Einführung
Die Verbindung zwischen Seele und Organen ist ein faszinierendes und komplexes Thema, das seit der Antike Philosophen, Ärzte und Wissenschaftler beschäftigt. Dieser Artikel untersucht die vielfältigen Aspekte dieser Verbindung, von den frühen philosophischen Konzepten bis hin zu modernen neurowissenschaftlichen Erkenntnissen. Dabei werden sowohl die funktionellen Zusammenhänge der Organsysteme als auch die Wechselwirkungen zwischen psychischen und physischen Prozessen beleuchtet.
Funktionelle Dreigliederung der Organsysteme
Der menschliche Organismus lässt sich in drei große Organsysteme unterteilen, die sich funktionell ergänzen und ein harmonisches Zusammenspiel ermöglichen:
Das Nervensystem: Es dient dem Informationsaustausch innerhalb des Organismus und der Orientierung in der Umwelt. Durch Nervenverbindungen steuert es die Lebensprozesse aller Organe.
Das Stoffwechselsystem: Es umfasst das Darmsystem und die inneren Organe (Leber, Milz, Nieren) und basiert auf Stoffabbau, Stoffaufbau, Stoffumsätzen und hormoneller Steuerung. Hier werden die Kräfte für die Lebensaktivitäten produziert.
Das Herz-Kreislauf- und Atmungssystem: Es vermittelt zwischen Nerven- und Stoffwechselsystem, indem es Sauerstoff und Stoffwechselprodukte transportiert und so die Funktionsprozesse am Leben erhält.
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Dreigliederung im seelisch-geistigen Bereich
Auch im seelisch-geistigen Bereich existiert eine Dreigliederung, die mit den Funktionsprozessen im Organismus in Zusammenhang steht:
Denken und Vorstellen: Diese Fähigkeit beruht hauptsächlich auf Gehirnfunktionen.
Wille: Willensprozesse, wie Muskelbewegungen, sind vor allem von Stoffwechselprozessen abhängig.
Fühlen: Empfindungserlebnisse wie Freude, Trauer, Zorn oder Begeisterung beeinflussen Atmung, Blutdruck und Herzschlag. Die Funktionsprozesse im Kreislauf- und Atmungssystem stehen daher in besonderem Zusammenhang mit dem Gefühlsleben.
Historische Perspektiven auf den Sitz der Seele
Die Frage nach dem Sitz der Seele hat sich im Laufe der Geschichte gewandelt. In der Antike wurden verschiedene Körperregionen als mögliche Orte der Seele betrachtet, darunter das Zwerchfell, das Herz und der Bereich unterhalb des Rippenbogens. Der griechische Arzt Galen verortete die Seele im Gehirn, das er dem Körpersaft "Schleim" zuordnete.
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Im Mittelalter etablierte sich eine Zellentheorie, wonach die Hirnkammern den "Wohnsitz der Seele" darstellten. Die vordere Hirnhöhle beherbergte das "Gemeingefühl", die Imagination und Fantasie, die mittlere das Urteilsvermögen, Denken und Vernunft, und die hintere das Gedächtnis.
Im 17. und 18. Jahrhundert rückten feste Strukturen des Gehirns in den Mittelpunkt des Interesses. Descartes sah die Zirbeldrüse als Sitz der Seele, während Thomas Willis das Seelenorgan in die feste Hirnsubstanz verlegte.
Franz Joseph Gall und die Schädellehre
Ein bahnbrechender Umbruch für die spätere Neurowissenschaft war die Schädellehre des Wiener Arztes Franz Joseph Gall. Er gelangte zur Ansicht, dass die seelischen Anlagen auf der Oberfläche der Hemisphären sitzen und dass jede Fähigkeit über ein unabhängiges Organ im Gehirn verfügt. Gall lokalisierte diese Organe an bestimmten Stellen der Hirnrinde und glaubte, dass sich die Aktivität eines Organs in seiner Größe und damit in einer Vorwölbung des Schädels ausdrückt.
Obwohl Galls Schädellehre im Laufe des 19. Jahrhunderts zunehmend abgelehnt wurde, war sie für die Entstehung der modernen Neurowissenschaft wegweisend, da sie die hirnphysiologische Bedeutung der Hirnrinde anerkannte und den Weg für die Lokalisation von Gehirnfunktionen ebnete.
