Atemnot: Ursachen, Symptome und Behandlung

Atemnot, medizinisch als Dyspnoe bezeichnet, ist ein beängstigendes Gefühl, bei dem Betroffene das Empfinden haben, nicht ausreichend Luft zu bekommen. Trotz verstärkter Atmung haben sie das Gefühl, nicht genügend Luft zu bekommen, was oft Erstickungs- und Todesangst auslöst. Die Auslöser sind nicht immer in der Lunge oder den Atemwegen zu finden.

Was ist Dyspnoe?

Dyspnoe ist der medizinische Begriff für Atemnot oder Kurzatmigkeit. Es ist zunächst ein subjektives Empfinden, bei dem der Betroffene das Gefühl hat, nicht genügend Luft zu bekommen. Als Reaktion darauf beginnt er, verstärkt zu atmen - die Atemfrequenz erhöht sich (normalerweise liegt sie bei etwa 15 bis 20 Zügen pro Minute). Zunächst sind die Atemzüge noch tief. Je schneller der Patient aber atmet, desto flacher werden die Atemzüge - es kommt zur Kurzatmigkeit. Erstickungs- und Todesangst kommen dann oft dazu und verstärken das Problem.

Symptome einer Dyspnoe

Schwierigkeiten beim Atmen, Kurzatmigkeit und das Gefühl, nicht genug Luft zu bekommen, sind die typischen Anzeichen für eine Dyspnoe. Weitere Symptome sind Brustschmerzen, Schwindel, Schwitzen und Angstzustände. Bei schwerer Atemnot kann es zu einer bläulichen Verfärbung von Lippen, Gesicht oder Extremitäten aufgrund von Sauerstoffmangel kommen.

Arten von Dyspnoe

Für Mediziner lässt sich eine Dyspnoe anhand verschiedener Kriterien genauer charakterisieren, etwa nach der Dauer oder den Situationen, in denen sie hauptsächlich auftritt. Einige Beispiele:

  • Akute und chronische Dyspnoe: Je nach der Dauer der Atemnot unterscheidet man akute und chronische Dyspnoe. Eine akut auftretende Atemnot ist zum Beispiel durch einen Asthma-Anfall, eine Lungenembolie, einen Herzinfarkt oder eine Panikattacke bedingt. Eine chronische Dyspnoe beobachtet man beispielsweise bei Herzschwäche (Herzinsuffizienz), COPD oder Lungenfibrose.
  • Ruhe- und Belastungsdyspnoe: Tritt die Atemnot bereits in Ruhe auf, liegt eine Ruhedyspnoe vor. Bleibt jemandem nur bei körperlicher Belastung die Luft weg, spricht man von Belastungsdyspnoe. Unter einer Belastungsdyspnoe versteht man eine Kurzatmigkeit, die bei Aktivität oder bei Stress auftritt.
  • Orthopnoe und Trepopnoe: Wenn sich die Atemnot hauptsächlich im flachen Liegen bemerkbar macht, aber im Sitzen oder Stehen bessert, handelt es sich um eine Orthopnoe. Bei manchen Betroffenen ist es noch diffiziler: Die Atemnot quält sie besonders, wenn sie auf der linken Seite liegen und weniger beim Liegen auf der rechten Seite. Das ist dann eine Trepopnoe.
  • Platypnoe: Gewissermaßen das Gegenstück zur Orthopnoe ist die Platypnoe: Sie kennzeichnet eine Atemnot, die bevorzugt in aufrechter Körperhaltung (Stehen, Sitzen) auftritt.
  • Sprechdyspnoe: Bei einer Sprechdyspnoe ist der Sprechfluss durch die Atemnot eingeschränkt beziehungsweise unterbrochen. Der Betroffene bringt also nur Satzfragmente oder einzelne Wörter heraus.

Manchmal gibt die Form der Dyspnoe dem Arzt bereits Hinweise auf die zugrunde liegende Ursache. So ist etwa eine Trepopnoe typisch für verschiedene Herz-Erkrankungen.

