Östrogen, Blutgefäße und Hirnblutungen: Ein umfassender Blick auf die weibliche Herzgesundheit

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind die häufigste Todesursache bei Frauen in Deutschland. Jährlich sterben über 18.000 Frauen an einem Herzinfarkt. Obwohl Männer insgesamt häufiger von Herzkrankheiten betroffen sind, haben Frauen nach der Menopause ein deutlich erhöhtes Risiko und eine schlechtere Prognose. Dieser Artikel beleuchtet die komplexen Zusammenhänge zwischen Östrogen, Blutgefäßen, dem weiblichen Herzen und den Auswirkungen der Menopause auf die Herzgesundheit von Frauen.

Unterschiede zwischen Männern und Frauen bei Herzerkrankungen

Männer erkranken in jüngeren Jahren häufiger an koronarer Herzkrankheit und Herzinfarkt als Frauen. Die Zahl der betroffenen Männer ist etwa doppelt so hoch wie die der Frauen. Grundsätzlich können wir sagen, dass das Herzinfarktrisiko für Männer ab dem 45. Lebensjahr und für Frauen ab dem 55. Lebensjahr deutlich steigt. Mit Beginn der Menopause gleicht sich das Risiko zwischen Männern und Frauen an. Frauen holen in puncto Herzkrankheiten auf und überholen Männer sogar bei der Sterblichkeit. Mehr als die Hälfte (54%) der Patienten, die an einer Herzkrankheit sterben, sind weiblich.

Gründe dafür sind zum einen anatomische Unterschiede. Frauenherzen sind kleiner, steifer und verlieren mit dem Alter an Elastizität. Zum anderen gibt es Differenzen bei Risikofaktoren, Symptomen, Diagnose und Behandlung.

Die Rolle von Östrogen vor der Menopause

Östrogen entfaltet im Körper vielfältige Wirkungen. Es ist nicht nur ein Sexualhormon, sondern schützt Frauen auch vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Darum erleiden Frauen vor der Menopause beispielsweise deutlich seltener einen Herzinfarkt als Männer. Östrogene haben einen positiven Effekt auf die Blutfette und schützen Frauen vor der Menopause vor Herzkrankheiten. Östrogen hält die Blutfette in Balance: mehr „gutes“ HDL-Cholesterin, weniger „schlechtes“ LDL-Cholesterin .

Frauen, die spät in die Wechseljahre kommen, erleiden seltener einen Schlaganfall oder Herzinfarkt. Ihre Blutgefäße sind gesünder als die von Gleichaltrigen. Die Forschenden konnten unter anderem nachweisen, dass der Durchfluss des Blutes in den Oberarmvenen bei ihnen deutlich besser war als bei gleichaltrigen Frauen, die eine frühe Menopause erlebt hatten. Bemerkenswerterweise blieben diese Unterschiede zwischen den Gruppen auch noch fünf Jahre oder länger nach der Menopause bestehen. Zu diesem Zeitpunkt hatten die Frauen mit späterer Menopause immer noch eine um 44 Prozent bessere Gefäßfunktion als jene, bei denen die fruchtbaren Jahre früher endeten.

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Die Menopause und ihre Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System

Mit Beginn der Menopause steigt Cholesterin und damit das Herzinfarktrisiko deutlich an. Mit der Menopause und dem Abfall des Östrogenspiegels fallen diese schützenden Mechanismen weg. Die Folge sind steigende LDL- und sinkende HDL-Spiegel. Insgesamt verschlechtert sich also das Verhältnis von LDL zu HDL deutlich.

Der sinkende Östrogenspiegel beeinflusst nicht nur die Gefäße, sondern auch die elektrische Steuerung des Herzens. Das Herz schlägt durch elektrische Impulse , die in einem speziellen Bereich des Herzens (Sinusknoten) erzeugt und in einer festgelegten Reihenfolge weitergeleitet werden. Östrogen stabilisiert diesen Prozess.

