Rückenschmerzen sind ein weit verbreitetes Problem, das viele Menschen betrifft. Die CT-gesteuerte periradikuläre Therapie (PRT) ist eine minimalinvasive Behandlungsmethode, die sich als wirksam bei der Linderung von Schmerzen erwiesen hat, die durch gereizte oder entzündete Nervenwurzeln verursacht werden, insbesondere im Bereich der Lendenwirbelsäule (L5 und S1).
Einführung
Die periradikuläre Therapie (PRT) ist ein schmerztherapeutisches Verfahren, das bei Nervenwurzelreizungen eingesetzt wird. Die nervale anatomische Versorgung ist bei allen Menschen gleich. So kann der Arzt z.B. aus beklagten Missempfindungen, Taubheitsgefühlen und/oder Lähmungen an Armen oder Beinen Rückschlüsse ziehen, in welcher Höhe der Wirbelsäule das Problem zu suchen ist. Durch die Nervenirritation schwillt der Nerv an, und engt sich selber weiter ein. Gleiche Beschwerden können durch einen Verschleiß der sich hierdurch vergrößernden Wirbelgelenke ausbilden, welche auch den Wirbelkanal (Spinalkanal) einengen und zu dem Syndrom des engen Spinalkanals führen können. Sie ist besonders effektiv bei Beschwerden, die durch Bandscheibenvorfälle, degenerative Veränderungen der Wirbelsäule oder Verengungen des Wirbelkanals entstehen. Bei der PRT wird ein Lokalanästhetikum, ggf. kombiniert mit einem Glukokortikoid (Off-Label-Use), um bzw. in die Nähe der betroffenen Nervenwurzel (Radix) bzw. in den Wirbelkanal gespritzt.
Definition und Ursachen von Nervenwurzelreizungen L5 und S1
Die Nervenwurzeln L5 und S1 sind Nerven, die aus dem Rückenmark austreten und für die Versorgung des Unterkörpers, einschließlich der Beine und Füße, zuständig sind. Reizungen oder Kompressionen dieser Nervenwurzeln können zu Schmerzen, Taubheit, Kribbeln und Muskelschwäche in den betroffenen Bereichen führen.
Ursachen für Nervenwurzelreizungen L5 und S1 können sein:
- Bandscheibenvorfälle: Ein Bandscheibenvorfall L5/S1 ist ein sehr häufiger Auslöser für eine Fußsenkerschwäche. Insbesondere wenn die Bandscheibe auf Höhe des Lendenwirbels 5 (L5) / Sakralwirbels 1 (S1) verrutscht und auf die dort austretende Nervenwurzel drückt und diese reizt, kann dies zu einer Fußsenkerschwäche führen.
- Spinalkanalstenosen: Verengungen des Wirbelkanals (Spinalkanalstenosen)
- Foramenstenosen: Verengung der Austrittslöcher der Nerven aus der Wirbelsäule (Stenose der Neuroforamina)
- Degenerative Veränderungen der Wirbelsäule: Verschleißerscheinungen der Wirbelsäule mit Arthrosen und/oder Bandscheibenvorfällen im Vordergrund.
- Spondylolisthesis: Bei einem Gleitwirbel verrutscht ein Wirbelkörper gegenüber dem darunterliegenden. Dieses Verrutschen kann einen erhöhten Druck und eine Kompression auf eine austretende Nervenwurzel ausüben.
- Postoperative Narbenbildung: Radikuläre Schmerzen nach einer Operation an der Wirbelsäule.
Die CT-gesteuerte PRT: Ein präzises Verfahren
Die CT-gesteuerte PRT ist eine minimalinvasive Technik, bei der Medikamente präzise an die betroffene Nervenwurzel appliziert werden. Durch die computertomographische Steuerung können Medikamente präzise an die betroffenen Stellen appliziert werden, was die Wirksamkeit erhöht und Risiken minimiert. Die PRT ist die Basis-Technik der CT-gestützten Schmerztherapie und am einfachsten anzuwenden. Unter CT-Kontrolle wird eine dünne Nadel millimetergenau an die betroffene Nervenwurzel geführt, um ein entzündungshemmendes Medikament zu injizieren.
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Ablauf der Behandlung
- Vorbereitung: Der Patient wird umfassend über den Ablauf der PRT informiert. Es wird vorab ein Kontrastmittel verabreicht, für eine noch mehr Präzision bei der bildgebenden Kontrolle. Am Behandlungstag liegt der Patient in Bauchlage, um den optimalen Zugang zur betroffenen Nervenwurzel zu ermöglichen. Lediglich eine PRT der Halswirbelsäule wird in Rückenlage durchgeführt.
- CT-Kontrolle: Die PRT wird unter computertomographischer (CT) Kontrolle durchgeführt, um höchste Präzision zu gewährleisten. Mithilfe der CT-Bilder wird die dünne Nadel millimetergenau an die gereizte Nervenwurzel herangeführt.
- Injektion: Sobald die optimale Position erreicht ist, wird ein Medikamentengemisch aus einem entzündungshemmenden Cortison und einem lokalen Betäubungsmittel injiziert.
