Die Fachgebiete Neurologie und Psychiatrie sind eng miteinander verbunden und befassen sich mit der Diagnose, Behandlung und Prävention von Erkrankungen des Nervensystems und der Psyche. Um in diesen Bereichen tätig zu werden, ist ein anspruchsvolles Studium und eine umfassende Weiterbildung erforderlich. Dieser Artikel beleuchtet die Inhalte eines solchen Studiums, die anschließende Facharztausbildung und die vielfältigen Tätigkeitsfelder, die sich daraus ergeben.
Was ist ein Psychiater?
Ein Psychiater ist ein Facharzt für psychische Erkrankungen, der ein Medizinstudium absolviert und eine psychotherapeutische Ausbildung erhalten hat. Im Gegensatz zu Psychologen sind Psychiater Mediziner mit einer anschließenden Facharztausbildung in Psychiatrie und Psychotherapie. Sie sind befähigt, Psychopharmaka zu verordnen und psychotherapeutische Verfahren anzuwenden. Psychiater arbeiten häufig interdisziplinär mit Psychologen, Psychotherapeuten und Sozialarbeitern zusammen, um Therapieziele zu erreichen.
Das Medizinstudium als Grundlage
Um Psychiater zu werden, ist zunächst ein abgeschlossenes Studium der Humanmedizin erforderlich. Das Medizinstudium dauert in Deutschland in der Regel sechs Jahre und ist in Vorklinik, Klinik und ein praktisches Jahr unterteilt.
Vorklinik (Semester 1-4)
In den ersten vier Semestern, der Vorklinik, werden die naturwissenschaftlichen und medizinischen Grundlagen vermittelt. Dazu gehören Fächer wie:
- Anatomie: Lehre vom Aufbau des menschlichen Körpers.
- Physiologie: Lehre von den Funktionen des Körpers.
- Biochemie: Lehre von den chemischen Prozessen im Körper.
- Physik und Chemie für Mediziner: Grundlagen für das Verständnis medizinischer Prozesse.
Klinik (Semester 5-10)
In der Klinik, den Semestern 5 bis 10, stehen die klinischen Fächer im Vordergrund. Hier werden die Studierenden mit verschiedenen Krankheitsbildern und deren Behandlung vertraut gemacht. Wichtige Fächer sind:
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- Innere Medizin: Befasst sich mit den Erkrankungen der inneren Organe.
- Chirurgie: Behandelt operative Eingriffe und deren Vor- und Nachsorge.
- Neurologie: Lehre von den Erkrankungen des Nervensystems.
- Psychiatrie: Lehre von den psychischen Erkrankungen.
- Pädiatrie: Kinderheilkunde.
- Gynäkologie und Geburtshilfe: Frauenheilkunde und Geburtshilfe.
Praktisches Jahr (PJ)
Das Studium endet mit einem praktischen Jahr (PJ), in dem die Studierenden in verschiedenen klinischen Bereichen praktische Erfahrungen sammeln. Das PJ ist in drei Abschnitte unterteilt, die in der Regel in den Fächern Innere Medizin, Chirurgie und einem Wahlfach absolviert werden.
Die Facharztausbildung Psychiatrie und Psychotherapie
Nach dem Medizinstudium folgt die fünfjährige Facharztausbildung in Psychiatrie und Psychotherapie. Diese Weiterbildung vermittelt sowohl klinisch-psychiatrische als auch psychotherapeutische Inhalte. Bestandteil dieser Weiterbildung sind Rotationen in stationären und ambulanten Einrichtungen, der Erwerb psychotherapeutischer Grundkompetenzen sowie Kenntnisse in Pharmakotherapie, Diagnostik und Notfallpsychiatrie. Außerdem absolvieren angehende Fachärzte zusätzlich theoretische Kurse und im Bereich der psychotherapeutischen Ausbildung die Pflichtteile Selbsterfahrung und Supervision.
Die Weiterbildung gliedert sich in verschiedene Rotationen, z. B. Akutpsychiatrie, Gerontopsychiatrie, Suchtmedizin, Psychosomatik oder Sozialpsychiatrie. Bestandteil der Weiterbildung ist auch der Erwerb fundierter Kenntnisse in Psychotherapie.
