Ein erhöhter Hormonwert in Verbindung mit einem Gehirntumor kann verschiedene Ursachen haben. Dieser Artikel beleuchtet die Zusammenhänge, insbesondere im Hinblick auf Hypophysenadenome und Prolaktinome, und bietet einen umfassenden Überblick über Diagnose- und Behandlungsmöglichkeiten.
Einführung
Hirntumoren sind seltene Erkrankungen, die jedoch in jedem Lebensalter auftreten können. Sie entstehen entweder direkt im Gehirngewebe (primäre Hirntumoren) oder als Absiedlungen von Krebszellen aus anderen Körperregionen (Hirnmetastasen). Die Symptome sind vielfältig und hängen von der Größe und Lage des Tumors ab. Eine besondere Gruppe stellen die Hypophysenadenome dar, gutartige Tumoren der Hirnanhangdrüse, die hormonelle Störungen verursachen können.
Die Hirnanhangdrüse (Hypophyse) und ihre Funktion
Die Hypophyse ist eine etwa erbsen- bis kirschkerngroße Drüse im unteren Teil des Gehirns, etwa in der Mitte des Schädels, die eine zentrale Rolle im Hormonhaushalt spielt. Der Vorderlappen der Hypophyse produziert verschiedene Hormone, die die Funktion anderer hormonproduzierender Drüsen wie Schilddrüse, Nebennierenrinde, Eierstöcke und Hoden steuern. Darüber hinaus wirkt die Hypophyse direkt auf den Körper, beispielsweise durch die Produktion von Prolaktin, das für das Brustwachstum in der Schwangerschaft und die Milchproduktion nach der Geburt verantwortlich ist.
Hypophysenadenome: Gutartige Tumoren mit hormonellen Auswirkungen
Hypophysenadenome sind gutartige Tumoren der Hirnanhangdrüse, die etwa 10 bis 15 Prozent aller Hirntumoren ausmachen. Jährlich werden etwa 30 bis 40 Fälle pro eine Million Menschen diagnostiziert. Sie entstehen durch unkontrolliertes Wachstum von Drüsenzellen der Hypophyse, wobei die genauen Ursachen bisher nicht abschließend geklärt sind. Ein möglicher Zusammenhang wird mit dem MEN-1-Syndrom (multiple endokrine Neoplasie) vermutet, einer vererbbaren Erkrankung, die zu krankhaften Veränderungen der Hormondrüsen führt.
Hypophysenadenome werden nach ihrer Größe und hormonellen Aktivität unterschieden:
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- Mikroadenome: Tumoren mit einem Durchmesser von weniger als einem Zentimeter
- Makroadenome: Tumoren mit einem Durchmesser von einem Zentimeter oder mehr
- Hormonaktive Adenome: Tumoren, die Hormone produzieren
- Hormoninaktive Adenome: Tumoren, die keine Hormone produzieren
Prolaktinome: Die häufigste Form hormonaktiver Hypophysenadenome
Prolaktinome sind die häufigste Art von hormonproduzierenden Hypophysenadenomen. Sie entstehen durch unkontrollierte Vermehrung von prolaktinbildenden Zellen in der Hirnanhangsdrüse. Dies führt zu einer übermäßigen Produktion von Prolaktin, was als Hyperprolaktinämie bezeichnet wird.
Ursachen von Prolaktinomen
Die genauen Ursachen für die Entstehung von Prolaktinomen sind unbekannt. In seltenen Fällen treten Hypophysenadenome gehäuft in Familien auf (familiäre isolierte Hypophysenadenome, FIPA) oder im Rahmen der Multiplen endokrinen Neoplasien Typ 1 (MEN1).
Symptome von Prolaktinomen
Die Symptome eines Prolaktinoms hängen von der Prolaktinmenge und der Größe des Tumors ab. Bei Frauen können folgende Symptome auftreten:
- Unregelmäßige oder ausbleibende Menstruation
- Milchiger Ausfluss aus den Brustwarzen außerhalb von Schwangerschaft und Stillzeit
- Unfruchtbarkeit
- Verringerter Sexualtrieb
Bei Männern können folgende Symptome auftreten:
- Verringerter Sexualtrieb
- Erektile Dysfunktion
- Abnahme der Muskelmasse und Knochendichte
- Zunahme des Brustgewebes
Große Prolaktinome können Druck auf benachbarte Gehirnregionen ausüben, insbesondere auf die Sehnervenkreuzung, was zu Gesichtsfeldeinschränkungen und Kopfschmerzen führen kann.
