Das rheumatische Fieber ist eine entzündliche Erkrankung, die als Folge einer nicht oder unzureichend behandelten Streptokokken-A-Infektion, meist im Rachenraum, auftreten kann. Die Erkrankung kann verschiedene Organe betreffen, darunter Gelenke, Herz, Gehirn und Haut. Ein charakteristisches Symptom ist die Arthritis migrans, eine wandernde Gelenkentzündung. Obwohl das rheumatische Fieber in westlichen Industrienationen selten geworden ist, bleibt es in Entwicklungsländern ein bedeutendes Gesundheitsproblem.
Einführung
Das rheumatische Fieber ist eine entzündliche Reaktion, die durch eine vorangegangene Infektion mit Streptokokken der Gruppe A ausgelöst wird. Die Erkrankung manifestiert sich typischerweise 2-3 Wochen nach einer unbehandelten oder nicht ausreichend behandelten Streptokokken-A-Infektion, wie beispielsweise einer Mandelentzündung. Die Entzündungsprozesse können verschiedene Organe betreffen, was zu einer Vielzahl von Symptomen führt.
Ursachen
Das rheumatische Fieber ist eine Folge einer Immunreaktion auf eine vorausgegangene Infektion mit Streptokokken der Gruppe A. Die genauen Mechanismen, die zu dieser Reaktion führen, sind noch nicht vollständig geklärt, aber es wird angenommen, dass die Antikörper, die der Körper zur Bekämpfung der Streptokokken bildet, fälschlicherweise auch körpereigenes Gewebe angreifen. Dies führt zu Entzündungen in verschiedenen Organen, insbesondere in den Gelenken, dem Herzen, dem Gehirn und der Haut.
Symptome
Die Symptome des rheumatischen Fiebers können vielfältig sein und variieren je nach betroffenem Organ. Zu den häufigsten Symptomen gehören:
- Arthritis migrans: Dies ist eine wandernde Gelenkentzündung, die typischerweise große Gelenke wie Knie, Knöchel, Ellenbogen und Handgelenke betrifft. Die Entzündung kann von einem Gelenk zum nächsten wandern, wobei ein Gelenk abklingt, während ein anderes anschwillt und schmerzt.
- Karditis: Eine Entzündung des Herzens, die zu Herzrhythmusstörungen, Herzinsuffizienz und sogar dauerhaften Herzschäden führen kann.
- Chorea minor: Unwillkürliche, überschießende Bewegungen, die vor allem das Gesicht, die Arme und Beine betreffen.
- Hautveränderungen: Dazu gehören Erythema marginatum (ein nicht juckender, ringförmiger Hautausschlag) und subkutane Knötchen (kleine, schmerzlose Knoten unter der Haut).
- Fieber: Oft begleitet von allgemeiner Schwäche und Abgeschlagenheit.
Arthritis Migrans im Detail
Die Arthritis migrans ist ein charakteristisches Merkmal des rheumatischen Fiebers. Sie äußert sich durch:
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- Wandernde Schmerzen: Die Schmerzen und Entzündungen wandern von einem Gelenk zum anderen.
- Betroffene Gelenke: Meist sind große Gelenke wie Knie und Sprunggelenke betroffen.
- Schmerzintensität: Die Schmerzen können stark sein und die Beweglichkeit einschränken.
- Dauer: Die Entzündung in einem Gelenk dauert in der Regel einige Tage bis Wochen.
Diagnose
Die Diagnose des rheumatischen Fiebers basiert auf den sogenannten Jones-Kriterien, die eine Kombination aus Haupt- und Nebenkriterien umfassen. Zu den Hauptkriterien gehören:
- Karditis
- Arthritis migrans
- Chorea minor
- Erythema marginatum
- Subkutane Knötchen
Zu den Nebenkriterien gehören:
- Fieber
- Arthralgie (Gelenkschmerzen ohne Entzündung)
- Erhöhte Entzündungswerte im Blut (z. B. BSG, CRP)
- Verlängertes PR-Intervall im EKG
Zusätzlich zu den Jones-Kriterien ist ein Nachweis einer vorangegangenen Streptokokken-A-Infektion erforderlich, z. B. durch einen positiven Rachenabstrich oder erhöhte Antistreptolysin-O-Titer (ASL-Titer) im Blut.
Behandlung
Die Behandlung des rheumatischen Fiebers zielt darauf ab, die Entzündung zu reduzieren, die Streptokokken-Infektion zu beseitigen und Komplikationen vorzubeugen. Die Behandlung umfasst in der Regel:
- Antibiotika: Penicillin ist das Mittel der Wahl zur Beseitigung der Streptokokken-Infektion. Bei Penicillinallergie können Erythromycin oder andere Antibiotika eingesetzt werden.
- Entzündungshemmende Medikamente: Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen oder Naproxen werden zur Linderung von Schmerzen und Entzündungen eingesetzt. In schweren Fällen kann Kortison erforderlich sein.
- Bettruhe: Bei Karditis ist Bettruhe wichtig, um das Herz zu entlasten.
