Neuropathische Schmerzen: Ursachen, Diagnose und Therapie

Neuropathische Schmerzen, auch Nervenschmerzen genannt, sind eine Form chronischer Schmerzen, die durch Schädigungen oder Fehlfunktionen des Nervensystems entstehen. Im Gegensatz zu anderen Schmerzarten, die durch eine akute Verletzung oder Entzündung verursacht werden, resultieren neuropathische Schmerzen aus einer Dysfunktion der Nerven selbst. Das kann aufgrund von Verletzungen, Krankheiten oder bestimmten Zuständen auftreten, die das Nervensystem betreffen. Etwa 3 bis 5 Prozent der Bevölkerung in Deutschland leiden an Nervenschmerzen.

Was sind neuropathische Schmerzen?

Neuropathische Schmerzen, auch Nervenschmerzen genannt, sind eine spezielle Schmerzform, die durch eine direkte Schädigung oder Kompression der Nerven ausgelöst wird. Sie entstehen als direkte Folge einer Schädigung von „Gefühlsfasern“ des Nervensystems. In diesem Punkt unterscheiden sich neuropathische Schmerzen grundsätzlich von allen anderen Schmerzen, zum Beispiel Rücken-, Kopf- oder Tumorschmerzen. Anders als beim „normalen“ Schmerzerleben entstehen die Schmerzimpulse in der Regel nicht mehr im Bereich der Nervenendigungen von Schmerzfasern in den Geweben des Körpers. Beim neuropathischen Schmerz ist der Nerv nicht bloß das „Kabel“ für die Weiterleitung eines elektrischen Impulses, welcher im Gehirn als Schmerz wahrgenommen wird, sondern ist selbst das gestörte Organ, welches den Schmerz verursacht.

Ursachen neuropathischer Schmerzen

Die Ursachen für Nervenschädigungen, die neuropathische Schmerzen auslösen, sind vielfältig, häufig tritt der Schmerz erst einige Zeit nach der ursächlichen Nervenschädigung auf. Neuropathische Schmerzen entstehen durch eine Schädigung des somatosensorischen (die Körperwahrnehmung betreffend) Nervensystems. Sowohl das periphere als auch das zentrale Nervensystem (im Gehirn und Rückenmark) können betroffen sein.

Häufige Ursachen für Nervenschmerzen sind Krankheiten, die zu Nervenschäden führen können. Ein wichtiges Beispiel hierfür ist der Diabetes mellitus. Dieser verursacht insbesondere bei schlecht eingestellten Blutzuckerwerten auf lange Sicht Nervenschäden in den Füßen und Beinen. Auch die Gürtelrose (medizinisch „Herpes Zoster“) kann eine Neuralgie, also Nervenschmerzen zur Folge haben. Zudem kann ein eingeklemmter Nerv, wie zum Beispiel beim Karpaltunnelsyndrom, ebenfalls schmerzhaft sein, obwohl er unverletzt ist.

Weitere Ursachen neuropathischer Schmerzen:

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  • Diabetes: Diabetes ist eine der häufigsten Ursachen für neuropathische Schmerzen, da der hohe Blutzuckerspiegel die peripheren Nerven schädigen kann. Diese Form wird als diabetische Neuropathie bezeichnet. Das Wort „Polyneuropathie“ bedeutet „Erkrankung vieler Nerven“ - beispielsweise im Rahmen einer Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) - und kann zu einem Brennschmerz der Füße führen. Hier hat der dauerhaft erhöhte Blutzuckerspiegel die feinen Nervenendigungen geschädigt.
  • Nervenverletzungen: Verletzungen, wie etwa durch Unfälle, Operationen oder Knochenschäden, können Nerven dauerhaft schädigen und neuropathische Schmerzen verursachen. Auch Nervenquetschungen oder Nervendurchtrennungen im Rahmen von Unfällen oder Operationen - z.B. des Trigeminus-Nervs im Gesicht bei zahnärztlichen Eingriffen - können Nervenschmerzen nach sich ziehen.
  • Infektionen: Einige Infektionen wie Herpes Zoster (Gürtelrose) können nach der Abheilung lang anhaltende, brennende Schmerzen hinterlassen, bekannt als postherpetische Neuralgie. Hier entstehen die neuropathischen Schmerzen im Bereich kleiner Nerven in der Haut, deren Schädigung als Folge einer Nervenentzündung durch das Varizella-Zoster-Virus hervorgerufe wird. Dieses Virus kann nach einer Windpockeninfektion im Kindesalter dauerhaft in den Nervenwurzeln von Rückenmark und Hirnnerven verbleiben. Durch Stress oder ein im Alter oder durch Krankheiten geschwächtes Immunsystem können diese Viren wieder aktiv werden und Wochen bzw. Monate nach dem Auftreten der Gürtelrose zu Nervenschmerzen führen.
  • Erkrankungen des zentralen Nervensystems: Multiple Sklerose, Schlaganfälle und Rückenmarksverletzungen können neuropathische Schmerzen hervorrufen, wenn Nervenbahnen beschädigt werden.
  • Tumore und Krebs: Tumore oder deren Behandlung (z. B. durch Bestrahlung oder Chemotherapie) können Nerven schädigen und neuropathische Schmerzen auslösen. Wir haben uns spezialisiert auf die sogenannte „Chemotherapie-assoziierte Neuropathie“ und verwandte Neuropathie-Formen sowie teilweise auf neuropathische Schmerzen.
  • Alkoholmissbrauch: Chronischer Alkoholkonsum kann eine periphere Neuropathie verursachen und neuropathische Schmerzen hervorrufen.
  • Genetische Erkrankungen: Einige genetische Störungen wie die hereditäre sensorische und autonome Neuropathie (HSAN) können ebenfalls neuropathische Schmerzen verursachen.
  • Bandscheibenvorfälle: Ein relativ häufiges Beispiel hierfür ist ein Bandscheibenvorfall (Prolaps), bei dem eine Bandscheibe auf eine Nervenwurzel drückt. Bei einem Bandscheibenvorfall drückt der Bandscheibenkern auf den Rückenmarksnerv. Am häufigsten ist dabei die fünfte Nervenwurzel im Lendenbereich betroffen. Dies kann zu einem Taubheitsgefühl und einer Schmerzausstrahlung außen seitlich am Bein entlang über den Vorderfuß zur Großzehe hin führen.
  • Engpass-Syndrome: Schließlich können Nervenschmerzen auch auftreten, wenn Nerven zusammengedrückt werden, was als Engpass-Syndrom bezeichnet wird. Ein häufiges Beispiel ist das Karpaltunnel-Syndrom am Handgelenk. Es geht mit Nervenschmerzen und weiteren Ausfällen wie Taubheitsgefühl und Muskellähmung einher. Der peripher entstehende neuropathische Schmerz ist in der orthopädischen Praxis häufig anzutreffen, so zum Beispiel bei Engpass-Syndromen mit Einquetschen eines Nervs zum Beispiel am Handgelenk (Karpaltunnelsyndrom), am Ellenbogen ellenseitig (Sulcus-ulnaris-Syndrom), am Innenknöchel (Tarsaltunnelsyndrom), zwischen den Mittelfußköpfchen (Morton-Neurom), aber auch beim Nackenschmerz und bei Rückenschmerzen mit länger bestehender Wurzelkompression durch einen Bandscheibenschaden und/oder eine knöcherne Einengung.

Symptome neuropathischer Schmerzen

Neuropathische Schmerzen äußern sich oft auf besondere Weise und unterscheiden sich von anderen Schmerzarten. Durch die Störung der Nerven können eine Vielzahl von Symptomatiken entstehen. Dies können sogenannte Negativsymptome sein, wie zum Beispiel Analgesie (fehlende Schmerzempfindung), Anästhesie (komplette Störung der Empfindung, sowohl Schmerz als auch Sensibilität), Hypästhesie (herabgesetzte Sensibilität), Parästhesie (gestörte Sensibilität, Fehlempfindungen) und abgeschwächte oder aufgehobene Muskeleigenreflexe. Daneben können aber auch sogenannte Positivsymptome auftauchen wie Hyperästhesie (übersteigerte Sensibilität), Hyperalgesie (übersteigerte Schmerzempfindung) und Hyperreflexie (übersteigerte Reflexantworten) auftreten. Neuropathische Schmerzen treten häufig im Rahmen einiger Erkrankungen wie dem Diabetes mellitus, der Post-Zoster Neuralgie oder anderer regionaler Schmerzsyndrome auf. Nervenschmerzen äußern sich auf unterschiedliche Weise. So können sie zu Beginn einem Kribbeln ähneln, oder mit leichten Taubheitsgefühlen verbunden sein. Je nach Schwere der zugrunde liegenden Erkrankung, kann zu einem späteren Zeitpunkt allerdings bereits eine leichte Berührung der betroffenen Region unverhältnismäßig starke Schmerzen auslösen. Am häufigsten sind die Extremitäten betroffen, wobei Nervenbahnen anderer Körperregionen Nervenschmerzen auslösen können.

