Nervenschmerzen: Ursachen, Diagnose und Behandlungsansätze

Nervenschmerzen, auch bekannt als neuropathische Schmerzen oder Neuralgie, sind eine besondere Form von Schmerzen, die durch eine Schädigung oder Fehlfunktion des Nervensystems entstehen. Anders als bei anderen Schmerzarten, die durch äußere Verletzungen oder Entzündungen verursacht werden, liegt die Ursache hier im Nervensystem selbst. Diese Schmerzen können sich in vielfältiger Weise äußern und die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen.

Was sind neuropathische Schmerzen?

Neuropathische Schmerzen werden durch eine Schädigung des Nervensystems verursacht. Beschädigte Nerven werden mit der Zeit empfindlich und können Schmerzen verursachen. Die Störung, die im Schmerzsystem aufgetreten ist, kann in den Nerven im Rückenmark, Gehirn, Arm oder Bein entstanden sein. Neuropathische Schmerzen können sich in einigen Fällen in Ruhe und nachts verschlimmern. Der Unterschied zwischen neuropathischen Schmerzen und normalen Schmerzen lässt sich wie folgt erklären: Bei normalen Schmerzen wird Körpergewebe geschädigt, diese Situation wird als Schmerz an das Gehirn weitergeleitet und das Gehirn stimuliert die Schmerznerven, indem es bestimmte Substanzen absondert.

Symptome neuropathischer Schmerzen

Typisch für neuropathische Schmerzen sind Empfindungen wie Brennen, Stechen oder elektrische Schläge. Bei manchen Betroffenen können bereits leichte Berührungen Schmerzen auslösen (Allodynie). Eine verstärkte Schmerzempfindlichkeit (Hyperalgesie) kann zusätzlich auftreten. Diese Schmerzen sind oft chronisch und können anhaltend oder wiederkehrend sein. Häufig verschlimmern sie sich nachts oder bei Temperaturveränderungen.

Ursachen neuropathischer Schmerzen

Neuropathische Schmerzen werden durch eine Schädigung des Nervensystems verursacht. Die genaue Ursache kann oft durch Untersuchungen festgestellt werden. Viele verschiedene Krankheiten können neuropathische Schmerzen verursachen.

Polyneuropathie: Eine häufige Ursache von Nervenschmerzen

Eine häufige Ursache für Nervenschmerzen ist die Polyneuropathie (PNP), eine Erkrankung des peripheren Nervensystems (das Nervensystem außerhalb des Gehirns und Rückenmarks). Bei einer Polyneuropathie liegt eine Störung des peripheren Nervensystems vor, die sich durch Empfindungsstörungen, Schmerzen und Lähmungen äußern kann. Rund fünf bis acht Prozent der erwachsenen Bevölkerung sind von Neuropathien betroffen. Dabei steigt die Rate mit zunehmendem Alter.

Lesen Sie auch: Hüft-TEP und Nervenschmerzen

Symptome der Polyneuropathie

Zu den Symptomen einer Polyneuropathie gehören Empfindungsstörungen, Missempfindungen wie Kribbeln, Brennen und "Ameisenlaufen" sowie Schmerzen in den betroffenen Körperbereichen, häufig in den Beinen. Auch Störungen des Berührungs-, Schmerz- oder Temperaturempfindens können auftreten. Meistens beginnen die Symptome in den Füßen oder Händen. Bleibt die Neuropathie unbehandelt, werden die Symptome meist intensiver.

Ursachen und Risikofaktoren der Polyneuropathie

Diabetes mellitus Typ 2 und Alkoholmissbrauch gehören zu den häufigsten Ursachen für eine Polyneuropathie. Beide Faktoren zusammen sind für fast die Hälfte aller Neuropathien verantwortlich. Es wird vermutet, dass der ständig erhöhte Blutzucker bei Diabetes feinste Blutgefäße schädigt, welche die Nerven umspinnen und versorgen. Bei der alkoholbedingten Polyneuropathie spielt neben der akuten Giftwirkung des Alkohols eine langfristige Unterversorgung mit B-Vitaminen eine Rolle.

Auch Medikamente und giftige Substanzen können Nerven schädigen. Dazu zählen beispielsweise manche Chemotherapeutika (Krebsmedikamente), Schwermetalle wie Blei oder Gifte wie Arsen. Seltener sind genetisch bedingte Formen der Polyneuropathie, entzündliche Polyneuropathien und Polyneuropathien, die Ausdruck einer Autoimmunerkrankung sind. Bei etwa jeder fünften erkrankten Person bleibt die Ursache der Polyneuropathie trotz umfassender Diagnostik unklar. In diesem Fall spricht die Medizin von einer idiopathischen Polyneuropathie.

