Lacosamid ist ein antiepileptischer Wirkstoff, der zur Behandlung von Epilepsie eingesetzt wird. Er stabilisiert die Natriumkanäle und reduziert so die Erregbarkeit der Neuronen. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die Wirkungsweise, Anwendung, Dosierung, Wirksamkeit und Nebenwirkungen von Lacosamid.
Wirkungsweise von Lacosamid
Lacosamid wirkt als selektiver Modulator der spannungsabhängigen Natriumkanäle. Es erhöht die Verfügbarkeit von Kanälen in der inaktiven Konformation. Dadurch verringert der Wirkstoff im Gehirn die unkontrollierte Weiterleitung von elektrischen Signalen in den Nervenzellen. Es bindet selektiv an das Kollapsin-Response-Mediator-Protein 2 (CRMP-2), ein Protein, das an der Ausbildung von Nervenbahnen beteiligt ist. Diese Bindung führt zu einer langsamen Inaktivierung der Natriumkanäle, was die neuronale Erregbarkeit reduziert.
Anwendungsgebiete von Lacosamid
Lacosamid wird zur Behandlung verschiedener Arten von Anfällen eingesetzt:
- Fokale Anfälle: Dies sind Anfälle, die in einem bestimmten Bereich des Gehirns beginnen. Lacosamid wird als Zusatztherapie bei Erwachsenen und Kindern ab einem Alter von 1 Monat mit fokalen Anfällen eingesetzt.
- Generalisierte Anfälle: Dies sind Anfälle, die das gesamte Gehirn betreffen. Lacosamid wurde für den Einsatz bei Kindern mit Epilepsiesyndromen, die mit generalisierten Anfällen einhergehen, untersucht.
- Zusatztherapie bei partiellen Anfällen: Lacosamid ist für die Zusatztherapie bei partiellen Anfällen mit oder ohne sekundäre Generalisierung bei Erwachsenen, Jugendlichen und Kindern ab einem Alter von vier Jahren zugelassen.
Lacosamid kann sowohl als Monotherapie als auch in Kombination mit anderen Antiepileptika verwendet werden. Die Anwendung des Wirkstoffs ist nur bei Epilepsie-Patienten ab 16 Jahren erlaubt.
Verabreichung und Dosierung
Lacosamid ist in verschiedenen Formen erhältlich:
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- Filmtabletten: In verschiedenen Wirkstoffstärken erhältlich (z.B. 100 mg, 200 mg).
- Lösung zum Einnehmen (Sirup): Nützlich für Kinder oder Personen, die Schwierigkeiten beim Schlucken von Tabletten haben.
- Intravenöse (IV) Injektion: Wird in Krankenhäusern eingesetzt, wenn eine orale Verabreichung nicht möglich ist.
Die Dosierung von Lacosamid muss individuell angepasst werden. Die empfohlene Anfangsdosis für Erwachsene und Kinder ab 50 kg beträgt 50 mg zweimal täglich. Die Dosis kann in wöchentlichen Abständen um 50 mg zweimal täglich erhöht werden. Die Gesamtdosis sollte nicht ohne Rücksprache mit einem Arzt oder Apotheker überschritten werden.
- Erwachsene und Kinder ab 50 kg:
- Anfangsdosis: 50 mg zweimal täglich.
- Maximale Dosis bei Monotherapie: 3 Tabletten pro Tag.
- Kinder und Jugendliche unter 50 kg Körpergewicht: Die Dosierung wird vom Arzt entsprechend dem Körpergewicht dosiert.
- Patienten mit Leber- oder Nierenfunktionsstörung: Die Dosis muss in Absprache mit dem Arzt eventuell reduziert oder der Dosierungsabstand verlängert werden.
Die Einnahme erfolgt zweimal täglich im Abstand von 12 Stunden, unabhängig von der Mahlzeit. Die Anwendungsdauer richtet sich nach Art der Beschwerde und/oder Dauer der Erkrankung und wird vom Arzt bestimmt. Prinzipiell ist die Dauer der Anwendung zeitlich nicht begrenzt, das Arzneimittel kann daher längerfristig angewendet werden.
Gegenanzeigen
Lacosamid darf in folgenden Fällen nicht angewendet werden:
- Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Bestandteile.
- Bekannter atrioventrikulärer (AV-)Block 2. oder 3. Grades.
Unter Umständen ist Vorsicht geboten bei:
- Herzerkrankungen, wie Erregungsleitungsstörungen am Herzen, Herzinfarkt in der Vorgeschichte, Herzschwäche.
- Eingeschränkter Nierenfunktion.
- Säuglingen und Kleinkindern unter 2 Jahren.
Während Schwangerschaft und Stillzeit sollte Lacosamid nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung durch den Arzt angewendet werden.
