Pflegerollstühle für Spastiker: Modelle, Empfehlungen und umfassender Ratgeber

Ein Rollstuhl ist ein Hilfsmittel, das Rollstuhlfahrern zur Fortbewegung dient, ohne dass sie auf eigenen Beinen stehen müssen. Laut Definition ist ein Rollstuhl ein Sitz auf vier Rädern, der durch Muskelkraft angetrieben wird. Er ermöglicht Menschen mit körperlichen Einschränkungen, die nicht, nicht für längere Zeit oder nur für einen begrenzten Zeitraum gehen können, mobil zu sein.

Arten von Rollstühlen

Es gibt verschiedene Arten von Rollstühlen, die sich in ihrer Bauweise, ihrem Antrieb und ihren Einsatzmöglichkeiten unterscheiden:

  • Manuelle Rollstühle: Diese werden entweder durch eigene Muskelkraft oder durch Schieben bewegt.
  • Elektrorollstühle (E-Rollstühle): Eine Alternative für Personen mit wenig eigener Körperkraft, die sich aber selbstständig bewegen möchten.
  • Standardrollstühle: Diese werden am häufigsten von Pflegekassen bewilligt. Sie haben keine Sonderausstattung, sind aber zusammenklappbar und transportabel, jedoch nicht sehr leicht.
  • Multifunktionsrollstühle: Diese werden in der Regel individuell angepasst, um längeres, beschwerdefreies Sitzen zu ermöglichen. Sie haben oft eine hohe Rückenlehne und Kopfstütze, sind aber sperrig und meist zum Schieben gedacht.
  • Leichtgewichtrollstühle: Diese wiegen weniger als 15 Kilogramm, erfordern aber Muskelkraft zur Fortbewegung.
  • Aktivrollstühle: Diese sind noch leichter, wendiger und einfacher zusammenzufalten und werden häufig im Behindertensport eingesetzt.
  • Handhebelrollstühle: Hier werden die Räder durch Hebel bedient und gelenkt, was eine aufrechte Haltung fördert und Schulter- und Handgelenke schont.
  • Hybridsysteme: Diese kombinieren Greif- und Handhebelantrieb, um je nach Bedarf die passende Fortbewegungsmöglichkeit zu bieten.
  • Rollstühle mit Schiebehilfe: Diese verfügen über einen zusätzlichen, elektrischen Antrieb, um das Schieben zu erleichtern.
  • Trippelrollstühle: Hier bewegt sich der Rollstuhlfahrer mit Trippelschritten am Boden vorwärts, wodurch die Hände frei bleiben.
  • Stehrollstühle: Diese ermöglichen es dem Nutzer, sich in eine stehende Position zu bringen, was verschiedene gesundheitliche Vorteile bietet und die soziale Teilhabe erleichtert.

Pflegerollstühle im Detail

Pflegerollstühle sind speziell auf die Bedürfnisse von schwer kranken und pflegebedürftigen Menschen zugeschnitten. Sie bieten zahlreiche Funktionen, die den Pflegealltag erleichtern und den Komfort des Patienten erhöhen.

Vorteile von Pflegerollstühlen

  • Umfangreiche Serienausstattung: Bietet alles, was für den Aufenthalt und Transport des Patienten im Sitzen und Liegen benötigt wird.
  • Hohe Sicherheit und Komfort: Gewährleistet bestmöglichen Komfort und Sicherheit für den Patienten.
  • Individuelle Einstellmöglichkeiten: Ermöglicht eine stufenlose Anpassung an die Bedürfnisse des Patienten.
  • Solide und langlebige Konstruktion: Sorgt für eine dauerhafte Nutzung.
  • Einfache Bedienbarkeit: Ermöglicht eine einfache Bedienung der Funktionen.
  • Hoher Sitzkomfort: Bietet bequemen Komfort und eine gesunde Sitzhaltung durch gepolsterte Rückenlehnen, Arm- und Beinauflagen sowie stufenlos anpassbare Sitzbreite und -tiefe.
  • Verstellbare Rückenlehne: Ermöglicht den Aufenthalt im Liegen oder in einer halb aufrechten Position.
  • Spezielle Sicherheitsfunktionen: Bieten sicheren Halt durch Kippschutz, pannensichere Bereifung, leistungsstarke Bremsen, Abduktionskeile, seitliche Unterstützung und individuell einstellbare Kopf- und Nackenstützen.

