Hormonelle Störungen im Gehirn: Ursachen, Symptome und Behandlungsmöglichkeiten

Hormonelle Störungen im Gehirn können vielfältige Ursachen haben und sich durch ein breites Spektrum an Symptomen äußern. Da das Gehirn eine zentrale Rolle bei der Steuerung des Hormonhaushaltes spielt, können Störungen in diesem Bereich weitreichende Auswirkungen auf Körper und Psyche haben.

Die Rolle des Gehirns im Hormonhaushalt

Der Hypothalamus und die Hypophyse bilden eine funktionelle Einheit, die eine Schlüsselrolle bei der Steuerung des Hormonsystems spielt. Der Hypothalamus, ein Teil des Zwischenhirns, empfängt Informationen aus verschiedenen Bereichen des Körpers und des Nervensystems. Er fungiert als Vermittler zwischen dem Hormon- und Nervensystem und reguliert wichtige Körperfunktionen wie Körpertemperatur, Schlaf-Wach-Rhythmus, Hunger, Durst, Sexualtrieb und Schmerzempfinden.

Die Hypophyse, auch Hirnanhangsdrüse genannt, ist eine kleine Drüse an der Schädelbasis, die über einen Stiel mit dem Hypothalamus verbunden ist. Sie empfängt Signale vom Hypothalamus und schüttet daraufhin Hormone aus, die die Freisetzung weiterer Hormone in anderen Drüsen wie Schilddrüse, Nebennieren, Eierstöcke und Hoden steuern.

Ursachen hormoneller Störungen im Gehirn

Verschiedene Faktoren können zu hormonellen Störungen im Gehirn führen. Die häufigsten Ursachen sind:

Hypophysentumore

Die häufigste Ursache für eine Funktionsstörung der Hypophyse im Erwachsenenalter ist der Hypophysentumor. Meist handelt es sich dabei um sogenannte Adenome (gutartige Wucherung von Drüsengewebe). Diese Tumoren können die Hormonproduktion der Hypophyse beeinträchtigen und entweder zu einer Überproduktion oder zu einer Unterproduktion von Hormonen führen.

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  • Hormonaktive Adenome: Diese Adenome produzieren selbst Hormone und führen so zu einem Hormonüberschuss. Je nachdem, welches Hormon betroffen ist, können unterschiedliche Krankheitsbilder entstehen:
    • Corticotropin (ACTH)-produzierende Adenome: Eine vermehrte Produktion von ACTH führt in den Nebennieren zu einer vermehrten Produktion von Cortisol, was das Krankheitsbild des Morbus Cushing auslöst. Typische Symptome sind „Vollmondgesicht“, „Stiernacken“, Akne, ungewollte Gewichtszunahme, Depressionen, Wassereinlagerungen, Muskelschwäche und Knochenabbau.
    • Prolaktin-freisetzende Adenome (Prolaktinome): Diese Adenome führen zu einer vermehrten Produktion von Prolaktin. Bei Frauen kann dies zu einem Ausbleiben der Regelblutung (Amenorrhoe) und Milchfluss aus der Brust (Galaktorrhoe) führen.
    • Wachstumshormon-produzierende Adenome: Eine überschießende Wachstumshormonsekretion führt zum Krankheitsbild der Akromegalie. Im Erwachsenenalter kommt es hierdurch zu einem Wachstum von Händen und Füßen, sowie Kinn, Nase und Kiefer. Problematisch ist eine Vergrößerung der inneren Organe.
  • Hormoninaktive Adenome: Diese Adenome produzieren keine Hormone, können aber durch ihre Größe Druck auf das umliegende Hypophysengewebe ausüben und so zu einer Unterversorgung des Körpers mit Hormonen führen. Dies kann bis zu einer kompletten Hypophyseninsuffizienz (Ausfall der Wachstumshormonproduktion, Ausfall der Geschlechtshormone, Ausfall der Schilddrüsenhormone und Ausfall der Stresshormone) führen.

Andere Erkrankungen und Faktoren

Neben Hypophysenadenomen können auch andere Erkrankungen und Faktoren zu hormonellen Störungen im Gehirn führen:

  • Bösartige Tumoren und Metastasen: In sehr seltenen Fällen können bösartige Tumoren oder Absiedlungen bösartiger Tumoren die Hormonbildung stören.
  • Andere Erkrankungen: Verschiedene Erkrankungen, wie z.B. Entzündungen, Autoimmunerkrankungen oder Durchblutungsstörungen, können zu einem Ausfall der Hormonproduktion führen.
  • Genetische Erkrankungen: Seltene genetische Erkrankungen wie das Kallmann-Syndrom können zu einer Störung der Hormonbildung führen.
  • Traumata: Schädel-Hirn-Traumata können die Hypophyse oder den Hypothalamus schädigen und so zu hormonellen Störungen führen.
  • Psychische Belastungen: Psychische Belastungen wie Stress, Depressionen oder Essstörungen können den Hormonhaushalt im Hypothalamus beeinflussen und zu einer reduzierten Ausschüttung von GnRH (Gonadotropin-Releasing-Hormon) führen.
  • Medikamente: Einige Medikamente können den Hormonhaushalt beeinflussen und zu hormonellen Störungen führen.
  • Umwelteinflüsse: Schadstoffe aus der Umwelt wie Pestizide, Weichmacher und Parabene können in das Hormonsystem eingreifen und den Stoffwechsel beeinträchtigen.