Verlauf der Polyneuropathie

Eine sensomotorische Polyneuropathie beginnt meistens in den Zehen, Füßen und Beinen. Hände und Arme sind seltener beziehungsweise später betroffen. Als Erstes fällt in der Regel in einem strumpf- oder handschuhförmig begrenzten Areal das Vibrationsempfinden aus. Später beklagen die Betroffenen beispielsweise brennende Missempfindungen auf der Fußsohle ("burning feet"), schmerzende Muskelkrämpfe im Oberschenkel oder in der Wade und dumpfe oder stechende Schmerzen in der Leiste oder am vorderen Oberschenkel. Oft verstärken sich die Beschwerden in der Nacht. Sehr häufig sind außerdem sensible Ausfälle an Zehen, Füßen oder Beinen mit Störungen des Berührungs-, Schmerz- oder Temperaturempfindens. Auch Muskelschwäche, schnellere Ermüdbarkeit oder Lähmungen kleiner Fuß- und Handmuskeln sind typische Zeichen einer sensomotorischen Polyneuropathie.

Bei der autonomen Neuropathie werden unwillkürlich ablaufende Funktionen der Organe in Mitleidenschaft gezogen. Abhängig vom Muster der Nervenschädigung kann etwa die Regulation von Herz und Kreislauf gestört sein. Mögliche Anzeichen sind ein erhöhter Ruhepuls sowie fehlender Puls- und Blutdruckanstieg bei Belastung. Weitere mögliche Anzeichen einer autonomen Neuropathie sind Potenzstörungen, Blasenentleerungsstörungen, Inkontinenz, übermäßige oder ausbleibende Schweißsekretion oder auch eine verzögerte Anpassung der Pupille an wechselnde Lichtverhältnisse.

Lesen Sie auch: Nervenschaden nach Zahnbehandlung: Symptome und Therapie

Diabetische Polyneuropathie

Die diabetische Polyneuropathie wird in zwei Hauptformen unterschieden: Die sensomotorische Polyneuropathie mit Empfindungs- und Bewegungsstörungen sowie die autonome Neuropathie mit Befall des vegetativen Nervensystems. Die Symptome ähneln denen der allgemeinen Polyneuropathie.

Diagnose von Nervenschmerzen

Die Diagnose neuropathischer Schmerzen erfolgt über eine körperliche und klinisch-neurologische Untersuchung. Eine ausführliche Anamnese ist notwendig, um die genaue Schmerzlokalisation und -qualität festzustellen. Um neuropathische Schmerzen zu diagnostizieren, wird zuerst eine körperliche Untersuchung durchgeführt, gefolgt von einer Elektromyographie, um zu sehen, ob die Nerven und Muskeln richtig funktionieren.

Diagnostik bei Polyneuropathie

Polyneuropathien entstehen oft schleichend und bleiben lange Zeit unbemerkt. Dies gilt insbesondere für die diabetische Polyneuropathie. Ein gezieltes Arztgespräch (Anamnese) und eine neurologische Untersuchung können Nervenschädigungen schon früh aufdecken. Dabei überprüft die Ärztin beziehungsweise der Arzt im Rahmen einer klinischen Untersuchung Muskelkraft, Reflexe sowie die Wahrnehmung von Berührungen, Temperatur und Vibration.

Neben dem oftmals charakteristischen Beschwerdemuster gibt die Krankengeschichte entscheidende Hinweise auf die Ursache einer Polyneuropathie. Darum ist ein ausführliches Arztgespräch ein wichtiger Teil der Diagnostik. Ist beispielsweise seit Jahren ein Diabetes mellitus bekannt und wurden bereits andere Komplikationen wie diabetesbedingte Augenerkrankungen diagnostiziert? Dann ist die Wahrscheinlichkeit einer diabetesbedingten Polyneuropathie gegeben. Menschen mit anhaltend hohem Alkoholkonsum haben ebenfalls ein erhöhtes Risiko für Polyneuropathien. Auch von einigen Medikamenten, beispielsweise Chemotherapeutika gegen Krebs, ist bekannt, dass sie Nerven schädigen können.

Elektrophysiologische Untersuchungen ergänzen den neurologischen Untersuchungsbefund. Sie decken die Verteilung und das Ausmaß der Nervenschädigung auf:

Lesen Sie auch: Medikamentenfreie Schmerzlinderung bei Nervenschmerzen

  • Die Elektroneurografie (ENG) misst, wie schnell Nerven eine Erregung weiterleiten.
  • Die Elektromyografie (EMG) zeichnet die Aktivität eines Muskels in Ruhe und bei Anspannung auf.