Veränderungen im Cholesterinspiegel

Ein zentraler Risikofaktor, der sich bei Frauen in der Menopause verschlechtert, ist ein erhöhter Cholesterinspiegel. Für das Gesamtcholesterin gelten Werte unter 200 mg/dl als wünschenswert, für das „schlechte“ LDL-Cholesterin Werte unter 130 mg/dl. Wie hoch der Cholesterinspiegel ist, wird zu 70-80% genetisch bestimmt. Eine familiäre Veranlagung für hohe Werte lässt sich durch Lebensstil und Ernährung also nur begrenzt ausgleichen. Mit einer konsequent fettarmen Ernährung lässt sich der Cholesterinspiegel daher meist nur um ca. 8% senken. Entgegen früheren Annahmen haben selbst cholesterinreiche Lebensmittel wie Eier nur einen geringen Einfluss, so dass Sie unbesorgt Ihr nahrhaftes Frühstücksei genießen können.

Wird eine Gefäßverkalkung festgestellt und liegen die LDL-Werte trotz Lebensstiländerung weiter über 160 mg/dl, ist eine medikamentöse Therapie fast immer erforderlich. Ob eine Hormonersatztherapie in den Wechseljahren das Cholesterin verbessert und vor Herzinfarkt schützt, wird kontrovers diskutiert. Einige Studien fanden günstige Effekte auf die Blutfette, insbesondere bei einem frühen Beginn in der Menopause.

Veränderung der Blutgefäße

Mit dem Absinken des Östrogenspiegels verlieren die Blutgefäße an Elastizität. Das bedeutet, dass der Widerstand in den Arterien steigt - und damit auch der Blutdruck. Dass sich der Zustand der Gefäße mit zunehmendem Alter verschlechtert, liegt zum Teil daran, dass ältere Menschen weniger Stickstoffmonoxid produzieren, schreiben die Autorinnen und Autoren. Das Molekül fördert die Erweiterung der Blutgefäße und verhindert, dass sie steif werden und sich gefährliche Plaques bilden, die die Gefäße verengen.

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Herzrhythmusstörungen

Viele Frauen bemerken in den Wechseljahren plötzlich ungewohnte Herzrhythmen - das Herz schlägt schneller, unregelmäßig oder setzt kurz aus. Dahinter steckt häufig der sinkende Östrogenspiegel, der nicht nur die Gefäße, sondern auch die elektrische Steuerung des Herzens beeinflusst.

Veränderungen im Körperfett

Im Alter merken Frauen oft, wie das Fett aus dem Hüftbereich in den Bauch wandert. Das liegt an den weiblichen Hormonen. Vorher wurde das Fett möglichst in Hüfte und Po verlagert, damit einer Schwangerschaft nichts im Wege steht. Zusätzlich hat das Östrogen dafür gesorgt, dass das Fett einfacher verbrannt wird.

Aktuelle Forschung deutet darauf hin, dass vermehrtes viszerales Fett - das ist Körperfett, das eine Reihe wichtiger innerer Organe wie Leber, Bauchspeicheldrüse und Darm umgibt - das Risiko für kognitive Beeinträchtigungen im späteren Lebensalter birgt.

Warnsignale des Herzens in den Wechseljahren

Gerade in den Wechseljahren verändert sich dein Körper - und dein Herz könnte dich mit kleinen, aber entscheidenden Zeichen darauf hinweisen, dass es Unterstützung braucht. Frauen erleben Herzprobleme oft anders als Männer, weshalb viele Warnsignale übersehen werden.