- Spezifische Behandlung von Komplikationen: Je nach betroffenem Organ können weitere Maßnahmen erforderlich sein. Bei Herzinsuffizienz können beispielsweise Diuretika und ACE-Hemmer eingesetzt werden.
Langzeitprophylaxe
Nach einer Episode von rheumatischem Fieber ist eine Langzeitprophylaxe mit Penicillin indiziert, um erneuten Streptokokken-Infektionen und damit verbundenen Entzündungsschüben vorzubeugen. Die Dauer der Prophylaxe richtet sich nach dem Schweregrad der Erkrankung und dem Vorliegen einer Karditis. In der Regel wird die Prophylaxe bis zum 21. Lebensjahr oder für mindestens fünf Jahre nach der letzten Episode empfohlen. Bei Patienten mit schwerer Karditis kann eine lebenslange Prophylaxe erforderlich sein.
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Juvenile Idiopathische Arthritis (JIA)
Es ist wichtig, das rheumatische Fieber von anderen rheumatischen Erkrankungen abzugrenzen, insbesondere von der juvenilen idiopathischen Arthritis (JIA), die ebenfalls Gelenkentzündungen bei Kindern verursacht. Im Gegensatz zum rheumatischen Fieber ist die JIA eine chronische Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem fälschlicherweise die Gelenkinnenhaut angreift.
Unterschiede zur JIA
- Ursache: JIA ist eine Autoimmunerkrankung, während das rheumatische Fieber durch eine Streptokokken-Infektion ausgelöst wird.
- Verlauf: JIA ist chronisch, während das rheumatische Fieber in der Regel nach einigen Wochen oder Monaten abklingt.
- Betroffene Organe: JIA kann neben den Gelenken auch andere Organe wie Augen und Haut betreffen, während das rheumatische Fieber vor allem Herz, Gehirn, Gelenke und Haut betrifft.
- Diagnose: Die Diagnose der JIA basiert auf anderen Kriterien als die des rheumatischen Fiebers.
- Behandlung: Die Behandlung der JIA umfasst in der Regel Immunsuppressiva und andere Medikamente, die das Immunsystem beeinflussen, während das rheumatische Fieber mit Antibiotika und Entzündungshemmern behandelt wird.
Andere Ursachen für Gelenkschmerzen
Es ist wichtig zu beachten, dass Gelenkschmerzen viele verschiedene Ursachen haben können, sowohl entzündliche als auch nicht-entzündliche. Zu den häufigsten Ursachen gehören:
- Arthrose: Eine degenerative Gelenkerkrankung, die durch Knorpelabbau gekennzeichnet ist.
- Gicht: Eine Gelenkentzündung, die durch Ablagerung von Harnsäurekristallen in den Gelenken verursacht wird.
- Reaktive Arthritis: Eine Gelenkentzündung, die als Reaktion auf eine Infektion an anderer Stelle im Körper auftritt.
- Rheumatoide Arthritis: Eine chronische Autoimmunerkrankung, die vor allem die Gelenke der kleinen Finger und Zehen angreift.
- Psoriasisarthritis: Eine Gelenkentzündung, die in Zusammenhang mit einer Schuppenflechte auftritt.
- Lyme-Borreliose: Eine bakterielle Infektionskrankheit, die durch Zeckenstiche übertragen wird und zu Gelenkentzündungen führen kann.
- Systemischer Lupus erythematodes (SLE): Eine Autoimmunerkrankung, die Symptome in vielen Organsystemen verursachen kann, einschließlich der Gelenke.
Borreliose als Differentialdiagnose
Die Lyme-Borreliose, übertragen durch Zecken, kann ebenfalls Arthritis verursachen. Im Gegensatz zum rheumatischen Fieber, das durch Streptokokken ausgelöst wird, wird die Lyme-Borreliose durch Borrelien-Bakterien verursacht. Die Lyme-Arthritis manifestiert sich oft als monoartikuläre Arthritis, insbesondere im Kniegelenk. Die Diagnose erfolgt durch den Nachweis von Borrelien-Antikörpern im Blut und gegebenenfalls in der Gelenkflüssigkeit. Die Behandlung erfolgt mit Antibiotika.
Prävention
Die beste Prävention gegen rheumatisches Fieber ist die rechtzeitige und adäquate Behandlung von Streptokokken-A-Infektionen, insbesondere im Rachenraum. Dies umfasst:
- Rachenabstrich bei Halsschmerzen: Bei Verdacht auf eine Streptokokken-Infektion sollte ein Rachenabstrich durchgeführt werden, um die Diagnose zu bestätigen.
- Antibiotikatherapie: Bei positivem Rachenabstrich sollte eine Antibiotikatherapie mit Penicillin oder einem anderen geeigneten Antibiotikum durchgeführt werden.
- Vollständige Einnahme der Antibiotika: Es ist wichtig, die Antibiotika über die gesamte verschriebene Dauer einzunehmen, auch wenn die Symptome bereits abgeklungen sind, um eine vollständige Beseitigung der Streptokokken zu gewährleisten.
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