Die Morton-Neuralgie, auch bekannt als Morton-Neurom oder Morton-Metatarsalgie, ist eine schmerzhafte Erkrankung, die durch eine Verdickung des Gewebes um einen Nerv im Vorfußbereich gekennzeichnet ist. Diese Verdickung, ein Fibrom, führt zu einer Kompression des Nervs, was Schmerzen und andere unangenehme Empfindungen verursacht. Frauen sind deutlich häufiger betroffen als Männer.
Was ist ein Morton-Neurom?
Ein Morton-Neurom ist eine gutartige Verdickung der Nervenhülle im Bereich der Mittelfußknochen. Genauer gesagt betrifft es die Interdigitalnerven, Nervenäste, die zwischen den Mittelfußknochen an der Fußsohle verlaufen und sich kurz vor den Zehengrundgelenken in zwei Stränge aufteilen. Die Erkrankung manifestiert sich meist zwischen dem dritten und vierten Zeh, seltener zwischen dem zweiten und dritten Zeh. In manchen Fällen können auch mehrere Neurome am gleichen Fuß auftreten.
Die Bezeichnung "Neurom" ist irreführend, da es sich nicht um einen Tumor des Nervengewebes handelt, sondern um eine Vermehrung des Bindegewebes um den Nerv. Diese bindegewebige Hülle kann sich entzünden und anschwellen, was zu einer Kompression des Nervs führt.
Ursachen und Risikofaktoren
Die Hauptursache für ein Morton-Neurom ist eine mechanische Überlastung des Vorfußes, oft in Verbindung mit einem Spreizfuß. Ein Spreizfuß entsteht durch das Absenken des Quergewölbes, wodurch die Mittelfußknochen fächerförmig auseinanderweichen. Dies führt zu einer erhöhten Druckbelastung auf die Nerven, die zwischen den Mittelfußknochen verlaufen.
Weitere Risikofaktoren sind:
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- Schuhwerk: Das Tragen von engen, hochhackigen Schuhen oder Schuhen mit harten Sohlen kann die Entstehung eines Morton-Neuroms begünstigen, da diese Schuhe den Vorfuß stark belasten und die Zehen einengen.
- Sportliche Aktivitäten: Sportarten mit hoher Stoßbelastung, wie Laufen oder Joggen, erhöhen das Risiko eines Morton-Neuroms. Auch Sportarten, bei denen enge Schuhe getragen werden, können die Nerven komprimieren.
- Fußfehlstellungen: Neben dem Spreizfuß können auch andere Fußfehlstellungen, wie Hallux valgus (Ballenzeh), die Entstehung eines Morton-Neuroms begünstigen.
- Bindegewebsschwäche: Eine angeborene oder erworbene Bindegewebsschwäche kann die Entstehung eines Spreizfußes und somit auch eines Morton-Neuroms fördern.
- Überlastung: Starke Belastungen des Fußes, beispielsweise durch langes Stehen oder Gehen, können ebenfalls zur Entstehung eines Morton-Neuroms beitragen.
- Mikrotraumata: Wiederholte kleine Verletzungen im Bereich des Vorfußes können ebenfalls zu einer Entzündung und Verdickung des Nervengewebes führen.
- Erkrankungen: In seltenen Fällen können auch Erkrankungen wie Diabetes mellitus oder Polyneuropathie die Entstehung eines Morton-Neuroms begünstigen.
Symptome
Das Hauptsymptom eines Morton-Neuroms ist Schmerz im Vorfußbereich, der oft bis in die Zehen ausstrahlt. Der Schmerz wird von Betroffenen oft als brennend, stechend oder krampfartig beschrieben. Er kann plötzlich auftreten und sich bei Belastung, insbesondere beim Tragen von engen Schuhen, verstärken.
Weitere typische Symptome sind:
- Taubheitsgefühl: Ein Taubheitsgefühl oder Kribbeln in den Zehen, insbesondere zwischen dem dritten und vierten Zeh.
- Missempfindungen: Das Gefühl, einen Fremdkörper im Schuh zu haben oder auf eine Erbse zu treten.
- Schmerzen beim Abtasten: Druckschmerzhaftigkeit im Bereich des Mittelfußes, insbesondere zwischen den Mittelfußköpfchen.
- Mulder-Zeichen: Ein Knacken oder Klicken, das bei der Untersuchung des Fußes durch Druck auf den Mittelfußbereich ausgelöst werden kann.
Die Symptome können im Anfangsstadium nur gelegentlich auftreten, im Laufe der Zeit jedoch immer intensiver und häufiger werden. In manchen Fällen können die Schmerzen so stark sein, dass sie die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen.
Diagnose
Die Diagnose eines Morton-Neuroms basiert in erster Linie auf der Anamnese und der klinischen Untersuchung des Fußes. Der Arzt wird nach den typischen Beschwerden fragen und den Fuß sorgfältig abtasten, um Druckschmerzhaftigkeit und eventuelle Verhärtungen festzustellen.
Weitere diagnostische Maßnahmen können sein:
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- Röntgenaufnahme: Eine Röntgenaufnahme des Fußes kann andere Ursachen für die Beschwerden, wie Arthrose, Osteoporose oder Ermüdungsbruch, ausschließen.
- Ultraschalluntersuchung: Eine Ultraschalluntersuchung kann die Verdickung des Nervengewebes darstellen.
