Die Epilepsie ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederholte Anfälle gekennzeichnet ist. Diese Anfälle entstehen durch plötzliche, abnormale elektrische Aktivität im Gehirn. Die Symptome und das Erscheinungsbild der Anfälle können sehr unterschiedlich sein, je nach dem betroffenen Hirnbereich und der Art der neuronalen Störung. Ein besonderes Phänomen im Zusammenhang mit Epilepsie ist die Aura, die bei manchen Patienten als Vorbote eines Anfalls auftritt.
Was ist Epilepsie?
Epilepsie ist keine einzelne Krankheit, sondern ein Sammelbegriff für verschiedene Anfallsleiden. Die Anfälle sind Ausdruck einer vorübergehenden Funktionsstörung des zentralen Nervensystems, die in der Regel nicht länger als zwei Minuten dauert. Im Gehirn kommunizieren Milliarden von Nervenzellen mithilfe von Botenstoffen und elektrischen Signalen. Bei einem epileptischen Anfall geben ganze Gruppen von Nervenzellen in der Hirnrinde gleichzeitig solche Signale ab.
Die Prävalenz von Epilepsie liegt in Industrieländern bei etwa 0,5-0,9 Prozent. Jährlich erkranken 40-70 von 100.000 Einwohnern neu an Epilepsie.
Formen epileptischer Anfälle
Epileptische Anfälle werden in zwei Haupttypen unterteilt: fokale und generalisierte Anfälle.
- Fokale Anfälle: Diese Anfälle entstehen in einem begrenzten Bereich der Hirnrinde. Die Symptome hängen davon ab, welcher Hirnbereich betroffen ist. Fokale Anfälle können sich auf motorische Symptome (z. B. Zuckungen, Verkrampfungen), sensorische Symptome (z. B. Missempfindungen, Halluzinationen), autonome Symptome (z. B. Schweißausbrüche, Herzklopfen) oder kognitive/emotionale Symptome (z. B. Angstgefühle, Déjà-vu) beziehen.
- Generalisierte Anfälle: Bei dieser Anfallsform sind beide Hirnhälften betroffen. Generalisierte Anfälle gehen häufig mit Bewusstlosigkeit einher. Es gibt verschiedene Arten von generalisierten Anfällen, darunter tonische Anfälle (Versteifung der Gliedmaßen), klonische Anfälle (rhythmische Zuckungen), atonische Anfälle (Verlust der Muskelspannung), myoklonische Anfälle (kurze Muskelzuckungen) und Absencen (kurze Bewusstseinspausen).
Die Aura: Ein Vorbote des Anfalls
Eine Aura ist ein Symptom, das bei manchen Menschen mit Epilepsie vor einem Anfall auftritt. Sie kann als eine Art Frühwarnsystem dienen, das dem Betroffenen Zeit gibt, sich auf den bevorstehenden Anfall vorzubereiten. Auren sind fokale Anfälle, bei denen das Bewusstsein erhalten bleibt.
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Symptome einer Aura
Die Symptome einer Aura sind vielfältig und können von Person zu Person unterschiedlich sein. Einige häufige Symptome sind:
- Sensorische Veränderungen: Veränderungen im Riechen, Schmecken, Sehen, Hören oder Fühlen.
- Missempfindungen: Kribbeln, Taubheitsgefühle oder andere ungewöhnliche Empfindungen in bestimmten Körperteilen.
- Psychische Veränderungen: Angstgefühle, Déjà-vu-Erlebnisse oder Halluzinationen.
- ** vegetative Symptome:** Übelkeit, Bauchbeschwerden, Herzrasen oder Schwindel.
Bedeutung der Aura für die Diagnose
Die Aura kann ein wichtiges diagnostisches Hilfsmittel sein. Die Art der Aura-Symptome kann dem Arzt Hinweise darauf geben, welcher Bereich des Gehirns von den Anfällen betroffen ist. Zum Beispiel können Auren mit Geruchs- oder Geschmackshalluzinationen auf einen Anfallsursprung im Temporallappen hindeuten.
Ursachen von Epilepsie
Epilepsie kann verschiedene Ursachen haben. In vielen Fällen lässt sich die genaue Ursache jedoch nicht feststellen.
- Strukturelle Ursachen: Hirnschäden durch Tumore, Schlaganfälle, Verletzungen oder Infektionen können Epilepsie verursachen.
