Einführung
Die Wechseljahre sind eine Lebensphase, die mit vielfältigen körperlichen und seelischen Veränderungen einhergeht. Neben den bekannten Symptomen wie Hitzewallungen und Schlafstörungen klagen viele Frauen auch über Kopfschmerzen oder Migräne. In diesem Zusammenhang rückt der Rotklee (Trifolium pratense) als mögliche natürliche Unterstützung in den Fokus. Dieser Artikel beleuchtet die potenziellen Auswirkungen von Rotklee auf hormonell bedingte Migräne im Kontext der Wechseljahre und gibt einen Überblick über Wirkung, Anwendung und mögliche Risiken.
Was ist Rotklee?
Rotklee, auch Wiesenklee genannt, ist eine Pflanze aus der Familie der Schmetterlingsblütler. Er ist in Europa, Asien und Nordafrika beheimatet und wird heute in vielen weiteren Regionen angebaut. Rotklee bevorzugt sonnige Wiesen, Wegränder und Weideflächen mit durchlässigem Boden. Die krautige Pflanze erreicht eine Wuchshöhe von bis zu 40 Zentimetern und ist leicht an ihren rundlichen, purpurfarbenen Blütenköpfen zu erkennen, die in dichter Form zusammenstehen.
Traditionelle Nutzung und Inhaltsstoffe
In der traditionellen Heilkunde wurde Rotklee bereits im Mittelalter genutzt, unter anderem erwähnt von Hildegard von Bingen. Die Pflanze fand in verschiedenen Formen Anwendung, etwa als Tee, Umschlag oder Tinktur. Seine große Bekanntheit heute verdankt er seinen Isoflavonen und deren Wirkung auf das weibliche Hormonsystem.
Im Mittelpunkt des Interesses stehen die sogenannten Isoflavone - sekundäre Pflanzenstoffe, die dem menschlichen Hormon Östrogen in ihrer chemischen Struktur ähneln. Diese Isoflavone gehören zur Gruppe der Phytoöstrogene - pflanzlichen Substanzen, die aufgrund ihrer chemischen Struktur an menschliche Östrogenrezeptoren binden können. Diese strukturelle Ähnlichkeit zum körpereigenen Östrogen ermöglicht es ihnen, hormonähnliche Wirkungen im Körper zu entfalten.
Rotklee und die Wechseljahre
Die Wechseljahre markieren eine Zeit der hormonellen Umstellung im Leben einer Frau. Ab etwa Mitte vierzig nimmt die Hormonproduktion langsam ab ("Prämenopause"). Die monatlichen Blutungen werden unregelmäßig und bleiben irgendwann ganz aus. Dieser Zeitpunkt der letzten Blutung wird als Menopause bezeichnet. Spätestens dann kann eine Frau nicht mehr schwanger werden. Die hormonellen Veränderungen beginnen in der Regel zwischen Mitte vierzig und Mitte fünfzig und können mehrere Jahre andauern.
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Hormonelle Veränderungen und ihre Auswirkungen
Während der Östrogengehalt im Körper in den Wechseljahren zurückgeht, bleiben die Östrogen-Rezeptoren erhalten. Dies sind die Bindungsstellen, an denen Östrogene ihre Wirkung entfalten. Doch nicht nur Östrogene binden an Östrogen-Rezeptoren, auch Naturstoffe wie die Isoflavone aus dem Rotklee. Dafür verantwortlich ist ihre Struktur: Sie gleicht der körpereigener Östrogene.
Der sinkende Östrogenspiegel kann vielfältige Beschwerden verursachen, darunter Hitzewallungen, Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen und auch Kopfschmerzen oder Migräne.