Inhalte der Facharzt-Weiterbildung
Die Ausbildung zum Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie dauert insgesamt 60 Monate. Es ist dabei Pflicht, die folgenden Fachbereiche zu durchlaufen:
- 24 Monate in der stationären Versorgung von Patienten
- 12 Monate in der Neurologie
- Jeweils bis zu 12 Monate deiner Ausbildung kannst du in der Inneren Medizin, in der Psychosomatik, in der Kinder- und Jugendpsychiatrie oder in der Forensik tätig sein.
Als angehender Psychiater wirst du umfassend in Diagnostik, Behandlung und präventiven Maßnahmen geschult. Deine praktische Arbeit erfolgt unter der Supervision erfahrener Psychiater, die dir bei Bedarf mit den nötigen Informationen zur Seite stehen.
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Prüfung zum Facharzt
Die Prüfung erfolgt mündlich vor einem Ausschuss der Landesärztekammer und dauert etwa 30 bis 60 Minuten. Sie umfasst Fachwissen, Fallbeispiele und ggf. rechtliche Fragestellungen.
Spezialisierungen nach der Facharztausbildung
Nach erfolgreichem Abschluss der Facharztausbildung in Psychiatrie und Psychotherapie können sich Psychiater auf verschiedene Schwerpunkte spezialisieren. Häufige Spezialisierungen sind:
- Gerontopsychiatrie: Befasst sich mit psychischen Erkrankungen im höheren Lebensalter.
- Suchtmedizin: Hier werden psychiatrische und andere medizinische Kompetenzen z.B. im Bereich Substitutionsbehandlung kombiniert.
- Forensische Psychiatrie: Beschäftigt sich mit der Begutachtung und Behandlung psychisch kranker Straftäter.
- Kinder- und Jugendpsychiatrie: Konzentriert sich auf psychische Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter.
- Psychosomatische Medizin: Untersucht die Wechselwirkungen zwischen Körper und Psyche.
- Akutpsychiatrie: Behandelt akute psychische Krisen und Notfälle.
- Sozialpsychiatrie: Fokussiert auf die soziale Integration und Rehabilitation psychisch kranker Menschen.
Tätigkeitsfelder von Psychiatern
Psychiater arbeiten in verschiedenen Bereichen des Gesundheitswesens. Zu den häufigsten Tätigkeitsfeldern gehören:
- Kliniken: In psychiatrischen Kliniken behandeln Psychiater Patienten mit unterschiedlichen psychischen Erkrankungen stationär.
- Praxen: Niedergelassene Psychiater bieten ambulante Behandlungen in ihren eigenen Praxisräumen an.
- Tageskliniken: Hier werden Patienten teilstationär behandelt, d.h. sie verbringen den Tag in der Klinik und kehren abends nach Hause zurück.
- Beratungsstellen: Psychiater arbeiten auch in Beratungsstellen, wo sie Menschen in psychischen Belastungssituationen unterstützen.
- Forschung: Einige Psychiater sind in der Forschung tätig und untersuchen die Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten psychischer Erkrankungen.
- Forensische Einrichtungen: In forensischen Einrichtungen begutachten und behandeln Psychiater psychisch kranke Straftäter.
Aufgaben eines Psychiaters in der Klinik
Große Krankenhäuser beschäftigen oft Psychiater in einer eigenen psychiatrischen Abteilung. Diese Kliniken sind Anlaufstellen für Patienten aus der jeweiligen Region, bei denen die Betreuung in Facharztpraxen aktuell nicht ausreicht und die eine stationäre Behandlung benötigen. Das Berufsbild von psychiatrisch tätigen Ärzten in diesen Kliniken umfasst somit häufig Kriseninterventionen und auch Nachtdienste. Oft arbeitest du eng mit einem niedergelassenen Psychiater oder Psychotherapeuten zusammen, der deinen Patienten nach dessen Entlassung weiter betreut.
Aufgaben von niedergelassenen Psychiatern
Ein niedergelassener Psychiater diagnostiziert und behandelt psychische Beschwerden in seinen eigenen Praxisräumen. Zu den Aufgaben dieses Facharztes gehören die Durchführung von Therapien und die Verschreibung von Medikamenten. Er hilft Patienten bei Schlaf-, Angst-, Zwangs- und anderen Störungen sowie weiteren psychischen Problemen.
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Häufige psychische Erkrankungen
Als Psychiater behandelt man ein breites Spektrum an psychischen Erkrankungen. Einige der häufigsten sind:
- Depressionen: Eine der häufigsten psychischen Erkrankungen, die durch gedrückte Stimmung,Interessenverlust und Antriebslosigkeit gekennzeichnet ist.