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Schweregrade der Dyspnoe

Zur Bestimmung des Schweregrades einer Dyspnoe gibt es unterschiedliche Bewertungssysteme. Ein am Alltag der Betroffenen orientiertes System stammt von einer amerikanischen Facharztgesellschaft und wird „Dyspnoe Skala“ der „American Thoracic Society (ATS)“ bezeichnet. Es unterscheidet 5 Schweregrade (0-4) der Atemnot:

  • Grad 0 (keine Dyspnoe): keine Beschwerden beim raschen Gehen in der Ebene oder leichtem Anstieg, außer bei deutlicher körperlicher Anstrengung
  • Grad 1 (milde Dyspnoe): Belastungsdyspnoe bei raschem Gehen in der Ebene oder leichtem Anstieg
  • Grad 2 (mäßige Dyspnoe): Kurzatmigkeit: in der Ebene langsamer als Altersgenossen, Pausen zum Atemholen auch bei eigenem Tempo
  • Grad 3 (schwere Dyspnoe): Pausen beim Gehen nach einigen Minuten oder nach etwa 100 Metern im Schritttempo aufgrund der Belastungsdyspnoe
  • Grad 4 (sehr schwere Dyspnoe): Zu kurzatmig, um das Haus zu verlassen. Luftnot beim An- und Ausziehen

Ursachen von Atemnot und Kurzatmigkeit

Atemnot kann viele Ursachen haben. Am häufigsten steckt eine Erkrankung des Herzens, der Lunge oder der Blutversorgung dahinter. In allen Fällen ist der Körper entweder nicht in der Lage, genügend Sauerstoff aufzunehmen, ihn in benötigtem Umfang zu transportieren oder entsprechend des Bedarfs zu nutzen. Nicht zuletzt können auch psychische Faktoren eine Rolle spielen, weil das Atemzentrum im Gehirn durch Emotionen beeinflusst werden kann.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Herz und Lunge arbeiten eng zusammen. Das Herz pumpt sauerstoffarmes Blut zur Lunge. Hier wird es mit Sauerstoff angereichert und zurück zum Herzen transportiert. Von dort aus wird es im gesamten Körper verteilt. Ist das Herz geschwächt, wird dieses System beeinträchtigt.

Häufige Ursachen für Atemnot sind:

  • Herzinsuffizienz (Herzschwäche): Das Herz kann nicht mehr ausreichend Blut durch den Körper pumpen. Dadurch staut sich Flüssigkeit in der Lunge und das Atmen wird erschwert.
  • Herzrhythmusstörungen (z. B. Vorhofflimmern): Ein unregelmäßiger Herzschlag kann die Pumpfunktion des Herzens beeinträchtigen. Dadurch gelangt weniger Sauerstoff in den Körper.
  • Koronare Herzerkrankungen: Verengte oder verschlossene Herzkranzgefäße führen dazu, dass der Herzmuskel schlechter mit Sauerstoff versorgt wird. In der Folge kommt es bei Belastung zu Atemnot.

Lungenerkrankungen

Krankheiten, die die Lunge selbst betreffen, sind auch oftmals Ursache für Atemnot oder Kurzatmigkeit.

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Zu den häufigsten Auslösern für Luftnot gehören:

  • Asthma bronchiale: Akute, häufig allergisch ausgelöste Verengungen der Atemwege führen zu einem Asthmaanfall, der oft mit Beklemmungen im Brustkorb und pfeifenden Atemgeräuschen auftritt.
  • COPD (chronisch-obstruktive Lungenerkrankung): Durch die dauerhafte Entzündung und Verschleimung der Bronchien sind die Atemwege verengt. Besonders bei Belastung entsteht dann Atemnot.
  • Lungenentzündung (Pneumonie): Wenn durch eine Infektion das Lungengewebe entzündet ist, führt dies in der Regel zu Fieber, Husten, einer Störung der Sauerstoffversorgung und zunehmender Luftnot.
  • Lungenembolie: Verstopft ein Blutgerinnsel ein Blutgefäß in der Lunge, wird plötzlich ein Teil der Lunge nicht mehr durchblutet und kann keinen Sauerstoff mehr aufnehmen. Dies ist ein medizinischer Notfall, der sofort behandelt werden muss.
  • Tumorerkrankungen: Lungenkrebs kann die Atemwege schädigen oder blockieren und damit zu einer verringerten Sauerstoffaufnahme führen.
  • Lungenfibrose: Eine langsame Vermehrung von Bindegewebe in den Lungenbläschen mit unterschiedlichster Ursache, führt zu einer Störung der Sauerstoffaufnahme und damit verbundener Atemnot, die sich vor allem bei stärkerer körperlicher Belastung bemerkbar macht.

