Nerven, Anatomie und Funktion des Fußes: Ein umfassender Überblick

Der Fuß ist ein komplexes und stark beanspruchtes Körperteil, das uns täglich trägt und für unsere Mobilität unerlässlich ist. Ein gut funktionierendes Nervensystem ist entscheidend für die Sensibilität, Motorik und somit für die Gesundheit des Fußes. Dieser Artikel beleuchtet die Anatomie und Funktion der Nerven im Fuß, um ein besseres Verständnis für mögliche Beschwerden und deren Ursachen zu ermöglichen.

Einführung in die Fußanatomie

Der menschliche Fuß besteht aus 26 Knochen, die in drei Hauptbereiche unterteilt werden können:

  • Fußwurzel (Tarsus): Sieben Fußwurzelknochen, darunter das Sprungbein (Talus) und das Fersenbein (Calcaneus). Das Sprungbein bildet zusammen mit Schienbein (Tibia) und Wadenbein (Fibula) das obere Sprunggelenk (OSG).
  • Mittelfuß (Metatarsus): Fünf Mittelfußknochen (Ossa metatarsalia).
  • Zehen (Digiti): 14 Zehenknochen, wobei die Großzehe (Hallux) aus zwei und die übrigen Zehen aus drei Gliedern bestehen.

Diese Knochen sind durch Gelenke, Bänder und Sehnen miteinander verbunden, die für Stabilität und Beweglichkeit sorgen. Das Fußgewölbe, bestehend aus einem Längs- und einem Quergewölbe, dient der Abfederung von Belastungen.

Das obere Sprunggelenk (OSG)

Das obere Sprunggelenk (OSG) verbindet den Fuß mit dem Unterschenkel und wird aus dem Schienbein (Tibia), dem Wadenbein (Fibula) und dem Sprungbein (Talus) gebildet. Es ist ein Scharniergelenk, das hauptsächlich Bewegungen in der Sagittalebene ermöglicht, d.h. Dorsal- und Plantarflexion.

Das Sprungbein ist zu etwa 70 % mit Knorpel bedeckt und bildet drei essenzielle Gelenke:

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  • Das obere Sprunggelenk mit der Malleolengabel (gebildet aus dem unteren Anteil des Schienbeins und den Innen- und Außenknöcheln).
  • Das untere Sprunggelenk mit dem Fersenbein.
  • Das Talonavicular-Gelenk mit dem Kahnbein.

Drei wichtige Bandkomplexe stabilisieren das obere Sprunggelenk:

  • Das Innenband (Ligamentum deltoideum) an der Innenseite.
  • Der Außenbandkomplex an der Außenseite.
  • Die Tibio-fibulare Syndesmose, die Verbindung zwischen Schien- und Wadenbein.

Nervenversorgung des Fußes

Die Sensibilität der Fußhaut und die Funktion der kleinen, intrinsischen Fußmuskeln werden über fünf Hauptnerven versorgt:

  • Nervus peroneus superficialis
  • Nervus peroneus profundus
  • Nervus suralis
  • Nervus tibialis
  • Nervus cutaneus dorsalis pedis medialis

Nervus tibialis: Der Hauptnerv der Fußsohle

Der Nervus tibialis ist ein Ast des Nervus ischiadicus (Ischiasnerv) und verläuft an der Rückseite des Unterschenkels. Er ist für die Funktion der Unterschenkelmuskulatur unerlässlich. Am inneren Knöchel teilt er sich in seine beiden Hauptäste für die Fußsohle auf:

  • Nervus plantaris medialis (innerer Fußsohlennerv): Versorgt die Haut der Fußsohle, genauer gesagt die ersten dreieinhalb Zehen (Großzehe, zweiter, dritter und die innere Hälfte des vierten Zehs). Er bewegt die Beugemuskeln der ersten drei und teilweise auch den der vierten Zehe.
  • Nervus plantaris lateralis (äußerer Fußsohlennerv): Versorgt den Rest der Fußsohle, also die Außenseite des vierten Zehs und den kleinen Zeh. Er bewegt einen Teil der Beugemuskeln der vierten Zehe und den Beuger der kleinen Zehe.

Eine Schädigung oder Kompression des Nervus tibialis kann zu klinischen Auffälligkeiten führen. Eine Schädigung des gesamten Nervs führt zum Ausfall der Supinatoren und Flexoren des Unterschenkels, was einen eingeschränkten oder unmöglichen Zehengang zur Folge hat. Der Fuß erscheint proniert und dorsalextendiert. Eine Kompression im Bereich des Canalis malleolaris führt zum medialen Tarsaltunnelsyndrom mit Schmerzen und Sensibilitätsstörungen im Bereich der Fußsohle sowie Lähmung der kurzen Fußmuskulatur.

Nervus peroneus: Für den Fußrücken zuständig

Der Nervus peroneus communis (gemeinsamer Wadenbeinnerv) ist ebenfalls ein Ast des Nervus ischiadicus und verläuft an der Außenseite des Knies direkt unter der Haut. Er teilt sich in zwei Äste auf:

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  • Nervus peroneus superficialis (oberflächlicher Peronaeusnerv): Verantwortlich für die Sensibilität auf dem Großteil des Fußrückens.
  • Nervus peroneus profundus (tiefer Peronaeusnerv): Zuständig für die Motorik der Muskeln, die den Fuß und die Zehen heben (Dorsalflexion). Eine Schädigung kann zum "Steppergang" führen, bei dem der Fuß beim Gehen nicht mehr richtig angehoben werden kann. Er verläuft entlang der Fußrückenarterie und bewegt die Muskeln, die die Zehen strecken. Ein Ast verläuft bis zwischen die große und die zweite Zehe und verzweigt sich dort. Er nimmt auch Sinnesreize aus der Haut des Fußrückens auf.