  • Ungewöhnliche Erschöpfung: Plötzlich fühlst du dich nach einem normalen Tag völlig ausgelaugt? Wenn das Herz nicht mehr genug Blut in den Körper pumpt, fehlt den Organen Sauerstoff - das macht müde und schwach.
  • Atemnot bei leichten Belastungen: Treppensteigen oder Spazieren Gehen fühlt sich plötzlich anstrengend an? Dein Herz könnte Schwierigkeiten haben, ausreichend Sauerstoff zu transportieren.
  • Schwere Beine oder geschwollene Füße: Wassereinlagerungen (Ödeme), die sich im Laufe des Tages verstärken, können darauf hindeuten, dass dein Herz nicht mehr effizient arbeitet.
  • Plötzlicher Schwindel oder Benommenheit: Dir wird schwarz vor Augen, du fühlst dich zittrig oder hast das Gefühl, gleich umzukippen? Das kann mit Herzrhythmusstörungen oder zu niedrigem Blutdruck zusammenhängen.
  • Übelkeit, Magenschmerzen oder Druck im Oberbauch: Frauen verwechseln einen Herzinfarkt oft mit Magen-Darm-Problemen! Herzinfarkte verlaufen bei Frauen anders als bei Männern!

Wichtig: Falls du mehrere dieser Symptome bemerkst, warte nicht ab! Lieber einmal zu oft zum Arzt als einmal zu wenig.

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Prävention und Lebensstiländerungen für ein gesundes Herz

Die Wechseljahre sind eine Zeit des Wandels - auch für dein Herz. Dein Körper stellt sich neu ein, der Stoffwechsel verändert sich, und dein Herz-Kreislauf-System muss sich anpassen. Die gute Nachricht: Du kannst aktiv Einfluss nehmen. Fang klein an - aber fang an! Hör auf dein Herz - in jeder Hinsicht! Sei es körperlich durch regelmäßige Check-ups oder emotional durch gesunde Beziehungen - dein Herz ist nicht nur ein Muskel, sondern auch dein wichtigstes Lebenszentrum. Es ist nie zu spät, dein Herz zu schützen! Die richtige Prävention kann dein Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erheblich senken.

Bewegung und Sport

Regelmäßige Bewegung verbessert die Durchblutung, senkt den Blutdruck und hält deine Gefäße elastisch. Wichtig: Auch wenn du bislang eher auf der gemütlichen Seite unterwegs warst, ist jetzt der Moment, etwas mehr Aktivität in dein Leben zu bringen. Schon kleine Veränderungen, wie tägliche Spaziergänge oder Treppen statt Aufzug, machen einen Unterschied. Dein Herz ist ein Muskel - und jeder Muskel wird stärker, wenn du ihn trainierst.

Ernährung

Eine ungesunde Ernährung ist einer der größten Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Laut einer Studie ist jeder dritte Todesfall in Europa aufgrund von Herz-Kreislauf-Erkrankungen auf falsche Ernährung zurückzuführen.

  • Gute Kohlenhydrate: Dein Treibstoff für stabile Energie Kohlenhydrate sind nicht per se schlecht - es kommt darauf an, welche du wählst.
  • Ballaststoffe: Unterschätzte Herzschützer Ballaststoffe senken das Cholesterin, fördern eine gesunde Darmflora und halten die Gefäße flexibel.
  • Gesunde Fette: Gut für deine Gefäße Fette sind nicht der Feind - im Gegenteil! Ungesättigte Fettsäuren wie Omega-3-Fettsäuren zum Beispiel aus Fisch und Leinsamen wirken entzündungshemmend und schützen die Gefäße vor Ablagerungen.
  • Protein: Essenziell für dein Herz und deine Muskeln Eiweiß ist nicht nur für die Muskulatur wichtig, sondern auch für die Gefäßgesundheit und den Blutdruck .

Deine Ernährung kann ein Gamechanger für dein Herz sein. Jeder Bissen zählt!

Regelmäßige Check-ups und Vorsorgeuntersuchungen

Ein starkes Herz braucht Aufmerksamkeit - und das bedeutet, deine Werte im Blick zu behalten.

  • Blutdruck: Ein gesunder Blutdruck schützt deine Gefäße und entlastet dein Herz.
  • Cholesterinwerte: Erhöhte Cholesterinwerte tun nicht weh - aber ihre Folgen sind umso gefährlicher. Viele Herz-Kreislauf-Erkrankungen entstehen schleichend über Jahrzehnte, ohne dass man sie bemerkt.
  • Blutzucker: Ein stabiler Blutzuckerspiegel ist essenziell für deine Herzgesundheit. Schwankungen oder dauerhaft erhöhte Werte können die Gefäße schädigen und das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen steigern. Frauen mit Diabetes haben ein noch höheres Risiko für Herzerkrankungen als MÄnner mit Diabetes.