- Nachbeobachtung: Nach der Injektion wird der Patient für etwa 30 Minuten unter Beobachtung gehalten, um sicherzustellen, dass keine unerwarteten Nebenwirkungen auftreten. Danach kann der Patient in der Regel eigenständig nach Hause gehen. Es wird empfohlen, sich nach der Behandlung körperlich zu schonen, um die Wirksamkeit der Therapie zu unterstützen.
Wirkstoffe
Bei einer PRT wird meist eine Kombination aus lokaler Betäubung und Cortison als Entzündungs- bzw. Schmerzhemmer gespritzt. Die genaue Zusammensetzung der Medikation wird immer individuell und genau an Person und Beschwerdebild angepasst.
Vorteile der CT-gesteuerten PRT
- Präzision: Millimetergenaue Platzierung der Nadel dank Echtzeit-CT-Überwachung.
- Gezielte Wirkung: Exakte Wirkung am Ursprungsort der Schmerzen.
- Minimierung von Risiken und Nebenwirkungen: Hohes Maß an Sicherheit durch die Bildsteuerung bei der Behandlung.
- Minimalinvasiver Eingriff: Geringe Belastung für den Patienten.
- Ambulante Durchführung: Kein stationärer Aufenthalt notwendig.
- Kurze Behandlungsdauer und geringe Erholungszeit: Inklusive Vor- und Nachbereitung etwa 20-30 min, Dauer der Injektion wenige Minuten, allerdings ist dies von Ihrem individuell vereinbarten Therapiekonzept abhängig.
- Schmerzarmes Verfahren: Durch den Einsatz einer dünnen Nadel und örtlicher Betäubung.
- Hohe Erfolgsquote und Patientenzufriedenheit: Deutliche Schmerzlinderung oder Schmerzfreiheit oft schon nach wenigen Sitzungen.
- Individuell angepasste Therapie: Durch erfahrene Spezialisten.
- Steigerung der Lebensqualität und Mobilität: Gezielte Behandlung von Rückenschmerzen und Vermeidung einer Chronifizierung: langfristige Schmerzlinderung bzw. Schmerzfreiheit.
Mögliche Risiken und Nebenwirkungen
Die PRT ist ein minimalinvasives und sicheres Verfahren, das unter sterilen Bedingungen und bildgebender Kontrolle durchgeführt wird. Dennoch können, wie bei jedem medizinischen Eingriff, geringe Risiken bestehen. Dazu gehören leichte Schmerzen oder Blutergüsse an der Einstichstelle. In seltenen Fällen können Infektionen oder allergische Reaktionen auftreten. Gelegentlich werden systemimmanente Nervenschwächen / ggfs. Taubheit des „blockierten“ Nerven berichtet, die sich immer schnell und ohne Therapie in den ersten Stunden zurückbilden. Daher sollte der Patient aktiv am Straßenverkehr nicht teilnehmen. Auch werden nach der Injektion mit Cortison eine passagere Gesichtsrötung, Blutdruck- und Herzfrequenzanstieg sowie Einschlafstörungen in der Nacht nach der PRT berichtet, die selber keine Therapie benötigen. An schwerwiegenden Komplikationen wären schlimmstenfalls der Infekt sowie allergische Reaktionen auf die eingesetzten Medikamente zu nennen.
Gegenanzeigen
Höhergradige Lähmungen sowie Blasen und Mastdarmstörungen, Blutgerinnungsstörungen und akute Infektionen, Allergien auf Lokalanästhetika und Kontrastmittel.
Kostenübernahme
Die Kosten für die PRT werden häufig von den gesetzlichen und privaten Krankenkassen übernommen, sofern eine medizinische Notwendigkeit besteht. Voraussetzung ist dabei eine ärztliche Überweisung, die den Bedarf für die Behandlung dokumentiert. Sollte Ihre Krankenkasse die Kosten nicht übernehmen, besteht die Möglichkeit, die Untersuchung als Selbstzahler in Anspruch zu nehmen. In diesem Fall erhalten Sie vorab eine transparente Kostenaufstellung, um sich über die finanziellen Aspekte zu informieren.
Wann ist eine PRT sinnvoll?