Psychosomatik: Das Wechselspiel von Körper und Seele
Die Psychosomatik beschäftigt sich mit den Wechselwirkungen zwischen Körper und Seele. Seelische Störungen können sich auf das Nervensystem auswirken und die Kommunikation im Körper behindern. Umgekehrt können körperliche Beschwerden seelische Energien, Gefühlsregungen, Stimmungen und Gedankenbilder auslösen.
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Chronischer Stress, Angst, Sorge, Kummer, Trauer, Ungeduld und Misstrauen können die Nerven durcheinanderbringen, das Immunsystem schwächen und das Risiko für Herzinfarkt, Krebs oder Depressionen erhöhen.
Was tun, wenn die Nerven versagen?
Wenn die Nerven versagen, ist es wichtig, die Initiativen nach außen zu reduzieren und die eigene Mitte wiederzufinden. Das Hineinfinden in die Seelenmitte durch Öffnen des Herzens kann helfen, die eigenen Stärken und Talente zu erkennen und ein Gleichgewicht zwischen innerer Kraft und äußerer Belastung zu finden.
Eine neue, positive Einstellung zum Leben, zu Problemen und Aufgaben, die den Nächsten berücksichtigt, aber auch sich selbst nicht vergisst, kann wahre Herzensfreude ermöglichen und Angst und Bange machende Situationen vertrauensvoller in "höhere Hände" legen.
Das Herz als Sinnesorgan: Neurokardiologie
Die Neurokardiologie ist ein relativ junges Forschungsfeld, das sich mit der Verbindung zwischen Herz und Gehirn beschäftigt. Neuere Erkenntnisse deuten darauf hin, dass das Herz nicht nur eine Pumpe, sondern auch ein Sinnesorgan ist, das biochemische und physikalische Informationen aus dem Blut und den Zellen wahrnimmt und an das Gehirn weiterleitet.
Das Herz verfügt über 40.000 Nervenzellen und eine biologische Sensorik für diverse Rezeptoren. Es misst permanent den Druck in den Herzhöhlen und im Blut, bestimmt das chemische Milieu des Blutes und hat Rezeptoren für Hormone, Neurotransmitter und andere Botenstoffe. Diese Informationen werden in elektrische Signale umgewandelt und über das autonome Nervensystem an das Gehirn gesendet.
Studien haben gezeigt, dass die Herztätigkeit die Wahrnehmung beeinflussen kann. Je höher die direkt mit dem Herzschlag verbundene Gehirnaktivität, desto besser werden Bilder wahrgenommen. Auch die Herzfrequenzvariabilität, die das emotionale Gleichgewicht des Patienten widerspiegelt, erlaubt Rückschlüsse auf den Zustand des autonomen Nervensystems und das Langzeitüberleben nach Herzinfarkt.
Psychokardiologie: Herz und Seele im Einklang
Die Psychokardiologie erforscht den Zusammenhang zwischen Herzkrankheiten und dem seelischen Befinden. Studien zeigen, dass mit Erkrankungen am Herzen sehr häufig auch psychische Begleitprobleme einhergehen, wie etwa Depressionen oder Angststörungen.
Die Fortschritte der modernen Herzmedizin haben zwar zu einer deutlichen Senkung der Sterblichkeit bei vielen Herzkrankheiten geführt, aber auf der anderen Seite leben die Patienten heute sehr viel länger und können daher im höheren Alter vermehrt Herzkrankheiten entwickeln.
Entscheidend im Zusammenhang mit den psychischen Folgen einer Herzerkrankung ist, dass die Betroffenen sich oftmals plötzlich in ihrer Leistungsfähigkeit stark eingeschränkt wiederfinden und nicht selten sogar in ihrem Leben bedroht sehen. Dieses einschneidende Ereignis kann Schlafstörungen, Panikattacken oder eine Nahtod-Erfahrung auslösen.
Das Broken-Heart-Syndrom
Das Broken-Heart-Syndrom, auch Stress-Kardiomyopathie genannt, ist eine relativ seltene Herzerkrankung, die zu Anzeichen ähnlich denen eines Herzinfarktes führen kann. Ursachen sind psychisch zu erklären: Herz und Kreislauf werden dann besonders hohen Mengen an Stresshormonen ausgesetzt, die die Herzmuskulatur beeinträchtigen und zu Verkrampfungen führen.
Das Broken-Heart-Syndrom wird in der Regel durch eine außergewöhnlich starke emotionale oder körperliche Belastung ausgelöst, wie etwa der Tod eines geliebten Menschen, starker Ärger oder einschneidende Erlebnisse.
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