Bluttests können behandelbare Ursachen der Polyneuropathie aufdecken, beispielsweise einen Vitamin-B12-Mangel oder einen bis dahin unbekannten Diabetes mellitus. Bei speziellen Fragestellungen können weitere Untersuchungen in der Neurologie sinnvoll sein. Eine Analyse des Nervenwassers (Liquoruntersuchung) hilft beispielsweise, entzündlich bedingte Polyneuropathien festzustellen. Bei Anhaltspunkten für eine genetische Polyneuropathie ist eine Erbgutanalyse möglich. Der Verdacht auf seltene, aber behandelbare Polyneuropathien kann in besonders schweren Krankheitsfällen eine Probenentnahme aus dem Nervengewebe (Nervenbiopsie) rechtfertigen.

Differentialdiagnose

Die Symptome einer Polyneuropathie können denen einer Wirbelkanalverengung (Spinalkanalstenose) ähneln. Darum ist es wichtig, Krankheiten mit ähnlichen oder gleichen Symptomen vor dem Beginn einer Behandlung durch sorgfältige Untersuchungen auszuschließen (Differenzialdiagnostik).

Behandlung von Nervenschmerzen

Die Behandlung von Nervenschmerzen stellt eine besondere Herausforderung dar. In den meisten Fällen zielt die Therapie darauf ab, die Schmerzintensität und deren Häufigkeit zu reduzieren und die Lebensqualität zu verbessern. Die Behandlung von neuropathischen Schmerzen erfolgt in der Regel mit Änderungen des Lebensstils und einer medikamentösen Therapie. Die am häufigsten angewandte Behandlungsmethode ist die medikamentöse Therapie. Epilepsie-Medikamente können im Hinblick auf die Beeinflussung übermäßig aktiver Nerven und Depressionsmedikamente im Hinblick auf die Stimulierung von Bereichen im Gehirn, die Schmerzen verarbeiten, bevorzugt werden. Auch Sprays, Cremes oder schmerzlindernde Injektionen können angewendet werden.

Therapie bei Polyneuropathie

Die Therapie der Polyneuropathie richtet sich nach ihrer Ursache. Sind die Nervenschäden wegen einer anderen Grunderkrankung entstanden, gilt es zuerst, diese zu behandeln. Bei der diabetischen Polyneuropathie ist beispielsweise eine konsequente Blutzuckereinstellung entscheidend. Je besser die Werte langfristig eingestellt sind, desto eher lässt sich die Nervenschädigung stoppen. Patientinnen und Patienten mit Polyneuropathie sollten Alkohol möglichst meiden. Das gilt auch, wenn die Nervenschäden nicht durch übermäßigen Alkoholkonsum entstanden sind. Nervenschmerzen sind individuell mit Medikamenten behandelbar.

Medikamentöse Therapie

  • Antidepressiva: Trizyklische Antidepressiva können bei Nervenschmerzen helfen.
  • Opioide: Niedrig dosierte Opioide wie Tramadol werden aufgrund ihrer Wirkung auf die endogene Schmerzhemmung und ihrer zusätzlichen serotonergen Effekte teilweise eingesetzt.

Nicht-medikamentöse Maßnahmen

  • Psychologische Schmerztherapie: Neuropathische Schmerzen gehen oft mit Angst oder Depression einher, die die Schmerzen verschlimmern können.
  • Physiotherapie: Physiotherapie kann bei der Behandlung von Nervenschmerzen eine maßgebliche Rolle spielen, insbesondere bei Schmerzen, die durch physische Verletzungen oder Zustände wie einen Bandscheibenvorfall verursacht werden. Durch gezielte Übungen kann die Mobilität verbessert und Schmerzen können gelindert werden.
  • Alternative Methoden: Viele Betroffene finden auch durch alternative Behandlungsmethoden wie Akupunktur, Meditation und Entspannungstechniken Linderung. Diese Methoden können helfen, den Stresslevel zu senken, der oft mit chronischen Schmerzen einhergeht.
  • Regelmäßige körperliche Aktivität: Eine regelmäßige körperliche Aktivität - wenn möglich - ist essenziell, um den Körper zu stärken und die Nervengesundheit zu fördern.