Es gilt, Männer sollten ihr kardiovaskuläres Risikoprofil gemeinsam mit einem Kardiologen mit circa 40 Jahren und Frauen mit Beginn der Menopause abklären. Entscheidend ist es, erhöhte Cholesterinwerte mit Beginn der Menopause frühzeitig zu erkennen und im Zusammenhang mit anderen Risikofaktoren zu bewerten. Nur so lassen sich gefährliche Folgen wie Arteriosklerose und Herzinfarkt effektiv vorbeugen.

Stressmanagement und soziale Kontakte

Dass Stress ungesund ist, wissen wir alle. Aber wie tief er in unser Herz-Kreislauf-System eingreift, überrascht selbst erfahrene Ärztinnen. Chronischer Stress kann dein Herz regelrecht erschöpfen - bis hin zum Herzinfarkt. Dein Körper unterscheidet nicht zwischen mentalem und physischem Stress. Cortisol und Adrenalin: Diese Stresshormone versetzen deinen Körper in Daueralarm. Setze auf Stressmanagement!

Soziale Verbindungen sind Medizin. Menschen mit stabilen Beziehungen leben nachweislich gesünder und länger. Also. pflege deine Freundschaften. Und wer sich zusätzlich mit einem Hund anfreundet, tut nicht nur seiner Seele, sondern auch seinem Herzen etwas Gutes. Liebe tut dem Herzen gut.

Hormonersatztherapie: Eine kontroverse Option

Ob eine Hormonersatztherapie in den Wechseljahren das Cholesterin verbessert und vor Herzinfarkt schützt, wird kontrovers diskutiert. Einige Studien fanden günstige Effekte auf die Blutfette, insbesondere bei einem frühen Beginn in der Menopause.

In den 80er Jahren waren Hormonersatztherapien gängig, heute sind sie höchst umstritten. Auslöser war vor allem diese Studie: 2002 untersuchten US-Forscher der Women’s Health Initiative (WHI) 16.000 Frauen in den Wechseljahren. Nach fünf Jahren wurde die Studie frühzeitig abgebrochen - in der Gruppe der Hormonanwenderinnen kam es zu einer Zunahme von Herzinfarkten, Schlaganfällen und Thrombosen. Auch die Anzahl der Brustkrebsdiagnosen stieg. Zusätzlich wurde die Wirksamkeit von Östrogen bei Frauen ohne Gebärmutter untersucht. Nach der Veröffentlichung der Studie ging die Verordnung von Hormonen im gleichen Jahr um 80 Prozent zurück.

Kritiker, wie die Deutsche Gesellschaft für Endokrinologie, betonen, dass die Studienergebnisse zum Krebsrisiko falsch interpretiert wurden. Eine Hormontherapie erhöhe nicht generell das Brustkrebsrisiko, so auch eine Expertenmeinungen im New England Journal of Medicine 2016[25]. Man müsse Lebensalter, Dauer und Dosierung der Hormontherapie, körperliche Aktivität, Gewicht und genetische Faktoren berücksichtigen. Neuere Studien aus Dänemark und eine Neufassung der WHI-Studie mit jüngeren Teilnehmerinnen (im Alter von 50 bis 60 Jahren) zeigten Vorteile der Hormontherapie auf. Der frühzeitige Einsatz in den Wechseljahren konnte Symptome effektiv behandeln und wirkte sich positiv auf die Todesrate und das Herz-Kreislauf-System aus.

Gut zu wissen: Eine Hormonersatztherapie sollte keinesfalls länger als notwendig angewendet werden, maximal fünf Jahre lang. Kurz und knapp: Aktuelle Studien und Experten betonen die Vorteile der Hormonersatztherapie. Es fehlen dennoch weitere Langzeitstudien, die Risiken ausschließen und die Dauer einer sicheren Therapie vorgeben. Eine individuelle Abwägung zwischen dem Nutzen und den Risiken ist wichtig.