Rotklee als natürliche Unterstützung
In den Wechseljahren könnten Rotklee-Isoflavone bei Östrogenmangel hilfreich sein, wie bisherige Studien vermuten lassen. Im Knochenmark sollen sie demzufolge der Abnahme der Knochendichte entgegenwirken. Im Gehirn scheinen sie der Abnahme des Botenstoffs Serotonin entgegenzuwirken. Die Abnahme von Serotonin geht nicht selten mit depressiver Verstimmung, Schlafstörungen, Schweißausbrüchen oder Hitzewallungen einher. In klinischen Studien zeigte sich auch eine Wirkung bei wechseljahresbedingter sexueller Unlust, Gewichtszunahme und erhöhten Blutfettwerten. Aufgrund dieser positiven Eigenschaften sind Rotklee-Isoflavone mittlerweile in der ärztlichen S3-Leitlinie „Peri- und Postmenopause - Diagnostik und Interventionen“ erwähnt.
Rotklee und hormonelle Migräne
Kopfschmerzen in den Wechseljahren könnten auf die Druckveränderungen im Kopf zurückzuführen sein. Diese entstehen, wenn die weiblichen Hormone Progestoren und Östrogen aus dem Gleichgewicht geraten. Insbesondere bei einem Östrogenabfall und der damit verbundenen Gefäßverengung kann der Kopf ordentlich brummen.
Wie Rotklee wirken kann
Für die heilsame Rotklee-Wirkung sollen in erster Linie die enthaltenen Isoflavone (wie Daidzein und Genistein) verantwortlich sein. Diese sekundären Pflanzenstoffe ähneln den Östrogenen (genauer: dem Östradiol). Sie können deshalb an Bindungsstellen (Rezeptoren) für Östrogene im Inneren von Körperzellen andocken. Deshalb nennt man Isoflavone auch „pflanzliche Östrogene“ (Phytoöstrogene) und setzt sie bei Beschwerden infolge von Östrogenmangel ein.
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Treffender ist aber die Bezeichnung „selektive Estrogen-Rezeptor-Modulatoren“ (SERM). Isoflavone binden nämlich nicht an alle Östrogen-Rezeptoren, sondern fast ausschließlich an jene vom Typ Beta (ER-β). Nach dem Andocken können Isoflavone wie die „echten“ Östrogene wirken - wenn auch deutlich schwächer. In hoher Dosierung haben sie allerdings einen anti-östrogenen Effekt: Dann nehmen Isoflavone den stärker wirksamen Östrogenen den Platz an den Rezeptoren weg.
Wissenschaftliche Erkenntnisse
Ob Phytoöstrogene wie Rotklee-Isoflavone bei Frauen in den Wechseljahren tatsächlich Hitzewallungen verringern können, lässt sich nicht mit Sicherheit sagen. Die Studienlage ist hier nicht eindeutig. Beispielsweise hat sich in manchen Studien eine tägliche Zufuhr von mehr als 30 Milligramm Isoflavonen als wirksam erwiesen, in anderen aber nicht.
Das Fazit der aktuellen Leitlinie zur Peri- und Postmenopause: Rotklee beziehungsweise Isoflavone (30 bis 80 mg pro Tag) einschließlich phytoöstrogenreicher Ernährung haben einen möglichen Nutzen gegen Hitzewallungen in den Wechseljahren. Gleichzeitig ist das Risiko, dass die Zufuhr schadet, gering.
Anwendung von Rotklee
Zu heilkundlichen Zwecken kommen meist Fertigpräparate mit Rotklee (z.B. Kapseln) zur Anwendung. Diese Nahrungsergänzungsmittel enthalten Extrakte der Heilpflanze mit einem standardisierten Gehalt an Isoflavonen. Wie man sie richtig dosiert und anwendet, entnehmen Sie den beigefügten Informationen.
Darreichungsformen
Rotklee kann in verschiedenen Darreichungsformen eingenommen oder äußerlich angewendet werden. Die Wahl hängt vom individuellen Anwendungsziel sowie von persönlichen Vorlieben ab.
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- Rotklee-Tee: Eine der ältesten Formen der Anwendung ist der Rotklee-Tee. Dafür werden etwa 1-2 Teelöffel getrocknete Blüten mit 250 ml heißem Wasser übergossen. Die Ziehzeit beträgt rund 10 Minuten. Die Wirkstoffkonzentration ist relativ gering, daher eignet sich diese Form eher als begleitende Maßnahme.
