Gutartige Gehirntumore: Ursachen, Diagnose und Behandlungsoptionen

Gehirntumore sind Wucherungen im Gehirn, die sowohl gutartig (benigne) als auch bösartig (maligne) sein können. Gutartige Gehirntumore machen etwa zwei Drittel aller Hirntumore aus. Obwohl sie nicht bösartig sind, können sie dennoch lebensbedrohlich sein, da sie Gehirnmasse verdrängen und im begrenzten Raum des Schädels keine Ausdehnungsmöglichkeit besteht. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Diagnose und Behandlungsoptionen gutartiger Gehirntumore, wobei auch auf die Problematik der Nekrose eingegangen wird.

Entstehung und Arten von Gehirntumoren

Gehirntumore entstehen entweder im Gehirngewebe selbst oder in den Gehirnhäuten, was als primärer Hirntumor bezeichnet wird. Wenn der ursprüngliche Tumor in einer anderen Körperregion sitzt und Metastasen im Gehirn gebildet hat, spricht man von einem sekundären Hirntumor. Am häufigsten gehen Gehirntumore von den Gliazellen aus, den Stützzellen im Gehirn. Ein Beispiel für einen gutartigen Gehirntumor ist das Hypophysenadenom.

Meningeome, die von den Hirn- und Rückenmarkshäuten ausgehen, sind in 90 % der Fälle langsam wachsende, gutartige Tumoren. Sie können eine beträchtliche Größe erreichen, bevor Symptome auftreten. Es gibt jedoch auch seltene aggressive Untergruppen, die eine hohe Rezidivrate und rasches Wachstum aufweisen. Meningeome entstehen überall dort, wo Hirnhäute vorkommen, und unterscheiden sich insbesondere durch ihre Lokalisation, z. B. in der vorderen, mittleren oder hinteren Schädelgrube.

Gliome machen etwa 40 % der Hirntumoren aus. Das häufigste Gliom ist das Glioblastom (50 %), gefolgt vom Astrozytom (ca. 30 %), Oligodendrogliom (ca. 8 %) und Ependymom (ca. 6 %). Gliome werden entsprechend ihrer Dignität (biologisches Verhalten) in vier Grade eingeteilt (WHO Grad 1-4), wobei Grad 1 Tumoren gutartig sind.

Symptome von Gehirntumoren

Die Symptome von Gehirntumoren hängen von der Größe, Art und Lage des Tumors ab. Folgende Symptome können auf einen Tumor im Gehirn hinweisen, aber auch Symptome anderer Erkrankungen sein:

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  • Starke Kopfschmerzen
  • Schwindel
  • Erbrechen
  • Sprach-, Seh- und Bewegungsstörungen
  • Vergesslichkeit
  • Konzentrationsschwäche
  • Epileptische Anfälle

Mittellinientumoren können bei älteren Patienten zudem eine Demenz mit wenigen anderen fokalen neurologischen Defiziten verursachen. In der Schwangerschaft kann das Wachstum der Meningeome beschleunigt verlaufen.

Ursachen und Risikofaktoren

Die meisten Meningeome entstehen ohne spezielle Ursache. Am häufigsten sind genetische Veränderungen bestimmter Tumorsuppressorproteine verantwortlich. Diese Proteine sind dafür zuständig, die Wahrscheinlichkeit zu senken, dass sich aus einer Zelle eine Tumorzelle entwickelt.

Bis heute wissen Experten nicht genau, wie Hirntumore entstehen. Wahrscheinlich ist aber, dass die Zellen rein zufällig entarten.

Diagnose von Gehirntumoren

Der erste Schritt zur Diagnose ist immer die Anamnese, d. h. ein Abfragen der Krankheitsgeschichte. Anschließend ist eine neurologische Untersuchung notwendig. Spätestens bei dem Nachweis einer Lähmung oder ungewöhnlicher psychischer Veränderungen ist eine Schnittbildgebung des Gehirns erforderlich. In der Notfallmedizin erfolgt diese aufgrund der besseren Verfügbarkeit oft durch eine Computertomografie (CT), zur optimalen Sichtbarmachung eines Tumors im Schädelinneren ist eine Magnetresonanztomografie (MRT) erforderlich.

Meningeome unterscheiden sich durch ihre Lage auf der äußersten Hirnhaut (Dura mater) und durch charakteristische Ausläufer in ebendiese. Zudem weisen sie eine intensive Kontrastmittelaufnahme auf. Eine Computertomografie (CT) nach Kontrastmittelgabe kann den Tumor sehr gut nachweisen.