Die Gabe von Östrogen über Gels, Pflaster oder in Cremes kommt noch selten zum Einsatz. Der Umweg über die Haut oder Schleimhäute hat den Vorteil, dass die Leber weniger belastet wird. Wie effektiv die pflanzlichen Alternativen mit östrogenähnlicher Wirkung wie Mönchspfeffer, Traubensilberkerze und Frauenmantel sind, ist wissenschaftlich noch nicht komplett geklärt. Sie können jedoch wirksam sein. 1am besten erforscht.

Phytoöstrogene: Pflanzliche Alternativen

Phytoöstrogene sind sogenannte pflanzliche Östrogene mit gegensätzlichen Eigenschaften. Sie wirken ähnlich wie das weibliche Sexualhormon, weil sie dessen Wirkung nachahmen - nur in abgeschwächter Form. Gut zu wissen: Eine Studie ergab, dass hohe Phytoöstrogenwerte im Blut mit einem verringerten Brustkrebsrisiko korrelieren. Bevor Sie also Ihre Ernährung auf phytoöstrogenhaltige Lebensmittel umkrempeln, sollten Sie mit Ihrem Therapeuten sprechen.

Phytoöstrogene können den Östrogenspiegel im Körper erhöhen. Die für den Körper wichtigsten Phytoöstrogene sind dabei die sogenannten Isoflavone und Lignane. Männer sollten Lebensmittel mit Phytoöstrogenen nicht in großen Mengen verzehren. Wenn Sie Gentechnik in der Nahrung vermeiden wollen, empfiehlt sich, beim Kauf von Milchprodukten, Eiern und Fleisch auf die biologische Alternative zurückzugreifen. Der Einsatz von gentechnisch veränderter Soja ist in der EU verboten. Dennoch gelangt gentechnisch veränderte Soja auf unseren Speiseplan, wenn wir Milch, Eier und Fleisch aus konventioneller Herstellung essen. Denn Fleisch von Tieren, die mit gentechnisch veränderten Futtermitteln gefüttert wurden, muss nicht gekennzeichnet werden! Gut zu wissen: Die Phytoöstrogene können erst im Körper wirken, wenn unsere Darmkeime sie verstoffwechselt haben.

Koffein und Östrogenspiegel

Eine Studie im American Journal of Clinical Nutrition hat die bisher unbekannte Wirkung von Koffein auf den weiblichen Hormonhaushalt dokumentiert. Das Ergebnis: Koffein, je nach Herkunft, kann tatsächlich den Östrogenspiegel steigern - aber nicht bei jeder Frau. Zwei Tassen Kaffee am Tag ließen bei Asiatinnen und afroamerikanischen Frauen den Östrogenspiegel steigern. Bei den Teilnehmerinnen aus Amerika trat bei Kaffee allerdings eine gegenteilige Wirkung ein. Andere koffeinhaltige Getränke, inklusive grünem Tee, erhöhten bei allen Frauen den Östrogengehalt.

Östrogenmangel und Östrogenüberschuss: Ein Ungleichgewicht

Ein Östrogenmangel tritt auf natürliche Art in verschiedenen Lebensphasen der Frau auf. Bei Frauen jungen und mittleren Alters stellt sich normalerweise der niedrigste Östrogenwert während der Monatsblutung ein. Sie können Ihren Östrogenspiegel zum Beispiel mithilfe eines Speicheltests bestimmen. Um herauszufinden, ob sich Ihr Wert im Referenzbereich befindet, müssen Sie wissen, in welcher Phase Ihres Zyklus Sie sich während des Östrogen-Tests befunden haben. Natürlicherweise kommt es bei Frauen in den Wechseljahren zu einem Östrogenmangel. Ansonsten kann eine Störung im Hormonhaushalt eine Ursache sein. Die Einnahme von Verhütungsmitteln, wie der Antibabypille, kann ebenfalls einen Östrogenmangel verursachen. Anzeichen für einen Östrogenmangel außerhalb der Wechseljahre sind Ausbleiben der Regelblutungen, häufige Zwischenblutungen bis hin zum unerfüllten Kinderwunsch. Eine spät einsetzende Pubertät kann ebenfalls auf einen Östrogenmangel hinweisen.

