Nekrose im Gehirn: Ursachen und Symptome

Die Nekrose, auch Nekrobiose genannt, bezeichnet in der Medizin das Absterben einzelner Körperzellen oder ganzer Zellverbände in einem lebenden Organismus. Im Gegensatz zum programmierten Zelltod, der Apoptose, ist die Nekrobiose immer krankhaft und wird durch externe Faktoren oder Erkrankungen ausgelöst. Es gibt eine Vielzahl von Faktoren, die Körperzellen irreparabel schädigen können. Die verschiedenen Gewebearten im Körper sterben unterschiedlich ab.

Arten der Nekrose

Die häufigsten Arten der Nekrose sind die Koagulationsnekrose und die Kolliquationsnekrose.

  • Koagulationsnekrose: Diese tritt in proteinreichem Zellgewebe wie Muskeln oder Herz auf. Durch Überlastung oder Sauerstoffmangel schwellen die Zellen an und übersäuern. Dies zerstört die Proteine im Inneren, die aneinanderhaften, wodurch sich die Zellorganellen langsam auflösen. Ein Beispiel hierfür ist geronnenes Eiweiß durch Hitze.
  • Kolliquationsnekrose: Diese Art tritt in fettreichem und eiweißarmem Gewebe wie den Nervenzellen im Gehirn auf. Die Körperzellen schwellen zuerst an, aber ihr Inhalt verflüssigt sich, anstatt sich zu verfestigen. Das abgestorbene Zellgewebe erscheint matschig und schmierig.

Ursachen von Nekrosen im Gehirn

Nekrosen im Gehirn können vielfältige Ursachen haben:

  • Hirntumoren: Ein Hirntumor ist eine Masse oder ein Wachstum von abnormalen Zellen im Gehirn. Es gibt gutartige (benigne) und bösartige (maligne) Hirntumoren. Diese Tumoren können Druck auf das umliegende Gewebe ausüben und zu Nekrosen führen. Studien haben gezeigt, dass Mutationen, beispielsweise im TERT-Promotor, eine Rolle bei der Entstehung von Hirntumoren spielen können.
  • Sekundäre Hirntumoren (Hirnmetastasen): Diese entstehen, wenn Krebszellen aus anderen Organen (z.B. Lungen-, Brust- oder Hautkrebs) ins Gehirn gelangen und dort Tochtergeschwülste bilden.
  • Zerebrovaskuläre Erkrankungen: Diese betreffen die Blutgefäße des Gehirns und können zu Durchblutungsstörungen (zerebrale Ischämien), Gefäßmalformationen oder Sinusthrombosen führen, die wiederum Nekrosen verursachen können.
  • Entzündliche ZNS-Erkrankungen: Erkrankungen wie Multiple Sklerose, Neurosarkoidose oder Vaskulitiden können Entzündungen im Gehirn verursachen, die zu Nekrosen führen.
  • Infektionen: Eine virale Meningoenzephalitis (Entzündung des Gehirns und der Hirnhäute durch Viren), Tuberkulose (Tuberkulom) oder Toxoplasmose können ebenfalls Nekrosen im Gehirn verursachen.
  • Strahlennekrose: Gewebeschäden, die durch Bestrahlung verursacht werden, können im MRT einer Tumorprogression ähneln.
  • Hirnabszess: Eine Eiteransammlung im Gehirn, oft durch eine Infektion verursacht, kann ebenfalls zu Nekrosen führen.
  • Knochennekrose (Osteonekrose): Im Kopf- und Halsbereich sind Ober- und Unterkiefer am häufigsten betroffen. Die häufigste Ursache für das Absterben von Kieferknochen ist eine vorausgegangene Bestrahlung im Kieferbereich. Die abgestorbenen Knochenareale werden als Osteoradionekrose bezeichnet. Auch die Anwendung von Bisphosphonaten, Denosumab und Bevacizumab können zur Osteonekrose von Kieferanteilen führen.

Symptome einer Nekrose

Da die umliegenden Rezeptoren noch intakt sind, geht eine Nekrobiose in der Regel mit starken Schmerzen im betroffenen Bereich einher. Die sterbenden Körperzellen schütten außerdem entzündungsfördernde Stoffe aus, die zu einer Rötung, Schwellung, Überwärmung und einem Spannungsgefühl führen. Befindet sich die Nekrose in der Haut, treten oftmals Eiter und Wundflüssigkeit aus. Zudem sind gelbliche bis bräunlich-schwarze Verfärbungen zu beobachten. Eine große Nekrose kann auch allgemeine Krankheitssymptome wie Fieber, Schüttelfrost, Übelkeit und Erbrechen hervorrufen.

Die Symptome eines Hirntumors können allgemein oder spezifisch sein. Ein allgemeines Symptom wird durch den Druck des Tumors auf das Gehirn oder das Rückenmark verursacht. Des Weiteren hängt die Symptomatik von der Tumorelokalisation und -wachstum ab. Oft wird die Erkrankung durch ein Hirnödem begleitet, welches zusätzlich für Symptome verantwortlich sein kann.