Typische Symptome sind:

  • Brennende oder stechende Schmerzen: Die Schmerzen können wie ein Brennen oder Stechen empfunden werden, was typisch für neuropathische Schmerzen ist. Auch Brennschmerzen und Berührungsschmerzen beginnen am Fuß und erweitern sich sockenförmig (können auch an den Händen auftreten).
  • Elektrisierende Empfindungen: Ein elektrisierendes oder schießendes Gefühl entlang eines Nervs tritt häufig auf.
  • Taubheit oder Kribbeln: Die betroffene Region kann sich taub oder kribbelnd anfühlen (Parästhesien). Zu Beginn äußern sie sich häufig als Kribbeln, Kitzeln oder regionales Taubheitsgefühl. Beim Patienten äußert sich dies zum Beispiel in Fehlempfindungen wie Brennen und Kribbeln, Stromschlägen, aber auch Schmerzen mit gleichzeitigem Taubheitsgefühl.
  • Überempfindlichkeit (Allodynie): Schon leichte Berührungen oder Reize können starke Schmerzen verursachen. So kann eine leichte Berührung der Haut zu Schmerzen führen, die normalerweise keine Schmerzempfindung auslöst. Die Beschwerden treten oft in Ruhe auf und können oft auch durch leichte Berührungsreize ausgelöst werden. So führt zum Beispiel schon das Tragen von Kleidung an den betroffenen Körperstellen zu Schmerzen.
  • Schmerzen bei Kälte oder Hitze: Manche Menschen empfinden eine abnormale Empfindlichkeit gegenüber Kälte oder Wärme.
  • Verstärkte Schmerzempfindlichkeit (Hyperalgesie): Zudem weisen Betroffene häufig eine verstärkte Schmerzempfindlichkeit nach anderen schmerzauslösenden Reizen auf, die als Hyperalgesie beschrieben wird.
  • Schmerzen in Ruhe: Diese Schmerzen treten vorwiegend in Ruhe und nachts auf und haben einen brennenden, elektrisierenden oder einschießenden Charakter. Die Lebensqualität kann durch die Schmerzen erheblich beeinträchtigt sein.

Wichtig zu beachten ist, dass eine kontinuierliche Nervenschädigung oft zu Beginn komplett symptomfrei ist und erst im späteren Krankheitsverlauf bemerkbar wird. Ein CRPS entwickelt sich nach einem Trauma im Bereich der distalen Extremitätenabschnitte. Dabei hält sich die Symptomatik nicht an Innervationsterritorien. Nur extrem selten kommt es im Verlauf zum Ausbreiten der Symptomatik auf andere Extremitäten.

Diagnostik von neuropathischen Schmerzen

Die Diagnose neuropathischer Schmerzen erfolgt durch eine sorgfältige Anamnese, klinische Untersuchung und spezielle Tests. Für den Nachweis neuropathischer Schmerzen ist es wichtig, Verteilungsmuster, Stärke und Qualität der Schmerzen zu erheben, also beispielsweise ihren brennenden (häufig), bohrenden, einschießenden oder stechenden Charakter. Die Diagnose „neuropathischer Schmerz“ kann mit umso größerer Sicherheit gestellt werden, je mehr übereinstimmende Hinweise auf eine Nervenschädigung im Rahmen der Untersuchung und Befragung des Patienten gefunden werden. Das Schmerzempfinden unterliegt der eigenen Wahrnehmung der betroffenen Personen und kann nur teilweise von Außenstehenden untersucht oder beurteilt werden. Neurologische Funktionsausfälle wie Taubheit, Kribbeln oder gestörtes Temperaturempfinden können ein frühes Indiz für einen Nervenschaden sein, bleiben allerdings auch häufig unbemerkt. Treten insbesondere in den Händen, Füßen und Beinen wiederholt die oben beschriebenen Symptome der neuropathischen Schmerzen auf, sollte ein Arzt oder eine Ärztin aufgesucht werden. Diese können meist Aufschluss darüber liefern, ob die Schmerzen tatsächlich von den Nervenbahnen verursacht werden, oder durch andere Auslöser entstehen.

