Reflexbogen: Funktion, Aufbau und Bedeutung in der Biologie

Reflexe sind schnelle, unwillkürliche und stets gleich ablaufende Reaktionen auf bestimmte Reize. Sie schützen uns vor Schädigungen und ermöglichen rasche Reaktionen in Gefahrensituationen. Diese automatischen Reaktionen werden durch den Reflexbogen gesteuert, eine neuronale Verbindung zwischen Rezeptor und Effektor. Ärzte nutzen pathologische Reflexe, die bei gesunden Menschen nicht vorkommen, zur Diagnose von Erkrankungen des Nervensystems.

Was sind Reflexe?

Reflexe sind automatische Bewegungen, die durch bestimmte Reize ausgelöst werden - quasi wie ein vorprogrammierter Autopilot unseres Nervensystems. Wenn sich etwas schnell unserem Auge nähert, müssen wir blinzeln. Diese Art von Reaktionen sind Reflexe. Unter einem Reflex verstehen wir eine automatisch und schnell ablaufende Reaktion. Sie kann von uns nicht bewusst gesteuert werden, sondern läuft unwillkürlich ab.

Arten von Reflexen

Reflexe werden in verschiedene Kategorien eingeteilt, darunter unbedingte (angeborene) und bedingte (erlernte) Reflexe.

  • Unbedingte Reflexe: Diese Reflexe sind angeboren und bei Geburt vorhanden. Sie laufen bei allen Individuen gleich ab. Beispiele hierfür sind der Lidschlussreflex oder der Hustenreflex. Angeborene Reflexe sind Fremd- und Eigenreflexe. Zudem gibt es frühkindliche Reflexe, die sich aber im Laufe der Zeit zurückbilden. Bei Säuglingen treten die frühkindlichen Reflexe auf.

  • Bedingte Reflexe: Diese Reflexe entstehen durch Lernen und Erfahrung. Ein bekanntes Beispiel ist der Pawlowsche Hund, der durch Konditionierung auf einen bestimmten Reiz (z.B. Glockenton) mit Speichelfluss reagiert. Hier werden neue Verbindungen zwischen Sinneszellen und Erfolgsorgan geknüpft.

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Innerhalb der unbedingten Reflexe unterscheidet man zudem zwischen Eigenreflexen und Fremdreflexen.

  • Eigenreflexe: Bei Eigenreflexen sind Sinnes- und Erfolgsorgan identisch. Die Wahrnehmung eines Reizes und die anschließende Reaktion werden vom gleichen Organ ausgeführt. Das Rückenmark sendet also ein Signal an das gleiche Organ aus, von dem es auch einen Reiz empfangen hat. Eigenreflexe werden auch als monosynaptische Reflexe bezeichnet, da nur eine Synapse beteiligt ist. Die Muskeleigenreflexe verfolgen typischerweise das Schema eines monosynaptischen Reflexbogens. Ein typisches Beispiel ist der Kniesehnenreflex.

  • Fremdreflexe: Beim Fremdreflex sind Sinnes- und Erfolgsorgan nicht identisch. Die Verschaltung läuft über mehrere Synapsen. Fremdreflexe, Eigenreflexe und bedingte Reflexe - BeispieleIn der folgenden Liste findest du Beispiele für verschiedene Reflexe des Menschen. Es werden in der Tabelle Reflexe eines Neugeborenen bzw. Babys oder frühkindliche Reflexe (Schutzreflexe) übersichtlich dargestellt. Beispiele sind der Lidschlussreflex oder der Hustenreflex.

Der Reflexbogen: Aufbau und Funktion

Der Reflexbogen beschreibt den Weg, den ein Signal von der Wahrnehmung bis zur Reaktion nimmt - wie eine Datenautobahn in unserem Nervensystem. Er ist die Grundlage jeder Reflexreaktion und ermöglicht eine schnelle, unbewusste Antwort auf einen Reiz.

Komponenten des Reflexbogens

Ein typischer Reflexbogen besteht aus den folgenden Komponenten:

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  1. Rezeptor: Eine Sinneszelle (Rezeptor) nimmt einen Reiz (physikalisch oder chemisch) wahr. Chemische oder physikalische Reize treffen auf die Sinneszellen in einem Organ. Definitionsgemäß nennt man diese Sinneszellen Rezeptoren und das Organ Sinnesorgan.