Psychische Ursachen

Menschen, die unter Angststörungen oder Panikattacken leiden, geraten häufig in Stress- und Angstsituationen, bei denen die Atmung flacher werden kann. Es entsteht dann das Gefühl von Luftnot oder Kurzatmigkeit, obwohl eine normale Sauerstoffversorgung vorliegt.

Weitere häufige Auslöser

Auch Adipositas (krankhaftes Übergewicht) kann zu einer Atemnot führen. Oft fällt Betroffenen das Atmen unter körperlicher Anstrengung schwer, weil Fettgewebe die Atemmuskulatur und das Zwerchfell in ihrer Funktion behindern sowie das Herzkreislaufsystem unter Belastung stärker fordern. Denn: Vermehrtes Körpergewicht hat auch einen höheren Sauerstoffbedarf des Körpers zur Folge, der durch Herz und Lunge gedeckt werden muss.

Eine weiterer häufiger Auslöser für Atemnot ist eine Blutarmut (Anämie). Hier befindet sich zu wenig Hämoglobin (Farbstoff der roten Blutkörperchen) im Blut, das für den Sauerstofftransport zuständig ist. Das kann zu einem Sauerstoffmangel führen, obwohl die Lungenfunktion normal ist.

Zwerchfell-Lähmung

Muskelschwäche oder Lähmungen können auch die Atemmuskulatur betreffen. Beispiele hier: Die Poliomyelitis ("Polio", Kinderlähmung), die durch die Impfung bei uns stark zurückgedrängt wurde, in anderen Ländern wie Afghanistan, Pakistan und Nigeria dafür nach wie vor präsent (endemisch) ist, sodann neuromuskuläre Erkrankungen, die mit Muskelschwäche und Muskelschwund einhergehen, oder auch Myasthenia gravis. Auch eine Überfunktion der Schilddrüse, Alkoholmissbrauch oder verschiedene Medikamente können die Muskeln beeinträchtigen.

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Falls die Lähmung beide Seiten betrifft, kommt es zwangsläufig zu akuter Atemnot, besonders im Liegen. Die Betroffenen können nicht in der Horizontalen schlafen, da der Zwerchfellmuskel in einer bestimmten Schlafphase der einzig aktive Atemmuskel ist. Bevorzugte Haltung ist ein aufrechter Oberkörper und Atmen mit aufgestützten Armen, um die Hilfsmuskeln der Atmung besser zu nutzen.

Verformungen des Brustkorbs

Formanomalien des Brustkorbs können die Atmung mechanisch behindern und zu Atemnot führen. Die verschiedenen Formen der Skoliose spielen hier zum Beispiel eine Rolle. Am häufigsten kommt im Wachstumsalter die Skoliose unbekannter Ursache (idiopathisch) vor.

Psychogene Atemnot

Von psychogener Atemnot (Dyspnoe), auch unter der Bezeichnung funktionelle Atemstörung bekannt, spricht man, wenn keine körperlichen, sondern mentale Auslöser das Gefühl hervorrufen, nicht ausreichend Luft zu bekommen. Dennoch stellt die psychogene Atemnot eine nicht weniger ernst zu nehmende Bedrohung dar.

Wann zum Arzt?

Ob schleichend oder plötzlich - für Menschen mit einer Dyspnoe ist es immer ratsam, einen Arzt aufzusuchen. Auch wenn sich zunächst keine weiteren Symptome zeigen, sind eventuell ernste Erkrankungen der Grund für die Atemnot.

Treten zusätzlich Symptome wie Schmerzen in der Brust oder blaue Lippen und blasse Haut auf, sollte man am besten sofort den Notarzt rufen! Denn dies sind unter Umständen Zeichen für eine lebensbedrohliche Ursache wie Herzinfarkt oder Lungen-Embolie.

Warnsignale: Wann wird Atemnot gefährlich?