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Diagnose von Prolaktinomen
Die Diagnose eines Prolaktinoms umfasst in der Regel folgende Schritte:
- Blutuntersuchung: Bestimmung des Prolaktinspiegels im Blut. Ein Wert, der um das Zehnfache über dem Normwert liegt, deutet stark auf ein Prolaktinom hin.
- Kernspintomographie (MRT): Bildgebung des Kopfes mit Fokus auf die Hirnanhangdrüse, um den Tumor darzustellen und seine Größe und Lage zu bestimmen.
- Gesichtsfelduntersuchung: Untersuchung beim Augenarzt, um festzustellen, ob der Tumor die Sehnerven beeinträchtigt.
Behandlung von Prolaktinomen
Prolaktinome sind in der Regel gut behandelbar. Die Therapie zielt darauf ab, den Prolaktinspiegel zu senken, die Tumorgröße zu reduzieren und die Symptome zu lindern. Folgende Behandlungsmöglichkeiten stehen zur Verfügung:
- Medikamentöse Therapie: Dopaminagonisten sind Medikamente, die die Wirkung von Dopamin im Körper nachahmen. Sie können das Wachstum von Prolaktinomen aufhalten und den Prolaktinspiegel normalisieren.
- Operation: Eine Operation wird in seltenen Fällen empfohlen, beispielsweise wenn die Medikamente nicht wirken, nicht vertragen werden oder bei Frauen mit Kinderwunsch und großen Prolaktinomen. Der Eingriff erfolgt meist minimal-invasiv durch die Nase.
- Strahlentherapie: Die Strahlentherapie ist eine seltene Option, wenn Medikamente und Operation nicht ausreichend wirken.
Andere Ursachen für erhöhte Hormonwerte bei Gehirntumoren
Neben Prolaktinomen können auch andere Hypophysenadenome oder Tumoren in der Nähe der Hypophyse zu erhöhten Hormonwerten führen. Beispielsweise können Tumoren, die ACTH (adrenocorticotropes Hormon) produzieren, zu einem Morbus Cushing führen, der mit Übergewicht, Vollmondgesicht, Bluthochdruck und anderen Symptomen einhergeht. Tumoren, die Wachstumshormone produzieren, können bei Kindern zu Gigantismus und bei Erwachsenen zu Akromegalie führen.
Hirntumoren allgemein: Symptome, Diagnose und Behandlung
Auch wenn Hypophysenadenome eine spezielle Kategorie darstellen, ist es wichtig, die allgemeinen Aspekte von Hirntumoren zu betrachten.
Symptome von Hirntumoren
Die Symptome von Hirntumoren sind vielfältig und hängen von der Größe, Lage und Wachstumsgeschwindigkeit des Tumors ab. Häufige Symptome sind:
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- Kopfschmerzen, insbesondere morgens
- Übelkeit und Erbrechen
- Neurologische Ausfälle wie Muskellähmungen, Sensibilitätsstörungen oder Sprachstörungen
- Sehstörungen
- Epileptische Anfälle
- Persönlichkeitsveränderungen
Diagnose von Hirntumoren
Die Diagnose von Hirntumoren umfasst in der Regel folgende Schritte:
- Neurologische Untersuchung: Beurteilung der neurologischen Funktionen wie Motorik, Sensibilität, Koordination und Reflexe.
- Bildgebung: Magnetresonanztomographie (MRT) und Computertomographie (CT) des Gehirns, um den Tumor darzustellen und seine Eigenschaften zu beurteilen.
- Biopsie: Entnahme einer Gewebeprobe zur feingeweblichen Untersuchung, um den Tumortyp zu bestimmen.
Behandlung von Hirntumoren
Die Behandlung von Hirntumoren hängt von der Art, Größe, Lage und dem Wachstumsverhalten des Tumors ab. Folgende Behandlungsmöglichkeiten stehen zur Verfügung:
- Operation: Entfernung des Tumors, falls möglich.
- Strahlentherapie: Einsatz von hochenergetischen Strahlen, um Tumorzellen zu zerstören.
- Chemotherapie: Einsatz von Medikamenten, um Tumorzellen abzutöten.
- Zielgerichtete Therapie: Einsatz von Medikamenten, die spezifische Eigenschaften der Tumorzellen angreifen.
Leben mit einem Hirntumor: Rehabilitation und Nachsorge
Auch nach erfolgreicher Behandlung eines Hirntumors ist eine umfassende Nachsorge wichtig. Regelmäßige Kontrolluntersuchungen helfen, ein Wiederauftreten des Tumors frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. Darüber hinaus können supportive Therapien helfen, Beschwerden durch den Tumor oder die Behandlung zu lindern. Eine Rehabilitation kann dazu beitragen, neurologische Ausfälle zu verbessern und die Lebensqualität zu erhalten.
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