Parkinson und Depression: Eine komplexe Verbindung

Die Parkinson-Krankheit ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die hauptsächlich für ihre motorischen Symptome wie Zittern, Steifheit und langsame Bewegungen bekannt ist. In den letzten Jahren hat das Verständnis der Parkinson-Krankheit jedoch zugenommen, und es wurde erkannt, dass sie auch eine Reihe von nicht-motorischen Symptomen umfasst, darunter Depressionen. Depressionen sind eine häufige und oft übersehene Begleiterkrankung der Parkinson-Krankheit, die die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen kann. Dieser Artikel untersucht den Zusammenhang zwischen Parkinson und Depressionen und beleuchtet die Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten.

Einführung

Parkinson wird meist mit körperlichen Symptomen wie Zittern, Steifheit und Haltungsfehlern in Verbindung gebracht. Die Auswirkungen von Parkinson gehen jedoch oft weit über körperliche Beeinträchtigungen hinaus. Die neurodegenerative Erkrankung kann auch eine Reihe von nicht-motorischen Symptomen wie Depressionen, Angstzustände, Beeinträchtigungen der kognitiven Funktionen und vieles mehr verursachen oder das Risiko dafür erhöhen.

Ursachen des Zusammenhangs

Die Beziehung zwischen Parkinson und Depressionen ist komplex und vielschichtig. Es gibt mehrere Faktoren, die zu dem erhöhten Depressionsrisiko bei Parkinson-Patienten beitragen können:

Neurochemische Veränderungen

Parkinson führt zu einem Ungleichgewicht der Neurotransmitter des Gehirns, insbesondere von Dopamin. Doch auch andere Botenstoffe sind betroffen, zum Beispiel Serotonin, Noradrenalin und Acetylcholin. Dopamin ist ein Neurotransmitter, der eine wichtige Rolle bei der Steuerung von Bewegung, Motivation und Belohnung spielt. Serotonin, das "Glückshormon", ist an der Stimmungsregulation beteiligt. Der Mangel an diesen Neurotransmittern kann zu depressiven Symptomen führen. Als Parkinson-Symptom entsteht sie als direkte Reaktion auf krankheitsbedingte Veränderungen der Botenstoffe im Gehirn, also die Neurodegeneration. Diese Degeneration führt nämlich nicht nur zu einem Dopaminmangel, sondern auch zu einem Mangel an Serotonin, dem „Glückshormon“.

Psychische Belastung

Zusätzlich zu den genannten Ursachen kann die mentale Belastung durch die unheilbare Erkrankung zu Wesensveränderungen führen. Ähnlich wie bei anderen chronischen Erkrankungen kann es zu Belastungsreaktionen, Depression, Angststörungen und weiteren psychischen Beschwerden kommen. Das Risiko hierfür ist individuell sehr unterschiedlich. Die Diagnose Parkinson kann eine erhebliche psychische Belastung darstellen. Die Betroffenen müssen sich mit dem Fortschreiten der Krankheit, dem Verlust der Selbstständigkeit und den Auswirkungen auf ihr soziales Leben auseinandersetzen. Diese Faktoren können zu Gefühlen der Traurigkeit, Hoffnungslosigkeit und Angst führen, die eine Depression auslösen können.

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Medikamente

Die medikamentöse Behandlung von Morbus Parkinson zielt darauf ab, das Gleichgewicht der Neurotransmitter wiederherzustellen, vor allem mithilfe von Levodopa und Dopaminagonisten. Sie greifen in den Dopaminstoffwechsel ein. Diese führen jedoch zu einigen Nebenwirkungen und langfristig zu Wirkungsschwankungen. Einige Medikamente, die zur Behandlung von Parkinson eingesetzt werden, können als Nebenwirkung Depressionen verursachen. Dies gilt insbesondere für Dopaminagonisten, die den Dopaminspiegel im Gehirn erhöhen. Es ist wichtig zu beachten, dass nicht alle Parkinson-Medikamente Depressionen verursachen, und dass die Vorteile der Medikamente in der Regel die Risiken überwiegen.