Eine Atemnot kann lebensbedrohlich sein. Bei diesen Symptomen muss sofort ärztliche Hilfe geholt werden:

  • Plötzliche Atemnot ohne erkennbare Ursache
  • Bläuliche Lippen und/oder Fingernägel (Zyanose)
  • Brustschmerzen, Herzrasen, Druckgefühl
  • Bewusstseinsstörungen oder Benommenheit
  • Atemnot in Ruhe oder beim Sprechen
  • Begleitendes Fieber, Schüttelfrost, blutiger Auswurf

Orientierung für die richtige Einschätzung

Der Notruf 112 sollte sofort gewählt werden, wenn:

  • Die Atemnot plötzlich auftritt und sich rasch verschlimmert
  • Herzbeschwerden, Brustschmerzen oder Kreislaufprobleme bestehen
  • Erstickungsgefühl oder Luftnot in Ruhe besteht

Eine zeitnahe ärztliche Untersuchung ist angezeigt, wenn:

  • Die Atemnot über Tage bis Wochen zunimmt
  • Neue beziehungsweise weitere Beschwerden auftreten
  • Unsicherheit über die Ursache der Atemnot besteht

Diagnose

Zunächst wird der Arzt gezielte Fragen zur Krankengeschichte (Anamnese) stellen, zum Beispiel:

  • Wann und wo ist die Atemnot aufgetreten?
  • Tritt die Dyspnoe in Ruhe oder nur bei körperlicher Aktivität auf?
  • Ist die Luftnot abhängig von bestimmten Körperlagen oder Tageszeiten?
  • Ist die Dyspnoe in letzter Zeit schlimmer geworden?
  • Wie oft tritt die Dyspnoe auf?
  • Gibt es außer der Atemnot noch weitere Symptome?
  • Sind bei Ihnen irgendwelche Grunderkrankungen bekannt (Allergien, Herzschwäche, Sarkoidose oder andere)?

Im Anschluss an das Anamnese-Gespräch folgen verschiedene Untersuchungen. Sie helfen, die Ursache und das Ausmaß der Dyspnoe zu ermitteln. Zu diesen Untersuchungen zählen:

  • Abhören von Lunge und Herz: Mit dem Stethoskop hört der Arzt den Brustkorb ab und stellt so zum Beispiel verdächtige Atemgeräusche fest. Auch das Herz hört er in der Regel ab.
  • Blutuntersuchung: Routinemäßig nimmt man dem Patienten Blut ab, um es im Labor auf mögliche Ursachen der Dyspnoe zu untersuchen. So ist etwa bei einer Blutarmut die Zahl der roten Blutkörperchen erniedrigt. Bei einem Herzinfarkt sind bestimmte Enzyme erhöht (wie Troponin). Auch eine Lungen-Embolie führt zu typischen Veränderungen bestimmter Werte.
  • Blutgaswerte: Unter anderem mit der Pulsoxymetrie bestimmt der Arzt, wie die Sättigung des Blutes mit Sauerstoff ist.
  • Lungenfunktionstest: Mithilfe eines Lungenfunktionstests (wie Spirometrie) lässt sich für den Arzt der Funktionszustand der Lunge und Atemwege genauer beurteilen. Hiermit lässt sich zum Beispiel das Ausmaß einer COPD oder von Asthma sehr gut beurteilen.
  • Lungenspiegelung: Mittels Lungenspiegelung (Bronchoskopie) lassen sich der Rachenraum, Kehlkopf und die oberen Bronchien genauer einsehen.
  • Bildgebende Verfahren: Sie liefern unter Umständen ebenfalls wichtige Informationen. So lassen sich anhand von Röntgen-Untersuchung, Computertomografie und Kernspintomografie zum Beispiel Lungen-Entzündung, Lungen-Embolie und Tumoren im Brustraum erkennen. Auch Ultraschall und nuklearmedizinische Untersuchungen kommen eventuell zum Einsatz.

Der Schweregrad der Dyspnoe lässt sich mithilfe der Borg-Skala einschätzen: Das macht entweder der Arzt (anhand der Schilderungen des Patienten) oder der Patient selbst mithilfe eines Fragebogens. Die Borg-Skala reicht von 0 (gar keine Atemnot) bis 10 (maximale Atemnot).

Therapie

Vorrangig wird die Ursache der Dyspnoe behandelt. Wenn die Grunderkrankung bereits länger bekannt ist und behandelt wird, gilt es, die bisherige Therapie zu optimieren. Wenn mehrere chronische Erkrankungen an einer Dyspnoe beteiligt sein, ist es wichtig, dass alle beteiligten Ärzte zusammenarbeiten und die Therapien aufeinander abstimmen, um die Patientin oder den Patienten optimal zu behandeln.