  2. Afferente Nervenbahn (sensorische Nervenfaser): Sie transportiert das elektrische Signal vom Rezeptor zum Zentralnervensystem (ZNS), also zum Rückenmark oder Gehirn. Dann transportieren afferente (hinbringende) Nerven das elektrische Signal zum zentralen Nervensystem - das sind die sensorischen Nervenfasern.

  3. Reflexzentrum: Im Rückenmark findet die Verschaltung und Verarbeitung des Signals statt. Das Rückenmark ist praktisch der Hauptsitz der Reflexschaltung im Körper. Das Rückenmark sendet unmittelbar danach Signale an das die Reaktion ausführende Organ, das sogenannte Erfolgsorgan.

  4. Efferente Nervenbahn (motorische Nervenfaser): Sie leitet das Signal vom Rückenmark zum Erfolgsorgan (Effektor). Schließlich leiten efferente (wegbringende) Nerven das Signal zu den motorischen Zellen weiter. Du nennst sie daher auch efferente Nervenfaser (= vom ZNS wegleitend).

  5. Effektor: Das Erfolgsorgan, meist ein Muskel oder eine Drüse, führt die entsprechende Reaktion aus. Meist sind es Muskelzellen, man spricht in der Biologie von sogenannten Effektoren, und es kommt zur Kontraktion des jeweiligen Muskels.

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Monosynaptischer Reflexbogen

Der monosynaptische Reflexbogen ist die einfachste Form des Reflexbogens. Er besteht aus nur einer Synapse (Kontaktstelle zwischen Nervenzellen) zwischen dem sensorischen und dem motorischen Neuron. Dies ermöglicht eine extrem schnelle Reaktion, da das Signal nicht über viele Schaltstellen geleitet werden muss.

Eigenschaften des monosynaptischen Reflexbogens:

  • Schnelligkeit: Die Reflexantwort erfolgt extrem schnell, oft innerhalb von 20-40 Millisekunden.

  • Einfache Struktur: Der Reflexbogen besteht lediglich aus dem Rezeptor, einem sensorischen Neuron, einer Synapse im Rückenmark und einem motorischen Neuron, das den Effektor ansteuert.

  • Unbewusst: Reflexe erfolgen automatisch und bewusstseinsunabhängig, sind also keine willentlichen Bewegungen.

  • Vorherbestimmt: Jeder monosynaptische Reflex hat eine festgelegte Reaktion auf einen spezifischen Reiz.

Beispiel: Kniesehnenreflex

Ein typisches Beispiel für einen monosynaptischen Reflex ist der Kniesehnenreflex:

  1. Reiz: Ein Schlag auf die Kniesehne unterhalb der Kniescheibe führt zu einer Dehnung des Quadrizepsmuskels.

  2. Rezeptor: Dehnungsrezeptoren (Muskelspindeln) im Muskel erkennen die Dehnung. Eine Muskelspindel ist eine Nervenendigung die durch Dehnreiz aktiviert wird.

  3. Afferente Bahn: Die Erregung wird über die sensible Faser ins Rückenmark abgeleitet.

  4. Verrechnung im ZNS: Im Rückenmark (graue Substanz) wird die Erregung über nur eine Synapse auf die efferente Bahn (Motoneuron) übertragen.

  5. Efferente Bahn: Das Motoneuron leitet die Erregung wieder zum Muskel zurück.

  6. Effektor: Die motorische Endplatte (neuromuskuläre Synapse) erregt den Unterschenkelstreckermuskel.

  7. Reaktion: Der Muskel zieht sich zusammen, was zu einer Streckung des Beins führt. Diese Kontraktion führt zu einem “Vorschnellen” des Unterschenkels.

Polysynaptischer Reflexbogen

Der polysynaptische Reflexbogen ist komplexer als der monosynaptische Reflexbogen und besteht aus mehreren Synapsen und Interneuronen (zwischengeschaltete Nervenzellen). Dies ermöglicht eine umfassendere Verarbeitung der eingehenden Reize und komplexere Reaktionen.

Eigenschaften des polysynaptischen Reflexbogens:

  • Multiple Synapsen: Mehrere neuronale Verbindungen ermöglichen eine größere Informationsverarbeitung.

  • Integrierte Funktionen: Verschiedene sensorische Inputs können kombiniert werden, um eine adäquate Antwort zu erzeugen.

  • Langsame Reaktionszeiten: Die Reaktionsgeschwindigkeit ist etwas langsamer im Vergleich zu monosynaptischen Reflexen, oft im Bereich von 50-100 Millisekunden.