Was Patienten selbst tun können

  • Wärme- oder Kälteanwendungen: Patienten können akute Beschwerden lindern, indem sie Wärme- oder Kälteanwendungen ausprobieren, abhängig davon, was besser hilft.
  • Gesunde Lebensweise: Eine gesunde Lebensweise mit ausgewogener Ernährung, regelmäßiger Bewegung und Verzicht auf Rauchen und übermäßigen Alkoholkonsum kann das Risiko verringern. Eine gute Vitaminversorgung, insbesondere mit B-Vitaminen, sowie eine konsequente Blutzuckerkontrolle bei Diabetes sind entscheidend. Zudem sollten nervenschädigende Substanzen wie neurotoxische Medikamente möglichst vermieden werden.
  • Ausreichend Schlaf: Ausreichend Schlaf bietet Erholung in stressigen Lebensphasen und kann damit auch die Schmerzintensität und das Empfinden abmildern.

Chronische Schmerzen

Von chronischen Schmerzen spricht man meist, wenn sie länger als 3 Monate anhalten. Sie können unter anderem durch eine Fehlfunktion des Nervensystems oder chronische Entzündungen entstehen. Chronische Schmerzen wirken in alle Lebensbereiche hinein und können den Alltag sehr belasten. Um chronischen Schmerzen vorzubeugen, sollte man akute Schmerzen von Anfang an wirksam behandeln. Die Behandlung chronischer Schmerzen setzt auf mehreren Ebenen an und berücksichtigt neben den körperlichen Faktoren auch die individuelle psychische und soziale Situation (biopsychosoziales Modell).

Ursachen chronischer Schmerzen

Chronische Schmerzen entstehen unter anderem durch eine Fehlfunktion des Nervensystems, eine gestörte Schmerzverarbeitung oder chronische Entzündungen. Erkrankungen, die häufig mit chronischen Schmerzen einhergehen, sind zum Beispiel:

  • Arthrose
  • Rückenprobleme
  • rheumatoide Arthritis
  • Fibromyalgie
  • Diabetes mellitus

Behandlung chronischer Schmerzen

Wann immer möglich, sollten chronische Schmerzen multimodal behandelt werden - also nicht nur auf ärztlicher Ebene, sondern auch im Bereich der Psycho-, Physio- und Ergotherapie. Ideal ist es, wenn die Behandlung bei Expertinnen und Experten für Schmerztherapie erfolgt.

Nicht-medikamentöse Maßnahmen:

  • körperliche Aktivität und Bewegungsübungen
  • Physiotherapie, Physikalische Therapie, Ergotherapie
  • Verhaltenstherapie, Training zur Stressbewältigung
  • unterstützende Maßnahmen wie Akupunktur, manuelle Therapie oder periphere Nervenstimulation
  • Ernährungsberatung und Gewichtsabnahme, wenn Übergewicht den Schmerz verursacht oder begünstigt
  • Hilfsmittel wie zum Beispiel Gehhilfen, Schienen oder orthopädische Schuhe bei schweren orthopädischen Beeinträchtigungen

Medikamentöse Therapien:

  • Bei lokalen Schmerzen können Salben und Gele mit entzündungshemmenden Schmerzmitteln angewendet werden.
  • Bei Gelenkschmerzen oder einem Bandscheibenvorfall können Schmerzmittel oder entzündungshemmendes Kortison auch mithilfe einer Spritze örtlich angewendet werden.
  • Antidepressiva können die Schmerzempfindung beeinflussen, auch wenn keine Depression vorliegt.
  • Epilepsie-Medikamente (Antiepileptika) werden bei Nervenschmerzen angewendet, die bei einer Schädigung der Nerven entstehen.
  • Muskelentspannende Medikamente kommen zum Einsatz, wenn Schmerzen im Zusammenhang mit Muskelverkrampfungen auftreten.
  • Entzündungshemmende Schmerzmittel aus der Gruppe der nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen oder Paracetamol sollten nur bei akutem Aufflackern der Schmerzsymptome eingenommen werden.
  • In den meisten Situationen sollte man starke Schmerzmittel wie Opioide nur vorübergehend einnehmen.

Das zentrale Schmerzsyndrom

Das zentrale Schmerzsyndrom (ZSS) oder auch neuropathische Schmerzen genannt, ist eine Form chronischer Nervenschmerzen, die ihren Ursprung nicht in verletzten Muskeln oder Gelenken hat - sondern im Gehirn. Die Folge: Der Körper sendet dauerhafte Schmerzsignale, obwohl keine akute Ursache mehr vorliegt. Typisch für neuropathische Schmerzen sind brennende, stechende oder elektrisierende Empfindungen, die plötzlich auftreten oder dauerhaft bestehen können. Betroffene berichten oft auch von Kribbeln, Taubheitsgefühlen oder einer Überempfindlichkeit gegenüber Berührungen. Da diese Schmerzen neurologisch bedingt sind, sprechen sie oft nur begrenzt auf klassische Schmerzmittel an.