Für die Lebensqualität der Betroffenen ist es neben der Therapie der Grunderkrankung sehr wichtig, die Atemfunktion zu verbessern.

Therapien zur Verbesserung der Atemfunktion

  • Medikamente: Die medikamentöse Behandlung ist abhängig von der Grunderkrankung und der Art der Dyspnoe. Um die Atmung zu erleichtern können entzündungshemmende und/oder bronchienerweiternde Medikamente eingesetzt werden.
  • Inhalationstechnik: Medikamente gegen Dyspnoe müssen häufig inhaliert werden. Die richtige Inhalationstechnik sorgt dafür, dass die Medikamente optimal wirken können und sollte unter Anleitung geübt werden.
  • Atemtechniken: Mit speziellen Atemtechniken kann man Atemnot und Kurzatmigkeit lindern. Die Atemtechniken können in speziellen Kursen erlernt werden.
  • Ausdauertraining: Bei einem angepassten Ausdauertraining werden die Lungen gut durchlüftet und die Atmung wird verbessert. Das Training der Ausdauer wirkt einer Belastungsdyspnoe gezielt entgegen.
  • Krankengymnastik: Eine Dyspnoe hat häufig einen Bewegungsmangel zur Folge, der zu einem Verlust an Kraft und Muskulatur führt. Umgekehrt kann mangelnde Muskelkraft auch die Dyspnoe verstärken. In der Krankengymnastik wird die Muskulatur aufgebaut und es werden gezielt die Muskelgruppen gestärkt, die die Atmung unterstützen.
  • Koordinationstraining: Bei körperlicher Anstrengung kann es zu einer ungünstigen Atemtechnik kommen, die eine Belastungsdyspnoe verstärkt. Beim Koordinationstraining geht es darum, Bewegung und Atmung aufeinander abzustimmen, um einer Kurzatmigkeit und Atemnot gezielt entgegenzuwirken.
  • Geschicklichkeitstraining: Im Geschicklichkeitstraining üben Patient*innen, wie sie ihre Kräfte effektiv einsetzen, so dass sie einer Atemnot vorbeugen. Das hilft nicht nur beim Sport, sondern kann auch den Alltag erheblich erleichtern.
  • Ergotherapie: Bei schwerer Belastungsdyspnoe werden in der Ergotherapie gezielt kraft- und energiesparende Arbeitstechniken zur Bewältigung des Alltags trainiert.
  • Entspannungstechniken: Entspannungstechniken helfen Patient*innen dabei, sich nach körperlichen Anstrengungen oder psychischen Belastungen zu erholen. Bei akuter Atemnot können sie von den Betroffenen eingesetzt werden, um die Atmung zu beruhigen und die Dyspnoe zu lindern.

Individuelle Programme gegen die Atemnot

Alle Trainings sollten auf die aktuelle Leistungsfähigkeit der Patient*innen mit Atemnot oder Kurzatmigkeit abgestimmt sein, damit sie weder über- noch unterfordert werden. Eine Überforderung kann bei Dyspnoe den erkrankten Organen schaden und bei Unterforderung bleibt das Training gegen Atemnot und Kurzatmigkeit wirkungslos. Sehr wichtig sind auch die Ruhephasen nach den Trainings. Der Wechsel von Anstrengung und Erholung gehört zu jedem Trainingsprozess. Eine Verringerung der Belastungsdyspnoe und eine Verbesserung der Leistungsfähigkeit wird am besten erreicht, wenn auf die Aktivität („Trainingsreiz“), eine angemessene Ruhephase folgt.

Ambulante oder stationäre Reha

Eine Atemnot oder Kurzatmigkeit kann ambulant oder in einer stationären Reha behandelt werden. Eine Behandlung in einer Rehabilitationsklinik hat folgende Vorteile:

  • Der Alltag bleibt draußen: Während Ihres Aufenthaltes können Sie sich ganz auf die Behandlung der Dyspnoe konzentrieren.
  • In der stationären Reha besprechen alle Fachärzt*innen und Fachkräfte Ihren Fall regelmäßig und handeln als Team. Auf diese Weise kann die Behandlung Ihrer Kurzatmigkeit immer zeitnah auf Ihre Fortschritte bei der Dyspnoe-Therapie angepasst werden.
  • Alle Dyspnoe-Behandlungen finden an einem Ort oder in der Nähe statt.
  • In der Reha lernen Sie verschiedene Atemtechniken, Techniken der Entspannung und Techniken, wie Sie Ihren Alltag trotz Atemnot gut meistern können.
  • Ihr Sporttraining wird von Trainer*innen angeleitet und betreut, die sich mit Dyspnoe im Allgemeinen auskennen und auch mit Ihren individuellen Problemen mit der Kurzatmigkeit vertraut sind und daher auf Sie persönlich eingehen.
  • In der Reha können Sie sich auch bei beruflichen Fragen oder bei psychosozialen Problemen, die sich aus der Dyspnoe ergeben, beraten lassen.

