Botenstoffe und Migräneursachen: Ein umfassender Überblick

Migräne ist eine komplexe neurologische Erkrankung, von der allein in Deutschland etwa 10 Millionen Menschen betroffen sind[1]. Sie äußert sich nicht nur in Kopfschmerzen, sondern kann auch von Begleiterscheinungen wie Übelkeit, Lichtempfindlichkeit und in manchen Fällen von einer sogenannten Aura begleitet sein. Die Forschung hat in den letzten Jahrzehnten erhebliche Fortschritte im Verständnis der Entstehung und der Mechanismen von Migräne erzielt. Dieser Artikel beleuchtet die Rolle von Botenstoffen bei Migräne und die vielfältigen Ursachen und Auslöser, die zu einer Attacke führen können.

Was ist Migräne?

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die durch eine Fehlfunktion in der Schmerzverarbeitung des Gehirns ausgelöst wird. Bei einer Migräne-Attacke treten typischerweise starke, pulsierende Kopfschmerzen meist auf nur einer Seite des Kopfes auf. Sie verschlimmern sich bei körperlicher Bewegung. Häufig treten Begleitsymptome wie Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen oder eine erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Licht und Geräuschen auf. In manchen Fällen geht der Migräne eine sogenannte Aura voraus, die etwa Sehstörungen und weitere Symptome umfassen kann.

Die Attacken treten besonders oft zwischen dem 20. und dem 50. Lebensjahr auf. In dieser Lebensphase sind Frauen bis zu dreimal häufiger betroffen als Männer. Dieser Unterschied zwischen beiden Geschlechtern ist mit circa 30 Jahren am größten. Bereits Kinder können an Migräne leiden, typisch ist aber ein erstes Auftreten nach der Pubertät. Jungen und Mädchen sind in etwa gleich häufig betroffen. In der Regel haben Betroffene nur an manchen Tagen Kopfschmerz-Attacken, sind an den meisten Tagen im Monat aber schmerzfrei.

Die Rolle von Botenstoffen bei Migräne

Welche Vorgänge im Gehirn die typischen Migränekopfschmerzen bewirken, ist nicht bis ins Detail geklärt. Diskutiert werden die Rolle von Botenstoffen, ein veränderter Blutfluss im Gehirn sowie entzündungsähnliche Prozesse. Vermutlich wirken verschiedene Dinge zusammen. Auf jeden Fall spielen erbliche Faktoren eine Rolle.

Bei einer Migräne ist der Hirnstamm besonders empfindlich und überreizt. Ähnlich wie eine falsch eingestellte Alarmanlage, die schon bei kleinsten Reizen losgeht. Spezielle Nerven werden aktiv, die in der Nähe der Blutgefäße im Gehirn verlaufen. Sie setzen Stoffe frei, die Entzündungen auslösen, beispielsweise den Botenstoff CGRP (Calcitonin Gene-Related Peptid). Das führt dazu, dass sich die Blutgefäße erweitern und in der Folge der typische Migräneschmerz entsteht. Eine Schlüsselrolle in diesem Gehirn-Unwetter spielt der Gesichtsnerv, der Nervus trigeminus.

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Während eines Migräneanfalls werden schmerzvermittelnde Botenstoffe, sogenannte Neurotransmitter, wie Serotonin und CGRP (Calcitonin-Gen-Related Peptide) freigesetzt. Diese Stoffe führen zu einer Entzündungsreaktion an den Blutgefäßen der Hirnhäute, was die typischen pulsierenden Kopfschmerzen verursacht. Zudem kann es zu einer wellenförmigen Hemmung der Nervenzellenaktivität kommen, wodurch Aura-Symptome ausgelöst werden.