Behandlung des zentralen Schmerzsyndroms

Die Behandlung des zentralen Schmerzsyndroms erfordert meist einen ganzheitlichen Ansatz. Auch Medikamente wie Antidepressiva oder Antikonvulsiva kommen dabei teilweise zum Einsatz, um die überaktive Schmerzwahrnehmung im Gehirn zu dämpfen - zu einer Heilung führt das natürlich nicht. Physiotherapie, Ergotherapie oder Bewegungstherapie spielen eine wichtige Rolle. Aus diesem Grund hat sich vor allem die multimodale Schmerztherapie bewährt. Also ein interdisziplinärer Ansatz, der ärztliche, therapeutische und psychosoziale Behandlung verbindet.

Was können Betroffene selbst tun?

  • Reizreduktion: Manche Betroffene profitieren davon, laute Geräusche, grelles Licht oder raue Kleidung bewusst zu vermeiden.
  • Massagen: Besonders eine sanfte Variante wie Shiatsu kann helfen, das Nervensystem zu beruhigen. Sie fördert die Durchblutung, löst leichte Verspannungen und erzeugt gleichmäßige Reize, die das Schmerzempfinden überschreiben können.

Fibromyalgie

Beim Fibromyalgiesyndrom handelt es sich um chronische Schmerzen in den Muskeln und im Bindegewebe. Weil die Beschwerden beim Fibromyalgiesyndrom sehr unterschiedlich sind, muss der Arzt die Therapie individuell auf die Betroffenen abstimmen. Das erfordert viel Geduld und gegenseitiges Vertrauen.

Therapie bei Fibromyalgie

Bei einem Fibromyalgiesyndrom führt oft nicht eine Behandlungsform allein zur entscheidenden Verbesserung, sondern die Kombination mehrerer Therapiearten. Oft ist es hilfreich, wenn Ärzte dabei mit Psychologen, Physiotherapeuten und Selbsthilfegruppen zusammenarbeiten.

1. Medikamentöse Therapie

Antidepressiva zeigen bei etwa der Hälfte der Betroffenen Wirkung, zumindest für eine gewisse Zeit. Sie können den Schlaf verbessern, Schmerzen mindern und Verspannungen lösen. An reine Schlaf- und Beruhigungsmittel gewöhnt sich der Körper. Daher sind diese nicht ratsam. Sogenannte nichtsteroidale Antirheumatika (Schmerzmittel, die bei der Rheumatherapie eingesetzt werden) haben sehr oft Nebenwirkungen. Daher sollten sie nur in Ausnahmefällen eingesetzt werden. Generell sind Schmerzmittel bei Fibromyalgie nur selten eine Hilfe. Ihr Effekt ist meistens recht gering. Betäubungsmittel sollten nicht angewendet werden, auch Cannabispräparate werden aktuell nicht empfohlen. Kortison-Präparaten sind ungeeignet.

2. Nicht-medikamentöse Therapie

Helfen können den Betroffenen zum Beispiel gymnastische Übungen. Sie lockern die Muskeln auf. Doch sie können auch anfangs die Schmerzen verstärken. Daher ist es wichtig, langsam zu beginnen und das Bewegungsprogramm in kleinen Schritten zu steigern. Bewegung in warmem Wasser vertragen Menschen mit einem Fibromyalgiesyndrom meistens gut. Sinnvoll können auch bestimmte Sportarten sein, zum Beispiel die folgenden:

  • Gehen
  • Nordic-Walking
  • Schwimmen
  • Fahrradfahren
  • Tanzen
  • Muskelaufbautraining

In allen Fällen sollten die Betroffenen vorsichtig anfangen. Auch warme Vollbäder, Wärmepackungen und sogar Kältebehandlungen können Schmerzen lindern. Weil die Krankheit nicht nur körperliche Beschwerden mit sich bringt, sondern auch psychische, ist eine psychologische Behandlung für manche Betroffenen sinnvoll. Auch Entspannungstechniken sind in jedem Fall zu empfehlen, etwa:

  • Muskelentspannung nach Jakobsen
  • Autogenes Training
  • Meditation
  • Biofeedback
  • Entspannung durch Fantasiebilder

tags: #nervenschmerzen #auf #turkisch