Der Holunder, botanisch Sambucus nigra genannt, ist in unseren Breitengraden weit verbreitet und wird sowohl als Heilpflanze als auch als Superfood geschätzt. Seine Blüten und Beeren finden vielfältige Verwendung, insbesondere zur Stärkung des Immunsystems und zur Linderung von Erkältungsbeschwerden. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte des Holundersafts, von seinen Inhaltsstoffen und Wirkungen bis hin zu potenziellen Nebenwirkungen und Anwendungshinweisen.
Holunder: Mehr als nur ein Strauch
Der Schwarze Holunder gehört zur Familie der Moschuskrautgewächse (Adoxaceae) und ist in unseren Regionen neben dem Traubenholunder (Sambucus racemosa) und dem Attich (Sambucus ebulus) heimisch. Er kann sowohl strauchartig als auch baumartig wachsen und erreicht eine Höhe von bis zu 6 Metern bei einem Alter von bis zu 100 Jahren. Der Holunder bevorzugt die Nähe von Siedlungen und Wegen, ist aber auch an Waldsäumen und Böschungen zu finden.
Die Kraft der Holunderbeeren: Inhaltsstoffe und Wirkung
Die Holunderbeeren sind reich an wertvollen Inhaltsstoffen, die sie zu einem wahren Kraftpaket für die Gesundheit machen. Zu den wichtigsten Bestandteilen gehören:
- Vitamine: A, C, E sowie Teile der B-Gruppe
- Mineralstoffe: Kalium, Kalzium
- Flavonoide: Insbesondere Anthocyane, die zellschützende, immunstimulierende, antientzündliche und antivirale Eigenschaften besitzen. Studien haben die Wirkung der Anthocyane erforscht und gezeigt, dass sie insbesondere gegen Influenzaviren wirksam sein können.
Traditionell werden Holunderbeeren in der Pflanzenheilkunde zur Stärkung des Immunsystems und zur Unterstützung des Heilungsprozesses bei Infektionskrankheiten eingesetzt. Während Holunderblüten (Sambuci flores) eine Positiv-Monografie von ESCOP, HMPC und Kommission E für Erkältungskrankheiten haben, basiert die Anwendung von Holunderbeeren (Sambuci fructus) eher auf Erfahrungswerten.
Holundersaft selbst gemacht: So geht's
Holundersaft von guter Qualität ist im Reformhaus oder Bioladen erhältlich, kann aber auch einfach selbst hergestellt werden. Am einfachsten gelingt dies mit einem Dampfentsafter. Bei der Saftgewinnung mit einem Zentrifugalentsafter oder Slowjuicer ist es wichtig, den Saft anschließend zu erhitzen, um das enthaltene Sambunigrin unschädlich zu machen. Aber auch ohne spezielle Geräte lässt sich Holundersaft herstellen:
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- Zutaten:
- 2 kg frische Holunderbeeren
- 500 ml Wasser oder Apfel- oder Birnensaft
- Saft einer Zitrone
- Zubereitung:
- Die Beeren mit einer Gabel von den Zweigen streifen und zusammen mit dem Wasser bzw. Saft in einem geschlossenen Topf zum Kochen bringen.
- 15 Minuten köcheln lassen.
- Für Saft: Die Beeren in ein feinmaschiges Sieb oder Tuch geben und abtropfen lassen. Alternativ die gekochten Beeren in Portionen in ein Tuch geben und von Hand auspressen.
- Für Mus: Die Beeren durch das Sieb streichen, um Saft und Fruchtfleisch zu gewinnen.
- Saft oder Mus noch einmal aufkochen und heiß in sterilisierte Flaschen oder Gläser mit Schraubverschluss füllen und sofort verschließen.
- Optional: Die Flaschen zusätzlich im Einkochtopf oder Backofen für 15 Minuten bei 90° C einkochen, um Schimmelbildung zu vermeiden.
Anwendung und Dosierung: So nutzen Sie die Kraft des Holundersafts
Zur Immunstärkung kann eine Kur über 4 Wochen durchgeführt werden, bei der täglich ein Schnapsgläschen voll erwärmten Holundersaft getrunken oder 2 EL Mus direkt gegessen oder in Joghurt bzw. Müsli eingerührt werden. Bei Bedarf kann der Saft mit Honig oder Holunderblütensirup gesüßt werden.
