Nahen Lernen: Wie behinderte Kinder gefördert werden können

Einführung

Kinder mit Behinderungen haben das gleiche Recht auf Bildung, Förderung und Teilhabe wie alle anderen Kinder. Es gibt eine Vielzahl von Möglichkeiten, wie diese Kinder unterstützt werden können, um ihre Fähigkeiten zu entwickeln und ein erfülltes Leben zu führen. Dieser Artikel beleuchtet verschiedene Aspekte des Lernens und der Förderung von Kindern mit Behinderungen, von der frühkindlichen Förderung bis hin zu Wohnmöglichkeiten im Erwachsenenalter.

Frühkindliche Förderung: Ein guter Start ins Leben

Das Recht auf Förderung von Kindern mit Behinderung beginnt nicht erst mit dem Schulalter, sondern bereits ab der Geburt. Die Frühförderung ist ein Bündel verschiedener Hilfeleistungen, das von der Beratung über medizinisch-therapeutische Hilfen bis zur (heil)pädagogischen Förderung reicht. Diese Angebote richten sich an Kinder vom Säuglings- bis zum Schulalter und greifen insbesondere dann, wenn sie in ihrer körperlichen, geistigen und seelischen Entwicklung Unterstützung benötigen.

Warum ist Frühförderung so wichtig?

  • Frühe Erkennung von Auffälligkeiten: Je früher eine gesundheitliche Auffälligkeit oder Beeinträchtigung in der Entwicklung des Kindes erkannt wird, desto besser können geeignete Maßnahmen eingeleitet werden.
  • Milderung der Folgen von Behinderungen: Gerade in den ersten Lebensjahren des Kindes können heilpädagogische und therapeutische Maßnahmen die Entwicklung positiv beeinflussen.
  • Unterstützung der Eltern: Die Frühförderung unterstützt Eltern von Kindern mit Behinderung und bietet ihnen Beratung und Hilfestellung.

Welche Arten von Frühförderung gibt es?

  • Beratung: Frühförderstellen und Sozialpädiatrische Zentren bieten Eltern Orientierung und Hilfe.
  • Medizinisch-therapeutische Hilfen: Beispiele hierfür sind Bewegungstherapie, Sehschule oder Sprachförderung.
  • (Heil)pädagogische Förderung: Speziell ausgebildete Therapeutinnen und Therapeuten üben mit dem Kind, seine Fähigkeiten auszubauen und zu verbessern.

Eltern sollten sich an einen Kinderarzt wenden, wenn sie Auffälligkeiten zum Beispiel in der Bewegung oder beim Sprechen feststellen. Frühförderung ist für die Eltern kostenlos.

Inklusion in Kitas und Schulen

Kitas: Gemeinsam spielen und lernen

Kitas bieten Betreuungsangebote für Kinder mit Behinderung im Säuglings-, im Kleinkind- sowie im Kindergarten- und Schulalter. Es gibt verschiedene Modelle:

  • Sonderkindergärten: Hier bleiben Kinder mit Behinderung unter sich. Die Zahl dieser Einrichtungen ist rückläufig, vor allem aufgrund der positiven Erfahrungen mit integrativen Angeboten.
  • Integrationskindergärten: Dort spielen und lernen Kinder mit und ohne Behinderung gemeinsam.
  • Einzelintegration oder integrative Gruppen in allgemeinen Kindergärten: Ein oder mehrere Kinder mit Behinderung werden zusammen mit nicht behinderten Kindern betreut. Dies ist auch in Kindertagesstätten von Eltern-Initiativen möglich.

Kinder mit Behinderung haben ein Recht auf zusätzliche Betreuung. Die Kosten trägt das Jugend- oder das Sozialamt (unterschiedliche Regelungen in den Bundesländern). Eltern müssen sich an den Kosten nicht beteiligen. Beim Besuch von integrativen Einrichtungen können von den Eltern die üblichen Beiträge erhoben werden, die auch Eltern nicht behinderter Kinder zu zahlen haben.

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Schulen: Der Weg zur Inklusion

Während in Kindergärten das gemeinsame Lernen von Kindern mit und ohne Behinderung an der Tagesordnung ist, tun sich die Schulen oft noch schwer damit. Lediglich etwa 13 Prozent aller Kinder mit einer Behinderung besuchen eine Regelschule. Und von den Kindern mit einer geistigen Behinderung lernen nur knapp drei Prozent gemeinsam mit nicht behinderten Kindern. Aufgrund des geringen Angebots bietet sich Eltern oft erst gar nicht die Wahl zwischen Sonderschule und inklusiver Schule.