Die Botenstoffe des Gehirns (Neurotransmitter) sind chemische Substanzen, die u.a. Nervensignale weiterleiten, die Ausdehnung oder Verengung der Blutgefäße steuern und Schmerzsignale auslösen. Von allen Botenstoffen spielt das Serotonin bei der Entstehung der Migräne eine besondere Rolle. Die Konzentration von Serotonin im Blut schwankt mit dem weiblichen Zyklus. Dies erklärt u.a. das Auftreten von Migräneattacken während des Zyklus.

CGRP: Ein Schlüsselbotenstoff bei Migräne

Was die Ursache für Migräne angeht, steht seit einiger Zeit der Botenstoff Calcitonin Gene-Related Peptide (CGRP) im Verdacht, eine wichtige Rolle zu spielen. CGRP befindet sich im gesamten Nervensystem, also auch in Gehirn und Rückenmark. Es gibt bestimmte anatomische Strukturen im Gehirn, die mit der Migräne-Entstehung in Verbindung stehen und in denen sich auch CGRP und CGRP-Rezeptoren befinden. In mehreren Studien kristallisierte sich heraus, dass CGRP für die Weiterleitung von Schmerzsignalen während einer Migräne-Attacke verantwortlich zu sein scheint. Wissenschaftler konnten bei Migräne-Patienten einen erhöhten CGRP-Spiegel beobachten, sobald sich eine Schmerzattacke anbahnte.

Der Wirkstoff Parthenolid in Mutterkraut hemmt die Freisetzung des entzündlichen Botenstoffs CGRP. Dieser Stoff ist mitverantwortlich für die Erweiterung der Blutgefäße und die Entstehung der Migräneschmerzen. Durch regelmäßige Einnahme von Mutterkraut kann die Anfallshäufigkeit reduziert werden, wodurch Betroffene seltener zu Schmerzmitteln greifen müssen.

Serotonin: Ein weiterer wichtiger Botenstoff

Die übermäßig freigesetzten Botenstoffe können eine Art Dämpfung von manchen Nervenzellen im Gehirn auslösen. Das bewirkt eine lokale schlechtere Durchblutung, die Nervenzellen im Gehirn können nicht mehr richtig arbeiten. Die Folgen davon sind die typischen Aura-Symptome, die du vielleicht kennst. (z. B. Kribbeln in den Fingerspitzen).

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Neurogene Entzündung

Durch die Dämpfung der Nervenzellen kommt es zu einer Störung im Gehirn. Schmerzzellen werden angeregt und es entsteht eine Art Entzündungsreaktion in den Blutgefäßen der Hirnhaut. Diese Entzündungsreaktion ruft den Kopfschmerz hervor, der sich über den ganzen Kopf ausbreiten kann.

Ursachen und Auslöser der Migräne

Obwohl die genauen Ursachen der Migräne noch nicht vollständig geklärt sind, gibt es eine Reihe von Faktoren, die eine Attacke auslösen können. Die sogenannten Trigger, die eine Migräne auslösen können, sind sehr individuell. Etwa drei Viertel aller Migräne-Patienten beschreiben einen Zusammenhang zwischen bestimmten Trigger-Faktoren wie Stress, Halswirbelsäule-Blockaden oder dem Genuss von Lebensmitteln und ihren Kopfschmerzattacken. Aber Vorsicht: Bei diesen Auslösern handelt es sich nicht um die Ursache für Migräne, sondern um Faktoren, die eine Attacke „anstoßen“ können.

Jeder Migräne-Patient kann durch Selbstbeobachtung und konsequente Führung eines Kopfschmerz-Tagebuchs/Kalenders seine verschiedenen, persönlichen Auslöser ermitteln.

Häufig berichten Betroffene von folgenden Triggern:

  • Stress: Besonders bei unregelmäßigem Tagesablauf, emotionalem Stress oder auch nach einer anstrengenden, stressigen Zeit treten Migräneanfälle auf. Migräne durch Stress kommt bei etwa 80 Prozent der Betroffenen infrage.

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  • Schlafmangel: Zu wenig Schlaf oder ein unregelmäßiger Schlafrhythmus erhöhen das Risiko.

