Das Sprunggelenk ist ein komplexes Gebilde, das eine entscheidende Rolle für unsere Mobilität spielt. Es verbindet den Unterschenkel mit dem Fuß und ermöglicht uns das Gehen, Stehen und Springen. Verletzungen und Erkrankungen des Sprunggelenks können daher erhebliche Einschränkungen im Alltag verursachen. In diesem Artikel werden wir uns speziell mit Nervenschmerzen nach einem Unfall im oberen Sprunggelenk (OSG) befassen, die Ursachen beleuchten und verschiedene Behandlungsmöglichkeiten aufzeigen.
Das Sprunggelenk: Eine komplexe Struktur
Unser Sprunggelenk befindet sich am Übergang des Unterschenkels zum Fuß. Es erfüllt wesentliche Funktionen für die Beweglichkeit des Fußes und ist somit maßgeblich am Gang und Stand beteiligt.
Man unterscheidet dabei ein oberes von einem unteren Sprunggelenk, wobei die beiden Gelenke eng zusammenarbeiten, um die vielfältigen Bewegungen des Fußes zu ermöglichen. Das obere Sprunggelenk ermöglicht die Streckung und Beugung des Sprunggelenkes, das untere eher das seitliche Ein- und Auswärtsdrehen.
Die vielfältigen Aufgaben des Sprunggelenkes werden durch das Zusammenwirken verschiedener Knochen, Bänder und Muskeln gewährleistet. Hieraus ergibt sich auch, dass verschiedene Störungen dieses Zusammenspiels die Funktion des Gelenkes beeinträchtigen und Schmerzen auslösen können.
Ursachen von Nervenschmerzen nach einem Unfall im OSG
Nervenschmerzen nach einem Unfall im OSG können verschiedene Ursachen haben. Einige der häufigsten sind:
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Direkte Nervenverletzung: Bei einem Trauma, wie beispielsweise einem Bruch oder einer Luxation des Sprunggelenks, können Nerven direkt verletzt werden. Dies kann zu einer Schädigung der Nervenfasern führen, was sich in Form von Schmerzen, Taubheitsgefühlen oder Kribbeln äußern kann.
Nervenkompression: Durch Schwellungen, Blutergüsse oder Narbengewebe, die nach einem Unfall entstehen können, können Nerven im Bereich des Sprunggelenks eingeengt werden. Dies kann zu einer Kompression der Nerven führen, was ebenfalls Schmerzen und neurologische Ausfälle verursachen kann.
Chronische Instabilität: Eine chronische Instabilität des Sprunggelenks, die häufig nach wiederholten Umknickverletzungen auftritt, kann ebenfalls zu Nervenschmerzen führen. Durch die Instabilität kann es zu einer Reizung und Entzündung der Nerven kommen.
Narbenbildung: Narbengewebe, das sich nach einer Operation oder einer Verletzung bildet, kann Nerven einklemmen und so Schmerzen verursachen.
Sinus-tarsi-Syndrom: Nach einer Umknickverletzung des Sprunggelenks kann sich ein Sinus-tarsi-Syndrom entwickeln. Die klinische Untersuchung gibt dem Orthopäden deutliche Hinweise auf den exakten Schmerzort und er kann eine Verstärkung der Schmerzen durch bestimmte Bewegungen und Druck auf die Sinus-tarsi-Region provozieren.
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Symptome von Nervenschmerzen nach einem Unfall im OSG
Die Symptome von Nervenschmerzen nach einem Unfall im OSG können vielfältig sein und hängen von der genauen Ursache und dem Ausmaß der Nervenschädigung ab. Einige der häufigsten Symptome sind:
- Schmerzen: Die Schmerzen können brennend, stechend oder bohrend sein. Sie können sich im Bereich des Sprunggelenks lokalisieren oder in den Fuß oder Unterschenkel ausstrahlen.
- Taubheitsgefühle: Betroffene können Taubheitsgefühle im Bereich des Fußes oder der Zehen verspüren.
- Kribbeln: Ein Kribbeln oder Ameisenlaufen im Bereich des Fußes oder der Zehen ist ebenfalls ein häufiges Symptom.
- Muskelschwäche: In einigen Fällen kann es zu einer Muskelschwäche im Bereich des Fußes oder Unterschenkels kommen.
- Eingeschränkte Beweglichkeit: Die Beweglichkeit des Sprunggelenks kann aufgrund der Schmerzen und der Nervenschädigung eingeschränkt sein.
- Allodynie: Allodynie beschreibt Schmerzen, die durch Reize ausgelöst werden, die normalerweise nicht schmerzhaft sind, wie beispielsweise leichte Berührungen.