Frühsymptom von Parkinson

Fall-Kontroll-Studien können nur eine Assoziation, aber keine Kausalität herstellen. Dass eine mentale Erkrankung wie die Depression eine degenerative Hirnerkrankung auslöst, ist kaum vorstellbar. Die wahrscheinlichste Erklärung der Ergebnisse ist, dass die Depression ein frühes Symptom des Morbus Parkinson ist. Die Bewegungsstörung entwickelt sich bekanntlich schleichend über den Verlauf vieler Jahre. Die typischen motorischen Symptome wie Bradykinese, Rigor und Tremor, die zur Diagnose führen, treten erst allmählich in den Vordergrund. Wenn die Diagnose gestellt wird, dürften viele Patienten schon seit längerem unter unspezifischen Symptomen leiden, was Auswirkungen auf die Psyche hat. Eine Depression ist hier eine plausible Erklärung.

Symptome der Parkinson-Depression

Die Symptome einer Depression bei Parkinson können denen einer "normalen" Depression ähneln, es gibt jedoch einige Unterschiede. Zu den häufigsten Symptomen gehören:

  • Anhaltende Traurigkeit, Niedergeschlagenheit oder Hoffnungslosigkeit
  • Verlust von Interesse oder Freude an Aktivitäten, die früher Spaß gemacht haben (sogenannte Apathie)
  • Schlafstörungen (Schlaflosigkeit oder übermäßiges Schlafen)
  • Veränderungen des Appetits oder des Gewichts
  • Müdigkeit oder Energieverlust
  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • Gefühle der Wertlosigkeit oder Schuld
  • Gedanken an Tod oder Selbstmord

Es ist wichtig zu beachten, dass einige dieser Symptome auch durch die Parkinson-Krankheit selbst verursacht werden können, was die Diagnose einer Depression erschweren kann. Zum anderen ähneln sich die typischen Symptome einer Depression und die Symptome bei Morbus Parkinson sehr stark, z. B. Schlafstörungen, Konzentrationsprobleme, ausdruckslose Mimik und Appetitlosigkeit. Jedoch haben sie völlig unterschiedliche Ursachen. Deshalb ist es wichtig, dass die Depression zusammen mit den Ärztinnen und Ärzte als eigenständige Krankheit diagnostiziert und behandelt wird.

Depressionen Parkinson-Kranker zeichnen sich durch ein typisches Profil aus. Selbstvorwürfe, Schuld- und Bestrafungsgefühle so gut wie nie vor. Suizidgedanken im Vordergrund. Bei der Parkinson-Depression kommt es im Gegensatz zu anderen Depressionsformen vermehrt zu gereizter Stimmung.

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Diagnose

Die Diagnose einer Depression bei Parkinson erfordert eine sorgfältige Beurteilung durch einen Arzt oder Psychiater. Es gibt keine spezifischen Tests zur Diagnose von Depressionen, aber der Arzt wird eine umfassende Anamnese erheben, eine körperliche Untersuchung durchführen und möglicherweise einige Tests anordnen, um andere Ursachen der Symptome auszuschließen. Es ist inzwischen für den klinischen Alltag eine gute Validität für die Hamilton-Depressionsskala (17-Item-HAMD [13], Cut-off-Scores bei 16/17), die Montgomery-Asberg-Depressionsskala (MADRS [4, 14-16], Cut-off-Scores 17/18) sowie für das Neuropsychiatrische Inventar (NPI, [17]) nachgewiesen worden.

Behandlungsmöglichkeiten

Es gibt verschiedene Behandlungsmöglichkeiten für Depressionen bei Parkinson. Die Behandlung kann eine Kombination aus Medikamenten, Psychotherapie und Lebensstiländerungen umfassen.