  • Flüssigkeitsmangel: Häufig beginnen Migräneanfälle, wenn zu wenig getrunken wurde.

  • Hormonelle Schwankungen: Viele Frauen berichten von Migräneanfällen kurz vor und während der Menstruation. Auch eine Migräne in der Schwangerschaft oder den Wechseljahren aufgrund von einschneidenden Veränderungen im Hormonhaushalt der Frau ist denkbar. Die Konzentration von Serotonin im Blut schwankt mit dem weiblichen Zyklus. Dies erklärt u.a. das Auftreten von Migräneattacken während des Zyklus.

  • Ernährung: Bestimmte Lebensmittel gelten als Auslöser, wie zum Beispiel Rotwein. Aber auch der Verzicht auf Lebensmittel kann Anfälle triggern. So kann beispielsweise Fasten Migräne fördern. „Insbesondere der Konsum von fermentierten Lebensmitteln kann die Neigung zu weiteren Migräneattacken fördern“, erklärt Max Nedelmann. „Gereifter Käse, Alkohol und Schokolade können Migräneattacken auslösen. Daher sollten Migränepatienten diese Produkte gegebenenfalls meiden. Ich empfehle meinen Patienten ein Ernährungstagebuch. So kann jeder seine eigenen Essgewohnheiten dokumentieren und langfristig feststellen, welche Nahrungsmittel die Migräneattacken wahrscheinlich befeuern.“ Etwa 20 Prozent aller Migräne-Patienten machen bestimmte Nahrungsmittel als Auslöser aus.

  • Wetter und Reizüberflutung: Migräne kann außerdem durch Überflutung mit Licht- und Lärmreizen ausgelöst werden. Auch Wetter- und Höhenveränderungen (Föhn, Kälte etc.) können Migräne begünstigen. Abrupte Reizveränderungen können Migräne auslösen, weil sie das empfindliche Gleichgewicht im Gehirn und im Nervensystem stören können, das bei Migräne-Betroffenen bereits anfälliger für Überreaktionen ist. Das neurologische Gleichgewicht im Gehirn wird aus der Balance gebracht. Plötzliche und intensive Reize können Stressreaktionen im Körper auslösen, die bei Migräne-Betroffenen ein bekannter Auslöser für Anfälle sind.

  • Veränderung des gewohnten Tagesrhythmus: Am Wochenende spät ins Bett? Und am nächsten Morgen Kopfschmerzen? Dann handelt es sich womöglich um Migräne wegen Schlafmangel. Wird der gewohnte Schlafrhythmus und Tagesablauf nicht beibehalten, reagieren manche Patienten mit starken Schmerzen.

  • Weitere Faktoren: Starke Emotionen, z.B. ausgeprägte Freude, tiefe Trauer, heftige Schreckreaktion, Angst, Medikamente, verqualmte Räume.

Genetische Veranlagung

Viele Migränepatienten haben eine genetische Veranlagung, die sie anfälliger macht. Dabei wird nicht nur die Veranlagung zur Migräne vererbt, sondern auch die spezifische Art und die Schwere der Migräne. Verwandte ersten Grades von Patienten einer Migräne mit Aura haben ein 3,8-fach erhöhtes Risiko, selbst zu erkranken. Dennoch lässt sich Migräne nur in Ausnahmefällen auf ein einzelnes Gen zurückführen, etwa bei der familiären hemiplegischen Migräne. Vielmehr sind wahrscheinlich mehrere genetische Bedingungen (polygenetisch) die Ursache für eine Migräne.

Die Nervenzellen verbrauchen in solchen Situationen mehr Energie als normal. Deshalb spüren viele Betroffene schon vor dem Anfall ein starkes Hungergefühl oder sogar Heißhunger.

Wie fühlt sich eine Migräne an?

Migräne verläuft typischerweise in verschiedenen Phasen. Diese dauern unterschiedlich lange und müssen nicht zwingend alle auftreten.