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Mögliche Symptome bei Hirntumoren und Hirnmetastasen:

  • Neu auftretende, starke Kopfschmerzen, besonders nachts und morgens
  • Übelkeit und Erbrechen, besonders morgens
  • Sehstörungen (verschwommenes Sehen, Doppelbilder, eingeschränktes Gesichtsfeld)
  • Neu aufgetretene epileptische Anfälle
  • Lähmungen oder Funktionsstörungen
  • Gleichgewichtsprobleme
  • Sprachstörungen
  • Psychische Auffälligkeiten, Wesensveränderungen
  • Bewusstseinsstörungen (Benommenheit, Verwirrtheit, Konzentrationsstörungen)

Es ist wichtig zu betonen, dass nicht alle diese Symptome notwendigerweise auf einen Hirntumor hinweisen müssen. Viele dieser Symptome sind unspezifisch und können auch andere Ursachen haben. Bei anhaltenden, starken oder ungewöhnlichen Beschwerden sollte jedoch immer ein Arzt konsultiert werden.

Diagnose

Die Diagnose einer Nekrose im Gehirn erfordert eine sorgfältige Anamnese und neurologische Untersuchung.

  • Anamnese: Der Arzt erfasst die Krankheitsgeschichte des Patienten, einschließlich der genauen Beschwerden, Vorerkrankungen und medizinischen Behandlungen.
  • Neurologische Untersuchung: Der Arzt prüft Muskelreflexe, Muskelkraft, Koordination und die Funktion der Hirnnerven.
  • Bildgebende Verfahren:
    • Magnetresonanztomografie (MRT): Das bevorzugte bildgebende Verfahren zur Diagnose von Erkrankungen im Gehirn. Sie bietet detaillierte Bilder und kann Tumore, Ödeme und andere Anomalien identifizieren.
    • Computertomografie (CT): Kann in Notfällen oder zur Beurteilung von Knochenstrukturen durchgeführt werden.
  • Liquordiagnostik: Die Untersuchung der Gehirn-Rückenmarks-Flüssigkeit kann Hinweise auf bestimmte Erkrankungen geben, wie z.B. eine meningeale Aussaat bei bestimmten Tumoren.
  • Biopsie: In einigen Fällen kann eine Biopsie erforderlich sein, um eine genaue Diagnose zu stellen. Dabei wird eine kleine Gewebeprobe durch einen chirurgischen Eingriff entnommen und mikroskopisch untersucht.

Behandlung

Die Behandlung einer Nekrose im Gehirn zielt darauf ab, die Ursache zu beheben, das Fortschreiten der Nekrose zu stoppen und die Symptome zu lindern. Die spezifische Behandlung hängt von der Ursache, der Größe und der Lokalisation der Nekrose ab.

  • Behandlung von Hirntumoren:
    • Chirurgische Entfernung: Wenn möglich, wird der Tumor operativ entfernt, wobei darauf geachtet wird, das umliegende gesunde Gehirngewebe zu schonen.
    • Strahlentherapie: Kann eingesetzt werden, um verbleibende Tumorzellen abzutöten oder das Wachstum des Tumors zu stoppen.
    • Chemotherapie: Medikamente werden eingesetzt, um Krebszellen zu bekämpfen.
    • Zielgerichtete Therapien: Bei bestimmten Krebserkrankungen können Medikamente eingesetzt werden, die spezifisch gegen molekulare Eigenschaften der Krebszellen wirken.
    • Immuntherapie: Kann bei bestimmten Patientengruppen die Überlebenszeiten signifikant verlängern.
  • Behandlung von Hirnmetastasen:
    • Kortikosteroide: Werden zur Linderung von Symptomen eingesetzt, die durch Ödeme verursacht werden.
    • Antikonvulsiva: Werden zur Behandlung von epileptischen Anfällen eingesetzt.
    • Operation: Große oder symptomatische Metastasen können operativ entfernt werden.
    • Stereotaktische Strahlentherapie (Radiochirurgie): Eine gezielte Bestrahlungsmethode, die inoperable Metastasen behandeln kann.
    • Ganzhirnbestrahlung: Kann bei vielen Metastasen im Gehirn eingesetzt werden.
  • Behandlung von Entzündungen und Infektionen:
    • Antibiotika: Bei bakteriellen Infektionen.
    • Antivirale Medikamente: Bei viralen Infektionen.
    • Immunsuppressiva: Bei entzündlichen Erkrankungen, um die Immunreaktion zu unterdrücken.
  • Behandlung der Strahlennekrose:
    • Kortikosteroide: Zur Reduktion von Schwellungen.
    • Behandlung des erhöhten Hirndrucks: Medikamente oder chirurgische Maßnahmen zur Senkung des Hirndrucks.
  • Allgemeine Maßnahmen:
    • Schmerzlinderung: Medikamente zur Schmerzkontrolle.
    • Physiotherapie: Zur Verbesserung der motorischen Funktionen.
    • Ergotherapie: Zur Verbesserung der Alltagsfähigkeiten.
    • Psychotherapie: Zur Unterstützung bei der Krankheitsbewältigung.

Verlauf und Prognose

Die Prognose bei Nekrosen im Gehirn hängt stark von der Ursache, der Größe, der Lokalisation und dem allgemeinen Gesundheitszustand des Betroffenen ab. Eine frühzeitige Diagnose und Behandlung können den Verlauf positiv beeinflussen. Bei bösartigen Hirntumoren oder Hirnmetastasen ist die Prognose oft ungünstiger, aber auch hier gibt es dankFortschritten in der Therapie immer wieder Verbesserungen. Die Behandlung von Hirntumoren hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter das Alter des Patienten, bestehende Vorerkrankungen und der Karnofsky-Index, ein Maß für die körperliche Leistungsfähigkeit des Patienten.

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