Gesichtsschmerzen können vielfältige Ursachen haben und die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen. Dieser Artikel beleuchtet den Zusammenhang zwischen Neuralgien im Gesichtsbereich, insbesondere der Trigeminusneuralgie, und der Schilddrüse, geht auf die verschiedenen Ursachen und Symptome von Gesichtsschmerzen ein und stellt moderne Diagnose- und Therapieansätze vor.
Was sind Gesichtsschmerzen?
Gesichtsschmerzen sind Schmerzen, die im Bereich des Gesichts empfunden werden, einschließlich Stirn, Nase, Wangen, Zähne und Mundinneres. Während Zahnerkrankungen oder eine gebrochene Nase offensichtliche Ursachen darstellen können, liegen die Ursachen häufig in den Nerven, die das Gesicht versorgen.
Trigeminusneuralgie: Ursachen, Trigger und Symptome
Die Trigeminusneuralgie ist eine spezifische Form von Gesichtsschmerz, die durch blitzartig einschießende Schmerzen im Versorgungsgebiet des Nervus trigeminus (fünfter Hirnnerv) gekennzeichnet ist.
Ursachen
Die klassische Trigeminusneuralgie wird wahrscheinlich durch elektrische Ladungsübersprünge zwischen einem Blutgefäß, das eng am Nervus trigeminus anliegt, und dem Nerv selbst verursacht. Die symptomatische Trigeminusneuralgie hingegen wird meist durch eine Grunderkrankung ausgelöst.
Triggerreize
Bei der klassischen Form der Trigeminusneuralgie gibt es sogenannte Triggerreize, die Schmerzattacken auslösen können. Diese Trigger sind vielfältig und können alltägliche Dinge umfassen:
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- Berühren des Gesichtes
- Lächeln oder Lachen
- Kauen oder Essen (insbesondere kalte oder heiße Speisen)
- Trinken
- Zähneputzen
- Waschen des Gesichtes
- Sprechen
- Auftragen von Make-up
- Rasieren
- Zugluft
Unabhängig von Triggerreizen können die Schmerzen auch spontan auftreten.
Symptome
Typische Symptome der Trigeminusneuralgie sind:
- Schwere, blitzartige Schmerzen, die sich wie ein Elektroschock anfühlen
- Spontane starke Schmerzen, die durch Berührung des Gesichtes oder Kauen und Sprechen ausgelöst werden
- Serien hintereinander einschießender, starker Schmerzen, die wenige Sekunden bis Minuten anhalten
- Episoden schwerer Schmerzattacken über Wochen oder Monate, die sich mit Perioden abwechseln, in denen Betroffene keine Schmerzen haben
- Ein andauerndes, brennendes Gefühl kann bereits vor dem eigentlichen Auftreten des Gesichtsschmerzes vorhanden sein
- Schmerzen in der Region, die vom Trigeminusnerv versorgt werden (Augen, Wange, Lippen, Kiefer, Zähne, Zahnfleisch)
Im Gegensatz zur klassischen Form, bei der zwischen den Schmerzattacken Beschwerdefreiheit besteht, sind die Schmerzen bei der symptomatischen Form meist dauerhaft. Zudem kann es zu Gefühlstörungen oder motorischen Ausfällen im Versorgungsbereich des Nervus trigeminus kommen.
Differentialdiagnose: Gesichtsschmerzen vs. Kopfschmerzen
Es ist wichtig, Gesichtsschmerzen von Kopfschmerzen zu unterscheiden. Gesichtsschmerzen sind im Gesicht lokalisiert, während Kopfschmerzen im Scheitel, am Hinterhaupt oder am Übergang zum Nacken auftreten. Typische Kopfschmerzen sind beispielsweise Migräne.
Zusammenhang zwischen Schilddrüsenerkrankungen und Neuralgien
Ein Zusammenhang zwischen Schilddrüsenerkrankungen, insbesondere der Hashimoto-Thyreoiditis, und Neuralgien im Gesichtsbereich ist komplex.
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Hashimoto-Thyreoiditis und Begleiterkrankungen
Bei etwa 25% der Patienten mit Hashimoto-Thyreoiditis treten weitere Erkrankungen auf, darunter sogenannte Systemerkrankungen, die mehrere Organe befallen können. Nahezu alle potentiellen Begleiterkrankungen einer Hashimoto-Thyreoiditis lassen sich durch die Bestimmung von spezifischen Laborwerten in Kombination mit Ultraschalluntersuchungen ausschließen bzw. frühzeitig diagnostizieren.