Was tun bei akuter Atemnot?

Grundsätzlich sollten Sie bei akuter Luftnot schnellstmöglich einen Arzt aufsuchen oder den Notruf wählen. Bis zum Eintreffen des Arztes können folgende Maßnahmen helfen:

  • Ruhe bewahren: Panik verstärkt die Atemnot. Versuchen Sie, ruhig zu bleiben und sich auf Ihre Atmung zu konzentrieren.
  • Körperliche Entlastung: Lockern Sie beengende Kleidung wie Krawatten oder Gürtel. Setzen Sie sich aufrecht hin oder stellen Sie sich hin, um Ihre Atemwege zu öffnen.
  • Atemtechniken: Wenden Sie Atemtechniken an, die Ihnen bekannt sind oder die Ihnen von Ihrem Arzt empfohlen wurden. Die Lippenbremse (langsames Ausatmen durch leicht geöffnete Lippen) kann helfen, die Atemwege offen zu halten.
  • Fenster öffnen: Sorgen Sie für frische Luft, indem Sie ein Fenster öffnen oder sich ins Freie begeben.
  • Medikamente: Wenn Sie Asthmatiker sind oder an einer anderen Lungenerkrankung leiden, nehmen Sie Ihre Notfallmedikamente gemäß den Anweisungen Ihres Arztes ein.

Vorbeugung

Eine gesunde Lebensweise beugt der Entwicklung einer chronischen Atemnot unter Umständen vor. Versuchen Sie mit dem Rauchen aufzuhören beziehungsweise fangen Sie gar nicht erst damit an. Das reduziert das Risiko für eine spätere Dyspnoe erheblich. Es senkt etwa das Risiko an einer COPD oder einem Lungen-Karzinom zu erkranken.

Vielen akuten Ursachen lässt sich dagegen nicht konkret vorbeugen.

Weitere vorbeugende Maßnahmen

  • Ausdauer steigern: Beim Training - oder allgemein gesagt bei jeder Form länger dauernder körperlicher Anstrengung - verbraucht der Körper mehr Energie und Sauerstoff. Dazu muss der Organismus die Frequenz von Atmung und Herzschlag steigern. Das ist sehr gut, weil so Herz und Lunge Leistungsreserven aufbauen und der Betroffene nicht mehr so schnell außer Atem gerät.
  • Regelmäßige Bewegung: Geeignet sind leichte Ausdauersportarten wie Fahrrad fahren, Wandern, Nordic Walking oder Schwimmen. Am besten das, was am meisten Spaß macht!
  • Trainingseinheiten: Experten empfehlen mit kurzen Trainingseinheiten von ca. 10 min zu beginnen und sich langsam auf 3- bis 4-mal pro Woche 30 min zu steigern. Als Faustregel gilt: Die Stärke der Belastung so auswählen, dass sie ins Schwitzen bringt aber die Puste noch erhalten bleibt. Wer es genauer wissen will, kontrolliert mit einer Pulsuhr und einem Brustgurt die Herzfrequenz während des Trainings.
  • Lungensport: Für Patienten mit chronischen Lungenerkrankungen ist es notwendig, das Training unter ärztlicher Anleitung oder in speziellen Sportgruppen (z. B. Lungensportkurs) zu beginnen, um die Belastung schrittweise zu steigern.

Hyperventilation

Auf Angst, Panik, Aufregung oder Stress reagieren manche Menschen unbewusst mit tiefen, schnellen Atemzügen. Hyperventiliert eine Person, ist es oft für alle Beteiligten ein herausfordernder Moment. Das Hyperventilationssyndrom, auch Hyperventilations-Tetanie genannt, tritt meist infolge großer psychischer Anspannung auf. Atmet eine Person sehr schnell und tief, gelangt zu viel Sauerstoff in die Lunge und zu viel Kohlendioxid heraus. Das kann dazu führen, dass der Kalziumspiegel im Blut sinkt. In der Folge sind die Nerven und Muskeln übermäßig gereizt, sodass es zu Muskelkrämpfen und im Extremfall zur Hyperventilations-Tetanie kommen kann.