Welche Schulform ist die richtige für mein Kind?

Bei der Wahl der Schulform sollten Eltern folgende Fragen berücksichtigen:

  • Welche Schulform hilft meinem Kind, sein Selbstbewusstsein zu entwickeln und zu stärken?
  • Wie weit ist die Schule vom Wohnort entfernt?
  • Wie viele Schüler gibt es pro Klasse und wie viele Lehrkräfte hat die Schule?
  • Wo liegen die Interessen meines Kindes, und welche Schule geht am besten darauf ein?

Behinderte und nicht behinderte Kinder lernen zum Beispiel in Integrationsklassen von Regelschulen gemeinsam.

Schulbegleitung: Unterstützung im Schulalltag

Schulbegleiterinnen und Schulbegleiter betreuen Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit geistiger, körperlicher oder (drohender) seelischer Behinderung. Sie unterstützen den Alltag in Schulen, Kindergärten und Kitas, sodass die Kinder und Jugendlichen diesen möglichst selbstständig meistern können. Diese Unterstützung geben sie ganz individuell, je nachdem was die Kinder und Jugendlichen brauchen, und im Einklang mit den Vorgaben der Kostenträger.

Die Malteser bieten beispielsweise Schulbegleitung an. Ihre Leistungen umfassen:

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  • Beratung für Eltern: Sie beraten und unterstützen die Eltern und schaffen Klarheit sowie Sicherheit, wenn eine Schulbegleitung infrage kommt.
  • Beratung für Schulen und Betreuungseinrichtungen: Sie beraten die Einrichtungen auf dem Weg zur Inklusion.
  • Begleitung im Alltag: Sie begleiten Kinder und Jugendliche in der Schule und im Kindergarten - absolut zuverlässig und individuell.

Familienentlastende und -unterstützende Dienste (FED/FUD)

Familienentlastende Dienste (FED) und Familienunterstützende Dienste (FUD) schaffen Freiräume für Familien, die ihre Kinder oder Jugendlichen mit Behinderung zu Hause betreuen. Außerdem bieten sie den Kindern und Jugendlichen Hilfen für den Alltag außerhalb des Elternhauses sowie Freizeitmöglichkeiten. Die Dienste stellen Betreuungs- und Pflegehilfen stundenweise, tageweise oder auch mehrtägig. Sie helfen bei der Vermittlung von Gastfamilien, begleiten Kinder mit Behinderung in den Kindergarten oder die Schule und leisten individuelle Schwerstbehindertenbetreuung (ISB). Die betreuten Familien entscheiden weitgehend selbst über Art und Umfang der Hilfe.

Wohnen im Erwachsenenalter

Auch junge Menschen mit geistiger oder mehrfacher Behinderung können und wollen ohne die Eltern wohnen. Denn: Eltern können sich oft irgendwann nicht mehr um ihr Kind kümmern. Zum Beispiel, weil sie zu alt sind, krank werden oder sterben. Dann muss das Kind plötzlich, vielleicht mit 55 Jahren, zum ersten Mal woanders wohnen. Vor allem Menschen mit brauchen aber viel Zeit, um sich an eine neue Umgebung zu gewöhnen. Vor allem, wenn sie schon älter sind und noch nie vorher ohne die Eltern gewohnt haben. Deshalb hilft es sehr, wenn Kinder schon in jungen Jahren üben, alleine zu wohnen.

Wie finde ich die passende Wohnform?

  • Suchen Sie nach Wohn-Angeboten, bei denen Ihr Kind die Unterstützung bekommt, die es braucht.
  • Vielleicht wollen Sie Ihr Kind auch selbst so oft wie möglich unterstützen. Wenn Sie zum Beispiel eine Wohngemeinschaft in der Nähe finden, können Sie Ihr Kind jeden Tag besuchen.
  • Starten Sie am besten mit Probe-Wohnen. Hat das gut geklappt, können Sie und Ihr Kind mit einer Wohnform anfangen, in der das Kind viel Unterstützung bekommt: zum Beispiel das Wohnen.
  • Danach können Sie in kleinen Schritten zu Wohnformen wechseln, bei denen das Kind selbstständiger sein muss: zum Beispiel das "Betreute Einzelwohnen".
  • In manchen Städten gibt es sogenannte „Wohnschulen“.