- Genetische Ursachen: In einigen Fällen ist Epilepsie erblich bedingt. Es gibt verschiedene Gene, die mit Epilepsie in Verbindung gebracht wurden.
- Infektiöse Ursachen: Infektionen des Gehirns, wie z. B. Meningitis oder Enzephalitis, können Epilepsie auslösen.
- Metabolische Ursachen: Stoffwechselstörungen können in seltenen Fällen Epilepsie verursachen.
- Immunologische Ursachen: Autoimmunerkrankungen, die das Gehirn betreffen, können Epilepsie verursachen.
Diagnose von Epilepsie
Die Diagnose von Epilepsie basiert in erster Linie auf der Anamnese (Krankengeschichte) und der Beschreibung der Anfälle. Der Arzt wird Fragen zum Ablauf der Anfälle, zu den Begleitsymptomen und zu möglichen Auslösern stellen.
Zusätzlich zur Anamnese werden in der Regel folgende Untersuchungen durchgeführt:
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- Elektroenzephalogramm (EEG): Das EEG misst die elektrische Aktivität des Gehirns. Es kann helfen, epileptische Potenziale zu identifizieren.
- Magnetresonanztomographie (MRT): Die MRT ist ein bildgebendes Verfahren, das detaillierte Aufnahmen des Gehirns liefert. Sie kann helfen, strukturelle Ursachen der Epilepsie zu identifizieren, wie z. B. Tumore oder Hirnschäden.
- Blutuntersuchungen: Blutuntersuchungen können helfen, Stoffwechselstörungen oder Infektionen als Ursache der Epilepsie auszuschließen.
Behandlung von Epilepsie
Das Ziel der Epilepsiebehandlung ist es, die Anfälle zu kontrollieren und die Lebensqualität des Patienten zu verbessern. Die Behandlung basiert in der Regel auf Medikamenten, aber auch andere Therapieoptionen können in Betracht gezogen werden.
- Antiepileptika: Antiepileptika sind Medikamente, die die Anfallshäufigkeit reduzieren oder die Anfälle ganz verhindern können. Es gibt viele verschiedene Antiepileptika, und die Wahl des Medikaments hängt von der Art der Epilepsie, dem Alter des Patienten und anderen Faktoren ab.
- Chirurgie: In einigen Fällen kann eine Operation eine Option sein, um die Anfälle zu kontrollieren. Dies kommt vor allem dann in Frage, wenn die Anfälle von einem bestimmten Bereich des Gehirns ausgehen, der operativ entfernt werden kann.
- Vagusnervstimulation (VNS): Die VNS ist eine Therapie, bei der ein kleines Gerät unter die Haut implantiert wird, das elektrische Impulse an den Vagusnerv sendet. Dies kann helfen, die Anfallshäufigkeit zu reduzieren.
- Ketogene Diät: Die ketogene Diät ist eine spezielle Diät, die reich an Fett und arm an Kohlenhydraten ist. Sie kann bei manchen Menschen mit Epilepsie helfen, die Anfälle zu kontrollieren.
Erste Hilfe bei einem epileptischen Anfall
Wenn jemand einen epileptischen Anfall hat, ist es wichtig, Ruhe zu bewahren und die Person vor Verletzungen zu schützen. Folgende Maßnahmen können ergriffen werden:
- Sorgen Sie dafür, dass die Person sich nicht verletzen kann. Entfernen Sie Gegenstände in der Umgebung, an denen sie sich stoßen könnte.
- Legen Sie die Person auf den Boden und drehen Sie sie in die stabile Seitenlage, um zu verhindern, dass sie erbricht und daran erstickt.
- Bleiben Sie bei der Person, bis der Anfall vorbei ist und sie wieder vollständig bei Bewusstsein ist.
- Rufen Sie den Notruf, wenn der Anfall länger als fünf Minuten dauert, wenn sich die Person verletzt hat oder wenn es sich um den ersten Anfall handelt.
Leben mit Epilepsie
Epilepsie kann das Leben der Betroffenen und ihrer Familien stark beeinträchtigen. Es ist wichtig, sich über die Erkrankung zu informieren und Unterstützung zu suchen. Es gibt viele Selbsthilfegruppen und Beratungsstellen, die Menschen mit Epilepsie und ihren Angehörigen helfen können.
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