Mögliche Begleit- und Folgeerkrankungen bei Hashimoto-Thyreoiditis sind vielfältig und können verschiedene Organsysteme betreffen:
- Auge: Endokrine Orbitopathie
- Bindegewebe: Sarkoidose, Sklerodermie, Lupus erythematodes
- Muskulatur: Polymyositis, Myasthenia gravis
- Blut: Perniziöse Anämie, Morbus Werlhof, Kälteagglutininkrankheit
- Darm: Colitis ulcerosa, Morbus Crohn, Zöliakie
- Eierstöcke: Polycystisches Ovar (PCO), Endometriose
- Gefäße: Arteriosklerose, Takayasu-Arteriitis, Churge-Strauss-Syndrom, Morbus Wegener, Panarteriitis nodosa, Riesenzellarteriitis
- Gelenke: Rheumatoide Arthritis, Fibromyalgie, Morbus Bechterew, Sjögren-Syndrom, Polymyalgia rheumatica, Dermatomyositis, Kälteagglutinkrankheit
- Haut: Vitiligo, Alopecia areata (Haarausfall), Psoriasis, Lupus erythematodes, Urticaria, Lichen sclerosus, Morbus Behcet, Pemphigus vulgaris
- Leber: Chronische Autoimmunhepatitis, Primär biliäre Zirrhose, Primär sklerosierende Cholangitis, IgG4-assoziierte Cholangitis
- Magen: Chronische Autoimmungastritis
- Muskeln: Dermatomyositis, Fibromyalgie, Myasthenia gravis
- Nahrungsmittelunverträglichkeiten: Histaminintoleranz, Mastzellenaktivierungssyndrom, Laktoseintoleranz, Fruktosemalabsorption
- Nebenniere: Morbus Addison (Nebennierenschwäche)
- Nerven: Multiple Sklerose, Polyneuropathie, Myasthenia gravis, Guillain-Barre-Syndrom
- Gehirn: Autoimmun-Encephalitis, Hashimoto-Encephalopathie
- Niere: Goodpasture-Syndrom, Glomerulonephritis, Lupus erythematodes, Retroperitonealfibrose
- Thrombosen/Lungenembolie: Antiphospholipid-Syndrom
- Blutungen: Morbus Werlhof
- Schilddrüse: Morbus Basedow, Schilddrüsenkrebs (Papilläres Schilddrüsenkarzinom)
Es ist wichtig zu beachten, dass die Auflistung keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt und nicht bei allen genannten Erkrankungen eine Autoimmunreaktion die Ursache ist.
Hashimoto-Thyreoiditis und Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Hashimoto-Thyreoiditis erhöht das Risiko für Erkrankungen des Herzens. In der Regel bekommen Patienten mit Hashimoto-Thyreoiditis als Folge der anhaltenden Zerstörung der Schilddrüse durch Antikörper eine Schilddrüsenunterfunktion. Eine Metaanalyse aus dem Jahr 2017 konnte zeigen, dass eine Schilddrüsenunterfunktion das Risiko für Erkrankungen des Herzens und der Gefäße in nicht unerheblichem Maße erhöht. Die Ursache des gesteigerten Risikos für Erkrankungen des Herzens ist eine vorzeitige Arteriosklerose.
Schilddrüsenunterfunktion und Polyneuropathie
Ein großer Anteil von Patienten mit einer Schilddrüsenunterfunktion zeigt die typischen Symptome einer Polyneuropathie. Grund sind die Auswirkungen eines zu geringen Hormonspiegels von T3 und T4. Dieser wirkt auf den Körper wie ein Ernährungsmangel. Ferner führt die Schilddrüsenunterfunktion zu einer Schädigung der Nervenfasern und ihrer Hüllen.
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Karpaltunnelsyndrom als Folge einer Hypothyreose
Die am weitesten verbreitete, sensomotorische Erkrankung als Folge einer Hypothyreose ist das Karpaltunnelsyndrom. Durch die fehlenden Schilddrüsenhormone sammeln sich bestimmte Zuckermoleküle an und sorgen für die bei vielen bekannten Schmerzen und Bewegungseinschränkungen im Handgelenk.