Bei folgenden Erkrankungen kann eine PRT sinnvoll sein:
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- Nervenwurzelkompression
- Nervenwurzelreizung
- Nervenwurzelentzündung
- Geschädigte Nervenwurzel
- Bandscheibenvorfall
- Bandscheibenverschleiß
- Zwischenwirbelgelenksverschleiß
- Akute Reizungen der kleinen Wirbelgelenke oder der Nervenwurzeln, welche aus der Wirbelsäule stammen
- Oftmals Bandscheibenvorfall mit Schmerzausstrahlung in Arme und/oder Beine
- „Hexenschuss“
- Facettenblockade
- (Symptomatische) Facettengelenksarthrose (Arthrose der kleinen Wirbelgelenke)
- Ischialgie - Reizung des Ischiasnervs
- Reizungen der Iliosakralgelenke/ Sacroiliacalgelenke / Kreuz-Darmbein-Gelenke
- Spinalkanalstenose
- Spondylarthrose
- Formanenstenose
- Reizung der Costotransversalgelenke (Wirbel-Rippen-Gelenke)
- Verschleißerscheinungen
- Neurologische Beschwerden
- Langjährige Rückenschmerzen, bei denen Physiotherapie und Medikamente bisher versagten
- Nervenwurzelentzündungen
- Chronische Schmerzzustände
- Degenerative Wirbelsäulenerkrankungen
- Arthrose (Wirbelsäule, Facettengelenke)
- Einengung des Wirbelkanals (Spinalkanalstenose)
- Schmerzhaftes Narbengewebe nach einer Bandscheibenoperation
- Funktionsstörung der Wirbelgelenke aufgrund von Fehl- oder Überbelastungen
- Entzündliche Prozesse
- Verschleißbedingte knöcherne Verengungen in der Nervenverlaufsbahn
- Beschwerden im Versorgungsgebiet des betroffenen Nervs (radikuläre Schmerzen)
- Pseudoradikuläre Schmerzen, Facettensyndrom
Ergebnisse und Studien
Eine prospektive Untersuchung im Zeitraum von 11/2016 bis 03/2020 zeigte eine Wirksamkeit sowohl der PRT wie auch der Facettentherapie im Hinblick auf die Verbesserung des Schmerzzustands des Patienten. In unserem Patientengut zeigten 74 % der PRT-Patienten und 60 % der FAC-Patienten eine gute Beschwerdebesserung. Diese Ergebnisse sind vergleichbar zur Literatur, auch hier wird eine gute Wirksamkeit der CT-gesteuerten Interventionen berichtet. Wichtig für das Outcome scheint eine gute Patientenselektion mit klinisch plausibler Eruierung der Schmerzursache und konkordantem Bildbefund zu sein, da viele degenerative Wirbelsäulenveränderungen im Alter auftreten können, aber nicht zwingend zu Schmerzen führen müssen.
Fußsenkerschwäche als Folge von Nervenwurzelreizung
Ein Bandscheibenvorfall L5/S1 kann eine Fußsenkerschwäche verursachen, insbesondere wenn die Bandscheibe auf Höhe des Lendenwirbels 5 (L5) / Sakralwirbels 1 (S1) verrutscht und auf die dort austretende Nervenwurzel drückt und diese reizt. Die Frankfurter Wirbelsäulenspezialisten von Lumedis bieten eine umfassende Beratung und Behandlung des S1-Syndroms an.
Diagnostik der Fußsenkerschwäche
Meistens suchen die Patienten den Arzt auf, wenn sie oder Angehörige eine Veränderung des Gangbildes festgestellt haben. Der Arzt führt dann eine ausführliche Krankenbefragung durch. Dann wird in der körperlichen Untersuchung versucht herauszufinden, welche Bewegungen durchgeführt werden können, welche schmerzhaft sind und auch welche Bewegungen nur eingeschränkt bewegt werden können. Eine typische Untersuchung wäre die Durchführung des Zehengangs, der bei einer Fußsenkerschwäche nicht mehr ohne Probleme und reibungslos durchgeführt werden kann. Weiterhin stehen auch noch einige bildgebende Verfahren und auch Nerventests zur Verfügung, wie man eine Fußsenkerschwäche herausfinden kann. So kann man z.B. mit einer Nervenleitgeschwindigkeitsmessung (NLG) herausfinden, ob Nerven, die die Muskeln für die Fußsenkung versorgen, nicht richtig funktionieren. Bei der NLG Messung werden Elektroden auf die entsprechenden Muskeln geklebt und ein Strom angelegt.
Behandlung der Fußsenkerschwäche
Hauptsächlich sollte der Schwerpunkt der Behandlung in einer Behebung der auslösenden Ursache liegen. Da in den meisten Fällen ein Problem mit den Bandscheiben vorhanden ist, gilt es zunächst eine gute Diagnostik durchzuführen, die dann aufzeigt, auf welcher Höhe Bandscheiben verrutscht sind oder aber auf welcher Höhe verhärtete Muskeln auf den Nerven drücken. Tritt ein Bandscheibenvorfall zutage, muss zunächst geklärt werden, ob eine Operation notwendig oder auch möglich ist. In den meisten Fällen wird bei einem Bandscheibenvorfall zwar ein konservatives Vorgehen im Sinne einer Physiotherapie gewählt, treten aber schon so schwere Symptome wie eine Fußsenkerschwäche zu Tage, sollte wenn möglich eine operative Therapie in Erwägung gezogen werden. In den anderen Fällen sollte eine intensive Physiotherapie durchgeführt werden, die die Muskeln um den betroffenen Wirbelsäulenabschnitt herum auftrainieren sollten. Überlastungen sollten vermieden werden. Der Fuß kann auch für eine gewisse Zeit bandagiert werden. Muskelentspannende Übungen können zusätzlich helfen, eventuelle verhärtete Muskeln, die auf den Nerven drücken, zu entlasten. Bei starken Schmerzen, die als Folge einer Fußsenkerschwäche auftreten, kann auch ein entzündungshemmendes Schmerzmittel eingenommen werden.
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