Prodromalphase

In vielen Fällen kündigen Gereiztheit, Müdigkeit, Heißhunger und Lichtempfindlichkeit eine Migräne an. Diese Vorbotenphase kann mehrere Stunden bis zwei Tage vor dem Kopfschmerz auftreten.

Aura

Anschließend kann eine Migräne-Aura auftreten. Diese kann verschiedene Anzeichen haben:

  • Sehstörungen: Bei einer visuellen Aura kommt es zum Beispiel zu einem Flimmersehen oder zum Sehen von Zickzack-Linien, zu Gesichtsfeldausfällen (Skotome) oder die Betroffenen sehen Objekte verzerrt, unscharf, vergrößert oder verkleinert (Metamorphopsie). Typische Symptome einer Migräne-Aura sind Sehstörungen in Form von Flimmersehen, die von den Patientinnen als Blitze, Punkte, Zacken- oder wellenförmige Bewegungen wahrgenommen werden und die sich meist langsam über das Gesichtsfeld ausbreiten. Häufig kommt es auch zu fleckförmigen Ausfällen des Gesichtsfeldes, das heißt Patientinnen sehen nur noch einen Teil der Umwelt oder einer Person.

  • Empfindungsstörungen: Ein häufiges Aura-Symptom ist ein Kribbeln, das sich langsam von der Hand über den Arm bis zum Kopf ausbreitet.

  • Weitere Einschränkungen: Zum Beispiel kann das Sprachvermögen gestört sein (Aphasie). Sehr selten kommt es zu Orientierungsstörungen und Lähmungserscheinungen (Paresen). Die Migräne-Aura geht manchmal auch mit Gleichgewichtsstörungen einher. Weitere, seltenere Symptome sind vorübergehende Sprachstörungen oder Sensibilitätsstörungen, sehr selten auch Lähmungen einer Körperhälfte.

Eine typische Migräne-Aura dauert 5 bis 60 Minuten, seltener auch mal etwas länger. Etwa 15 bis 25 Prozent der Patientinnen mit Migräne kennen Aura-Symptome. Die meisten Patientinnen mit einer Migräne mit Aura kennen Migräne-Anfälle mit und ohne Aura-Symptomen. Häufig tritt die Aura vor Beginn der Kopfschmerzen auf, sie kann aber auch währenddessen oder danach auftreten. Bei Vielen tritt die Aura manchmal auch ganz ohne Kopfschmerzen auf. Das nennt man dann eine „isolierte Aura“.

Kopfschmerzphase

Die heftigste Phase geht mit starken, einseitigen Kopfschmerzen einher, die bis zu drei Tage anhalten können. Die Schmerzen werden als pulsierend oder stechend beschrieben und treten meist im Bereich von Stirn, Schläfen und den Augen auf. Kinder und Jugendliche haben typischerweise kürzere Migräneanfälle. Sie nehmen die Kopfschmerzen meist beiderseitig im Bereich von Stirn und Schläfen wahr.

Nachphase (Postdromalphase)

Nachdem die Kopfschmerzen abgeklungen sind, fühlen sich viele Betroffene erschöpft und müde - ähnlich wie nach einer starken körperlichen Anstrengung.

Diagnose und Behandlung von Migräne

Wie wird eine Migräne diagnostiziert?

Um eine Migräne zu diagnostizieren, erkundigt sich die Ärztin oder der Arzt zunächst nach den Beschwerden ihrer Patienten. Unter anderem wird nach der Häufigkeit und Dauer der Anfälle, Art und Stärke der Kopfschmerzen und nach Begleitsymptomen gefragt. Auch ein Kopfschmerztagebuch kann helfen, diese Fragen zu beantworten. Meist kann bereits auf diese Weise Migräne diagnostiziert werden. Es ist wichtig, die Erkrankung von anderen Kopfschmerzen oder weiteren Krankheiten abzugrenzen. Ist das allein anhand der Beschwerden nicht möglich, können eine bildgebende Untersuchung oder weitere Tests nötig werden.