Funktionen der Fußnerven

Die Funktionen der Fußnerven lassen sich in zwei Hauptbereiche unterteilen:

  • Sensorik (Fühlen): Die Nervenenden in der Haut nehmen Druck, Temperatur, Schmerz und Vibration wahr und leiten diese Informationen an das Gehirn weiter. Dies ermöglicht uns, die Beschaffenheit des Untergrunds zu erkennen, uns vor Verletzungen zu schützen und unsere Bewegungen anzupassen.
  • Motorik (Bewegen): Die Nerven steuern die kleinen, intrinsischen Muskeln des Fußes, die für die Feinabstimmung der Bewegungen, die Stabilisierung des Fußgewölbes und die Anpassung an Unebenheiten verantwortlich sind.

Häufige Nervenprobleme im Fuß

Störungen des Nervensystems im Fuß können verschiedene Ursachen haben und sich durch unterschiedliche Symptome äußern. Einige häufige Nervenprobleme sind:

  • Tarsaltunnelsyndrom: Kompression des Nervus tibialis im Tarsaltunnel am inneren Knöchel. Symptome sind brennende Schmerzen, Kribbeln oder Taubheitsgefühl in der Fußsohle.
  • Morton-Neuralgie: Verdickung eines Nervs zwischen den Mittelfußknochen, meist zwischen dem dritten und vierten Zeh. Symptome sind stechende Schmerzen im Vorfuß, oft begleitet von dem Gefühl, auf einem Kieselstein zu laufen.
  • Baxter-Neuropathie: Kompression des Baxter-Nervs (ein Ast des Nervus plantaris lateralis) im Bereich der Ferse. Verursacht Fersenschmerzen, die denen einer Plantarfasziitis ähneln können.
  • Nervus peroneus communis Läsion: Da der Nerv am Hals des Wadenbeins direkt unter der Hautoberfläche verläuft, ist er an dieser Stelle besonders anfällig für Läsionen, die beispielsweise durch Druck von außen entstehen können. Auch eine Reizung oder Einklemmung der Ischiasnervs wirkt sich auf die Versorgungsgebiete des aus ihm entstehenden Nervus peroneus communis aus. Die Streckung und Einwärtsdrehung des Fußes sowie die Zehenstreckung können bei einer Schädigung des Nervus peroneus communis oder des Ischiasnervs und seiner Nervenwurzeln eingeschränkt sein. Eine häufige Folge ist die Entstehung eines Spitzfußes.

Diagnose und Behandlung von Nervenproblemen im Fuß

Die Diagnose von Nervenproblemen im Fuß beginnt mit einer gründlichen körperlichen Untersuchung und Anamnese. Je nach Verdacht können bildgebende Verfahren wie Ultraschall oder MRT eingesetzt werden, um die Nerven und umliegenden Strukturen zu beurteilen. Elektrophysiologische Untersuchungen wie die Nervenleitgeschwindigkeitsmessung können helfen, die Funktion der Nerven zu überprüfen.

Die Behandlung richtet sich nach der Ursache und dem Ausmaß der Nervenschädigung. Konservative Maßnahmen umfassen:

  • Schuhmodifikation: Tragen von Schuhen mit ausreichend Platz für die Zehen und guter Dämpfung.
  • Orthesen: Einlagen zur Unterstützung des Fußgewölbes und zur Entlastung der betroffenen Nerven.
  • Physiotherapie: Übungen zur Stärkung der Fußmuskulatur und zur Verbesserung der Beweglichkeit.
  • Schmerzmittel und entzündungshemmende Medikamente: Zur Linderung von Schmerzen und Entzündungen.
  • Injektionen: Kortikosteroide können in den Bereich des betroffenen Nervs injiziert werden, um Entzündungen zu reduzieren.

In einigen Fällen kann eine operative Dekompression des Nervs erforderlich sein, um den Druck auf den Nerv zu beseitigen und die Symptome zu lindern.

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Die Bedeutung der Blutversorgung für die Nervenfunktion

Nerven haben einen hohen Energiebedarf und benötigen eine gute Blutversorgung, um ihre Funktion aufrechtzuerhalten. Die Nerven im Fuß verlaufen oft Seite an Seite mit Blutgefäßen in sogenannten Gefäß-Nerven-Bündeln. Eine eingeschränkte Blutversorgung, beispielsweise durch Diabetes oder periphere arterielle Verschlusskrankheit, kann zu Nervenschäden und Neuropathie führen.

Fußschmerzen als Warnsignal

Fußschmerzen sollten immer ernst genommen werden, da sie ein Warnsignal für Überlastung, Fehlstellungen, Verletzungen oder andere Erkrankungen sein können. Bei anhaltenden oder starken Fußschmerzen sollte ein Spezialist für Fußerkrankungen aufgesucht werden, um die Ursache abzuklären und eine geeignete Behandlung einzuleiten.

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