  • Integration im Gehirn: Während die Reflexhandlung hauptsächlich im Rückenmark erfolgt, kann das Gehirn auch in die Entscheidungsfindung einbezogen werden.

Beispiel: Hustenreflex

Ein Beispiel für einen polysynaptischen Reflex ist der Hustenreflex:

  1. Reiz: Fremdkörper oder Reizstoffe in den Atemwegen.

  2. Rezeptor: Rezeptoren in den Atemwegen nehmen den Reiz wahr.

  3. Afferente Bahn: Sensorische Nervenbahnen leiten den Reiz zum Gehirn.

  4. Verrechnung im ZNS: Im Gehirn wird der Reiz verarbeitet und ein Signal zur Auslösung des Hustens generiert.

  5. Efferente Bahn: Motorische Nervenbahnen leiten das Signal zu den Muskeln, die für den Husten verantwortlich sind.

  6. Effektor: Muskeln des Zwerchfells, der Brust und des Abdomens kontrahieren.

  7. Reaktion: Ausstoß von Luft, um die Atemwege von Fremdkörpern zu befreien.

Unterschiede zwischen monosynaptischen und polysynaptischen Reflexbögen

MerkmalMonosynaptischer ReflexbogenPolysynaptischer Reflexbogen
Anzahl der Synapsen1Mehrere
ReaktionsgeschwindigkeitSchnell (20-40 ms)Langsam (50-100 ms)
VerarbeitungDirekt im RückenmarkInvolviert Interneurone, kann Gehirn einbeziehen
BeispielPatellarsehnenreflexFlexorreflex (z.B. bei Schmerzempfindung)

Die Rolle des Reflexbogens im Nervensystem

Der Reflexbogen spielt eine essenzielle Rolle im Nervensystem, indem er schnelle und oft unbewusste Reaktionen auf Reize ermöglicht. Durch die direkte Verbindung zwischen Rezeptoren und Effektoren erlaubt der Reflexbogen, dass der Körper auf gefährliche Situationen reagiert, ohne dass das Gehirn aktiv an der Entscheidung beteiligt ist.

Weitere Funktionen des Reflexbogens

  • Schutz vor Verletzungen: Schnelle Reaktion auf potenzielle Gefahren, wie z.B. das Zurückziehen der Hand von einer heißen Oberfläche. Schutzreflexe verhindern Verletzungen z.B.

  • Aufrechterhaltung der Homöostase: Automatische Reflexe reagieren auf Veränderungen im Inneren des Körpers.

  • Koordination von Bewegungen: Reflexbögen tragen zur Koordination von Bewegungen und posturalen Kontrollreaktionen bei.

Klinische Bedeutung von Reflexen

Die Überprüfung von Reflexen ist ein wichtiger Bestandteil neurologischer Untersuchungen. Abweichungen von normalen Reflexantworten können auf Schädigungen oder Erkrankungen des Nervensystems hinweisen.

  • Gesteigerte Reflexe: Eine starke Reflexbereitschaft kann auf eine Schädigung der oberen Motorneurone hindeuten.

  • Abgeschwächte oder fehlende Reflexe: Dies kann auf eine Schädigung der unteren Motorneurone, der sensorischen Nerven oder der Muskeln hindeuten.

  • Pathologische Reflexe: Das Auftreten von Reflexen, die bei gesunden Erwachsenen nicht vorhanden sind, kann auf bestimmte neurologische Erkrankungen hinweisen (z.B. Babinski-Reflex). Ein Beispiel dafür ist der Babinski-Reflex: das Anziehen des großen Zehs nach Bestreichen der Fußsohle.

Reflexe im Alltag

Reflexe spielen eine entscheidende Rolle in unserem täglichen Leben. Sie ermöglichen uns, schnell auf Umweltreize zu reagieren und uns vor Gefahren zu schützen.

  • Beispiele:
    • Lidschlussreflex: Schützt die Augen vor Fremdkörpern.
    • Hustenreflex: Befreit die Atemwege von Schleim oder Fremdkörpern.
    • Schluckreflex: Verhindert das Eindringen von Nahrung in die Atemwege.
    • Kniesehnenreflex: Hilft bei der Aufrechterhaltung des Gleichgewichts. Der Kniesehnenreflex kommt z.B. zum Einsatz, wenn Sie an einer Treppenstufe (Treppensteigen) hängen bleiben, da Sie die Höhe zu gering eingeschätzt haben oder ein Stein im Weg liegt, an dem Ihr Fuß gestoppt wird. Ohne Nachzudenken schnellt der Unterschenkel nach vorne!

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