Nervenschäden in der Hand: Ursachen, Symptome und Behandlungsansätze

Nerven in der Hand spielen eine entscheidende Rolle für die sensorische Wahrnehmung und die motorische Funktion. Eine Schädigung dieser Nerven kann erhebliche Auswirkungen auf die Lebensqualität haben. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome und verschiedenen Behandlungsansätze von Nervenschäden in der Hand, um ein umfassendes Verständnis dieser komplexen Thematik zu ermöglichen.

Einführung

Nerven sind als Kommunikationsorgane des Gehirns dafür zuständig, Haut und Muskeln mit Informationen zu versorgen. Als Leitungsbahnen verzweigen sie sich und werden dabei immer dünner. Die kleinste Einheit ist die Nervenfaser, ein Ausläufer der Nervenzelle, die ihren Sitz im Rückenmark hat. Mehrere Nervenfasern sind in Gruppen angeordnet, von Hüllen umgeben und in Bindegewebe eingebettet, in dem auch Blutgefäße und Lymphbahnen verlaufen. Diese Struktur ist vereinfacht mit einem Kabel vergleichbar.

Wenn Nerven in der Hand geschädigt werden, kann dies zu einer Vielzahl von Problemen führen, die alltägliche Aufgaben erschweren oder gar unmöglich machen. Die frühzeitige Diagnose und Behandlung von Nervenschäden ist entscheidend, um langfristige Beeinträchtigungen zu minimieren und die Funktionsfähigkeit der Hand wiederherzustellen.

Ursachen von Nervenschäden in der Hand

Nervenkompressionssyndrome entstehen, wenn die Nerven der Hand und des Arms durch vermehrten Druck gestört und in ihrer Funktion beeinträchtigt werden. Eine Nervenkompression kann an mehreren Stellen im Verlauf der drei Hauptnerven am Arm und an der Hand auftreten: Nervus medianus, Nervus ulnaris und Nervus radialis. Starke mechanische Belastungen, rheumatische Prozesse, knöcherne Auswüchse und vorangegangene Verletzungen begünstigen das Entstehen der Beschwerden. Taubheit und Kribbeln in den unterversorgten Körperpartien können bei dauerhafter Schädigung des Nervs in Muskelschwund übergehen.

Die Ursachen für Nervenschäden in der Hand sind vielfältig:

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  • Trauma: Unfälle, Stürze oder direkte Schläge auf die Hand können zu Quetschungen, Zerrungen oder Durchtrennungen von Nerven führen. In der Handchirurgie spielt die Behandlung von durchtrennten Fingernerven eine entscheidende Rolle. Durchtrennte Fingernerven können aufgrund verschiedener Faktoren auftreten, darunter Traumata, Unfälle oder repetitive Belastungen.
  • Kompression: Längerer Druck auf einen Nerv kann zu einer Kompression führen, die seine Funktion beeinträchtigt. Dies kann durch repetitive Bewegungen, ungünstige Körperhaltungen oder äußere Faktoren wie enge Armbänder oder Uhren verursacht werden. Nervenkompressionssyndrome sind chronische Irritationen oder Druckläsionen peripherer Nerven innerhalb anatomischer Engpässe.
  • Entzündungen: Entzündliche Erkrankungen wie rheumatoide Arthritis oder Sehnenscheidenentzündungen können die Nerven in der Hand reizen und schädigen.
  • Erkrankungen: Bestimmte systemische Erkrankungen wie Diabetes mellitus,Multiple Sklerose und Schilddrüsenerkrankungen können Nervenschäden verursachen. Diabetes mellitus gehört zu den Risikofaktoren für ein Karpaltunnelsyndrom, da die Erkrankung langfristig Gefäße und Nerven schädigt. Dadurch kann der Nervus medianus hypersensibel werden, wodurch schon bei minimalem Druck auf ihn Schmerzen und Missempfindungen ausgelöst werden.
  • Tumore: In seltenen Fällen können Tumore, die auf Nerven drücken, Nervenschäden verursachen.
  • Operationen: Chirurgische Eingriffe in der Hand oder im Armbereich können unbeabsichtigt zu Nervenverletzungen führen.
  • Nervenkompressionssyndrome: Das Karpaltunnelsyndrom (KTS) ist eine Schädigung des N. medianus im Karpalkanal der Hohlhand und das häufigste Engpasssyndrom eines peripheren Nervs. Die Inzidenz beträgt 3−10% der erwachsenen Bevölkerung. Das Kubitaltunnelsyndrom (KUTS) ist eine Einengung des N. ulnaris auf Höhe des Ellenbogens. Es ist das zweithäufigste Nervenkompressionssyndrom der oberen Extremität.