Symptome hormoneller Störungen im Gehirn

Die Symptome hormoneller Störungen im Gehirn sind vielfältig und hängen davon ab, welche Hormone betroffen sind und in welchem Ausmaß die Störung vorliegt. Einige typische Symptome sind:

  • Allgemeine Symptome:
    • Müdigkeit, Abgeschlagenheit und Antriebsschwäche
    • Gewichtsschwankungen
    • Schlafstörungen
    • Kopfschmerzen
    • Sehstörungen
    • Schwindel
  • Symptome im Zusammenhang mit Geschlechtshormonen:
    • Zyklusunregelmäßigkeiten bei Frauen
    • Ausbleiben der Regelblutung (Amenorrhoe)
    • Milchfluss aus der Brust (Galaktorrhoe)
    • Impotenz bei Männern
    • Triebverlust und nachlassende sexuelle Erregbarkeit
    • Unfruchtbarkeit
  • Symptome im Zusammenhang mit Wachstumshormonen:
    • Vergrößerung von Händen und Füßen (Akromegalie)
    • Vergrößerung von Kinn, Nase und Kiefer
    • Riesenwuchs bei Kindern
  • Symptome im Zusammenhang mit Stresshormonen:
    • Morbus Cushing (Vollmondgesicht, Stiernacken, Akne, Gewichtszunahme)
    • Muskelschwäche
    • Knochenabbau
  • Psychische Symptome:
    • Depressionen
    • Stimmungsschwankungen
    • Erhöhte Reizbarkeit
    • Angstzustände
    • Gedächtnisstörungen
  • Weitere Symptome:
    • Verdauungsprobleme
    • Unreine Haut
    • Haarausfall
    • Knochenschwund (Osteoporose)
    • Diabetes insipidus (vermehrte Harnausscheidung aufgrund eines Mangels an Vasopressin)

Diagnose hormoneller Störungen im Gehirn

Die Diagnose hormoneller Störungen im Gehirn erfordert eine sorgfältige Anamnese, körperliche Untersuchung und verschiedene diagnostische Tests. Zu den wichtigsten diagnostischen Maßnahmen gehören:

  • Anamnese: Der Arzt erfragt die Krankengeschichte des Patienten, einschließlich der aktuellen Beschwerden,Vorerkrankungen, Medikamenteneinnahme und familiären Vorbelastung.
  • Körperliche Untersuchung: Der Arzt führt eine allgemeine körperliche Untersuchung durch, um mögliche körperliche Anzeichen einer hormonellen Störung zu erkennen.
  • Hormonuntersuchungen im Blut: Im Blut werden die Konzentrationen verschiedener Hormone bestimmt, um festzustellen, ob ein Hormonmangel oder ein Hormonüberschuss vorliegt. Da die Hormonspiegel tages- und zyklusabhängigen Schwankungen unterliegen, ist es wichtig, den Zeitpunkt der Blutentnahme entsprechend zu berücksichtigen.
  • Hormonstimulationstests: Diese Tests werden durchgeführt, um die Funktion der Hypophyse und anderer hormonproduzierender Drüsen zu überprüfen. Dabei werden bestimmte Hormone verabreicht und anschließend die Reaktion des Körpers gemessen.
  • Bildgebende Verfahren: Bildgebende Verfahren wie Magnetresonanztomographie (MRT) oder Computertomographie (CT) werden eingesetzt, um die Hypophyse und den Hypothalamus darzustellen und mögliche Tumoren oder andere strukturelle Veränderungen zu erkennen.
  • Augenärztliche Untersuchung: Eine augenärztliche Untersuchung ist wichtig, um mögliche Sehstörungen aufgrund von Druck auf die Sehnervenkreuzung zu erkennen.

Behandlung hormoneller Störungen im Gehirn

Die Behandlung hormoneller Störungen im Gehirn richtet sich nach der Ursache und dem Ausmaß der Störung. Zu den wichtigsten Behandlungsoptionen gehören:

  • Medikamentöse Therapie:
    • Hormonersatztherapie: Bei einem Hormonmangel können die fehlenden Hormone durch Medikamente ersetzt werden. Beispielsweise können Schilddrüsenhormone, Geschlechtshormone oder Cortisol ersetzt werden.
    • Medikamente zur Hemmung der Hormonproduktion: Bei einem Hormonüberschuss können Medikamente eingesetzt werden, um die Hormonproduktion zu hemmen. Beispielsweise können Prolaktinome mit Medikamenten behandelt werden, die die Prolaktinproduktion senken.
  • Chirurgische Therapie: Hypophysentumore können in der Regel operativ entfernt werden. Die Operation erfolgt meist durch die Nase (transsphenoidale Operation).
  • Strahlentherapie: In einigen Fällen kann eine Strahlentherapie eingesetzt werden, um Hypophysentumore zu verkleinern oder zu zerstören.
  • Psychologische Therapie: Bei hormonellen Störungen, die durch psychische Belastungen verursacht oder verstärkt werden, kann eine psychologische Therapie hilfreich sein.
  • Lifestyle-Änderungen: Eine gesunde Lebensweise mit ausgewogener Ernährung, ausreichend Bewegung, Stressmanagement und ausreichend Schlaf kann den Hormonhaushalt positiv beeinflussen.

Hormonelle Störungen beim Mann

Hormonelle Störungen betreffen nicht nur Frauen, sondern auch Männer. Ein häufiges Problem ist der Testosteronmangel (Hypogonadismus), der sich durch Müdigkeit, Energielosigkeit, depressive Verstimmungen, Triebverlust, abnehmende Muskelkraft und Knochenschwund äußern kann. Die Diagnose erfolgt in der Regel anhand einer Anamnese, körperlichen Untersuchung und Bluttests. Die Behandlung kann eine Umstellung der Lebensgewohnheiten (Bewegung, Ernährung, Stressabbau, ausreichend Schlaf) oder eine Testosteronersatztherapie umfassen.

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