Die Alzheimer-Demenz ist die häufigste Form der Demenz und betrifft vor allem ältere Menschen. Die Diagnose einer Demenz, insbesondere der Alzheimer-Krankheit, ist ein komplexer Prozess, der verschiedene Untersuchungsmethoden umfasst. Ziel ist es, die Erkrankung frühzeitig zu erkennen, andere Ursachen für die Symptome auszuschließen und eineDifferentialdiagnose zu anderen Demenzformen zu ermöglichen. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die neurologische Untersuchung bei Alzheimer-Demenz, von den ersten Anzeichen und diagnostischen Schritten bis hin zu den neuesten Forschungsergebnissen und zukünftigen Entwicklungen.
Einleitung
Die meisten Demenzerkrankungen beginnen schleichend und bleiben oft lange unbemerkt. Wenn sich Gedächtnis oder andere kognitive Fähigkeiten dauerhaft und auffällig verschlechtern, ist der Hausarzt meist die erste Anlaufstelle. Eine frühzeitige und korrekte Diagnose ist entscheidend, um den Betroffenen eine bestmögliche Behandlung und Versorgung zu ermöglichen. Dies beinhaltet den Einsatz wirksamer Interventionsmöglichkeiten zur Verbesserung der Symptome oder Verzögerung des Krankheitsverlaufs sowie die Ermöglichung eigenständiger informierter Entscheidungen in Bezug auf die eigene Lebensplanung.
Der Weg zur Diagnose: Vom ersten Verdacht bis zur spezialisierten Abklärung
Anamnese und körperliche Untersuchung
Zunächst findet ein Anamnese-Gespräch statt, in dem der Arzt nach aktuellen Beschwerden, Vorerkrankungen, Medikamenten und möglichen Risikofaktoren fragt. Im Anschluss folgt eine allgemeine körperliche Untersuchung.
Kognitive Tests
Kognitive oder neuropsychologische Tests geben wichtige Hinweise auf das Vorliegen einer Demenzerkrankung. Diese Tests umfassen verschiedene Verfahren zur Überprüfung von Gedächtnis, Aufmerksamkeit, Sprache und anderen höheren Hirnfunktionen.
- Kurztests: Einfachere Untersuchungen wie das Wiederholen von drei Wörtern ("Auto, Blume, Kerze") und eine Rechenaufgabe (z. B. von 100 sieben abziehen) prüfen Aufmerksamkeit und Konzentration.
- Ausführliche Gedächtnistests: In Gedächtnisambulanzen werden komplexere Tests durchgeführt, bei denen beispielsweise 15 Wörter mehrmals hintereinander gelernt werden müssen.
- Normierte Fragebögen: Fragebögen wie der DemTect oder der Mini-Mental-Status-Test (MMST) dienen als Screening-Untersuchungen, um das Ausmaß der kognitiven Beeinträchtigung zu erfassen. Der MMST misst die Orientierung in Zeit und Raum, Merkfähigkeit, Aufmerksamkeit, Erinnerungsfähigkeit sowie Sprach- und Schreibfähigkeiten.
- Uhrentest: Das Zeichnen einer Uhr ermöglicht eine Beurteilung des geistigen Zustands des Patienten, da Alzheimer-Patienten im Verlauf der Krankheit zunehmend Probleme mit der visuell-räumlichen Orientierung haben.
- DemTect: Dieser Spezialtest zur Früherkennung prüft Kurzzeit- und Langzeitgedächtnis, die Flüssigkeit der Sprache sowie die Fähigkeit, Zahlen in Wörter umzusetzen.
- CERAD-Test: Diese Sammlung kognitiver Tests wird von Spezialisten eingesetzt, um einzelne Unterfunktionen der geistigen Leistungsfähigkeit genau zu prüfen.
Fremdanamnese
Um ein möglichst objektives Bild der Lebenssituation des Betroffenen zu erhalten, werden neben der Befragung des Patienten auch die Schilderungen von Angehörigen und Bezugspersonen berücksichtigt.
