Schwarze Witwe: Symptome, Behandlung und Aktuelle Forschung

Die Schwarze Witwe, wissenschaftlich bekannt als Latrodectus mactans, ist eine Spinnenart, die aufgrund ihres markanten Aussehens und ihres potenziell gefährlichen Bisses gefürchtet ist. Obwohl ihr Ruf ihr vorauseilt und sie in Deutschland nicht heimisch ist, gibt es Berichte über ihr Vorkommen, was die Bedeutung von Informationen über Symptome und Behandlung eines Bisses unterstreicht.

Erscheinungsbild und Lebensweise

Die Schwarze Witwe gehört zur Familie der Webspinnen. Weibchen sind mit einer Größe von 9 bis 15 Millimetern deutlich größer als die Männchen, die etwa 7 Millimeter erreichen. Die Weibchen zeichnen sich durch einen glänzenden, tiefschwarzen Körper und eine charakteristische rote Sanduhr-Markierung auf der Unterseite des Abdomens aus. Die Beine sind lang und schwarz. Die Lebensdauer der Schwarzen Witwe beträgt 1 bis 3 Jahre. Der Name "Schwarze Witwe" leitet sich von dem Verhalten der Weibchen ab, die in manchen Fällen das Männchen nach der Paarung töten, was jedoch nur bei etwa 12,5 Prozent der Paarungen vorkommt.

Die Europäische Schwarze Witwe (Latrodectus tredecimguttatus) bevorzugt trockene Gebiete mit geringem Regenfall, hohen Temperaturen und trockenen Böden, insbesondere im Mittelmeerraum.

Giftigkeit und Biss

Obwohl die meisten Spinnen in Deutschland harmlos sind, kann der Biss der Schwarzen Witwe für den Menschen gefährlich sein. Alle Spinnen sind mehr oder weniger giftig, da sie ihr Gift zum Betäuben ihrer Beute benötigen. Allerdings sind von den über 46.000 weltweit bekannten Spinnenarten nur wenige medizinisch relevant. Die Schwarze Witwe ist eine davon.

Symptome eines Bisses

Anfänglich kann sich der Biss wie ein Nadelstich anfühlen. Die Wirkung des Nervengifts macht sich jedoch erst nach etwa einer halben Stunde bemerkbar. Zu den Symptomen gehören:

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  • Schmerzen an der Bissstelle
  • Lähmungen
  • Krämpfe
  • Steigender Blutdruck
  • Schwellung und Rötung der Wunde

Besonders gefährdet sind gesundheitlich angeschlagene oder schwache Menschen. In der Regel verheilt die Wunde, aber es ist wichtig, die Symptome ernst zu nehmen und entsprechend zu handeln. Das Gift der Europäischen Schwarzen Witwe kann zu Herz- und Atemproblemen führen, die im schlimmsten Fall tödlich sein können.

Erste Hilfe und Behandlung

Nach einem Biss der Schwarzen Witwe sind folgende Maßnahmen empfehlenswert:

  1. Reinigung der Bissstelle: Die Wunde sollte umgehend mit Wasser und Seife gereinigt werden.
  2. Kühlung: Eine kühle Kompresse kann auf die Bisswunde gelegt werden, um Schwellungen und Schmerzen zu lindern.
  3. Schmerzmittel: Bei starken Schmerzen können Schmerzmittel eingenommen werden.
  4. Beobachtung: Die Bissstelle sollte im Auge behalten und auf Rötungen, Schwellungen oder Schmerzen überwacht werden.
  5. Arzt aufsuchen: Bei stärkeren Symptomen, insbesondere bei Übelkeit, Fieber, Muskelkrämpfen, Bauch- oder Kopfschmerzen, sollte umgehend ein Arzt aufgesucht werden. Es ist hilfreich, die Spinne einzufangen oder ein Foto zu machen, um die Identifizierung zu erleichtern.

Aktuelle Forschung und Behandlungsmöglichkeiten

Bislang wurden Bisse der Schwarzen Witwe traditionell mit einem Serum tierischen Ursprungs behandelt, das jedoch ein hohes Risiko für Nebenwirkungen birgt. Ein internationales Konsortium unter der Leitung der Technischen Universität Braunschweig hat nun humane Antikörper entwickelt, die das Gift der Schwarzen Witwe neutralisieren können.

Entwicklung humaner Antikörper

In einem Forschungsprojekt wurden mittels Antikörper-Phagen-Display, einer Methode zur Selektion von Antikörpern im Reagenzglas, menschliche rekombinante Antikörper generiert. Diese können das Alpha-Latrotoxin, ein gefährliches Nervengift im Venom der Schwarzen Witwe, neutralisieren.