Symptome von Nervenschäden in der Hand

Die Symptome von Nervenschäden in der Hand können je nach Art und Schwere der Schädigung variieren. Häufige Symptome sind:

  • Schmerzen: Brennende, stechende oder dumpfe Schmerzen in der Hand, im Handgelenk oder in den Fingern.
  • Taubheit: Ein Gefühl von Taubheit oder Gefühllosigkeit in den Fingern oder in der Hand.
  • Kribbeln: Ein Kribbeln oder Ameisenlaufen in den Fingern oder in der Hand.
  • Schwäche: Muskelschwäche in der Hand oder im Handgelenk, die das Greifen oder Festhalten von Gegenständen erschwert.
  • Koordinationsprobleme: Schwierigkeiten bei der Koordination von Handbewegungen.
  • Eingeschränkte Sensibilität: Verminderte Fähigkeit, Berührungen, Temperatur oder Schmerz zu spüren. Missempfindungen, Taubheit in einzelnen Fingern oder der Mittelhand sowie Schmerzen können frühe Warnzeichen sein.
  • Überempfindlichkeit: Aussprossende Nervenfasern können zu Überempfindlichkeit und elektrisierenden Missempfindungen führen.

Diagnose von Nervenschäden in der Hand

Die Diagnose von Nervenschäden in der Hand erfordert in der Regel eine gründliche klinische Untersuchung. Es ist entscheidend, frühzeitig eine genaue Diagnose zu stellen, um die bestmögliche Behandlung für durchtrennte Fingernerven zu gewährleisten. Die Diagnose erfolgt durch Anamnese, klinischen Befund, elektrophysiologische Untersuchungen und Bildgebung. An der oberen Extremität können Nervenkompressionssyndrome im Verlauf des N.medianus, N. ulnaris und N. radialis an verschiedenen Stellen auftreten. Symptome sind Parästhesien, Sensibilitätsstörungen und/oder Paresen, wodurch die Funktionen der Hand wie Tasten, Fühlen oder Greifen beeinträchtigt werden. Die Diagnose erfolgt durch Anamnese, klinischen und elektrophysiologischen Untersuchungen. Die Bildgebung (Röntgen, Sonografie, MRT) liefert ergänzende Informationen.

Folgende Diagnoseverfahren können zum Einsatz kommen:

  • Anamnese: Der Arzt erfragt die Krankengeschichte des Patienten, einschließlich der Art der Beschwerden, des Beginns der Symptome und möglicher auslösender Faktoren. Nach einer umfassenden Anamnese der motorischen und sensiblen Ausfälle sowie einer neurologischen Untersuchung können konservative Methoden die Beschwerden lindern.
  • Körperliche Untersuchung: Der Arzt untersucht die Hand auf Anzeichen von Nervenschäden, wie z.B.Sensibilitätsstörungen, Muskelschwäche oder Reflexveränderungen.
  • Neurologische Untersuchung: Der Arzt prüft die Funktion der Nerven in der Hand, indem er die Sensibilität, die Muskelkraft und die Reflexe testet. Mittels Elektroneurografie kann der Arzt die Nervenleitgeschwindigkeit ermitteln und erkennt auf diese Weise Nervenschädigungen. Neben dem klinischen Befund bietet eine neurologische Untersuchung mit Messung der Nervenleitungsgeschwindigkeit (Elektroneurografie, ENG) dem Arzt eine objektive Diagnosemöglichkeit. Dafür klebt der Untersucher Elektroden an zwei Hautstellen des Patienten, die vom Medianusnerv versorgt werden. Nun stimuliert er den Nerv mit einem schwachen elektrischen Impuls. Bei einer Druckschädigung des Nerven zeigt sich eine verminderte Nervenleitungsgeschwindigkeit im Vergleich zur normalen Nervenfunktion.
  • Elektrophysiologische Untersuchungen: Diese Untersuchungen, wie z.B. die Elektroneurographie (ENG) und die Elektromyographie (EMG), messen die elektrische Aktivität der Nerven und Muskeln, um die Funktion der Nerven zu beurteilen und den Ort und das Ausmaß der Schädigung zu bestimmen.
  • Bildgebende Verfahren: In einigen Fällen können bildgebende Verfahren wie Röntgenaufnahmen, Ultraschall oder Magnetresonanztomographie (MRT) eingesetzt werden, um andere Ursachen für die Beschwerden auszuschließen oder um den Nerv selbst darzustellen. Bildgebende Verfahren können zur Darstellung von knöchernen Veränderungen, vor allem nach Traumata, und zum Ausschluss tumoröser oder anderweitiger Veränderungen durchgeführt werden. Die Bildgebung (Röntgen, Sonografie, MRT) liefert ergänzende Informationen.

