübernahme.
  6. Versorgung: Nach Genehmigung des Antrags können Sie das Hilfsmittel beim Leistungserbringer beziehen.

Tipps für eine erfolgreiche Antragstellung

  • Handeln Sie frühzeitig: Beginnen Sie frühzeitig mit der Planung und Beantragung von Hilfsmitteln, da die Bearbeitung des Antrags einige Zeit in Anspruch nehmen kann.
  • Seien Sie präzise: Formulieren Sie Ihren Antrag klar und präzise und begründen Sie die Notwendigkeit des Hilfsmittels ausführlich.
  • Fügen Sie alle relevanten Unterlagen bei: Legen Sie dem Antrag alle relevanten Unterlagen bei, wie z.B. ärztliche Verordnungen, Kostenvoranschläge und Gutachten.
  • Nutzen Sie Beratungsangebote: Lassen Sie sich von einem Reha-Berater, einer Patientenorganisation oder einem Sanitätshaus bei der Antragstellung beraten.
  • Bleiben Sie hartnäckig: Geben Sie nicht auf, wenn Ihr Antrag abgelehnt wird, sondern legen Sie Widerspruch ein und holen Sie sich Unterstützung.

Rollatoren bei Myasthenia Gravis

Ein Rollator kann für Menschen mit Myasthenia gravis eine wertvolle Unterstützung sein, um die Mobilität und Selbstständigkeit im Alltag zu erhalten. Er bietet Stabilität und Sicherheit beim Gehen und ermöglicht es, längere Strecken zurückzulegen, ohne zu schnell zu ermüden.

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Vorteile eines Rollators

  • Erhöhte Stabilität und Sicherheit: Der Rollator bietet eine stabile Basis und reduziert das Sturzrisiko.
  • Entlastung der Muskulatur: Der Rollator unterstützt das Körpergewicht und entlastet die Muskulatur, was die Ermüdung reduziert.
  • Ermöglicht längere Gehstrecken: Mit einem Rollator können längere Strecken zurückgelegt werden, ohne zu schnell zu ermüden.
  • Integrierte Sitzmöglichkeit: Viele Rollatoren verfügen über eine integrierte Sitzmöglichkeit, die es ermöglicht, sich bei Bedarf auszuruhen.
  • Einkaufskorb oder Tasche: Ein Einkaufskorb oder eine Tasche am Rollator ermöglicht es, Einkäufe oder andere Gegenstände bequem zu transportieren.

Auswahl des richtigen Rollators

Bei der Auswahl des richtigen Rollators sollten folgende Kriterien berücksichtigt werden:

  • Gewicht: Ein leichter Rollator ist leichter zu handhaben und zu transportieren.
  • Stabilität: Der Rollator sollte stabil und standsicher sein.
  • Einstellbarkeit: Der Rollator sollte in der Höhe verstellbar sein, um ihn an die Körpergröße des Benutzers anzupassen.
  • Bremsen: Die Bremsen sollten leicht zu bedienen und zuverlässig sein.
  • Sitzhöhe: Die Sitzhöhe sollte so gewählt werden, dass ein bequemes Sitzen möglich ist.
  • Zubehör: Je nach Bedarf können Zubehörteile wie einStockhalter, ein Rückengurt oder eine Beleuchtung sinnvoll sein.

Beantragung eines Rollators bei der Krankenkasse

Ein Rollator kann bei medizinischer Notwendigkeit von der Krankenkasse bezahlt werden. Hierfür ist eine ärztliche Verordnung erforderlich, die die Diagnose und die Begründung für die Notwendigkeit des Rollators enthält. Der Antrag auf Kostenübernahme wird zusammen mit der Verordnung und einem Kostenvoranschlag bei der Krankenkasse eingereicht.

Weitere Hilfsmittel und Tipps für den Alltag

Neben Rollatoren gibt es eine Vielzahl weiterer Hilfsmittel und Tipps, die den Alltag von Menschen mit Myasthenia gravis erleichtern können:

  • Ergotherapie: Ergotherapie kann helfen, Strategien und Techniken zu erlernen, um den Alltag trotz der Erkrankung möglichst selbstständig zu bewältigen.
  • Physiotherapie: Physiotherapie kann helfen, die Muskulatur zu stärken und die Beweglichkeit zu erhalten.
  • Logopädie: Logopädie kann bei Sprech- und Schluckstörungen helfen.
  • Anpassung des Wohnumfeldes: Durch Anpassungen im Wohnumfeld, wie z.B. Haltegriffe im Bad oder eine erhöhte Toilette, kann die Selbstständigkeit im Alltag erhalten werden.
  • Unterstützung im Haushalt: Bei Bedarf kann eine Haushaltshilfe beantragt werden, um Aufgaben zu übernehmen, die aufgrund der Erkrankung schwerfallen.
  • Selbsthilfegruppen: Der Austausch mit anderen Betroffenen in einer Selbsthilfegruppe kann wertvolle Unterstützung undInformationen bieten.

Urlaub mit Myasthenia Gravis

Auch mit Myasthenia gravis ist es möglich, in den Urlaub zu fahren. Es bedarf jedoch einiger Planung und Vorbereitung, um den Urlaub möglichst entspannt und stressfrei zu gestalten.

Planung und Vorbereitung

  • Rechtzeitige Planung: Beginnen Sie frühzeitig mit der Planung Ihres Urlaubs, um ausreichend Zeit für die Organisation und Vorbereitung zu haben.
  • Ärztliche Beratung: Besprechen Sie Ihre Reisepläne mit Ihrem Arzt und lassen Sie sich beraten, welcheVorkehrungen Sie treffen sollten.
  • Medikamentenversorgung: Stellen Sie sicher, dass Sie ausreichend Medikamente für die gesamte Reisedauer dabei haben. Führen Sie einen Medikamentenplan mit sich, aus dem die Dosierung und Einnahmezeiten hervorgehen.
  • Notfallausweis: Tragen Sie einen Notfallausweis mit sich, der Informationen über Ihre Erkrankung, Ihre Medikamente und Notfallkontakte enthält.
  • Reiseversicherung: Schließen Sie eine Reiseversicherung ab, die auch die Kosten für medizinische Behandlungen im Ausland übernimmt.
  • Barrierefreiheit: Achten Sie bei der Buchung von Unterkünften und Transportmitteln auf Barrierefreiheit.
  • Klima: Vermeiden Sie extreme Temperaturen und wählen Sie ein Reiseziel mit einem Klima, das für Sie gut verträglich ist.
  • Reisezeit: Planen Sie ausreichend Pausen während der Anreise ein, um sich auszuruhen.

Tipps für den Urlaubsort

  • Aktivitäten: Passen Sie Ihre Aktivitäten an Ihre körperliche Verfassung an und überanstrengen Sie sich nicht.
  • Ruhepausen: Planen Sie ausreichend Ruhepausen ein, um sich zu erholen.
  • Ernährung: Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung und trinken Sie ausreichend Flüssigkeit.
  • Medizinische Versorgung: Informieren Sie sich vorab über die medizinische Versorgung am Urlaubsort und notieren Sie sich die Adressen und Telefonnummern von Ärzten und Krankenhäusern.
  • Hilfsmittel: Nehmen Sie alle benötigten Hilfsmittel mit in den Urlaub.

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