Hormon-Kraftwerk Schilddrüse
Ein aufgenommener Reiz muss innerhalb von Bruchteilen einer Sekunde zur Verarbeitung an Rückenmark und Gehirn weitergeleitet werden. Damit die elektrischen Signale möglichst rasch die Wegstrecke, beispielsweise aus Füßen und Händen, zurücklegen können, “springen” sie entlang der Nervenfasern. Dazu sind die Fasern umhüllt, elektrisch abgeschirmt, und besitzen lediglich einzelne Einschnürungen, die der elektrische Impuls schnell überwinden kann.
Polyneuropathie: Symptome rechtzeitig deuten
Für Betroffene und Ärzte gleichermaßen wichtig ist, sowohl die Anzeichen einer Polyneuropathie möglichst frühzeitig zu erkennen als auch eine Schilddrüsenunterfunktion als mögliche Ursache abzuklären. Denn ein verlangsamter Stoffwechsel aufgrund einer Hypothyreose führt nicht nur zu belastenden Symptomen im Reizleitungssystem des Körpers. Er hat auch nachhaltig negative Folgen für Herz und Kreislauf.
Aufschluss über eine Schilddrüsenunterfunktion als Auslöser einer Polyneuropathie gibt eine Blutuntersuchung. Dabei wird, neben der Kontrolle der Schilddrüsen-Hormone, auch der Anteil an Vitaminen (speziell B12 und D) sowie Mineralien und Spurenelementen festgestellt. Die Behandlung wird auf die individuellen Ansprüche abgestimmt.
Polyneuropathie: Ursachen, Symptome und Diagnose
Eine Polyneuropathie ist eine Erkrankung, bei der mehrere Nerven oder ganze Nervenstrukturen geschädigt sind. Dadurch werden Reize zwischen Nerven, Rückenmark und Gehirn nicht mehr richtig weitergeleitet.
Ursachen
Polyneuropathie kann erblich bedingt oder im Laufe des Lebens erworben sein. Schädigungen an den peripheren Nerven können etwa durch Entzündungsprozesse im Körper als Folge einer Autoimmunerkrankung oder einer Infektion mit bestimmten Viren beziehungsweise Bakterien auftreten. Dafür bekannte Erkrankungen sind unter anderem Borreliose, Diphtherie oder Gürtelrose.
Weitere Polyneuropathie-Ursachen:
- Erkrankungen der Leber
- Mangelernährung, unter anderem bei Zöliakie
- Vitaminmangel, z.B. Vitamin B12
- Autoimmunerkrankungen wie das Guillain-Barré-Syndrom oder rheumatoide Arthritis
- Einnahme bestimmter Medikamente wie zum Beispiel die Antibiotika Nitrofurantoin oder Metronidazol
- Kontakt mit giftigen Substanzen, etwa Schwermetalle
- HIV-Infektionen
- Erkrankungen, die auf Infektionen beruhen: Borreliose oder Syphilis
- Krebserkrankungen, beispielsweise Brustkrebs oder Blutkrebs
- hormonelles Ungleichgewicht, zum Beispiel ausgelöst durch eine Schilddrüsenunterfunktion
- erbliche Veranlagung (hereditäre Neuropathien)
- Diabeteserkrankung
- Abhängigkeit von Alkohol
- Durchblutungsstörungen
- Entzündungen der Blutgefäße
Symptome
Eine Polyneuropathie kann mit unterschiedlichen Symptomen einhergehen, je nachdem, welche Nerven von der Erkrankung betroffen sind. Mediziner unterscheiden sensible, motorische und vegetative Polyneuropathien.
- Sensible Polyneuropathie: Empfindungsstörungen wie Ameisenlaufen, Brennen, Jucken, Taubheitsgefühle oder Kribbeln, vermindertes Temperatur- oder Schmerzempfinden.
- Motorische Polyneuropathie: Muskelschwäche, Muskelschmerzen, Muskelzucken oder Muskelkrämpfe.
- Vegetative Polyneuropathie: Schwindel, Blasenschwäche, Durchfall oder verstärktem Schwitzen.
Betroffene berichten neben körperlichen Symptomen auch von weiteren Beschwerden - Erschöpfungszustände sind bei einer Polyneuropathie ebenfalls möglich. Oft leiden Betroffene unter brennenden, schneidenden oder stechenden Schmerzen.
