Schwarze Witwe Biss: Symptome und Auswirkungen auf das Nervensystem

Die Schwarze Witwe (Latrodectus mactans) ist eine Spinnenart, die vor allem in Südamerika und im südlichen Teil der USA vorkommt. Ihr Gift ist ein starkes Nervengift, das bei einem Biss verschiedene Symptome auslösen kann, insbesondere im Nervensystem. Dieser Artikel beleuchtet die Symptome eines Bisses der Schwarzen Witwe, die Auswirkungen auf das Nervensystem und die Behandlungsmöglichkeiten.

Die Schwarze Witwe: Eine giftige Spinne

Die Schwarze Witwe gehört zur Familie der Arachnoidea. Das Weibchen ist etwa einen Zentimeter groß und schwarz mit einem rot-orangen Fleck auf der Bauchunterseite. Sie lebt in dunklen und entlegenen Erdlöchern und kann Beute töten, die viel größer und schwerer ist als sie selbst. Das Gift der Schwarzen Witwe befindet sich in ihren Giftklauen und wirkt als starkes Nervengift.

Symptome eines Bisses der Schwarzen Witwe

Ein Biss der Schwarzen Witwe ist nicht zwingend lebensgefährlich, kann aber unangenehme Symptome verursachen. Besonders gefährdet sind lungen- und herzkranke Patienten, ältere Menschen und Kinder. Nach einem Biss sollten Patienten mindestens sechs Stunden klinisch überwacht werden.

Die Symptome eines Bisses der Schwarzen Witwe können variieren, umfassen aber oft:

  • Schmerzen: Zunehmende Muskelschmerzen, insbesondere im Bauchbereich, sind ein Leitsymptom. Die Bauchmuskulatur kann bretthart werden, ist aber nicht berührungsempfindlich. Kolikartige Schmerzen der verkrampften Muskulatur sind ebenfalls möglich.
  • Nervensystem: Das Gift der Schwarzen Witwe greift das Nervensystem an und kann zu Krämpfen der gesamten Muskulatur (tetanische Krämpfe), Zittern und Schütteln des Körpers führen. Es können auch Empfindungsstörungen (Parästhesien) wie Taubheit in Beinen und Armen auftreten. Verkrampfungen der Nackenmuskulatur, die sich bis in den unteren Rücken fortsetzen, sind ebenfalls möglich.
  • Herz-Kreislauf-System: Anfallsartige Brustenge und heftige Herzschmerzen (Angina pectoris) können auftreten. Die Schmerzen können in Schultern, Rücken und Arme ausstrahlen. Es kann zu starkem Frösteln mit eiskalter Haut und starker Unruhe kommen. In schweren Fällen können schwarze Blutungen (Hämorrhagien) aus dem Darm sowie Erbrechen von schwarzem Blut auftreten.
  • Psychische Symptome: Patienten können große Angst bis hin zur Todesangst haben. Sie befürchten, in der akuten Situation wahnsinnig zu werden, und haben Angst zu ersticken.

Fallbeispiel

Ein 50-jähriger Mann in Kanada erlebte heftige Bauchschmerzen, Schwitzen und Harndrang, nachdem er wahrscheinlich von einem Insekt gebissen wurde. Zunächst wurde eine Nierenkolik vermutet, aber als sich sein Zustand verschlechterte und seine Augenlider anschwollen, äußerten die Ärzte den Verdacht auf einen Biss der Schwarzen Witwe. Nach der Behandlung mit einem Tropf und Opioiden besserten sich seine Symptome.

Lesen Sie auch: Behandlungsmöglichkeiten bei Schwarze Witwe

Auswirkungen auf das Nervensystem im Detail

Das Gift der Schwarzen Witwe enthält verschiedene Toxine, sogenannte Latrotoxine, die das Nervensystem angreifen. Das α-Latrotoxin ist für Menschen gefährlich und verursacht starke Muskelkontraktionen und Krämpfe.

Wirkmechanismus des α-Latrotoxins

Das α-Latrotoxin bindet an spezifische Rezeptoren der Synapsen, den Kontaktstellen zwischen Nervenzellen oder zwischen Nervenzellen und Muskeln. Dadurch strömen Kalzium-Ionen unkontrolliert in die präsynaptischen Membranen der signalübermittelnden Zellen. Dies führt zu einer dauerhaften Freisetzung von Neurotransmittern, was starke Muskelkontraktionen und Krämpfe auslöst.

Experten der Universität Münster haben den Mechanismus des Kalzium-Einstroms genauer untersucht. Sie fanden heraus, dass sich ein Teil des giftigen Moleküls bei der Bindung an den Rezeptor zu einem Stiel formt, der wie eine Spritze in die Zellmembran eindringt. Dieser Stiel bildet in der Membran eine kleine Pore, die als Kalzium-Kanal fungiert.

Behandlungsmöglichkeiten

Die Behandlung eines Bisses der Schwarzen Witwe zielt darauf ab, die Symptome zu lindern und Komplikationen zu vermeiden.

