Neurostressprofil: Noradrenalin, Dopamin und Therapieansätze

Chronische Überlastung, anhaltender Stress und Burnout können sich in Symptomen wie Müdigkeit, Reizbarkeit, verminderter Leistungsfähigkeit, sozialem Rückzug, Konzentrations- und Schlafstörungen äußern. Um das persönliche Risiko für Stresserkrankungen und Stressbelastung zu analysieren und darzustellen, kann eine umfassende Vorgehensweise angewendet werden. Diese beinhaltet die Beurteilung der Stressbelastung und Messungen mit Biofeedbackgeräten, um Belastungen in verschiedenen Lebensbereichen zu identifizieren, die zu einer vermehrten Ausschüttung von Stresshormonen führen. Langfristig kann dies den Körper belasten und eine effektive Erholung verhindern.

Was ist Neurostress?

Um eine Neurostress-Balance im Rahmen einer natürlichen Therapie zu erreichen, ist es wichtig zu verstehen, was Neurostress überhaupt bedeutet. Neurostress betrifft die Neurotransmitter (Adrenalin, Noradrenalin, GABA, Serotonin, Dopamin u.a.), die für die Signalübertragung von einer Nervenzelle zur anderen verantwortlich sind, beispielsweise zwischen Gehirn- oder Muskelnerven. Dadurch wird eine Reizübermittlung innerhalb weniger Millisekunden gewährleistet.

Die Bedeutung von Neurotransmittern

Neurotransmitter sind Botenstoffe, die der Reizweiterleitung zwischen Nerven dienen. "Aufregend" wirkende Neurotransmitter erhöhen das Aktivitätslevel (Blutdruck, innere Unruhe oder Nervosität), während "dämpfende" Neurotransmitter beispielsweise für besseren Schlaf sorgen und Depressionen entgegenwirken. Ein Zuviel an Neurotransmittern ist jedoch immer schlecht.

Neurostressprofil: Eine umfassende Analyse

Ein Neurostressprofil dient dazu, Mängel oder Überschüsse wichtiger Hormone, Neurotransmitter und Aminosäuren aufzuzeigen. Aus der Dysbalance der Botenstoffe und Hormone können Rückschlüsse auf die Ursachen des Beschwerdebildes gezogen und ursächlich therapiert werden, oft ohne Psychopharmaka.

Bestandteile des Neurostressprofils

  • Neurostress Basis: Umfasst ein Cortisol-Tagesprofil (4x Cortisol) sowie die Analyse von Serotonin, Dopamin, Noradrenalin und Adrenalin.
  • Neurostress Plus: Ähnlich dem Neurostress Basis Test, jedoch zusätzlich mit der Analyse von GABA und Glutamat.

Weitere Testmöglichkeiten

  • Depression Test: Untersucht die Ursachen einer Depression, insbesondere das Zusammenspiel von Cortisol, Serotonin und Noradrenalin.
  • Burn Out Test: Analysiert eine mögliche Nebennierenschwäche (Cortisol, DHEA) und die Katecholamine Adrenalin, Noradrenalin, Dopamin und Serotonin sowie Melatonin.
  • Erschöpfung- und Antriebslosigkeit Test: Testet Cortisol (4x Cortisol als Tagesprofil) und die Neurotransmitter Dopamin, Noradrenalin, Adrenalin, Glutamat und GABA.
  • ADHS Test: Untersucht die Hormonsystematik bei ADHS, insbesondere die Hormone Cortisol, Serotonin, Dopamin, Glutamat und GABA.
  • Kopfschmerzen & Migräne Test: Ermittelt die Ursachen von Kopfschmerzen und Migräne.
  • Fibromyalgie Test: Untersucht ungeklärte chronische Schmerzen in Muskeln, Sehnenansätzen, Nacken und Schulter oder Fußsohlen.
  • Adipositas plus Profil: Bestimmung der Neurohormon- und Neurotransmitter-Verhältnisse, die eine wesentliche Bedeutung bei Störungen im Essverhalten wie Heißhungerattacken und gesundheitsgefährdendem Übergewicht haben.