Diagnose
Um festzustellen, ob tatsächlich eine Polyneuropathie vorliegt, findet zuerst ein Gespräch statt. Dabei erkundigt sich der Mediziner nach der Krankengeschichte und nach den vorliegenden Beschwerden. Auch eine körperliche Untersuchung ist wichtig. Dabei prüft der Mediziner, ob Muskeln gelähmt oder geschwächt sind. Einschränkungen beim Reizempfinden oder eine Beeinträchtigung der Reflexe können bei der körperlichen Untersuchung ebenfalls auffallen.
Um den Ursachen auf den Grund zu gehen und um herauszufinden, welche Nerven wie stark geschädigt sind, gibt es zahlreiche Untersuchungsmethoden:
- Elektroneurographie: Misst die elektrischen Impulse der Nerven.
- Elektromyographie: Macht deutlich, ob und wie stark die Muskeln auf die Nervensignale ansprechen.
- Untersuchungen von Urin, Gehirnwasser, Blut oder Gewebeproben sowie genetische Tests und bildgebende Verfahren.
Behandlung von Gesichtsschmerzen und Neuralgien
Die Behandlung von Gesichtsschmerzen hängt von der Ursache ab.
Trigeminusneuralgie
Bei der Trigeminusneuralgie wird zuerst medikamentös behandelt. Wenn die medikamentöse Behandlung nicht mehr greift oder wenn wesentliche Nebenwirkungen von Medikamenten auftreten, kann eine Operation notwendig sein.
Operative Behandlung
Die Behandlung der Wahl besteht darin, das Gefäß vom Nerven wegzulagern und dann ein Polster dazwischen zu legen. Mit dieser Behandlung wird bei etwa 70% der Patienten eine Heilung erreicht.
Innovationen in der Behandlung
Die aktuelle Möglichkeit der Bildgebung, insbesondere Kernspintomografie, ist noch relativ unzuverlässig im Hinblick auf die Festsetzung der Ursachen der Trigeminusneuralgie. Es wird erwartet, dass eine bessere Kernspin-Auflösung eine bessere Diagnostik des Nervenkonfliktes mit dem Gefäß ermöglicht.
Polyneuropathie
Bei einer Polyneuropathie gibt es verschiedene Behandlungsansätze:
- Auslöser vermeiden und behandeln: Um weitere Schäden zu verhindern und um die Beschwerden zu lindern, wird die zugrunde liegende Ursache beseitigt oder behandelt.
- Schmerzen lindern: Eine begleitende Schmerztherapie verschafft Betroffenen Linderung. Zum Einsatz kommen Antidepressiva und bestimmte Medikamente, die ursprünglich für Epilepsien entwickelt wurden (Antikonvulsiva).
- Begleitende Therapien: Je nach vorliegender Nervenschädigung können weitere Behandlungsansätze hilfreich sein, etwa Physio- oder Ergotherapie.
NICO / FDOK
Die chirurgische Entfernung der NICO / FDOK erfolgt ambulant. Unmittelbar vor dem Eingriff erfolgt die komplette Schmerzausschaltung. Der Schleimhautlappen wird geöffnet, der darunterliegende Kieferknochen freigelegt und so entfernt, dass die NICO sichtbar wird. Das fettig-degenerierte Gewebe wird mithilfe sanfter Piezo-Geräte gründlich und restlos entfernt. Nach der vollständigen Entfernung der degenerierten Knochensubstanz wird der Bereich mit Ozon sterilisiert und mit PRP-Membranen abgedeckt. Abschließend wird die Wunde mit feinstem Nahtmaterial vernäht.
Atypischer Gesichtsschmerz
Betroffene Patienten sollten vornehmlich konservativ therapiert werden.
Tipps für die Vorsorge und mehr Lebensqualität bei Polyneuropathie
- Blutzucker kontrollieren: Menschen mit Diabetes kontrollieren am besten regelmäßig ihren Blutzucker und nehmen ärztlich verordnete Medikamente ein.
- Füße kontrollieren: Eine Polyneuropathie an Beinen oder Füßen erhöht das Risiko für Fußgeschwüre - eine regelmäßige Kontrolle auf Wunden ist also wichtig.
- Bewegen: Menschen mit Polyneuropathie können bei Schmerzen und Missempfindungen von verschiedenen Angeboten wie Aquagymnastik oder Gehtraining profitieren.
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