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Aufgrund ihrer sehr guten Weichteilauflösung ist die Magnetresonanztomographie (MRT) die Methode der Wahl zur Diagnose von Gliomen. Im MRT stellen sich Glioblastome als Kontrastmittel-aufnehmende Gebilde mit Nekrosen und häufig perifokalem Ödem dar. Astrozytome Grad 2 nehmen typischerweise kein Kontrastmittel auf, Grad 3 Tumoren dagegen ja. Oligodendrogliome stellen sich im MRT meist scharf vom Hirn abgegrenzt dar. Grad 2 Tumoren nehmen typischerweise kein Kontrastmittel auf, Grad 3 Tumoren dagegen ja. Verkalkungen sind häufig. Ependymome verursachen aufgrund ihrer Lage in den Hirnkammern häufig einen Aufstau des Nervenwassers. Gangliogliome wachsen langsam und lassen sich sehr gut vom normalen Hirngewebe abgrenzen.

Behandlungsoptionen

Es erfolgt immer eine für die Patientin oder den Patienten individuell passende Behandlung. Jeder einzelne Fall wird in interdisziplinären Tumorkonferenzen thematisiert - von Experten der Neurologie, der Neurochirurgie, der Radiologie, der Onkologie und der Pathologie. Die Therapiemethoden sind vom Gewebetyp des Tumors, vom Alter und Allgemeinzustand des Patienten und von der Größe und Lage des Tumors im Gehirn abhängig. Grundsätzlich gilt auch hier, je früher ein Gehirntumor erkannt wird, umso günstiger ist die Prognose für den Patienten. In Abhängigkeit von der WHO-Klassifikation des Tumors ist meist jedoch keine Heilung, sondern eine Symptomkontrolle ggf. mit Verlängerung des Überlebens und Stabilisierung bzw. Reduktion der Tumorgröße möglich.

Operation

Bei den meisten Gliomen steht die Operation an erster Stelle der Behandlungskette. Handelt es sich um gutartige Gliome (WHO Grad 1) kann bei vollständiger Tumorentfernung eine Heilung erzielt werden. Ist eine vollständige Tumorentfernung nicht möglich, werden bei gutartigen Gliomen regelmäßige MRT-Kontrollen durchgeführt und bei Wachstumstendenz des Tumorrestes eine nochmalige Operation oder adjuvante Therapien (Bestrahlung und/oder Chemotherapie) durchgeführt. Bei malignen Gliomen (WHO Grad 3 und 4) erfolgt nach der Operation immer eine Bestrahlung und/oder Chemotherapie, auch wenn der Tumor im MRT postoperativ nicht mehr nachweisbar ist.

Im Idealfall, der sehr selten auftritt, kann der Gehirntumor vollständig operativ entfernt werden, ohne Tumorzellen zurückzulassen. Häufig gelingt es jedoch nur, einen Grossteil des Tumors zu entfernen. In manchen Fällen, z.B. bei schlechtem Allgemeinzustand des Patienten oder ungünstiger Tumorlage, kann auch nur die Entnahme einer kleinen Gewebeprobe (Biopsie) zur Diagnosesicherung möglich sein.

Strahlentherapie

Da in den allermeisten Fällen keine vollständige Entfernung der Tumorzellen möglich ist und durch eine ausgedehnte Operation lebenswichtige Strukturen des Gehirns verletzt werden würden, ist eine Nachbehandlung mittels Strahlentherapie und/oder Chemotherapie angeraten. Auch bei vollständiger Tumorentfernung ist in Abhängigkeit vom WHO-Grad des Tumors eine Nachbehandlung sinnvoll.

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Eine Strahlentherapie als Ersttherapie wird insbesondere dann eingesetzt, wenn der Tumor an einer besonders kritischen Stelle im Gehirn liegt und deswegen nur eine Biopsieentnahme und keine Operation möglich ist. Die Anzahl der Bestrahlungssitzungen und die Bestrahlungsintensität sind abhängig vom Gewebetyp. Während der Strahlentherapie können Nebenwirkungen wie Kopfdruck, Kopfschmerzen, Übelkeit, Haarausfall und ggf. Müdigkeit auftreten. Die meisten Nebenwirkungen können jedoch häufig durch den Einsatz von verschiedenen Medikamenten gemildert werden.

Die Strahlentherapie hat, wie auch die Chemotherapie, die Vernichtung der Krebszellen zum Ziel. Durch eine gezielte Strahlenkonzentration sollen die Krebszellen geschädigt, das gesunde Gewebe aber verschont werden. Da bei den Tumoren des Gehirns operativ meist keine komplette Entfernung des Tumors möglich ist, sollen durch eine Bestrahlung im Anschluss an eine operative Tumorentfernung oder Biopsie die restlichen noch verbliebenen Tumorzellen zerstört werden. Somit soll ein erneutes lokales Tumorwachstum bzw. eine weitere Tumorausbreitung mit Wiederauftreten von Beschwerden verhindert werden. Aus diesem Grund erfolgt meist nach der Operation von Gehirntumoren eine Strahlentherapie, die häufig ambulant durchgeführt werden kann.

Durch eine Bestrahlung kann das Risiko eines erneuten Tumorwachstums vermindert werden. Auch bei weit fortgeschrittenen Tumorerkrankungen mit großen Tumoren oder Metastasen kann die Strahlentherapie eingesetzt werden, in diesem Fall insbesondere zur Kontrolle der Beschwerden und zur Schmerzlinderung.