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Labordiagnostik
Da neurologische Symptome auch internistische Ursachen haben können, wird eine breitgefächerte Labordiagnostik durchgeführt, um den Status relevanter Organsysteme und mögliche Mangelzustände zu erfassen.
Bildgebende Verfahren
Bildgebende Verfahren wie Computer- oder Magnetresonanztomographie (CT oder MRT) können Hinweise auf Altersdegeneration der Hirnsubstanz, Verengungen der Blutgefäße oder Tumorwachstum liefern. Nuklearmedizinische Methoden wie SPECT oder PET untersuchen die Durchblutung und den Glukosestoffwechsel verschiedener Gehirnareale. Die Amyloid-PET kann Ablagerungen von Amyloid-Plaques darstellen, die für die Alzheimer-Demenz ursächlich zu sein scheinen.
Magnetresonanztomographie (MRT)
Die MRT ist ein bildgebendes Verfahren, das ohne Röntgenstrahlen auskommt und Weichteile besonders gut darstellen kann. Sie kann bei deutlichen Anzeichen einer Demenz oder einem auffälligen Hirnleistungs-Test eine Kassenleistung sein. Eine MRT-Untersuchung des Gehirns kostet in der Regel zwischen 260 und 580 Euro.
Die S3-Leitlinie Demenzen von 2016 spricht sich gegen eine Untersuchung von Personen ohne Beschwerden oder Symptome aus, da dies zu einer hohen Anzahl an falsch positiven Diagnosen führen würde.
Nutzen und Schaden der MRT zur Früherkennung
Eine MRT-Untersuchung zur Früherkennung einer Demenz wäre nützlich, wenn sie, in Verbindung mit effektiven Therapien, Menschen vor den gravierenden Folgen einer Demenz bewahren könnte. Es gibt jedoch keine Studien, die zeigen, dass eine Früherkennung die Entwicklung einer Demenz verlangsamen oder stoppen kann.
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Da sich nur jede zweite frühe Demenz zu einer schweren Demenz weiterentwickelt, würde jede zweite Diagnose zu Verunsicherung, Ängsten und Vorkehrungen für ein Leben mit schwerer Demenz führen, die in diesem Ausmaß nicht nötig gewesen wären. Auch kann die Diagnose Stigmatisierung und Belastungen für die Familie sowie Schäden durch invasive Untersuchungsmethoden zur Folge haben.
Liquordiagnostik
Bei Verdacht auf ein entzündliches Geschehen im Gehirn kann durch eine Lumbalpunktion Liquor (Gehirnwasser) entnommen werden. Eine erhöhte Anzahl von Leukozyten oder bestimmten Proteinen in der Probe kann auf entzündliche Prozesse hindeuten. Durch das Vorliegen von Amyloid- oder Tau-Proteinen im Liquor können altersdegenerative Formen wie die Alzheimer-Krankheit von Demenzerkrankungen mit vaskulärer Ursache unterschieden werden.
Die Rolle der neurologischen Untersuchung
Die klinisch-neurologische Untersuchung gehört für Neurologen zum Standardrepertoire und umfasst die Untersuchung der Hirnnerven, der Motorik, der Muskelreflexe, der Koordination und der Sensibilität. Auffälligkeiten in dieser Untersuchung können in engem Zusammenhang mit dem Fortschreiten der Alzheimer-Erkrankung stehen.
Zusammenhang zwischen neurologischen Auffälligkeiten und Krankheitsverlauf
Eine Studie des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen (DZNE) in München und des LMU Klinikums hat gezeigt, dass Alzheimer-Patienten mit Auffälligkeiten in der körperlichen neurologischen Untersuchung einen verstärkten Abbau der Hirnleistung im Krankheitsverlauf zeigen. Die Wissenschaftler griffen auf Daten aus der weltweiten Beobachtungsstudie DIAN zurück, in der Menschen untersucht werden, die an einer seltenen erblichen Alzheimer-Variante erkrankt sind oder ein stark erhöhtes Risiko für die Erkrankung aufweisen.