Die wichtigsten diagnostischen Schritte sind:

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  • Anamnese und klinische Untersuchung: Der Arzt erfragt die Krankheitsgeschichte und Symptome und führt neurologische Untersuchungen durch, um den Schmerzcharakter und die Empfindlichkeiten zu bewerten. Zur Diagnostik gehören eine ausführliche Anamnese - bei der der Arzt die genauen Symptome und die Entstehungsgeschichte der Schmerzen erfragt -, eine körperliche Untersuchung sowie die Erfassung von Schmerzqualität, Schmerzstärke und Ausbreitung der Schmerzen. Ebenfalls sollten mögliche Differenzialdiagnosen berücksichtigt und ausgeschlossen werden.
  • Schmerzzeichnung und Fragebögen: Sie kann durch eine Schmerzzeichnung, Schmerzfragebögen und weitere Spezialtests ergänzt werden. Zur Erfassung kann man den pain-detect-Fragebogen verwenden.
  • Bildgebende Verfahren: MRT und CT können helfen, strukturelle Probleme im Nervensystem zu identifizieren, wie etwa Bandscheibenvorfälle oder Tumore. Oft werden darüber hinaus moderne bildgebende Verfahren eingesetzt, zum Beispiel die Computertomografie (CT) oder die Magnetresonanztomografie (MRT, auch als Kernspintomografie bezeichnet). Sie können eine Nervenschädigung direkt sichtbar machen. Ein relativ häufiges Beispiel hierfür ist ein Bandscheibenvorfall (Prolaps), bei dem eine Bandscheibe auf eine Nervenwurzel drückt. Bei einem Bandscheibenvorfall drückt der Bandscheibenkern auf den Rückenmarksnerv. Bildgebende Verfahren wie Röntgen, CT oder MRT machen das für den Arzt sichtbar.
  • Elektrophysiologische Tests: Nervenleitgeschwindigkeitstests und Elektromyographie (EMG) messen die elektrische Aktivität in den Nerven und Muskeln und helfen, Nervenschäden zu lokalisieren. QST = quantitative sensorische Testung zur Prüfung der Hautempfindlichkeit, Neurographie = Bestimmung der Nervenleitgeschwindigkeit, SEP = somatosensibel evozierte Potenziale zur Prüfung der gesamten Gefühlsbahn von der Haut über das Rückenmark bis ins Gehirn.
  • Labortests: Bluttests können Infektionen, Diabetes oder andere zugrunde liegende Ursachen aufdecken.
  • Diagnostik des CRPS: Für die Diagnostik des CRPS wird die "Budapester Tabelle" verwendet. Hier werden die notwendigen Kriterien aufgeführt, die für diese Diagnose nötig sind. Wichtiger Hinweis: Ein CRPS ist stets eine klinische Diagnose eines darin erfahrenen Arztes. Das Fehlen bzw. Unsicherheiten bei einigen Kriterien dürfen nicht die klinische Diagnose verhindern. Apparative Untersuchungen (Knochenszintigraphie, Temperaturmessung, Bestimmung einer Druckschmerzhyperalgesie über distalen Gelenken und nach Replikation der ersten Ergebnisse auch die Messung von Osteoprotegerin) können zur Bestätigung der klinischen Diagnose insbesondere bei zweifelhaften Fällen hinzugezogen werden. Sie sind aber aufgrund mittlerer Sensitivität (ca.

Eine Schwierigkeit bei der Diagnose stellt das häufige Bedürfnis von Ärzten und Betroffenen dar, die genaue Ursache der Schmerzen herauszufinden und greifbar zu machen - sie wünschen sich deswegen einen Befund mittels Röntgenbildern oder durch neurologische Untersuchungen.