- Hyperalgesie: Hyperalgesie beschreibt eine erhöhte Schmerzempfindlichkeit.
Diagnose von Nervenschmerzen nach einem Unfall im OSG
Die Diagnose von Nervenschmerzen nach einem Unfall im OSG erfordert eine sorgfältige Anamnese und körperliche Untersuchung. Der Arzt wird sich nach dem Unfallhergang, den genauen Beschwerden und Vorerkrankungen erkundigen. Bei der körperlichen Untersuchung wird er das Sprunggelenk und den Fuß auf Schwellungen, Druckschmerzhaftigkeit und Bewegungseinschränkungen untersuchen. Zudem wird er neurologische Tests durchführen, um die Funktion der Nerven zu überprüfen.
Erste Hinweise auf mögliche Ursachen: Wann treten die Schmerzen auf?Sprunggelenksschmerzen stellen ein Symptom für eine Erkrankung im Bereich des Sprunggelenkes dar und können auf verschiedene Ursachen zurückzuführen sein. Das Ausmaß und das zeitliche Auftreten der Schmerzen können dabei wichtige Hinweise liefern.Sprunggelenksschmerzen nach UnfällenSind traumatische Ereignisse ursächlich für die Sprunggelenksbeschwerden, dann treten die Schmerzen meist direkt nach dem Unfallereignis ein. Mit geringer zeitlicher Verzögerung kommt es dann meistens auch zum Anschwellen des Gelenkes. Bei Belastung des Sprunggelenkes nehmen die Schmerzen dann zu.Einer der häufigsten Unfallmechanismen ist dabei ein Umknicken des Sprunggelenkes nach außen. Dabei können Bänder gedehnt werden oder reißen sogar durch. Seltener kann dabei auch der Außenknöchel brechen.
Zusätzlich zu Anamnese und körperlicher Untersuchung können verschiedene bildgebende Verfahren eingesetzt werden, um die Ursache der Nervenschmerzen zu diagnostizieren:
- Röntgenaufnahmen: Röntgenaufnahmen können knöcherne Verletzungen wie Brüche oder Luxationen darstellen.
- Magnetresonanztomographie (MRT): Eine MRT kann Weichteilverletzungen wie Bänderrisse, Knorpelschäden oder Nervenkompressionen darstellen.
- Computertomographie (CT): Eine CT kann detailliertere Bilder von knöchernen Strukturen liefern und beispielsweise bei der Diagnose von komplexen Brüchen hilfreich sein.
- Elektromyographie (EMG): Eine EMG ist eine elektrophysiologische Untersuchung, mit der die Funktion der Muskeln und Nerven überprüft werden kann. Sie kann helfen, Nervenschädigungen zu identifizieren und deren Ausmaß zu bestimmen.
- Nervenleitgeschwindigkeitsmessung (NLG): Eine NLG ist eine weitere elektrophysiologische Untersuchung, mit der die Geschwindigkeit der Nervenleitung gemessen werden kann. Sie kann ebenfalls helfen, Nervenschädigungen zu identifizieren.
Behandlung von Nervenschmerzen nach einem Unfall im OSG
Die Behandlung von Nervenschmerzen nach einem Unfall im OSG richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache und dem Ausmaß der Beschwerden. In vielen Fällen können konservative Maßnahmen ausreichend sein, um die Schmerzen zu lindern und die Funktion des Sprunggelenks wiederherzustellen. In einigen Fällen kann jedoch auch eine Operation erforderlich sein.
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Konservative Behandlung
Zu den konservativen Behandlungsmöglichkeiten gehören:
- Schmerzmittel: Schmerzmittel wie nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) oder Opioide können helfen, die Schmerzen zu lindern.
- Entzündungshemmende Medikamente: Entzündungshemmende Medikamente wie Kortikosteroide können helfen, Schwellungen und Entzündungen zu reduzieren.
- Physiotherapie: Physiotherapie kann helfen, die Beweglichkeit des Sprunggelenks zu verbessern, die Muskeln zu kräftigen und die Koordination zu schulen.
- Orthesen: Orthesen können das Sprunggelenk stabilisieren und die Belastung reduzieren.
- Injektionen: Injektionen mit Kortikosteroiden oder Lokalanästhetika können helfen, die Schmerzen zu lindern und Entzündungen zu reduzieren.
- Akupunktur: Akupunktur kann bei einigen Patienten mit Nervenschmerzen eine schmerzlindernde Wirkung haben.