- Kapseln und Tabletten: In Apotheken und Reformhäusern sind standardisierte Rotklee-Präparate in Kapselform erhältlich. Diese enthalten meist zwischen 40 und 80 mg Isoflavone pro Tagesdosis und ermöglichen eine gezielte und konstante Zufuhr.
- Flüssige Extrakte und Tinkturen: Rotklee ist in verschiedenen flüssigen Zubereitungen erhältlich, darunter alkoholische Tinkturen oder wässrige Extrakte. Wichtig ist hierbei die standardisierte Isoflavon-Konzentration und die Wahl eines Verfahrens, das eine möglichst hohe Bioverfügbarkeit der Wirkstoffe gewährleistet.
- Äußerliche Anwendung: Rotklee wird in der Naturkosmetik zunehmend eingesetzt - etwa in Cremes, Lotionen oder Badezusätzen.
Dosierung und Einnahme
Die Einnahme von Rotklee Kapseln sollte gemäß den Anweisungen auf der Packungsbeilage oder nach Rücksprache mit einem Arzt oder Apotheker erfolgen. Üblicherweise werden die Kapseln mit ausreichend Wasser zu einer Mahlzeit eingenommen.
Mögliche Nebenwirkungen und Risiken
Rotklee ist im Allgemeinen gut verträglich. Manche Menschen berichten allerdings von leichten Nebenwirkungen (auch schon bei niedrigeren Dosierungen). Dazu zählen beispielsweise Kopf-, Muskel- und Gelenkschmerzen, empfindliche Brüste, Magen-Darm-Probleme (wie Durchfall, Verstopfung), Benommenheit, Schwindel, erhöhter Blutdruck, Hautausschlag, Juckreiz, Halsschmerzen und Harnwegsinfekte.
Besondere Vorsichtshinweise
Frauen mit oder nach einer östrogenabhängigen Krebserkrankung der Brust oder der Gebärmutter sowie einem erhöhten Risiko für diese Erkrankungen dürfen Rotklee-Präparate oder Teezubereitungen aus Rotklee und sonstige Zubereitungen nur nach ärztlicher Rücksprache einnehmen. Ebenfalls ärztliche Rücksprache vor der Einnahme sollten Frauen halten, die sich unsicher sind, ob bei ihnen ein erhöhtes Risiko für eine östrogenabhängige Krebserkrankung besteht.
Auch Schwangere, stillende Frauen und Personen mit Allergien gegen Hülsenfrüchte sollten vor der Einnahme von Rotklee einen Arzt konsultieren.
Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten
Rotklee Kapseln können Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten haben, insbesondere mit solchen, die den Hormonhaushalt beeinflussen. Es ist wichtig, vor der Einnahme von Rotklee Kapseln den Arzt über alle aktuellen Medikamente zu informieren.
Die Isoflavone im Rotklee können nämlich bestimmte Enzyme im Körper hemmen - und damit den Abbau von Medikamenten, an dem diese Enzyme beteiligt sind. Auch Wechselwirkungen mit anderen Substanzen (wie Nahrungsergänzungsmitteln) sind theoretisch möglich.
Weitere Maßnahmen bei hormoneller Migräne in den Wechseljahren
Neben der Einnahme von Rotklee gibt es weitere Maßnahmen, die bei hormoneller Migräne in den Wechseljahren helfen können:
- Stressmanagement: Stress ist ein häufiger Auslöser für Migräneattacken. Entspannungstechniken wie Progressive Muskelentspannung, Autogenes Training oder Meditation können helfen, Stress abzubauen.
- Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst und Vollkornprodukten kann sich positiv auf den Hormonhaushalt und die Migränefrequenz auswirken. Histaminhaltige Nahrungsmittel wie Rotwein, gereifter Käse und Tomaten sollten gemieden werden.
- Bewegung: Regelmäßiger Ausdauersport kann die Endorphinausschüttung fördern und die Schmerzwahrnehmung reduzieren.
- Magnesium: Eine ausreichende Versorgung mit Magnesium kann krampflösend wirken und vor Migräneattacken schützen.
- Migräne-Tagebuch: Das Führen eines Migräne-Tagebuchs kann helfen, individuelle Triggerfaktoren zu identifizieren und zu meiden.
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