Konservative Behandlungsmöglichkeiten

In den Fällen, in denen ein Fingernerv durchtrennt ist, spielen konservative Behandlungsmöglichkeiten eine entscheidende Rolle bei der Genesung. Die Wahl zwischen konservativen Behandlungsmöglichkeiten und chirurgischen Eingriffen hängt von verschiedenen Faktoren ab, darunter die Schwere der Verletzung und die individuellen Bedürfnisse des Patienten. Wenn konservative Methoden wie Ruhigstellung und Injektionen nicht den gewünschten Erfolg erzielen, kann der Nerv chirurgisch entlastet werden.

  • Ruhe und Schonung: Nach einer durchtrennten Fingernerv Verletzung ist es wichtig, dem betroffenen Finger ausreichend Ruhe zu gönnen. Durch das Vermeiden von Belastung und Bewegung wird die Heilung gefördert und das Risiko für weitere Komplikationen minimiert.
  • Schienen: Das Handgelenk kann mit speziellen Schienen ruhiggestellt werden, um den Nerv zu entlasten und die Heilung zu fördern.
  • Medikamente: Schmerzmittel und entzündungshemmende Medikamente können zur Linderung von Schmerzen und Entzündungen eingesetzt werden.
  • Physiotherapie: Physiotherapie spielt eine essentielle Rolle im Prozess der Heilung nach einer Fingernerv Verletzung. Durch gezielte Übungen und Techniken werden die Muskeln gestärkt, die Beweglichkeit verbessert und die sensorische Wahrnehmung im betroffenen Bereich wiederhergestellt. Auch physiotherapeutische Maßnahmen wie Tapen, Koordinations- und Dehnungsübungen oder das Training mit einer Faszienrolle können die Beschwerden lindern.

Chirurgische Behandlungsmöglichkeiten

Die Entscheidung für einen chirurgischen Eingriff bei einem durchtrennten Fingernerv hängt von verschiedenen Faktoren ab. Eine Operation zur Behandlung eines durchtrennten Fingernervs kann in Betracht gezogen werden, wenn konservative Behandlungsmethoden nicht die gewünschten Ergebnisse erzielen oder wenn bestimmte Symptome oder Umstände vorliegen, die eine chirurgische Korrektur erfordern. Bei deutlichen Ausfallerscheinungen oder Muskelschwäche wird ein chirurgischer Eingriff durchgeführt, um dauerhafte Schäden zu verhindern.

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Bei der Operation eines durchtrennten Fingernervs stehen unterschiedliche chirurgische Techniken zur Verfügung, die je nach Art und Schwere der Verletzung angewendet werden. Um den Nerv zu entlasten, führt der Operateur eine sogenannte Neurolyse durch. Dabei entfernt der Arzt einengende Gewebestrukturen wie übermäßig gewachsenes Bindegewebe. Der Eingriff erfolgt in der Regel unter lokaler Betäubung ambulant. Er wird entweder als offene Operation oder endoskopisch (minimalinvasiv) durchgeführt. Die Orthopäden der Gelenk-Klinik bevorzugen die endoskopische Operation, da sie für die Patienten schonender und mit einer sehr kleinen Narbe verbunden ist. Die offene Operationsmethode benötigt einen größeren Schnitt, der meist 2 bis 6 cm lang ist. Sie bietet Vorteile, wenn umfassendere Erkrankungen der Sehnenscheiden oder anderer Weichteile vorliegen. Vergleichende Studien zwischen operativen und konservativen Therapien beim Karpaltunnelsyndrom zeigen die Überlegenheit der Karpaltunneloperation (Neurolyse): Die Patienten werden durch Medianus-Neurolyse zu 99 % zuverlässig und dauerhaft von ihren Schmerzen befreit. Bei konservativer Behandlung ist die Erfolgsrate geringer und der Heilungsverlauf deutlich langwieriger.