- Chirotherapie/ Manuelle Therapie:
- Eigenblutbehandlung (PRP)
- Kinesiotaping
- Stoßwellentherapie
- Elektro- oder Ultraschalltherapie
- Fußgymnastik und Einlagenversorgung
- Vermeidung von Aktivitäten, die die Schmerzen verstärken: Betroffene sollten Aktivitäten vermeiden, die die Schmerzen verstärken, wie beispielsweise langes Stehen, Gehen oder Springen.
- PECH-Regel: Die sogenannte PECH-Regel (Pause, Eis, Kompression, Hochlagern) kommt als initiale Therapie nach Unfällen oder Sportverletzungen zum Einsatz. Die betroffene Körperpartie, in diesem Fall das Sprunggelenk, sollte direkt ruhiggestellt und geschont werden. Je nach Schweregrad der Verletzung kann der Zeitraum der Ruhigstellung von einigen Tagen bis hin zu einigen Wochen reichen. Zudem sollte eine Kühlung erfolgen, um die Schwellung zu reduzieren und Schmerzen zu mindern. Dies können Sie mithilfe eines Kühlpads, umwickelt mit einem Küchenhandtuch, erreichen. Die Kompression der Körperpartie kann mittels einer elastischen Binde durchgeführt werden und soll etwaige Blutungen reduzieren.
Operative Behandlung
In einigen Fällen ist eine Operation erforderlich, um die Ursache der Nervenschmerzen zu beheben. Mögliche operative Eingriffe sind:
- Nervenentlastung: Bei einer Nervenkompression kann eine Operation durchgeführt werden, um den Nerv zu entlasten.
- Nervenrekonstruktion: Bei einer Nervenverletzung kann eine Operation durchgeführt werden, um den Nerv zu rekonstruieren.
- Arthroskopie: Im Rahmen einer Arthroskopie des Sprunggelenkes kann der Arzt die Diagnose sichern und gleichzeitig die Therapie durchführen. Er entfernt dabei Einklemmungen von Weichteilen wie Sehnen, Gelenkkapsel oder Gelenkschleimhaut. Mit einer speziellen Fräse trägt der Operateur die knöchernen Auswüchse ab.
- Bandrekonstruktion: Bei einer chronischen Instabilität des Sprunggelenks kann eine Bandrekonstruktion durchgeführt werden, um das Gelenk zu stabilisieren.
- Arthrodese: Die Arthrodese des Sprunggelenkes bietet den Vorteil, dass es sich dabei um eine endgültige Behandlung handelt, d.h. dass bei erfolgreich versteiftem Gelenk keine weiteren Operationen im Bereich des oberen Sprunggelenkes erforderlich sind. Der Nachteil besteht vor allem in einer Beeinträchtigung des Gangzyklus durch die Stilllegung des Gelenkes.
- Sprunggelenksprothese: Die OSG-Prothese hingegen bietet den großen Vorteil des Erhalts der Beweglichkeit des Sprunggelenkes. Es ist jedoch anzumerken, dass eine Verbesserung der Beweglichkeit gegenüber dem Ausgangsbefund vor OP in der Regel nicht erzielt wird. Zudem hat die Prothese den Nachteil, dass sich diese im Laufe der Zeit lockern kann. Das Lockern der Prothese ist dann mit einer erneuten Operation verbunden, die sehr aufwendig ist (Prothesenwechsel oder Versteifung). Die Standzeit (Haltbarkeit)der Sprunggelenksprothesen ist bis heute noch nicht mit den guten Ergebnissen der Hüft- oder Kniegelenksprothesen zu vergleichen.
Rehabilitation
Nach einer Operation oder einer konservativen Behandlung ist eine Rehabilitation wichtig, um die Funktion des Sprunggelenks wiederherzustellen. Die Rehabilitation kann Physiotherapie, Ergotherapie und andere Maßnahmen umfassen.
Prävention
Einige Maßnahmen können helfen, Nervenschmerzen nach einem Unfall im OSG vorzubeugen:
- Tragen von geeignetem Schuhwerk: Das Tragen von geeignetem Schuhwerk kann helfen, das Risiko von Umknickverletzungen zu reduzieren.
- Stärkung der Muskeln: Die Stärkung der Muskeln im Bereich des Fußes und Unterschenkels kann helfen, das Sprunggelenk zu stabilisieren.
- Koordinationstraining: Koordinationstraining kann helfen, das Risiko von Umknickverletzungen zu reduzieren.
- Vermeidung von Risikofaktoren: Risikofaktoren für Umknickverletzungen, wie beispielsweise Übergewicht oder das Tragen von High Heels, sollten vermieden werden.
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