Ursachen von Neurostress

Chronische Stressbelastung kann die Neurotransmitter im Körper, insbesondere im Gehirn, durcheinanderbringen. Viele unterschiedliche Beschwerdebilder bzw. Erkrankungen wie Depressionen, Burn-out, Aufmerksamkeitsdefizit, Hyperaktivität, Ängste, Übergewicht, Neurodermitis, Rauchen, Vergesslichkeit und Demenz haben häufig eine gemeinsame Ursache in einer Dysbalance der Neurotransmitter oder auch Gehirnhormone. Diese wiederum hängen von dem Darmmikrobiom ab.

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Neurotoxische Stoffe aus der Ernährung, wie AGEs (advanced glycosylated endproducts), die durch Karamellisierung von Eiweißen und Fett bei hohen Temperaturen entstehen, können Entzündungsprozesse im zentralen Nervensystem auslösen.

Diagnostik von Burnout und Nebennierenschwäche

Wenn der Verdacht auf eine Nebennierenschwäche besteht, gibt es verschiedene diagnostische Möglichkeiten:

  1. Messung von Cortisol und DHEA im Speichel, idealerweise als Cortisol-Tagesprofil.
  2. Untersuchung des Gleichgewichts von exzitatorischen und inhibitierenden Neurotransmittern im zweiten Morgenurin.
  3. Untersuchung der Sexualhormone Östradiol, Progesteron und Testosteron im Speichel.
  4. Lymphozyten-Transformationstest bei Verdacht auf eine chronische Infektion.
  5. Untersuchung auf chronische Entzündungen, Nahrungsmittelintoleranzen, Zahnherde oder Schwermetallbelastungen.

Therapieansätze bei Neurostress

Mit Unterstützung von Methoden wie Biofeedback und Herzkohärenz-Training kann die Selbstregulation des autonomen Nervensystems positiv beeinflusst werden, was sich in einer zunehmenden Balance der Botenstoffe zeigt. Ergänzend kann durch die Gabe von natürlichen Aminosäurevorstufen und abgestimmten Mikronährstoffen das Gleichgewicht hergestellt werden.

Die Therapie der Nebennierenschwäche erfordert Geduld und die Beseitigung der auslösenden Stressoren. Äußere Stressoren können moderiert werden, während innere Stressoren subtiler sind und eine Änderung der Lebensführung mit ausreichend Schlaf, gesunder Ernährung, frischer Luft und Bewegung erfordern. Die Ernährung sollte aminosäurereich, kohlenhydratreduziert, biologisch, antiallergen und nährstoffreich sein.

Die Therapie der Nebennierenschwäche kann mit Aminosäuren, Vitaminen, Fettsäuren, Pflanzenextrakten und natürlichen Hormonen erfolgen. Bei chronischen Infekten hat sich die Mikroimmuntherapie bewährt, bei chronischen Belastungen mit Pilzen, Bakterien und Parasiten kommen ozonisierte Öle mit Pflanzenextrakten zum Einsatz. Für chronische Entzündungen stehen Wirkstoffe aus der Pflanzenapotheke zur Verfügung, wie z. B. Curcuma und Weihrauch.

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Weitere Therapieansätze

  • Frequenztherapien: Zielen auf eine Harmonisierung der Stresshormone ab.
  • HRV-Analyse und Therapie: Das Nilas Programm erstellt eine individuelle Therapie auf die patientenbezogenen Besonderheiten und versucht so, regulierend den Rhythmus zu beeinflussen.
  • Hypnose: Kann ergänzend eingesetzt werden.

Neurotransmitter-Dysbalancen und ihre Folgen

Ein Mangel an Dopamin hat ebenso wie ein Dopamin-Überschuss massive Konsequenzen für den Organismus. Die Auswirkungen eines Dopaminmangels lassen sich in Extremform an den bekannten Symptomen der Parkinson´schen Krankheit ersehen. Eine ausreichende Versorgung mit den Vitaminen B6, B12 und C ist bei der Bildung von Dopamin ebenfalls von großer Bedeutung.

Aber auch eine dauerhaft zu hohe Konzentration der Noradrenalin-Vorstufe Dopamin bei gleichzeitigem Serotoninmangel hat umfangreiche negative Auswirkungen auf den Organismus.

Mikronährstoffe und ihre Bedeutung für die Psyche

Mikronährstoffe wirken sich auf die Psyche und viele Nervenfunktionen aus oder sind direkt an der Synthese von Neurotransmittern beteiligt. Mikronährstoff- und Ernährungsdefizite können wesentlich an psychischen Beeinträchtigungen beteiligt sein. Auch allergene Nahrung wirkt nach den Modellen der Gut-Brain-Achse, des 3-Stadien-Anpassungssyndroms und der zerebralen Allergie auf die Psyche aus.