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Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten
Lacosamid kann Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten haben. Besondere Vorsicht ist geboten bei der gleichzeitigen Einnahme von:
- Wirkstoffen, die sich auf den Herzrhythmus auswirken (z.B. Carbamazepin, Lamotrigin, Pregabalin, Antiarrhythmika der Klasse I).
- Substanzen, die die Enzyme hemmen, welche Lacosamid abbauen (z.B. Itraconazol, Ketoconazol, Ritonavir, Clarithromycin).
- Substanzen, die das gleiche Enzymsystem fördern (z.B. Rifampicin, Johanniskraut, andere Antiepileptika wie Carbamazepin, Phenytoin und Phenobarbital).
Informieren Sie Ihren Arzt oder Apotheker über alle Medikamente, die Sie einnehmen, um mögliche Wechselwirkungen zu vermeiden.
Nebenwirkungen
Wie alle Medikamente kann auch Lacosamid Nebenwirkungen haben. Die häufigsten Nebenwirkungen sind:
- Schwindel
- Kopfschmerzen
- Übelkeit
- Doppeltsehen
- Müdigkeit
Weitere mögliche Nebenwirkungen sind:
- Epilepsie mit kleinen Muskelzuckungen
- Störung der Bewegungskoordination
- Gleichgewichtsstörungen
- Gedächtnisstörungen
- Beeinträchtigung der Denkleistung (kognitive Störung)
- Schläfrigkeit
- Zittern
- Taubheitsgefühl
- Gestörte Sprechmotorik
- Aufmerksamkeitsstörungen
- Missempfindungen
- Ohnmachtsanfall
- Störung des Bewegungsablaufs (Dyskinesie)
- Sehstörungen (z.B. verschwommenes Sehen, Augenzittern)
- Ohrengeräusche (Tinnitus)
- Erbrechen
- Verstopfung
- Blähungen
- Magen-Darm-Beschwerden
- Mundtrockenheit
- Durchfall
- Depression
- Verwirrtheit
- Schlaflosigkeit
- Aggression
- Antriebssteigerung
- Euphorische Stimmung
- Psychotische Erkrankungen
- Selbstmordgedanken
- Sinnestäuschung (Halluzination)
- Überempfindlichkeitsreaktionen der Haut (z.B. Juckreiz, Hautausschlag, Angioödem, Nesselausschlag)
- Muskelkrampf
- Gangunsicherheit
- Allgemeine Schwäche
- Reizbarkeit
- Gefühl der Betrunkenheit
- Stürze
- Hautwunden
- Prellung
- Gestörter Herzschlag bei der Überleitung vom Vorhof zur Kammer (AV-Block)
- Langsamer Puls (Bradykardie)
- Herzrhythmusstörung mit stark beschleunigtem Herzschlag im Vorhof (Vorhofflimmern)
- Erhöhte Leberenzymwerte
Bemerken Sie eine Befindlichkeitsstörung oder Veränderung während der Behandlung, wenden Sie sich an Ihren Arzt oder Apotheker.
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Besondere Überlegungen
Bei der Einnahme von Lacosamid gibt es einige wichtige Faktoren zu berücksichtigen:
- Reaktionsvermögen: Das Reaktionsvermögen kann auch bei bestimmungsgemäßem Gebrauch beeinträchtigt sein. Achten Sie vor allem darauf, wenn Sie am Straßenverkehr teilnehmen oder Maschinen bedienen.
- Absetzen: Durch plötzliches Absetzen können Probleme oder Beschwerden auftreten. Deshalb sollte die Behandlung langsam, mit einem schrittweisen Ausschleichen der Dosis, beendet werden.
- Allergien: Vorsicht bei Allergie gegen Farbstoffe (z.B. Indigocarmin mit der E-Nummer E 132).
- Schwangerschaft und Stillzeit: Die Sicherheit von Lacosamid während der Schwangerschaft und Stillzeit ist nicht vollständig geklärt. Besprechen Sie die möglichen Risiken und Vorteile mit Ihrem Arzt.
- Kognitive Auswirkungen: Informieren Sie Ihren Arzt über jegliche Veränderungen im Denken, der Stimmung oder dem Verhalten.
- Herzrhythmusstörungen: Patienten mit Erkrankungen, die Herzrhythmusstörungen auslösen können, sollten besonders auf Symptome wie langsamen, schnellen oder unregelmäßigen Puls, Palpitationen, Kurzatmigkeit, Schwindelgefühl oder Ohnmacht achten und unverzüglich ärztlichen Rat einholen.
Überdosierung
Bei einer Überdosierung kann es unter anderem zu Schwindel und Übelkeit kommen. Setzen Sie sich bei dem Verdacht auf eine Überdosierung umgehend mit einem Arzt in Verbindung. Ein spezifisches Antidot ist nicht bekannt. Die Behandlung erfolgt symptomatisch und unterstützend.
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