Der Schlaganfall ist eine der häufigsten Todesursachen in Deutschland und kann jeden treffen. In Memmingen engagieren sich Ärzte und Kliniken, um die Versorgung von Schlaganfallpatienten zu verbessern und die Bevölkerung über Risikofaktoren und Präventionsmaßnahmen aufzuklären.
Schlaganfall: Eine häufige und gefährliche Erkrankung
Mehr als eine Viertelmillion Menschen in Deutschland erleiden jährlich einen Schlaganfall. Laut Aussage von Neurologie-Chefarzt Privatdozent Dr. ist der Schlaganfall nach Krebserkrankungen und Herzinfarkt die dritthäufigste Todesursache. Etwa 20 Prozent der Schlaganfallpatienten versterben nach einem Hirninfarkt.
Ein Schlaganfall entsteht meist durch eine Durchblutungsstörung im Gehirn, entweder durch den Verschluss einer Arterie (Hirninfarkt) oder durch eine Blutung. In 90 Prozent der Fälle ist laut dem Neurologie-Chefarzt ein Arterienverschluss die Ursache. Dadurch werden Nervenzellen nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt und sterben ab. „Unser Gehirn ist ein Sensibelchen“, betont Lichy. „1,2 Milliarden Nervenzellen gehen bei einem Schlaganfall in der Sekunde kaputt.“
Risikofaktoren und Prävention
Es gibt verschiedene Risikofaktoren, die einen Schlaganfall begünstigen können. Dazu gehören:
- Bluthochdruck
- Herzrhythmusstörungen (z.B. Vorhofflimmern)
- Diabetes
- Fettstoffwechselstörungen
- Übergewicht
- Rauchen
- Ernährung mit zu vielen tierischen Fetten
- Genetische Vorbelastung
- Höheres Alter
Einige dieser Risikofaktoren sind beeinflussbar, andere nicht. Durch eine gesunde Lebensweise mit ausgewogener Ernährung, ausreichend Bewegung, Vermeidung von Übergewicht, Nikotin und übermäßigem Alkoholkonsum kann man das Schlaganfallrisiko jedoch deutlich senken.
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Symptome und Akutbehandlung
Typische Symptome eines Schlaganfalls sind:
- Halbseitenlähmung oder -gefühlsstörung
- Sprachstörungen
- Sehstörungen
- Schwindel
- Gang- und Koordinationsstörungen
- Gesichtslähmung
- Verwirrtheit
Treten diese Symptome plötzlich auf, sollte sofort der Rettungsdienst unter der Nummer 112 gerufen werden. Je schneller die Behandlung beginnt, desto besser sind die Chancen auf eine vollständige Genesung.
Die Akutbehandlung zielt darauf ab, die Durchblutung des Gehirns so schnell wie möglich wiederherzustellen. Bei einem Hirninfarkt kann versucht werden, das verschlossene Blutgefäß medikamentös oder mechanisch wieder zu öffnen. Bei einer Hirnblutung ist eine sofortige Blutdrucksenkung erforderlich.
Schlaganfallversorgung in Memmingen
Das Klinikum Memmingen verfügt über eine spezialisierte Schlaganfall-Station (Stroke Unit), auf der Patienten rund um die Uhr von einem multidisziplinären Team betreut werden. Dieses Team besteht aus Pflegefachpersonen, Physiotherapeuten, Logopäden, Ergotherapeuten, Sozialdienst und Ärzten. Nach Angaben des Klinikums können 60 Prozent der auf der Memminger Schlaganfall-Station behandelten Patienten ohne Behinderung nach Hause entlassen werden. Der bayernweite Durchschnitt liegt bei lediglich 53 Prozent.
Die Stroke Unit arbeitet eng mit Neuroradiologen, Gefäßchirurgen, Kardiologen und Neurochirurgen zusammen. Nach der Akutbehandlung ist es wichtig, die Ursachen des Schlaganfalls abzuklären und zu behandeln, um weitere Infarkte zu verhindern.
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Rehabilitation und Nachsorge
Nach der Akutbehandlung ist eine umfassende Rehabilitation wichtig, um verloren gegangene Fähigkeiten wiederzuerlangen. Physiotherapeuten trainieren gegen Lähmungserscheinungen, Ergotherapeuten üben die Feinmotorik und Logopäden helfen bei Sprach- und Sprechproblemen. Auch die Behandlung von Schluckstörungen ist ein wichtiger Bestandteil der Rehabilitation.
Das Klinikum Memmingen bietet ein kostenfreies Nachfolgeprogramm an, bei dem eine Schlaganfall-Lotsin mit den Betroffenen individuelle Risikofaktoren ermittelt und einen Nachsorgeplan entwickelt. Ziel ist es, durch Aufklärung und Stärkung der Eigenverantwortung Prävention zu leisten.
Neurologische Forschung und Innovationen
Die Neurologie ist ein sich ständig weiterentwickelndes Fachgebiet. Neue diagnostische Verfahren und Therapieansätze verbessern die Behandlungsmöglichkeiten neurologischer Erkrankungen kontinuierlich.
Einige Beispiele für aktuelle Entwicklungen sind:
- Humangenetische Befunde und molekulare Biomarker
- Endovaskuläre Therapien für neurovaskuläre Krankheiten
- Therapien mit monoklonalen Antikörpern bei neuroimmunologischen oder neurodegenerativen Krankheiten
- Gentherapeutische Ansätze
- Zelltherapien
- Tiefe Hirnstimulation bei Parkinson-Krankheit
- Fokussierter Ultraschall als Therapieoption
- Digitale Biomarker zur Diagnostik und Therapiesteuerung
- Analyse großer Datensätze mit künstlicher Intelligenz
Diese Innovationen eröffnen neue Perspektiven für die Behandlung von Schlaganfällen und anderen neurologischen Erkrankungen.
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Ein tragischer Todesfall in Memmingen
Im Zusammenhang mit Memmingen muss auch ein tragischer Todesfall erwähnt werden: Ein Ehepaar aus Memmingen, beide niedergelassene Ärzte, kam auf den Seychellen ums Leben, als sie versuchten, ihre Kinder und eine Nichte vor dem Ertrinken zu retten. Dieser tragische Vorfall zeigt, wie schnell sich das Leben verändern kann und wie wichtig es ist, auf die Gefahren im Alltag zu achten.