Emotionale Verstimmungen können erste Hinweise auf ein Mikronährstoff-Ungleichgewicht geben, lange bevor ein Krankheitsbild diagnostiziert werden kann. Eine wichtige Aufgabe komplementärer Therapie liegt in der Identifikation möglicher Nährstoffmängel und deren gezieltem Ausgleich durch Ernährung und Supplementation.

Auch die Sexualhormone wirken auf Psyche und Nervensystem. So ist bekannt, dass Stimmungsschwankungen im Zusammenhang mit dem weiblichen Zyklus auch auf die Hormonverschiebungen zurückzuführen sind.

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Nährstoffe, Neurotransmitter und Hormone als Stimmungsmodulatoren

Die Grundlage für Neurotransmitter und Katecholamine (Adrenalin, Noradrenalin, Dopamin) bilden Aminosäuren und Mikronährstoffe. Für die Sexualhormone und Glukokortikoide bildet Cholesterin die Basis. Es ist jedoch wichtig, im therapeutischen Konzept nicht nur die Mikronährstoffe zur Bildung der Hormone und Neurotransmitter zu verabreichen, sondern auch die Drüsen therapeutisch zu unterstützen.

Ein Neurostressprofil über Speichel und Urin und/oder eine genaue Anamnese mit spezifischen Fragen zu Stimmungsveränderungen bilden die Basis für eine Ernährungsanpassung und gezielte Supplementation.

Nahrungsmittel und Psyche: Depressiv durch allergene Ernährung?

Bereits in den 1950er-Jahren wurden in USA bei einem auffallend großen Teil der depressiven Personen Unverträglichkeiten und Allergien auf gewisse Nahrungsmittelinhaltsstoffe erkannt. Heute wird die Gut-Brain-Achse dafür verantwortlich gemacht - die neurologische und immunologische Verbindung zwischen Darm und Gehirn.

Ein weiterer Mechanismus wird hinter ernährungsassoziierten psychischen Dysbalancen vermutet: Nach dem Modell des sogenannten 3-Stadien-Anpassungssyndroms löst ein allergenes Nahrungsmittel im Körper einen Alarm (1. Phase) aus. Wird nicht darauf reagiert, passt sich der Körper diesem täglichen Stress an, jedoch unter Aufbietung der Abwehrkräfte (2. Phase). Bei Fortbestehen der Ursachen kommt es mit der Zeit zur Schwächung des Körpers (3. Phase), was zu individuellen Symptomen wie Migräne, depressiven Verstimmungen oder Panikattacken führen kann.

Schwermetallbelastung als Ursache für psychische Probleme

Wenn therapeutische Maßnahmen und Supplemente über etwa 3 Monate nicht richtig greifen, lohnt sich ein Blick auf mögliche Schwermetallbelastungen. Eine Schwermetallbelastung ist auf diese Weise häufig Folge eines längerfristigen Mangels an Spurenelementen. Schwermetalle, die im Zusammenhang mit der Psyche eventuell getestet oder beachtet werden sollten, sind insbesondere Blei, Quecksilber und Silber. Aber auch Aluminium kann ähnliche Effekte hervorrufen.

Erschöpfung: Ein zunehmendes Phänomen

Erschöpfung und verwandte Beschwerden sind ein zunehmendes Phänomen. Die Grenzen zwischen Erschöpfung, Burnout, depressiven Verstimmungen bis hin zu einer manifesten Depression sind fließend und oftmals schwer einzuschätzen.

Therapiestrategien in der naturheilkundlichen Praxis

In der Praxis hat sich ein multimodales Vorgehen bei Patienten mit Erschöpfung bewährt. Zunächst ist es wichtig, die Patienten mit ihren individuellen Beschwerden ernst zu nehmen. In einer ausführlichen Anamnese wird auch eine ausführliche Psychoedukation durchgeführt. Die Psychoedukation kann mögliche Vorurteile und auch Selbstvorwürfe, die sich die Patienten häufig aufgrund der bestehenden gesellschaftlichen Reaktionen und Haltungen machen, entkräften.

Neben den üblichen schulmedizinischen Check-ups und Laboruntersuchungen wird zusätzliche naturheilkundliche Diagnostik durchgeführt.

