Nachtmann Neurologe Rotenburg: Entwicklungen und Veränderungen in der neurologischen Versorgung

Die neurologische Versorgung in Rotenburg und Umgebung hat in den letzten Jahren einige Veränderungen erlebt. Dieser Artikel beleuchtet die Entwicklungen rund um die Neurologie am Herz- und Kreislaufzentrum (HKZ) Rotenburg, insbesondere im Zusammenhang mit dem Weggang von Dr. Andreas Nachtmann und der Neuausrichtung des HKZ nach dem Verkauf an das Klinikum Hersfeld-Rotenburg.

Veränderungen am Herz- und Kreislaufzentrum (HKZ)

Fünf Wochen nach dem Verkauf des HKZ an das Klinikum Hersfeld-Rotenburg wurden erste Schritte zur Neuausrichtung unternommen. Landrat Dr. Michael Koch, Klinikkonzern-Geschäftsführer Martin Ködding und HKZ-Geschäftsführer Ulrich Meier informierten über die geplanten Maßnahmen. Sie betonten, dass ein solches Change-Management Zeit brauche und Investitionen in ein noch zu entwickelndes Gesamtkonzept passen müssten. Ein externer Berater soll hinzugezogen werden.

Ausbau der Kardiologie und Geriatrie

Zunächst soll die kardiologische Intensivstation hochgefahren und Fachpersonal gesucht werden. Voraussichtlich ab September startet die Geriatrie (Altersmedizin) mit 20 neuen Betten. Zuvor werden die Zimmer für die Bedürfnisse der älteren Patienten umgebaut. Das herzmedizinische Profil soll ausgebaut werden, unter anderem durch eine eigenständige Abteilung Elektrophysiologie, für die noch ein Chefarzt gesucht wird. Ulrich Meier möchte zudem ein Kardio-MRT anbieten. Das vorhandene Hochleistungs-MRT sei dazu bestens geeignet.

Neubau und Hubschrauberlandeplatz

Bezüglich eines Neubaus für 26,5 Millionen Euro erklärten die Verantwortlichen, dass man gemeinsam mit den Mitarbeitern ein Raumkonzept erarbeiten werde. Gebaut werden soll ab 2018. Was die fehlende luftfahrtrechtliche Genehmigung des Hubschrauberlandeplatzes angeht, so bemüht man sich um eine Zwischenlösung.

Auswirkungen auf die Neurologie

Im Bereich der Neurologie sollen - nachdem die zertifizierte Stroke Unit (Schlaganfalleinheit/Phase A) geschlossen wurde - die Phasen B und C (also nach der ersten Akutbehandlung) ausgebaut werden. Ein Problem sind jedoch fehlende Fachärzte. Nach Chefarzt Dr. Andreas Nachtmann und einem weiteren Neurologen verließ in Kürze auch der letzte noch verbliebene Facharzt das HKZ. Hilfe soll aus Bad Hersfeld kommen. Die Leitung sowohl der Geriatrie als auch der Neurologie übernahm Prof. Markus Horn, Chefarzt der Neurologie am Klinikum und dann auch am HKZ.

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Der Weggang von Dr. Andreas Nachtmann

Der Chefarzt der Neurologie am Herz- und Kreislaufzentrum (HKZ), Dr. Andreas Nachtmann, wurde neuer Chefarzt in der Fachklinik Bad Liebenstein, die zur m&i-Klinikgruppe Enzensberg gehört. Sein letzter Arbeitstag im HKZ war der 31. Januar 2016. Nachtmann hatte die neurologische Reha vor zwölf Jahren am HKZ aufgebaut, vor fünf Jahren folgte die Akut-Neurologie. Seit 2011 wurden im HKZ Patienten mit Schlaganfall rund um die Uhr in der zertifizierten Schlaganfall-Einheit (Stroke Unit) behandelt.

Gründe für den Wechsel

Nachtmann erklärte, sein Wechsel habe mit dem bevorstehenden Verkauf des HKZ nichts zu tun. Die Position in Bad Liebenstein sei genau der Bereich, den er sich vorstelle. Er habe sich die Entscheidung aber nicht leicht gemacht, zumal er einige Patienten zurücklassen müsse, die er in der Praxis ambulant behandelt habe.

Bedauern über den Weggang

Im Herz- und Kreislaufzentrum bedauerte man den bevorstehenden Weggang des Neurologen. Andreas Nachtmann sei ein „exquisiter Mediziner“, sagte Geschäftsführer Ulrich Hornstein. Nun suchte man einen entsprechenden Nachfolger. Geplant war laut Hornstein die Vergrößerung der Akut-Neurologie von jetzt 25 Betten auf 40 bis 50. Im Gegenzug sollten die derzeit 70 Reha-Betten reduziert werden.