Organisationen und Vereine, die Unterstützung anbieten

Es gibt eine Vielzahl von Organisationen und Vereinen, die sich für die Belange von Menschen mit Behinderung und ihren Familien einsetzen. Einige Beispiele sind:

  • Leben mit Behinderung Hamburg Elternverein: Dieser Verein unterstützt 1.500 Familien mit einem Angehörigen mit einer Behinderung. Die Tochtergesellschaft, Leben mit Behinderung Hamburg Sozialeinrichtungen, unterstützt 1.500 Menschen in den Bereichen Arbeit, Wohnen, Bildung, Freizeit und Kultur.
  • Philip Julius e. V.: Dieser Verein unterstützt Familien mit schwerstbehinderten Kindern. Er bietet ein breites Spektrum an Unterstützungsangeboten, von Beratung bis hin zu Freizeitaktivitäten.
  • UNICEF: UNICEF setzt sich weltweit für die Rechte von Kindern mit Behinderung ein. Sie unterstützen Förderzentren, ermöglichen Therapien und Betreuung und helfen bei der Beschaffung von Hilfsmitteln.

Die Bedeutung von Inklusion und Teilhabe

Inklusion und Teilhabe sind zentrale Begriffe, wenn es um die Förderung von Menschen mit Behinderung geht. Inklusion bedeutet, dass alle Menschen, unabhängig von ihren Fähigkeiten oder Beeinträchtigungen, gleichberechtigt an der Gesellschaft teilhaben können. Teilhabe bedeutet, dass Menschen mit Behinderung die Möglichkeit haben, ihr Leben selbstbestimmt zu gestalten und ihre Fähigkeiten und Talente einzubringen.

Wie können Inklusion und Teilhabe gefördert werden?

  • Abbau von Barrieren: Barrieren können baulicher, kommunikativer oder sozialer Natur sein.
  • Aufklärung und Sensibilisierung: Vorurteile und Diskriminierung abbauen.
  • Förderung von Selbstbestimmung: Menschen mit Behinderung die Möglichkeit geben, ihr Leben selbstbestimmt zu gestalten.
  • Unterstützung von Netzwerken: Zusammenarbeit zwischen Menschen mit und ohne Behinderung fördern.

Herausforderungen und Chancen

Die Förderung von Kindern mit Behinderungen ist mit Herausforderungen verbunden. Dazu gehören unter anderem:

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  • Mangelnde Ressourcen: Finanzielle Mittel, Personal und Infrastruktur sind oft nicht ausreichend vorhanden.
  • Vorurteile und Diskriminierung: Menschen mit Behinderung sind immer noch mit Vorurteilen und Diskriminierung konfrontiert.
  • Komplexe Bedarfe: Die individuellen Bedürfnisse von Kindern mit Behinderung sind oft sehr komplex und erfordern eine individuelle Betreuung und Förderung.

Trotz dieser Herausforderungen gibt es auch viele Chancen:

  • Fortschritte in der Forschung: Neue Erkenntnisse in der Medizin und Pädagogik ermöglichen eine immer bessere Förderung von Kindern mit Behinderung.
  • Zunehmendes Bewusstsein für Inklusion: Inklusion wird in der Gesellschaft immer wichtiger.
  • Engagement von Organisationen und Einzelpersonen: Viele Menschen setzen sich mit großem Engagement für die Belange von Menschen mit Behinderung ein.

Eltern als wichtige Partner

Eltern sind die wichtigsten Partner bei der Förderung ihres Kindes mit Behinderung. Sie kennen ihr Kind am besten und können es am besten unterstützen. Es ist wichtig, dass Eltern sich gut informieren, sich mit anderen Eltern austauschen und professionelle Hilfe in Anspruch nehmen, wenn sie diese benötigen.

Tipps für Eltern:

  • Nehmen Sie die Diagnose an: Es ist wichtig, die Diagnose zu akzeptieren und sich auf die Stärken und Fähigkeiten Ihres Kindes zu konzentrieren.
  • Informieren Sie sich: Je besser Sie informiert sind, desto besser können Sie Ihr Kind unterstützen.
  • Suchen Sie sich Unterstützung: Es gibt viele Organisationen und Vereine, die Eltern von Kindern mit Behinderung unterstützen.
  • Tauschen Sie sich mit anderen Eltern aus: Der Austausch mit anderen Eltern kann sehr hilfreich sein.
  • Vergessen Sie sich selbst nicht: Es ist wichtig, dass Sie auch auf Ihre eigenen Bedürfnisse achten.

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