Naturheilkundliche Diagnostik

  • Herzfrequenzvariabilitätsmessung (HRV): Mithilfe der HRV kann die Regulationsfähigkeit des vegetativen Nervensystems gemessen und Dysregulationen aufgedeckt werden.
  • Erweiterte Mikronährstoffanalyse: Es wird eine Vollblutmineralanalyse durchgeführt, die die intrazellulären Mineralstoffe Natrium, Kalium, Kalzium, Magnesium, Kupfer, Zink und Selen enthält. Zusätzlich dazu werden folgende Parameter im Serum bestimmt: Vitamin D, B-Vitamine, Coenzym Q10, Carnitin, belastende Schwermetalle, oxidiertes LDL, Homa-Index, Lipoprotein A, Fettsäureprofil mit Omega-3-Index und Omega6/Omega3-Quotient, Morgen-Cortisol, ACTH, TSH, fT3, fT4, sowie Schilddrüsenantikörper, Zonulin im Serum, Histamin im Serum.
  • Neurostressprofil: Im Neurostressprofil wird ein Cortisol-Tagesprofil aus dem Speichel (3 Messungen zu den Zeitpunkten 8h, 13h, 20h) bestimmt, das einen Anhalt für die Cortisolausschüttung über den Tag und die notwendige Absenkung zur Nacht gibt. Zusätzlich wird über den 2. Morgenurin die Menge von Serotonin, Adrenalin, Noradrenalin und Dopamin bestimmt sowie die Verhältnisse von Adrenalin/Noradrenalin und Serotonin/Dopamin.
  • Mikrobiomanalyse: In Stresssituationen kann die Mikrobiota ins Ungleichgewicht geraten, Nährstoffe können nicht ausreichend vom Organismus aufgenommen werden.

Therapieansätze

Die Therapie erfolgt multimodal. Neben der Behandlung der körperlichen Beschwerden und der Substitution von Mikronährstoffen, liegt ein Schwerpunkt auf der Beratung zu Lebensstilfaktoren: Ernährungsberatung, Anleitung zur Entspannung, Weiterleitung an kooperierende Coaches, Einbindung in praxisinterne Achtsamkeitskurse sowie die umfassende Aufklärung über die Entstehung und den Umgang mit den vorhandenen Beschwerden bis hin zur Sportlerberatung. Zum vegetativen Ausgleich und zur Schmerzreduktion wird häufig Akupunktur eingesetzt.

Fallbeispiel aus der Praxis

Ein Patient, Herr M., Mitte dreißig, berichtet von zunehmender Erschöpfung, Müdigkeit, Lustlosigkeit und Schlafstörungen. Er leidet unter Kopf- und Nackenschmerzen, verspürt innere Unruhe und fühlt sich nicht mehr er selbst.

Diagnostik

  • Labor: Auffälligkeiten fanden sich bei einem Homocysteinspiegel von 19,5 μmol/l, Vitamin B12 sehr niedrig mit 354 ng/l, Vitamin D 29,7 ng/ml. Im Neurostressprofil niedriges Serotonin mit 104ug/g, Noradrenalin 26 μg/g. Dopamin lag mit 164 μg/g im unteren Bereich, Cortisol war erniedrigt im morgendlichen Speichel mit einem Wert von 2,8 ng/ml. Im Mineralstoffprofil fanden sich erniedrigte Spiegel für Zink, Magnesium und Selen intrazellulär.
  • Herzfrequenzvariabilitätsmessung: Ergab eine deutliche neurovegetative Regulationsstörung.

Therapie

Herr M. erhielt zum Ausgleich der Mikronährstoffmängel folgende Medikation:

  • Medivitan i. m. Fertigspritze 5 × im Abstand von jeweils einer Woche, dazu ergänzend ein Vitamin-B-Komplett Präparat (Fa. Loges) 1 × täglich morgens
  • Zink 25 mg 1 × täglich
  • Selen 100 μg 1 × täglich
  • Magnesiumcitrat 300 mg 2 × täglich (1 Tbl. davon abends)
  • Vitamin D mit K2 (Vitamin D + K2 Liquid, Fa. Formmed) täglich 2 Tropfen
  • Ergänzend erhielt der Patient ein Rosenwurzpräparat (Rhodiola rosea = Vitango) 2 × täglich morgens und mittags.
  • Zur Behandlung der Schlafstörungen wurde L-Tryptophan 500 mg 2 Tbl. ca.

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