Ausstattungsmerkmale von Pflegerollstühlen

  • Einstellbare Sitztiefe: Stufenlos einstellbar, um eine optimale Sitzhaltung zu gewährleisten.
  • Höhenverstellbare Rückenlehne: Für zusätzlichen Komfort und Unterstützung.
  • Zweilagiges Sitzkissen: Für eine optimale Druckverteilung und Dekubitusprophylaxe.
  • Winkelverstellbare Beinstützen: Für eine bequeme und sichere Positionierung der Beine.
  • Knie- und Wadenpolster: Für zusätzlichen Komfort und Halt.
  • Ergonomisches Rückensystem: Für eine optimale Unterstützung der Wirbelsäule.
  • Tiefenverstellbare Armpolster: Für eine individuelle Anpassung an die Armlänge.
  • Winkelverstellbarer Rücken: Ermöglicht verschiedene Sitzpositionen.
  • Sitzkantelung: Verhindert das Nach-Vorn-Rutschen des Patienten.
  • Waagerecht verstellbare Beinstützen: Mit manuellem Längenausgleich für mehr Beinfreiheit.
  • Beinstützenaufnahmen außerhalb des Sitzrahmens: Für mehr Beinfreiheit.
  • Anatomisch geformte Rückenpolsterung: Mit Seitenhalt für eine stabile Sitzposition.
  • Wadenpolster, Kniepelotten und Fersenbänder: Für zusätzlichen Halt und Komfort.
  • Faltbarkeit: Für einfachen Transport und Lagerung.

Zubehör für Pflegerollstühle

Um den Pflegerollstuhl optimal an die individuellen Bedürfnisse anzupassen, gibt es eine Vielzahl von Zubehör:

  • Rollstuhlkissen: Spezielle Sitzkissen zur Dekubitusprophylaxe in verschiedenen Größen.
  • Rollstuhlbekleidung: Wetterfeste Materialien zum Schutz vor Wind und Wetter.
  • Beckengurte und Pelotten: Für zusätzlichen Halt und Stabilität.
  • Therapietische: Für Aktivitäten und Therapien im Rollstuhl.
  • Seitenpelotten: Für eine verbesserte Sitzposition und Stabilität.

Auswahl von Pflegerollstühlen

Bei der Auswahl eines Pflegerollstuhls sollten folgende Aspekte berücksichtigt werden:

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  • Art und Schwere der Erkrankung: Je nach Erkrankung und körperlichen Einschränkungen sind unterschiedliche Funktionen und Einstellmöglichkeiten erforderlich.
  • Individuelle Bedürfnisse des Patienten: Der Rollstuhl sollte an die persönlichen Bedürfnisse und Vorlieben des Patienten angepasst sein.
  • Bedürfnisse der pflegenden Person: Der Rollstuhl sollte die Pflege erleichtern und den Pflegealltag unterstützen.
  • Wohn- und Transportverhältnisse: Die Größe und das Gewicht des Rollstuhls müssen an die räumlichen Gegebenheiten angepasst sein.
  • Budget: Die Preise für Pflegerollstühle variieren je nach Ausstattung und Modell.

Empfehlungen für Pflegerollstühle

Es gibt eine Vielzahl von Herstellern und Modellen von Pflegerollstühlen. Einige empfehlenswerte Modelle sind:

  • Invacare Rea Clematis PRO SB: Zeichnet sich durch gute Verarbeitung und umfangreiches Zubehör aus.
  • Breezy RelaX2 SB: Bietet zahlreiche individuelle Einstellmöglichkeiten und eine hohe Belastbarkeit.
  • Bischoff & Bischoff Pflegerollstuhl Protego SB: Überzeugt mit technischen Highlights und hohem Komfort.

Kosten und Finanzierung

Die Kosten für einen Pflegerollstuhl können je nach Ausstattung und Modell variieren. In vielen Fällen übernimmt die Krankenkasse einen Teil der Kosten oder stellt den Rollstuhl leihweise zur Verfügung. Es ist ratsam, sich vor dem Kauf oder der Miete eines Rollstuhls von der Krankenkasse und einem Sanitätshaus beraten zu lassen.

Rollstuhl als Pflegehilfsmittel

Ein Rollstuhl kann auch als Pflegehilfsmittel beantragt werden. Hierfür ist kein ärztliches Rezept, aber ein Pflegegrad erforderlich.

Zusätzliche Aspekte bei der Auswahl eines Rollstuhls

  • Sitzbreite: Der Abstand zwischen den Seitenteilen sollte der Gesäßbreite plus 4 cm entsprechen (2 cm auf jeder Seite).
  • Sitztiefe: Der Abstand zwischen der Vorderkante des Rückenrohrs und der Vorderkante der Sitzbespannung sollte so gewählt werden, dass zwischen der vorderen Kante der Sitzbespannung und der Kniebeuge etwa zwei bis drei Fingerbreit Luft sind.
  • Sitzhöhe: Die vordere und hintere Sitzhöhe beeinflussen die Sitzhaltung und ermöglichen ein optimales Antreiben des Rollstuhls.
  • Rückenlehnenhöhe: Die Höhe der Rückenlehne ist abhängig von der individuellen Behinderung.
  • Unterschenkellänge: Die Unterschenkellänge bestimmt die Position des Fußbretts.

Weitere Hilfsmittel für Rollstuhlfahrer

  • Rollstuhl-Treppensteiger: Eine Hilfe, um mit einem Rollstuhl Treppen zu überwinden (erfordert eine Begleitperson).
  • Rollstuhlrampen: Für kleine Stufen oder Podeste.
  • Plattformlifte: Für den Innenbereich, geeignet für schräge und gewundene Treppen.
  • Hublifte: Für den Außenbereich, zur Überwindung von kleineren Höhen.
  • Elektrische Zuggeräte: Für längere Strecken, werden vor dem Rollstuhl angebracht.

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