Behandlungsmöglichkeiten für neuropathische Schmerzen

Die Behandlung neuropathischer Schmerzen ist oft komplex und erfordert einen multidisziplinären Ansatz. Die Therapie neuropathischer Schmerzen unterscheidet sich von der Therapie anderer chronischer Schmerzen, bei denen das Nervensystem nicht geschädigt ist. Die Therapie neuropathischer Schmerzen gründet sich vor allem auf eine für jeden einzelnen Menschen individuell abgestimmte Behandlung mit Medikamenten. Sie soll die Beschwerden lindern, bis sich die geschädigten Nerven zumindest weitgehend erholt und neu aufgebaut haben. Es werden unterschiedliche Wirkprinzipien angewendet, darunter häufig die Kombinationsbehandlung mit verschiedenen Medikamenten, die den Nervenschmerz über unterschiedliche Wirkmechanismen lindern. Nicht-medikamentöse Verfahren können ergänzend oder in der Akuttherapie zur Überbrückung der Zeit bis zum Anschlagen der sonstigen Medikamente eingesetzt werden. Darüber hinaus können im Einzelfall, je nach Ausprägung der Beschwerden, physikalische Maßnahmen, Ergotherapie und Psychotherapie sinnvoll sein.

Zu Beginn der Therapie sollte die Ursache der Schmerzen festgestellt und behandelt werden. In leichten Formen der Nervenschmerzen ist diese ursächliche Therapie bereits ausreichend. Je nach Schwere der Schmerzen, kann eine Behandlung mit Schmerzmitteln, Antidepressiva und Antiepileptika hilfreich sein. Besteht eine langfristige Erkrankung ist auch eine stationäre Reha mit Ergo- und Physiotherapie eine gute Therapieoption. In speziellen Fällen, wie eingeklemmten Nerven oder schweren Nervenschäden kann eine Operation notwendig sein, um den Schaden zu beheben. Wichtig ist eine ganzheitliche Therapie, die nicht nur die Behandlung der Schmerzen im Fokus hat, sondern auch die ursächliche Erkrankung behandelt, um einem erneuten Nervenschaden vorzubeugen.

Die Behandlungsmöglichkeiten umfassen:

  1. Medikamentöse Therapie: Zur Behandlung von neuropathischem Schmerz nutzen wir überwiegend Antiepileptika, Antidepressiva und Opiate. Klassische Schmerzmittel wirken bei neuropathischem Schmerz meistens nicht. Allerdings zeigen sich andere Medikamente als wirkungsvoll. Es werden unterschiedliche Wirkprinzipien angewendet, darunter häufig die Kombinationsbehandlung mit verschiedenen Medikamenten, die den Nervenschmerz über unterschiedliche Wirkmechanismen lindern.