  • Schulmedizinische Behandlung: In der Regel wird ein Antivenin (Gegengift) verabreicht, um die Wirkung des Giftes zu neutralisieren. Zusätzlich können Schmerzmittel und muskelentspannende Medikamente eingesetzt werden.
  • Homöopathische Behandlung: In der Homöopathie wird Latrodectus mactans als Mittel bei Angina pectoris und ähnlichen Beschwerden eingesetzt. Es kann in Notfällen bis zum Eintreffen fachärztlicher Hilfe angewendet werden.

Homöopathische Anwendung von Latrodectus mactans

Latrodectus mactans wird in der Homöopathie bei Patienten mit anfallsartiger Brustenge und heftigen Herzschmerzen (Angina pectoris) eingesetzt. Die Patienten haben oft große Angst bis zur Todesangst und befürchten, wahnsinnig zu werden. Sie haben Angst zu ersticken und ringen nach Luft. Die Schmerzen sind stechend und können in Arme, Schultern und Rücken ausstrahlen. Die Bauchmuskulatur ist bretthart, und es können Empfindungsstörungen und Krämpfe auftreten.

Lesen Sie auch: Lippe gebissen und taub? Mögliche Ursachen

Für die Selbstbehandlung werden meist die Potenzen D6 - D12 empfohlen. Es ist wichtig, niemals ein schulmedizinisches Medikament eigenmächtig abzusetzen oder durch ein Homöopathikum zu ersetzen. Die Einnahme erfordert besondere Aufmerksamkeit, da Homöopathika empfindliche Stoffe sind.

Differenzialdiagnose

Bei der Behandlung von Herzbeschwerden und Krämpfen ist es wichtig, Latrodectus mactans von anderen homöopathischen Mitteln zu unterscheiden:

  • Lachesis: Ähnlich wie Latrodectus mactans kann Lachesis bei schweren Erkrankungen zu dünnflüssigen Blutungen aus dem Darm oder Magen führen. Die Herzsymptomatik ist ebenfalls ähnlich, mit plötzlichen krampfartigen Beschwerden in der Herzgegend und Erstickungsanfällen. Allerdings neigen Lachesis-Patienten eher zu Ohnmacht und Kollaps.
  • Cactus grandiflorus: Patienten, die Cactus grandiflorus benötigen, haben während Herzkrampfanfällen ein Gefühl von Zusammenschnürung der Brust, wie von einem eisernen Band. Die Schmerzen schießen den linken Arm herunter, und das Gesicht ist mit kaltem Schweiß bedeckt. Im Gegensatz zu Latrodectus mactans-Patienten haben sie jedoch keine ausgeprägte Unruhe und können nicht auf der linken Seite liegen.
  • Crataegus: Die als Nelkenwurz bekannte Pflanze hat ebenfalls eine starke Wirkung auf die Nerven und das Herz. Wie bei Latrodectus mactans können die Patienten sehr unruhig sein und über Herzklopfen mit stechenden Schmerzen in der Herzgegend klagen.
  • Aconitum: Bei plötzlich auftretenden Herzschmerzen mit Ausstrahlung in die linke Schulter, panikartiger Unruhe und Furcht vor dem Tod kann Aconitum hilfreich sein. Der Patient sagt voraus, um wie viel Uhr er sterben wird. Im Unterschied zu Latrodectus mactans-Patienten neigt der Aconitum-Kranke jedoch nicht zu Muskelkrämpfen.

Forschung und Entwicklung von Gegengiften

Bisher wurde das Antiserum gegen das Gift der Schwarzen Witwe traditionell in Pferden produziert. Diese Pferdeseren können jedoch zu ernsthaften Nebenwirkungen (Serumkrankheit) führen. Daher gibt es Bestrebungen, die Anzahl der Tierversuche zu reduzieren und sicherere Gegengifte zu entwickeln.

Ein internationales Konsortium unter Leitung der Technischen Universität Braunschweig hat humane Antikörper entwickelt, die das Gift der Schwarzen Witwe neutralisieren können. Diese Antikörper wurden mittels Antikörper-Phagen-Display generiert und sind mögliche Kandidaten für die Entwicklung eines Medikaments, das die Pferdeseren bei der Behandlung eines Bisses der Schwarzen Witwe ersetzen könnte.

Prävention

Um einem Biss der Schwarzen Witwe vorzubeugen, sollten folgende Maßnahmen ergriffen werden:

Lesen Sie auch: Gift der Schwarzen Witwe: Eine Analyse

  • Vermeiden Sie es, in dunklen und entlegenen Erdlöchern zu arbeiten oder zu spielen.
  • Tragen Sie Handschuhe und lange Ärmel, wenn Sie im Freien arbeiten.
  • Schütteln Sie Kleidung und Schuhe aus, bevor Sie sie anziehen.
  • Klären Sie Kinder über die Risiken eines Spinnenbisses auf.

tags: #biss #der #schwarzen #witwe #symptome #nervensystem