  • Nervenrekonstruktion: Bei einer Nervenrekonstruktion werden die durchtrennten Nervenenden miteinander vernäht, um die Kontinuität des Nervs wiederherzustellen.
  • Nerventransplantation: Falls ein längerer Nervendefekt vorliegt, kann eine Nerventransplantation erforderlich sein. Dabei wird ein Nerv aus einer anderen Körperregion entnommen und als Brücke zwischen den durchtrennten Nervenenden eingesetzt.
  • Dekompression: Bei Nervenkompressionssyndromen wird der Druck auf den Nerv durch die Entfernung von einengendem Gewebe oder Knochen reduziert.

Die Wahl der geeigneten chirurgischen Technik richtet sich nach verschiedenen Faktoren wie der Lokalisation der Verletzung, dem Ausmaß des Nervenschadens und den individuellen Bedürfnissen des Patienten.

Rehabilitation und Nachsorge

Der Heilungsprozess nach einer Nervendurchtrennung im Finger ist individuell und kann je nach Schwere der Verletzung variieren. In der Regel kann es mehrere Wochen bis Monate dauern, bis die Nervenfasern wieder zusammenwachsen und die Funktion des Nervs teilweise oder vollständig wiederhergestellt ist. Die Rehabilitationsmaßnahmen nach einer Fingernervenbehandlung sind entscheidend für eine erfolgreiche Genesung. Dazu gehören gezielte physiotherapeutische Übungen, die darauf abzielen, die Beweglichkeit des betroffenen Fingers zu verbessern und die Kraft in der Hand wiederherzustellen. Die regelmäßige Nachsorge und Kontrolluntersuchungen beim Handchirurgen sind ebenfalls wichtig, um den Fortschritt der Heilung zu überwachen und potenzielle Komplikationen frühzeitig zu erkennen. Durch die konsequente Einhaltung der Rehabilitationsmaßnahmen und der empfohlenen Nachsorge können Patienten mit einem durchtrennten Fingernerv optimale Bedingungen für eine erfolgreiche Genesung schaffen.

Nach einer operativen Behandlung des Karpaltunnelsyndroms ist die operierte Hand nach etwa 3 Wochen wieder eingeschränkt belastbar. Nach 6 Wochen kann der Patient auch körperlich anspruchsvolle Arbeiten wieder verrichten. Ab dann ist die Hand wieder uneingeschränkt belastbar.

Mögliche Komplikationen

Nach einer Fingernerv Behandlung können bestimmte Komplikationen auftreten, die den Heilungsprozess beeinflussen können. Bei der Behandlung von durchtrennten Fingernerven können verschiedene Komplikationen auftreten, die den Genesungsprozess verlängern oder beeinträchtigen können. Um diese Komplikationen zu minimieren, ist eine sorgfältige Nachsorge und regelmäßige Kontrolle der Heilung essenziell. Bei starken Schmerzen oder anderen ungewöhnlichen Symptomen sollten Betroffene umgehend ihren Arzt konsultieren. Chirurgische Eingriffe zur Behandlung von durchtrennten Fingernerven sind nicht frei von Risiken. Es ist wichtig, dass Patienten sich über potenzielle Risiken im Klaren sind, bevor sie sich für eine Operation entscheiden. Vor einer Operation sollten Patienten mit ihrem Chirurgen ausführlich über mögliche Risiken und Nebenwirkungen sprechen. Ein fundiertes Verständnis der Risiken kann dazu beitragen, informierte Entscheidungen zu treffen und den Erfolg des Eingriffs zu optimieren. Bei dem Eingriff können Sehnen, Bänder, Nerven und Blutgefäße verletzt werden. Dies kann zu einer Funktionsminderung der Hand führen. Zu den möglichen Komplikationen zählen auch Infektionen, Schwellungen, Blutergüsse, Schmerzsyndrome (sog.

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Mögliche Komplikationen sind:

  • Infektionen: Infektionen im Operationsgebiet können den Heilungsprozess verzögern und weitere Behandlungen erforderlich machen.
  • Nervenregeneration: In einigen Fällen kann es zu einer unvollständigen oder fehlerhaften Nervenregeneration kommen, was zu anhaltenden Sensibilitätsstörungen oder Schmerzen führen kann.
  • Narbenbildung: Narbenbildung im Operationsgebiet kann die Beweglichkeit der Hand einschränken.
  • Komplexes regionales Schmerzsyndrom (CRPS): In seltenen Fällen kann es nach einer Nervenverletzung zu einem CRPS kommen, einer chronischen Schmerzerkrankung, die mit starken Schmerzen, Schwellungen und Bewegungseinschränkungen einhergeht.

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