Die Studie ergab, dass bei zwei Drittel der Probanden klinisch-neurologische Auffälligkeiten auftreten. Sind solche Auffälligkeiten vorhanden, sind die kognitiven Einschränkungen stärker ausgeprägt. Vereinfacht lässt sich sagen: Falls Auffälligkeiten in der körperlichen neurologischen Untersuchung im nicht-kognitiven Bereich vorhanden sind, schreitet die Alzheimer-Erkrankung schneller voran.
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Die Ergebnisse könnten sich auch auf Patienten übertragen lassen, die an der sporadischen Alzheimer-Form leiden, dem überwiegenden Teil der Fälle. Die autosomal dominant vererbte und die sporadische Alzheimer-Erkrankung sind sich sehr ähnlich, weshalb eine Übertragbarkeit der Ergebnisse unter Beachtung des Patientenalters und Begleiterkrankungen möglich sein kann.
Spezialisierte Einrichtungen und Anlaufstellen
Erste Anlaufstelle bei Verdacht auf eine Demenz ist der Hausarzt. Dieser führt ein Screening und eine Blutentnahme durch und überweist den Patienten bei dringendem Verdacht an einen Neurologen, Psychiater oder Geriater.
Für die Abklärung der Symptomatik gibt es zahlreiche gerontopsychiatrische Zentren, Memory-Kliniken oder Gedächtnisambulanzen, die sich auf Diagnostik und Therapie der kognitiven Degeneration spezialisiert haben.
Differenzierung verschiedener Demenzformen
Welche weiteren Untersuchungen sinnvoll sind, hängt von der vermuteten Demenzform ab.
- Alzheimer-Krankheit: Der Nachweis bestimmter Proteine (Amyloid-beta, Tau) im Nervenwasser oder Blut kann die Diagnose absichern.
- Frontotemporale Demenz: Bildgebende Verfahren (MRT) sind besonders wichtig, um den für diese Form typischen Abbau im Stirn- oder Schläfenlappen zu erkennen. Bei unklarem Befund können PET- oder SPECT-Untersuchungen sinnvoll sein. Bei familiärer Vorbelastung wird eine genetische Beratung empfohlen.
- Lewy-Körperchen-Demenz: Hier helfen zusätzliche Untersuchungen, etwa zur Beweglichkeit oder zum Schlafverhalten. Auch spezielle bildgebende Verfahren wie DAT-SPECT oder MIBG-Szintigrafie können zum Einsatz kommen. Typische Symptome wie Halluzinationen oder Schwankungen in der Aufmerksamkeit werden gezielt abgefragt oder getestet.
- Vaskuläre Demenz: Die Diagnose basiert auf MRT-Aufnahmen, die Durchblutungsstörungen, Gefäßveränderungen oder Schlaganfälle zeigen. Wichtig ist dabei, ob sich die Veränderungen im Gehirn mit den beobachten kognitiven Einschränkungen erklären lassen. Auch medizinische Risikofaktoren wie Bluthochdruck oder Diabetes werden bei der Abklärung einbezogen.
Die Zukunft der Demenzdiagnostik
Weltweit arbeiten Demenzforscher daran, die Diagnostik von Demenzerkrankungen zu verbessern. Ein wichtiges Ziel ist es, Demenzerkrankungen wie Alzheimer früher zu erkennen und eine korrekte Abgrenzung von Demenzerkrankungen zu ermöglichen. Während die Alzheimer-Krankheit mittlerweile sehr gut zu Lebzeiten eindeutig diagnostiziert werden kann, sind andere, seltenere Demenzen diagnostisch nach wie vor eine Herausforderung. Die Forschung arbeitet daran, auch diese Diagnosen frühzeitig und eindeutig zu ermöglichen.
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