Chemotherapie

Eine Chemotherapie alleine, ohne Operation und Strahlentherapie, zeigt bei den meisten Gehirntumoren eine nur geringe Wirkung. Jedoch kann eine Chemotherapie bei kombiniertem Einsatz mit der Strahlentherapie die Wirkung der Strahlentherapie verbessern. Die Chemotherapie kann nach Ende der Bestrahlung bei nachgewiesener Wirksamkeit fortgesetzt werden, um die bis dahin erreichte Wirkung (Symptomkontrolle, Größenstabilisierung oder Größenreduktion) aufrecht zu erhalten und weiter zu verbessern. Auch bei Einsatz einer Chemotherapie nach einer Strahlentherapie, wenn diese nicht mehr möglich ist, z.B. im Falle eines erneuten Auftretens eines Tumors, kann durch verschiedene Substanzen und durch verschiedene Kombinationen eine Symptomkontrolle ggf. mit Ansprechen des Tumors (Größenstabilisierung oder Größenreduktion) erreicht werden.

Seit kurzem stehen zur Chemotherapie von Gehirntumoren neuere gutverträgliche Substanzen zur Verfügung, für die eine Wirksamkeit bei verschiedenen Tumoren des Gehirns gezeigt werden konnte und für andere Tumoren im Weiteren noch gezeigt werden muss. Da aufgrund neuer Erkenntnisse die Wirksamkeit vieler bekannter und neuentwickelter Substanzen in der Therapie der Gehirntumoren untersucht werden, ist es grundsätzlich für Patienten mit einem Gehirntumor ratsam, diese tumorspezifischen Therapien von spezialisierten Ärzten an "Therapiezentren" und falls möglich innerhalb "klinischer Studien" durchführen zu lassen. Ein Teil dieser Therapien kann ambulant durchgeführt werden.

Zielgerichtete Therapie

Unter zielgerichteter Therapie versteht man die Vergabe von speziellen Medikamenten, die auf ein bestimmtes Ziel ausgerichtet sind. Wirkstoffe der zielgerichteten Therapie unterbinden verschiedene Prozesse, die für das Wachstum des Tumors wichtig sind: Neben der Zellteilung blockieren sie also zum Beispiel auch die Signalübertragung zwischen Krebszellen. Sie stören die Blutversorgung des Tumors.

Nekrose in Gehirntumoren

Nekrose, das Absterben von Zellen oder Gewebe, kann in Gehirntumoren auftreten, sowohl in gutartigen als auch in bösartigen. Die Ursachen für Nekrosen in Gehirntumoren sind vielfältig:

  • Unzureichende Blutversorgung: Schnell wachsende Tumoren können eine unzureichende Blutversorgung entwickeln, was zu Sauerstoffmangel und Nährstoffmangel in bestimmten Tumorregionen führt. Dies kann zum Absterben von Zellen und zur Bildung von Nekrosen führen.
  • Therapiebedingte Nekrosen: Strahlentherapie und Chemotherapie können ebenfalls Nekrosen in Tumoren verursachen, da sie Krebszellen schädigen und zum Absterben bringen.
  • Tumorbedingte Faktoren: Einige Tumoren setzen Substanzen frei, die das umliegende Gewebe schädigen und Nekrosen verursachen können.

Diagnostische Bedeutung von Nekrosen

Das Vorhandensein von Nekrosen in einem Gehirntumor kann wichtige diagnostische Informationen liefern. In einigen Fällen kann Nekrose ein Zeichen für einen aggressiveren Tumor sein. Beispielsweise sind Nekrosen ein typisches Merkmal von Glioblastomen, einem hochgradig bösartigen Hirntumor.

Therapeutische Implikationen von Nekrosen

Nekrosen können die Behandlung von Gehirntumoren erschweren. Nekrotisches Gewebe kann die Wirksamkeit von Strahlentherapie und Chemotherapie beeinträchtigen, da die Medikamente und Strahlen möglicherweise nicht in ausreichender Konzentration in die nekrotischen Bereiche eindringen können. Darüber hinaus können Nekrosen Entzündungen und Ödeme im Gehirn verursachen, was zu zusätzlichen Symptomen führen kann.

Prognose

Sollte eine Behandlung notwendig sein, ist die Prognose in den meisten Fällen gut. Da es sich in über 90% um eine gutartige Tumorerkrankung handelt, kann sie durch eine Operation geheilt werden. Für Meningeome Grad I, die nicht vollständig entfernt werden konnten, empfehlen Experten ebenfalls Kontroll-MRT-Aufnahmen. Es gibt jedoch auch sehr seltene aggressive Meningeom-Untergruppen (WHO Grad III). Zudem können auch langsam-wachsende Meningeome (WHO Grad I oder II) schwierig zu behandeln sein. Etwa durch eine schwer erreichbare Lokalisation oder durch die unmittelbare Nähe zu Nerven- und Gefäßstrukturen.

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