Symptome der Hyperventilation

  • Schnelle und tiefe Atmung
  • Gefühl, nicht genügend Luft zu bekommen
  • Enge-, Druckgefühl in der Brust
  • Starke psychische Erregung, Zittern, Unruhe, Angst, Panik
  • Kribbeln oder Taubheitsgefühl in den Fingern und um den Mund
  • Muskelverkrampfungen, v.a. der Hände ("Pfötchenstellung")
  • Herzklopfen und Herzrasen
  • Schwitzen
  • Schwindelgefühl, Schwarzwerden vor den Augen, Schwäche, selten Ohnmacht

Maßnahmen bei Hyperventilation

Am wichtigsten ist bei einer Hyperventilation, die Atmung wieder zu normalisieren; die CO2-Konzentration im Körper erreicht dann wieder das normale Niveau. Dann lassen auch die Symptome bald wieder nach. Folgende Maßnahmen können dabei helfen:

  • Bei den ersten Anzeichen einer Hyperventilation möglichst ruhig bleiben und sich selbst oder die andere Person beruhigen.
  • Pause einlegen und sich auf die Atmung konzentrieren
  • Wichtig ist die Atmung zu normalisieren: bewusst langsam durch die Nase ein- und wieder ausatmen. Dabei vor allem Konzentration auf die Bauchatmung, erkennbar daran, dass vor allem der Bauch sich hebt und senkt. Das kann noch unterstützt werden, indem man eine Hand auf den Bauch legt. Dadurch wird das Atemvolumen pro Atemzug reduziert und eine beruhigende Atmung betont.
  • Zur Verlängerung der Atmung kann beim Ausatmen die „Lippenbremse“ eingesetzt werden: Hierzu beim Ausatmen den Mund locker geschlossen halten und durch den Mund ausatmen, die Lippen bremsen (durchaus hörbar) den Ausatemstrom. Durch die Verlängerung des Atmungszyklus wird die Abatmung von CO2 ebenfalls verringert.
  • "Beutel-Rückatmung": Der/die Betroffene soll einige Minuten in eine nicht zu große Papiertüte atmen, die locker vor/über Mund und Nase gehalten wird. Zur Not kann auch in die vor Mund und Nase gehaltene Hohlhand geatmet werden. Dadurch wird das vermehrt ausgeatmete Kohlendioxid rückgeatmet und die Beschwerden klingen ab.

Psychosomatische Atembeschwerden

Psychosomatische Atembeschwerden liegen dann vor, wenn seelische Belastungen die Atmung unbewusst beeinflussen - etwa durch Stress, Angst oder innere Anspannung. Das vegetative Nervensystem reagiert auf emotionale Reize mit körperlichen Veränderungen: Der Atem wird flach, hektisch oder blockiert. Diese Veränderungen werden als bedrohlich empfunden und können zusätzliche Angst hervorrufen - ein Teufelskreis entsteht. Viele Betroffene wissen nicht, dass ihre Symptome auch Ausdruck innerer Überforderung oder ungelöster Konflikte sein können.

Therapie bei psychosomatischen Atembeschwerden

Auch wenn keine organische Erkrankung festgestellt wurde, lassen sich psychosomatisch bedingte Atembeschwerden gezielt behandeln. In der Therapie geht es darum, den Körper wieder als verlässliche Ressource zu erleben. Durch Methoden wie Atemtherapie, achtsamkeitsbasierte Verfahren, körperorientierte Psychotherapie oder begleitende Gespräche lernen Betroffene, ihr Atemmuster bewusst zu regulieren und innere Anspannung zu reduzieren. Ziel ist nicht nur die Linderung der Symptome, sondern ein neuer Umgang mit Stress und Emotionen - als Grundlage für mehr Selbstwirksamkeit und ein stabiles Lebensgefühl.

Mögliche Therapieverfahren bei Atembeschwerden:

  • Psychotherapie
  • Atemtherapie
  • Körperpsychotherapie
  • Achtsamkeitsbasierte Therapie
  • Entspannungsverfahren

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