- MRT (Magnetresonanztomographie): Eine MRT kann das Morton-Neurom ebenfalls darstellen und seine Größe bestimmen. Allerdings wird das Morton-Neurom auch in der MRT häufig übersehen. Die MRT-Untersuchung ist vor allem wichtig, um eine Größenbestimmung der Nervenschwellung vorzunehmen.
- Lokalanästhesie: Eine Injektion eines Betäubungsmittels in den schmerzenden Bereich kann zur Diagnosesicherung beitragen, wenn die Beschwerden dadurch vorübergehend gelindert werden.
Konservative Behandlungsmöglichkeiten
In vielen Fällen können die Beschwerden eines Morton-Neuroms konservativ behandelt werden. Ziel der konservativen Therapie ist es, den Druck auf den Nerv zu verringern und die Entzündung zu reduzieren.
Zu den konservativen Behandlungsmöglichkeiten gehören:
- Schuhwerk: Das Tragen von weiten, bequemen Schuhen mit ausreichend Platz für die Zehen und flachen Absätzen. Das Vermeiden von engen, hochhackigen Schuhen.
- Orthopädische Einlagen: Spezielle Einlagen mit einer Pelotte (einem Polster unter dem Quergewölbe) können das Quergewölbe unterstützen und den Druck auf die Nerven reduzieren.
- Fußgymnastik: Regelmäßige Fußgymnastik kann die Fußmuskulatur stärken und die Fußstatik verbessern.
- Physiotherapie: Physiotherapie kann helfen, die Fußmuskulatur zu entspannen, die Beweglichkeit zu verbessern und Fehlbelastungen zu korrigieren.
- Entzündungshemmende Medikamente: Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen oder Diclofenac können zur Schmerzlinderung und Entzündungshemmung eingesetzt werden.
- Kortikosteroid-Injektionen: Injektionen mit Kortikosteroiden in den schmerzenden Bereich können die Entzündung reduzieren und die Schmerzen lindern. Allerdings sollten Kortikosteroid-Injektionen nicht zu häufig durchgeführt werden, da sie langfristig schädliche Auswirkungen haben können.
- Lokale Behandlungen: Entzündungshemmende Salbenverbände mit Diclofenac oder Ibuprofen können ebenfalls zur Schmerzlinderung beitragen.
- Stoßwellentherapie: Die Stoßwellentherapie ist eine weitere konservative Behandlungsmöglichkeit, bei der energiereiche Schallwellen auf den betroffenen Bereich gerichtet werden, um die Heilung zu fördern.
- Manuelle Therapie: Stoffwechselfördernde, detonisierende und schmerzlindernde manuelle Techniken können ebenfalls zur Entlastung beitragen.
Operative Behandlungsmöglichkeiten
Wenn die konservativen Behandlungsmöglichkeiten nicht ausreichend helfen, kann eine Operation in Erwägung gezogen werden. Ziel der Operation ist es, den Druck auf den Nerv zu beseitigen und die Schmerzen zu lindern.
Es gibt verschiedene operative Verfahren zur Behandlung des Morton-Neuroms:
- Neurektomie (Nervenentfernung): Bei diesem Eingriff wird der betroffene Nerv entfernt. Dies führt zu einem vollständigen Verlust der Sensibilität im entsprechenden Bereich, was jedoch in den meisten Fällen gut toleriert wird.
- Neurolyse (Nervenfreilegung): Bei diesem Eingriff wird das Gewebe um den Nerv herum entfernt, um den Druck auf den Nerv zu reduzieren.
- Dekompression durch Osteotomie: In manchen Fällen kann eine Umstellung der Mittelfußknochen (Osteotomie) erforderlich sein, um den Druck auf den Nerv zu verringern.
Die Wahl des geeigneten Operationsverfahrens hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie der Größe des Neuroms, dem Ausmaß der Beschwerden und dem Vorliegen von Begleiterkrankungen.
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Nachsorge
Nach einer Operation ist es wichtig, den Fuß zu schonen und hochzulagern. In der Regel wird ein spezieller Vorfußentlastungsschuh für einige Wochen getragen. Physiotherapie und Fußgymnastik können helfen, die Fußmuskulatur zu stärken und die Beweglichkeit wiederherzustellen.
Prognose
Die Prognose nach einer Behandlung des Morton-Neuroms ist in der Regel gut. Viele Patienten berichten nach einer Operation von einer deutlichen Schmerzlinderung und einer verbesserten Lebensqualität. Allerdings kann es in seltenen Fällen auch Jahre nach der Operation zu einer Rückkehr der Symptome kommen.
Prävention
Um einem Morton-Neurom vorzubeugen, sollten folgende Maßnahmen beachtet werden:
- Geeignetes Schuhwerk: Das Tragen von weiten, bequemen Schuhen mit ausreichend Platz für die Zehen und flachen Absätzen. Das Vermeiden von engen, hochhackigen Schuhen.
- Regelmäßige Fußgymnastik: Fußgymnastik kann die Fußmuskulatur stärken und die Fußstatik verbessern.
- Vermeidung von Überlastung: Starke Belastungen des Fußes sollten vermieden werden.
- Orthopädische Einlagen: Orthopädische Einlagen können helfen, die Belastung auf die Mittelfußnerven zu reduzieren.