Neurologische Versorgung im Raum Rotenburg/Bebra

Durch den Weggang von Dr. Nachtmann und anderen Neurologen entstand eine Versorgungslücke im Raum Rotenburg/Bebra. Zur ambulanten neurologischen Versorgung mussten die Patienten seit September des vergangenen Jahres nach Bad Hersfeld oder zu einem Neurologen außerhalb des Kreises fahren.

Wiederaufnahme der ambulanten Versorgung

Ab Februar sollte in Rotenburg wieder eine Neurologin tätig sein. Das bestätigte der Geschäftsführer des Kreiskrankenhauses (KKH) Rotenburg, Ulrich Hornstein. Die ambulante neurologische Versorgung im nördlichen Kreisteil sollte ab Februar wieder offiziell aufgenommen werden. Dazu kam Dr. Britta Richhardt aus Homberg in das Medizinische Versorgungszentrum des Kreiskrankenhauses.

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Bedeutung der Wiederbesetzung

Mit der Wiederbesetzung des Kassenarztsitzes in Rotenburg sollte sich auch die Situation in Bad Hersfeld etwas entspannen, weil viele Patienten aus dem nördlichen Kreisteil in die Kreisstadt ausgewichen waren und hier teilweise Wartezeiten von bis zu vier Monaten entstanden sind. Neurologen behandeln unter anderem Patienten mit Volkskrankheiten wie Polyneuropathie und Migräne, aber auch mit Parkinson oder Multipler Sklerose (MS).

Frühere neurologische Versorgung

Bis Ende August hatte das Kreiskrankenhaus in Zusammenarbeit mit dem Herz- und Kreislaufzentrum am MVZ des KKH die Sprechstunde angeboten. Neurologen des HKZ hatten stundenweise hier praktiziert, so etwa Dr. Andreas Nachtmann, Dr. Zoltan Jakubovich und Dr. Peter Mattausch. Nach dem Weggang von Jakubovich war seit September kein Neurologe mehr für die ambulante Versorgung von Kassenpatienten im Raum Rotenburg/Bebra vertreten.

Die Rolle des Klinikums Hersfeld-Rotenburg

Das „Klinikum Hersfeld-Rotenburg“ entstand durch den Verkauf des Herz- und Kreislaufzentrums in Rotenburg an das Klinikum. Zu dem neuen Klinikkonzern gehören außerdem die Orthopädie und die Klinik am Hainberg in Bad Hersfeld.

Aufgabenverteilung im Gesamtkonzern

Es geht nicht allein um das HKZ, sondern auch um die Aufgabenverteilung im Gesamtkonzern, für den man auch das Kreiskrankenhaus noch gewinnen möchte. Es werde langfristig nicht mehr allein überleben können, erklärte Landrat Koch, der vom Investment des Kreises in die Gesundheitsstruktur überzeugt ist. „Wir brauchen eine abgestimmte Versorgungsstruktur“, betonte auch Martin Ködding. Man müsse raus aus dem Wettbewerb und sich an neuen Bedarfen, wie etwa der älter werdenden Bevölkerung, orientieren.

Frühere Entwicklungen in der Neurologie am HKZ

Im Oktober 2010 nahm der strahlungsärmste 256-Zeilen-Computertomograph seinen Betrieb auf und versprach Unterstützung auf höchstem Niveau. Insgesamt standen nun zwei neue Stationen zur Verfügung: Die erste neurologische Akutstation wurde bereits am 1. August 2010 in Betrieb genommen, die zweite am 1. November. Schlaganfallpatienten ab dem etwa 4 Behandlungstag wurden bereits jetzt auf den ersten wichtigen Tagen nach dem „Lebenseinschnitt“ in eine gute Genesung begleitet. Die neurologische Schlaganfalleinheit (Stroke Unit) - für direkte Notfälle - wurde am 1. Januar 2011 eröffnet.

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Bedeutung für die regionale Versorgung

Im Versorgungsgebiet Fulda-Bad Hersfeld nahmen an der allgemein-neurologischen Versorgung mit Stroke Unit bisher zwei Plankrankenhäuser - das Klinikum Fulda und das Klinikum Bad Hersfeld - teil. Im Schwalm-Eder-Kreis waren keine neurologischen Akutbetten vorhanden. Weiter waren keine entsprechenden Betten zur zeitnahen Schlaganfallversorgung im Bereich Hessisch-Lichtenau, Sontra und im Umfeld des Altkreises Rotenburg bisher vorhanden. Durch die Schaffung der wohnortnahen neurologischen Akutversorgung am Standort HKZ wurde der Patientenversorgung Rechnung getragen.

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