Bei einer Erkältung kann die Menge auf 2-3-mal täglich eine kleine Tasse (ca. 150 ml) erhitzten Holundersaft mit einem Teelöffel Honig oder Holunderblütensirup und etwas frischem Zitronensaft erhöht werden. Zwei Scheiben Ingwer, die zusammen mit dem Saft erhitzt werden, verstärken die Wirkung zusätzlich. Der Saft sollte so lange getrunken werden, wie die Symptome anhalten, und zusätzlich 3 weitere Tage zur Unterstützung der Rekonvaleszenz.
Achtung: Risiken und Nebenwirkungen von Holunder
Holunderbeeren enthalten das Blausäureglykosid Sambunigrin, weshalb sie roh nicht verzehrt werden sollten. Der Konsum von rohen Holunderbeeren kann Brechreiz, Übelkeit und Durchfall auslösen. Durch das Erhitzen der Beeren auf über 80 °C wird Sambunigrin abgebaut. Es genügt, die Beeren für 3-5 Minuten komplett auf 80 °C zu erhitzen.
Es gibt keine bekannten Nebenwirkungen oder Kontraindikationen bei der Einnahme von gekochten Holunderbeeren, auch nicht hinsichtlich der Menge. Allerdings sollten Säfte grundsätzlich nicht ständig als Durstlöscher getrunken werden, insbesondere aufgrund des enthaltenen Zuckers (auch des fruchteigenen Zuckers).
Holundertee: Eine wohltuende Alternative
Neben dem Saft lassen sich auch Holunderblüten und Holunderbeeren zu einem wohltuenden Tee zubereiten. Für einen Erkältungstee können getrocknete Holunderbeeren verwendet werden, die aufgrund des Sambunigrin wie oben beschrieben aufgekocht werden müssen.
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Ein Rezept für einen Erkältungstee mit Holunderbeeren:
- Zutaten:
- 600 ml Wasser
- 1 TL getrocknete Holunderbeeren (Sambuci fructus)
- 1 TL getrocknete Holunderblüten (Sambuci flos)
- 1 TL getrocknete Lindenblüten (Tiliae flos)
- 1 TL getrocknete Mädesüßblüten (Spiraeae flos)
- Zubereitung:
- Die getrockneten Holunderbeeren kurz in Wasser aufkochen.
- Das Wasser vom Herd nehmen und die getrockneten Holunderblüten, Lindenblüten und Mädesüßblüten zugeben.
- Zugedeckt 10 Minuten ziehen lassen.
- Abseihen und über den Tag verteilt 3 Tassen des heißen Tees trinken.
Holunder in der traditionellen Medizin: Ein Blick über den Tellerrand
In der traditionellen Medizin wurde Holunder vielseitig eingesetzt. Die Blüten wurden als schweißtreibendes Mittel bei Erkältungskrankheiten verwendet, während die Beeren als Saft, Sirup oder Mus bei Erkältungskrankheiten, rheumatischen Erkrankungen und Nervenschmerzen eingesetzt wurden.
Auch andere Pflanzenteile wie die Blätter und die Rinde enthalten Inhaltsstoffe, die in der traditionellen Medizin genutzt wurden. Allerdings ist hier Vorsicht geboten, da diese Pflanzenteile roh unverträglich sind und stets gekocht werden müssen.
Holunder und seine Verwandten: Aronia als Superfood-Alternative
Neben dem Holunder gibt es auch andere Beeren, die als Superfoods gelten und ähnliche gesundheitliche Vorteile bieten. Ein Beispiel hierfür ist die Aronia (Apfelbeere), die ebenfalls reich an Vitaminen, Mineralstoffen und Antioxidantien ist. Aroniabeeren sollen entzündungshemmend, cholesterinsenkend, gefäßerweiternd, blutzuckerregulierend und antioxidativ wirken.
Wichtiger Hinweis: Keine Garantie für Heilung
Es ist wichtig zu betonen, dass die Heilpflanzenkunde ständigen Entwicklungen unterworfen ist und die beschriebenen Anwendungen und Rezepturen allgemeine Darstellungen sind, die eine individuelle Beratung, Diagnose und Behandlung durch einen Arzt oder Apotheker nicht ersetzen können. Jeder Anwender ist für die etwaige Anwendung und vorherige sorgfältige Prüfung von Dosierungen, Applikationen oder sonstigen Angaben selbst verantwortlich.
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