Professor Stefan Dübel, Leiter der Abteilung Biotechnologie an der TU Braunschweig, entwickelte diese Methode zur Antikörperselektion im Reagenzglas. Die erzeugten Antikörper könnten die Grundlage für ein Medikament bilden, das die bisher verwendeten Pferdeseren bei der Behandlung von Bissen der Schwarzen Witwe ersetzt.

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Vorteile der neuen Antikörper

Der Einsatz humaner Antikörper bietet mehrere Vorteile gegenüber den traditionellen Pferdeseren:

  • Geringere Nebenwirkungen: Da das Pferde-Antivenom nicht menschlichen Ursprungs ist, kann es Immunreaktionen wie die Serumkrankheit oder einen anaphylaktischen Schock auslösen. Die neuen humanen Antikörper sind weniger anfällig für solche Reaktionen.
  • Reduzierung von Tierversuchen: Die Entwicklung der humanen Antikörper trägt dazu bei, die Anzahl der Tierversuche zu reduzieren, die für die Produktion von Antiseren notwendig sind.

Weitere Forschungsschritte

Bevor die neuen Antikörper klinisch eingesetzt werden können, sind weitere Forschungsschritte erforderlich. Dazu gehören:

  • Wirksamkeitsnachweise im Tiermodell: Die Wirksamkeit der Antikörper muss in einem Tiermodell nachgewiesen werden.
  • Toxizitäts- und Pharmakokinetik-Studien: Die Antikörper müssen in Toxizitäts- und Pharmakokinetik-Studien an Tieren getestet werden.

Verwechslung mit anderen Spinnenarten und Fehldiagnosen

Es ist wichtig zu beachten, dass viele angebliche Spinnenbisse auf Fehldiagnosen zurückzuführen sind. Insbesondere nekrotische und entzündliche Hauterkrankungen unklarer Herkunft werden oft fälschlicherweise als Spinnenbisse diagnostiziert. Zu den Erkrankungen, die regelmäßig als Spinnenbiss fehldiagnostiziert werden, gehören:

  • Infektionen mit antibiotika-resistenten Staphylokokken (MRSA) oder A-Streptokokken
  • Lyme-Borreliose
  • Pyoderma gangraenosum
  • Herpes
  • Gürtelrose
  • Verbrennungen
  • Verschiedene Formen von Hautkrebs

Die Folgen einer Fehldiagnose können gefährlich sein, wenn die geeignete Behandlung verzögert wird oder die unpassende Spinnenbiss-Behandlung das eigentliche Krankheitsbild verschlimmert. Daher ist es ratsam, alle Fälle von angeblichen Spinnenbissen mit dermatologischen Symptomen kritisch zu hinterfragen, insbesondere wenn die verursachende Spinne nicht beobachtet und von einem erfahrenen Arachnologen zuverlässig bestimmt wurde.

Auch die Edle Kugelspinne (Steatoda nobilis), auch Falsche Witwe genannt, wird oft mit der Schwarzen Witwe verwechselt. Ihr Biss ist zwar schmerzhaft, aber in der Regel nicht gefährlich. In seltenen Fällen kann es jedoch zu bakteriellen Infektionen an der Bissstelle kommen.

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Präventive Maßnahmen

Obwohl die Schwarze Witwe in Deutschland selten vorkommt, ist es dennoch ratsam, präventive Maßnahmen zu ergreifen, um das Risiko eines Bisses zu minimieren:

  • Vorsicht in potenziellen Lebensräumen: Seien Sie vorsichtig in Trockengebieten, Felsregionen, Geröllfeldern und in Bodennähe zwischen Steinen und Gestrüpp.
  • Schutz beim Arbeiten im Freien: Tragen Sie Handschuhe und langärmlige Kleidung beim Arbeiten im Garten oder in anderen potenziell gefährdeten Bereichen.
  • Kontrolle von Kleidung und Schuhen: Überprüfen Sie Kleidung, Schuhe und Bettzeug, bevor Sie sie benutzen, um sicherzustellen, dass sich keine Spinnen darin verstecken.
  • Sorgfalt bei Obst- und Warenlieferungen: Achten Sie auf Spinnen in Obst- und Warenlieferungen, insbesondere aus tropischen oder subtropischen Gebieten.
  • Symptomatische Schmerztherapie: Bei leichten Symptomen können Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Diclofenac helfen.
  • Sterile Wundversorgung: Reinigen und versorgen Sie die Wunde steril.
  • Bei allergischer Reaktion: Bei ausgeprägter allergischer Reaktion können systemische Antihistaminika und ggf. Kortikosteroide eingesetzt werden.

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