Wie wird eine Migräne behandelt?

Die Akutbehandlung bei Migräne zielt darauf ab, die häufig sehr belastenden Beschwerden während eines Anfalls zu lindern und dessen Dauer zu verkürzen. Ruhe und Lichtreduzierung spielen hierbei eine zentrale Rolle: Vielen Betroffenen hilft es, sich in einen dunklen, ruhigen Raum zurückzuziehen, um Licht und Geräusche zu reduzieren.

Zur Behandlung der Migräne mit Aura werden dieselben Medikamente wie bei einer Migräne ohne Aura eingesetzt. Leichte Migräne-Anfälle lassen sich häufig gut mit Paracetamol, Ibuprofen, Aspirin und ähnlichen Schmerzmitteln behandeln. Bei Unwirksamkeit dieser Medikamente kann man spezielle Migränemittel, die so genannten Triptane einsetzen. Diese Medikamente hemmen die Botenstoffe oder Neurotransmitter, die während der Migräne-Attacke freigesetzt werden und unterbrechen dadurch die Attacke. Wichtig bei einer Migräne mit Aura ist, dass Triptane erst nach Abklingen der Aura-Symptome eingenommen werden sollten.

Bei häufigen oder schweren Migräne-Attacken können Medikamente helfen vorzubeugen (Prophylaxe). Dafür kommen beispielsweise bestimmte Betablocker oder Krampflöser wir Topiramat oder das Antidepressivum Amitriptylin infrage.

Seit einigen Jahren gibt es eine neue Behandlung mit so genannten Antikörpern gegen einen bestimmten Botenstoff, das so genannte CGRP, das während des Migräne-Anfalls ausgeschüttet wird. Antiköper sind Proteine, die diesen Botenstoff abfangen bzw. dessen Wirkung an den Nervenzellen und Hirngefäßen vermindern können.

Auch Migräne-Apps können dabei helfen, Trigger zu meiden und Migräne-Attacken vorzubeugen.

Es gibt inzwischen zahlreiche Therapiemöglichkeiten in der Migräneprophylaxe. Die neuesten Entwicklungen sind die sogenannten monoklonalen Antikörper, die sich gegen die Wirkung des schmerzvermittelnden Botenstoffes CGRP richten.

Vorbeugende Maßnahmen

Bei häufiger Migräne sind möglicherweise vorbeugende Maßnahmen sinnvoll - etwa regelmäßiger Sport oder Entspannungsübungen. Die Daten zur Wirksamkeit von Akupunktur sind widersprüchlich.

Patienten können durch Anpassung ihrer Lebensweise schon sehr viel dafür tun, dass sie seltener, mit Glück vielleicht gar nicht mehr, von Migräne heimgesucht werden. Eine wichtige Stellschraube ist die Ernährung. Die zweite relevante Stellschraube, die jeder Patient und jede Patientin selbst in der Hand hat, ist regelmäßige Bewegung in beschwerdefreien Phasen. “Ausdauersport, möglichst dreimal pro Woche, ist eine gute Maßnahme zur Vorbeugung von Migräne”, sagt der Pinneberger Neurologe. “Zudem tragen ein effektives Stressmanagement und eine gute Schlafqualität zu einem beschwerdeärmeren Leben bei.”

Dazu gehören regelmäßiger Ausdauersport wie beispielsweise Joggen, Schwimmen, Radfahren, die Anwendung von Entspannungstechniken wie zum Beispiel Yoga, progressive Muskelrelaxation und autogenes Training oder Biofeedback-Techniken. Auch psychologische, zum Beispiel so genannte verhaltenstherapeutische Verfahren können helfen, insbesondere wenn auch eine Depression oder eine Angststörung bestehen. Wenn man solche nicht-medikamentösen Maßnahmen regelmäßig anwendet, merkt man dann, dass die Migräne weniger häufig auftritt und Attacken weniger schwer verlaufen.