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    • Antidepressiva: Bestimmte Antidepressiva, wie Amitriptylin oder Duloxetin, haben schmerzlindernde Eigenschaften und wirken oft gut bei neuropathischen Schmerzen. Die TCA und SSNRI wirken antidepressiv und aktivieren zusätzlich körpereigene schmerzhemmende Bahnen im Zentralnervensystem.
    • Antikonvulsiva: Medikamente wie Gabapentin und Pregabalin, die zur Behandlung von Epilepsie eingesetzt werden, wirken auch bei neuropathischen Schmerzen, indem sie die Nervenaktivität dämpfen. An dieser Stelle setzen die Antikonvulsiva Pregabalin und Gabapentin hemmend an, diese Medikamente sind für die Indikation auch offiziell zugelassen.
    • Opioide und Tramadol: Bei schweren Schmerzen können Opioide und Tramadol in bestimmten Fällen verschrieben werden, aber sie werden aufgrund des Risikos von Abhängigkeit und Nebenwirkungen meist nur vorsichtig und in niedrigen Dosen eingesetzt. Klassische Schmerzmittel aus der Reihe der Opioide mit geringerer Wirkstärke wie zum Beispiel Tramadolor (WHO II, normale Rezepte) sollten zunächst nur für maximal ein bis drei Monate eingesetzt werden. Zeigen diese Medikamente Wirkung und werden gut vertragen, so kann man sie auch langfristig einsetzen. Gleiches gilt für Opioide mit höherer Wirkstärke wie zum Beispiel Tapendadol (WHO III, Rezepte nach dem Betäubungsmittelgesetz). Diese Medikamente blockieren Schmerzrezeptoren im Gehirn und sorgen damit für eine Schmerzreduktion. Ein Vorteil dieser Präparate gegenüber den anderen Klassen besteht darin, dass sie in der Regel sehr schnell wirken, meist werden diese Stoffe in Kombination mit anderen Präparaten verwendet.
    • Topische Therapie: Cremes oder Pflaster mit Wirkstoffen wie Lidocain oder Capsaicin können direkt auf die betroffene Hautstelle aufgetragen werden, um Schmerzen lokal zu lindern. Eine Sonderstellung nehmen die Capsaicin-Pflaster ein, welche jedoch nicht an allen Stellen sinnvoll eingesetzt werden können: sie wirken direkt lokal auf dem behandelten Hautareal, können aber dort lokal wiederum Rötungen und Schmerzen hervorrufen. Die Pflaster werden einmalig für eine halbe bis eine Stunde auf die betroffenen Hautareale aufgeklebt. Eine Anwendung im Gesicht ist nicht möglich. Die erneute Anwendung an anderen Hautarealen ist nach drei Monaten möglich. Alternativ kann man auch Pflaster mit dem Lokalanästhetikum Lidocain verwenden, welches lokal die Entstehung von pathologischen Nervenerregungen blockiert, es wird täglich für jeweils einen halben Tag aufgesetzt.
    • Botulinumtoxin: Die Freisetzung dieser Stoffe kann nach neueren Forschungen wohl durch Botulinumtoxin blockiert werden, dies gilt als mögliche Erklärung für die teilweise gegebene therapeutische Wirksamkeit dieses Medikamentes beim neuropathischen Schmerz. Die Mechanismen sind jedoch noch nicht vollständig geklärt und der Einsatz des Medikamentes auch (noch) nicht zugelassen.
  2. Physiotherapie und Ergotherapie: In der Physiotherapie und Krankengymnastik lernen Sie einzeln oder in der Gruppe verschiedene Techniken und Übungen kennen, mit denen Sie Ihre Gefühlsstörung, Gleichgewichts- oder Bewegungsfunktionen wieder verbessern können. In der Ergotherapie wenden wir gestalterische und handwerkliche Techniken an, um die Feinmotorik und das Tastvermögen wieder zu stärken.

    • Kräftigungs- und Bewegungsübungen: Physiotherapie kann helfen, die Muskulatur zu stärken, Beweglichkeit zu fördern und Schmerz zu reduzieren.
    • Sensorisches Training: Übungen zur Desensibilisierung, wie das Berühren von unterschiedlichen Oberflächen, können helfen, die Schmerzempfindlichkeit zu verringern.
  3. Psychologische Therapie: Wir bieten psychologische Unterstützung in Einzel- oder Gruppentherapie. Patientenschulung und Selbsthilfe: In regelmäßigen Schulungen und Seminaren zeigen wir Ihnen einen bewussten Umgang mit Ihrer Erkrankung. Gleichzeitig lernen Sie, einen gesunden Lebensstil anzunehmen. Chronische Schmerzen können die Lebensqualität stark beeinträchtigen, und psychologische Unterstützung kann helfen, mit den Schmerzen besser umzugehen und das Schmerzempfinden zu reduzieren.

    • Kognitive Verhaltenstherapie (CBT):
    • Schmerzbewältigungstraining: Techniken zur Stressbewältigung und Entspannung, wie Meditation oder Atemübungen, sind hilfreich, um den Umgang mit Schmerzen zu verbessern.
  4. Neuromodulation:

    • Spinal Cord Stimulation (SCS): Bei dieser Methode wird ein Implantat in der Nähe des Rückenmarks platziert, das elektrische Impulse abgibt, die die Schmerzsignale blockieren.
    • Periphere Nervenstimulation: Hierbei werden elektrische Impulse auf die betroffenen Nerven im peripheren Nervensystem angewandt, um die Schmerzsignale zu reduzieren.
    • Transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS): Diese nicht-invasive Methode verwendet niederfrequente elektrische Impulse, um die Schmerzen zu lindern.
  5. Alternative Therapien:

    • Akupunktur: Akupunktur kann bei einigen Patienten Linderung der neuropathischen Schmerzen bewirken.
    • Entspannungstechniken: Progressive Muskelentspannung und Yoga können helfen, die Schmerzen zu lindern und das allgemeine Wohlbefinden zu verbessern.
  6. Lifestyle-Änderungen:

    • Ernährung und Gewichtskontrolle: Eine ausgewogene Ernährung kann das allgemeine Wohlbefinden verbessern, insbesondere bei Erkrankungen wie Diabetes, die neuropathische Schmerzen verursachen.
    • Regelmäßige Bewegung: Ein moderates Training und Bewegung können helfen, die Muskeln zu stärken und die Nervenfunktion zu unterstützen.
    • Schlafhygiene: Guter und erholsamer Schlaf ist wichtig, um Schmerzen und Überempfindlichkeit zu reduzieren.
  7. Interventionelle Therapieformen: Nur in Ausnahmefällen sollten interventionelle Therapieformen zur Anwendung kommen.

  8. Stationäre multimodale Schmerztherapie: Das CRPS ist die einzige Erkrankung, bei der eine sehr frühzeitige stationäre multimodale Schmerztherapie indiziert ist.

  9. Operation: In speziellen Fällen, wie eingeklemmten Nerven oder schweren Nervenschäden kann eine Operation notwendig sein, um den Schaden zu beheben. Die Behandlung von Nervenschmerzen gestaltet sich oft schwierig, sofern keine Operation zur Entlastung des betroffenen Nervs möglich ist.

Realistische Therapieziele sind Schmerzkontrolle und weitgehende Wiedererlangung der Funktion. Allerdings bleibt häufig eine Restsymptomatik oder verminderte Belastbarkeit, was die Wiedereingliederung vor allem in körperlich anstrengende Berufe erschwert. Die Therapie sollte immer eine Kombinationstherapie aus nicht medikamentösen und medikamentösen Maßnahmen sein.

Prognose: Ist neuropathischer Schmerz heilbar?

Ja, je nach Ursache sind neuropathische Schmerzen heilbar. Meist kann schon mit einer gezielten Therapie der ursächlichen Erkrankungen, insbesondere bei leichten Nervenschäden, viel erreicht werden. Allerdings sind chronifizierten Schmerzformen und schwere Schäden der Nerven schwerer zu behandeln und haben eine deutlich schlechtere Heilungschance. Deswegen ist die frühzeitige Erkennung der Symptome und ein zeitiger Behandlungsbeginn wichtig für den Erfolg der Therapie. Schmerzfreiheit kann nur in den seltensten Fällen erreicht werden. Daher sollen realistische Behandlungsziele vor Therapiebeginn gemeinsam mit dem Patienten besprochen werden. Insgesamt ist bei der Mehrzahl der Patienten oft nur eine relative Schmerzreduktion um circa 30 bis 50 Prozent ein realistisches Ziel, eine weitgehende bis völlige Beschwerdefreiheit ist die Ausnahme. Man geht davon aus, dass etwa 20 bis 40 Prozent der Betroffenen durch ungenügendes Ansprechen der Medikamente und/oder nicht tolerable Nebenwirkungen das Mindestziel einer Schmerzreduktion von mindestens 30 Prozent nicht erreichen. Wenn keine komplizierenden Faktoren dazukommen und eine adäquate Therapie rechtzeitig eingeleitet wird, ist die Prognose eines CRPS nicht zwangsläufig schlecht. Komplizierende, die Chronifizierung fördernde Faktoren sind schmerzhafte Therapieverfahren, ungerechtfertigte invasive Maßnahmen und psychische Komorbiditäten bzw.

Spezialisten für die Diagnose und Therapie von neuropathischen Schmerzen

Die erste Instanz zur Behandlung neuropathischer Schmerzen ist der Hausarzt oder die Hausärztin. Diese können bereits eine erste Einschätzung zur Ursache der Schmerzen machen und wenn nötig eine Überweisung zu anderen FachärztInnen ausstellen. Da neuropathische Schmerzen auf Schäden der Neven selbst zurückzuführen sind, wird die Behandlung häufig von NeurologInnen weitergeführt. Je nach Ursache kann aber auch eine Konsultation anderer Fachrichtungen, zum Beispiel von GastroenterologInnen, DiabetologInnen, DermatologInnen oder RheumatologInnen notwendig und hilfreich sein.

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