- Angststörungen: Umfassen verschiedene Formen von Ängsten, wie generalisierte Angststörungen, Panikattacken und Phobien.
- Schizophrenie: Eine schwere psychische Erkrankung, die durch Psychosen und Realitätsverlust gekennzeichnet ist.
- Bipolare Störungen: Zeichnen sich durch einen Wechsel zwischen depressiven und manischen Phasen aus.
- Essstörungen: Krankhaft ungesundes Essverhalten wie Anorexie oder Bulimie.
- Suchterkrankungen: Abhängigkeit vonSubstanzen wie Alkohol, Drogen oder Medikamenten, aber auch nichtstoffgebundene Abhängigkeiten wie Spielsucht.
- Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS): Entsteht nach traumatischen Erlebnissen und äußert sich in Flashbacks, Alpträumen und erhöhter Reizbarkeit.
- Zwangsstörungen: Sind durch zwanghafte Gedanken und Handlungen gekennzeichnet.
- Borderline-Persönlichkeitsstörung: Ist durch instabile Emotionen und Beziehungen charakterisiert.
Behandlungsmethoden in der Psychiatrie
Psychiater verfügen über ein breites Spektrum an Behandlungsmethoden, die je nach Erkrankung undPatient individuell eingesetzt werden. Dazu gehören:
- Pharmakotherapie: Einsatz von Medikamenten zur Behandlung psychischer Erkrankungen. Dazu zählen Antidepressiva, Neuroleptika,Anxiolytika und Stimmungsstabilisierer.
- Psychotherapie: Verschiedene psychotherapeutische Verfahren wie kognitive Verhaltenstherapie, tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie, analytische Psychotherapie und systemische Therapie.
- Soziotherapie: Unterstützung bei der sozialen Integration und Rehabilitation psychisch kranker Menschen.
- Ergotherapie: Förderung derHandlungsfähigkeit und Selbstständigkeit im Alltag.
- Sport- und Bewegungstherapie: Einsatz von sportlichen Aktivitäten zur Verbesserung des psychischen Wohlbefindens.
- Musik- und Kunsttherapie: KreativeTherapien zur Förderung derSelbstexpression und des emotionalen Ausdrucks.
- Somatische Therapieverfahren: Dazu gehören beispielsweise die Elektrokrampftherapie (EKT) bei schweren Depressionen.
- Entspannungsverfahren: Techniken wie autogenes Training, progressive Muskelentspannung oderHypnose zur Reduktion von Stress undAnspannung.
Gehalt eines Psychiaters
Das Gehalt von Psychiatern variiert je nach Berufserfahrung, Arbeitsort, Tätigkeitsfeld und Tarifbindung. In der fachärztlichen Weiterbildung sind Psychiater tariflich in das TV-Ärzte-System eingebunden. Das Durchschnittsgehalt als Psychiater beträgt 101.256 € brutto pro Jahr. Die Gehaltsspanne in diesem Berufsfeld reicht von 80.447 € bis 115.367 €.
- Einstiegsgehalt: ca. 6.500 Euro brutto monatlich als Assistenzarzt.
- Mit steigender Berufserfahrung: bis ca. 10.000 Euro brutto monatlich als Oberarzt oder Chefarzt.
Noch deutlich höhere Einkommen sind unter Umständen als Psychiater und Psychotherapeut mit eigener Praxis möglich.
Zukunftsperspektiven in der Psychiatrie
Die Zukunftsaussichten für den Beruf als Psychiater sind sehr vielversprechend. Patienten warten derzeit oftmals lange auf einen Therapieplatz, und die Gesellschaft benötigt kompetente Ärzte dieser Fachrichtung, die sich den Leiden ihrer Patienten annehmen. Du hast somit gute Zukunftsaussichten, wenn du dich nach deinem Studium der Medizin für eine Weiterbildung zum Psychiater entscheidest.
Die Psychiatrie ist ein sich stetig weiterentwickelndes Fachgebiet, das durch neue Forschungsergebnisse und Behandlungsmethoden immer wieder vor neue Herausforderungen gestellt wird. Psychiater tragen eine wichtige Verantwortung für die psychische Gesundheit der Bevölkerung und leisten einen wertvollen Beitrag zur Verbesserung der Lebensqualität psychisch kranker Menschen.
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