Medikamente

Antidepressiva können helfen, die Symptome einer Depression zu lindern. Es gibt verschiedene Arten von Antidepressiva, und der Arzt wird das am besten geeignete Medikament basierend auf den individuellen Bedürfnissen und Symptomen des Patienten auswählen. Die Leitlinien der APA empfehlen neben dem Einsatz der Serotonin-Wiederaufnahmehemmer bei depressiven Patienten mit idiopathischem Parkinson-Syndrom den Dopamin-Wiederaufnahmehemmer Bupropion (Zyban®) als mögliches Mittel der ersten Wahl. Vor dem Hintergrund der funktionellen Störung im dopaminergen Reward-System wäre eine Wirksamkeit gut zu erklären und ist bereits in einer offenen Studie und einer Einzelfallbeschreibung demonstriert worden [52, 53]. Andererseits ist auch bekannt, dass Bupropion bei idiopathischem Parkinson-Syndrom Psychosen auslösen kann [54], so dass eine engmaschige Begleitung des Patienten erforderlich ist. In Deutschland ist Bupropion zur Behandlung von Patienten mit idiopathischem Parkinson-Syndrom nicht zugelassen.

Psychotherapie

Eine Psychotherapie, insbesondere die kognitive Verhaltenstherapie (KVT), kann Parkinson-Patienten helfen, ihre depressiven Gedanken und Verhaltensweisen zu verändern. Die KVT kann den Patienten auch helfen, Bewältigungsstrategien zu entwickeln, um mit den Herausforderungen der Parkinson-Krankheit umzugehen. Diese Art ängstlich-depressiver Krankheitsverarbeitung lässt sich heute gut mit einer Psychotherapie behandeln, sofern diese in Form einer so genannten „Verhaltenstherapie“ (auch: „Kognitive Verhaltenstherapie“) durchgeführt wird.

Lebensstiländerungen

Regelmäßige körperliche Betätigung, eine gesunde Ernährung und ausreichend Schlaf können dazu beitragen, die Stimmung zu verbessern und depressive Symptome zu lindern. Körperliche Aktivität kann dazu beitragen, die motorischen Funktionen, die Muskelkraft, das Gleichgewicht und den Gang zu verbessern - alles entscheidende Faktoren für eine sichere, gesunde und unabhängige Lebensführung. Regelmäßige körperliche Betätigung kann daher indirekt Depressionen bekämpfen, indem sie Parkinson-Patienten besser in die Lage versetzt, an den Aktivitäten des täglichen Lebens teilzunehmen (3). Auch Entspannungstechniken wie das autogene Training sind einschlafördernd. Darüber hinaus ist die vorübergehende Einnahme milder Schlafmittel bei der Parkinson-Krankheit möglich.

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Weitere psychische Begleiterkrankungen bei Parkinson

Neben Depressionen treten bei Parkinson-Patienten häufig auch andere psychische Begleiterkrankungen auf, wie z. B.:

  • Angststörungen: Angstzustände äußern sich bei Parkinson-Patienten vor allem in übermäßig starken Sorgen vor möglichem Unglück, welches einem selbst oder einer nahestehende Person widerfahren könnte. Auch plötzlich auftretende Angstanfälle und umgrenzte Ängste vor bestimmten Orten und Situation sind relativ häufig.
  • Apathie: Diese Störung sieht einer Depression sehr ähnlich, denn hier wie dort ist der „Antrieb“ stark beeinträchtigt. Bei beiden Störungen liegt die Schwierigkeit darin, aus eigener Motivation heraus eine Handlung in die Tat umzusetzen, neue Ideen zu entwickeln oder emotional „in Schwung zu kommen“.
  • Schlafstörungen: Schlafstörungen treten in allen Stadien der Parkinson-Erkrankung und bei der Mehrzahl der Betroffenen auf. Bis zu 90 % aller Menschen mit Parkinson sind im Verlauf der Erkrankung von Tagesmüdigkeit und Ein- und Durchschlafstörungen betroffen.
  • Psychosen: Informieren Sie in solchen Fällen unbedingt und sehr schnell ihren Arzt. Bei Halluzinationen handelt es sich meistens um visuelle Erscheinungen, Zustände also, bei denen man vermeintlich etwas zu sehen glaubt, was in der Realität so jedoch nicht vorhanden ist.

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