Sind Ihre Östrogenwerte zu niedrig, steht die Ursachenforschung an erster Stelle. Wenn Sie wissen, warum Sie einen Östrogenmangel haben, können Sie am richtigen Punkt ansetzten. Welche Therapie sinnvoll und vor allem zielführend ist und welche gesundheitlichen Risiken beachtet werden müssen, hängt vom Grund des Östrogenmangels ab. Frauen ab 50 profitieren in der Regel von der Therapie. Bei jüngeren Frauen ist die Ursache eines Mangels oft auf Untergewicht, spät einsetzende Pubertät oder Stress zurückzuführen.

Ist der Östrogenspiegel zu hoch und der Progesteronspiegel zu niedrig, befindet sich der Körper in einer Art Wachstumszustand. Ursachen für die Östrogendominanz (auch Östrogenüberschuss genannt) können neben hoher Östrogen-Aufnahme auch Übergewicht, Stress, schlechte Ernährung und schlechter Östrogenstoffwechsel sein [31], [32]. Die Fettzellen produzieren Östrogen. Je mehr Fett, vor allem Bauchfett, wir haben, desto mehr Östrogen wird freigesetzt. Das sorgt gerade bei Männern mit starkem Übergewicht für einen Östrogenüberschuss. „Die Menge macht das Gift“ - dieser Grundsatz trifft auch beim nächsten Punkt zu. Wer zu viel Milch- und Fleischprodukte aus konventioneller Herstellung isst, nimmt auf unnatürliche Weise viele Hormone auf. Denn in der konventionellen Haltung werden den Tieren für ein schnelleres Wachstum Hormone verabreicht. Hormone nehmen wir zudem über Plastikflaschen, Plastikfolie und Lebensmittel in Plastik-Behältern auf. Wenn Sie über längere Zeit gestresst sind, sinkt Ihr Progesteronspiegel. Nehmen Sie sich jeden Tag eine Auszeit, um sich zu entspannen. Achten Sie darauf, dass Sie jede Nacht sieben bis acht Stunden Schlaf bekommen. Um einem schlechten Östrogen-Stoffwechsel vorzubeugen oder ihn zu korrigieren, muss die Leber gesund sein. Eine gesunde Leber unterstützt Ihren Körper dabei, den Östrogenüberschuss wieder zu senken.

Die Rolle von Östrogen bei Männern

Die weiblichen Hormone Östrogen und Progesteron werden auch im männlichen Körper produziert, allerdings in deutlich kleineren Mengen. Dennoch erfüllen die beiden Hormone bei Männern wichtige Aufgaben: Östrogen beeinflusst die Körperfettzusammensetzung, den Knochenaufbau, den Hautstoffwechsel und das sexuelle Interesse - dafür ist nicht nur der Testosteronspiegel verantwortlich! Für eine bessere Fruchtbarkeit des Mannes sorgt das Progesteron.

Gut zu wissen: Untersuchungen legen nahe, dass Männer mit einem Östrogenmangel ebenfalls einen Mangel an Testosteron haben. Durch eine nachlassende Hormonproduktion im Hoden können auch Männer im Alter zu wenig Östrogen im Körper haben. Ein solcher Östrogenmangel äußert sich beim Mann durch körperliche Veränderungen wie eine Zunahme der Fettmasse und eine geringere Libido. Auch ein Östrogenüberschuss ist bei Männern möglich. Forscher testeten 2013, was bei einem künstlich herbeigeführten Östrogenmangel im männlichen Körper passiert. Bei den 400 gesunden Männern im Alter von 20 bis 50 Jahren zeigte sich eine Zunahme der Fettmasse, es gab aber keine Auswirkungen auf die Muskelmasse.

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