Auch ein Lebensstil mit verlässlicher Regelmäßigkeit und einem festen Tag- und Nachtrhythmus kann Migräneanfälle deutlich reduzieren. Dazu gehören insbesondere ein geregelter Schlafrhythmus, feste Essenszeiten und eine regelmäßige Flüssigkeitszufuhr. Ebenfalls sinnvoll und wertvoll, sofern Ihre Ärztin oder Ihr Arzt grünes Licht dafür geben: regelmäßiger Ausdauersport, am besten dreimal pro Woche, um die innere Balance zu fördern und psychische Belastungen zu minimieren. Diese wirken häufig als Auslöser für Migräneattacken. Auch gezielte Maßnahmen der Physiotherapie können die ärztliche Behandlung der Migräne unterstützen, insbesondere wenn Verspannungen im Nacken- und Schulterbereich die Symptome verstärken. Durch individuelle Übungen wird die Muskulatur gelockert und die Durchblutung gefördert, was wiederum die Häufigkeit und Intensität von Anfällen reduzieren kann. Entspannungsverfahren wie autogenes Training oder progressive Muskelentspannung nach Jacobson sind bewährte effektive Methoden, um Geist und Körper in Stresssituationen zügig zu beruhigen. Wenn die Migräne durch Stress oder psychische Belastungen verstärkt wird, kann eine psychotherapeutische Begleitung hilfreich sein.

Ein geregelter Schlafrhythmus trägt maßgeblich dazu bei, Migräne wirksam vorzubeugen. Denn Schlafmangel oder übermäßiger Schlaf können Auslöser für Migräne sein. Versuchen Sie daher, möglichst jeden Tag zur gleichen Zeit ins Bett zu gehen und aufzustehen, auch an Wochenenden. Achten Sie darauf, mindestens sieben bis acht Stunden Schlaf pro Nacht zu bekommen. Noch wichtiger als die Schlafdauer ist aber die Qualität des Schlafes. Dunkle Vorhänge oder eine Schlafmaske können helfen, die Schlafqualität zu verbessern. Falls Sie Schwierigkeiten beim Einschlafen haben, können Entspannungsübungen wie autogenes Training eine wertvolle Unterstützung sein.

Flüssigkeitsmangel (Dehydration) ist ebenfalls ein bekannter Trigger (Auslösefaktor) für Migräne. Stellen Sie daher sicher, dass Sie täglich mindestens 1,5 bis 2 Liter Wasser trinken. Teilen Sie Ihre Wasseraufnahme auf den Tag auf, indem Sie beispielsweise morgens nach dem Aufstehen 400 ml Wasser trinken, mittags weitere 500 ml und den Rest über den Nachmittag und Abend verteilen. Das Auslassen von Mahlzeiten oder lange Pausen zwischen dem Essen können Migräneattacken fördern. Halten Sie sich deshalb an möglichst feste Essenszeiten und vermeiden Sie so eine Unterzuckerung. Essen Sie spätestens alle fünf Stunden eine Mahlzeit, um Ihren Blutzuckerspiegel stabil zu halten. Starten Sie Ihren Tag mit einem ausgewogenen Frühstück, das komplexe Kohlenhydrate (gute Quelle: Vollkornbrot), Proteine beispielsweise aus Joghurt und gesunde Fette aus Nüssen enthält.

Um das Risiko für Anfälle zu minimieren, sollten Sie Alkohol idealerweise vollständig meiden. Planen Sie jeden Tag etwa 15 bis 30 Minuten für Entspannungsübungen ein. Auch regelmäßige Spaziergänge an der frischen Luft wirken beruhigend und fördern darüber hinaus die Durchblutung.

Leben mit Migräne

Migräne ist bislang zwar nicht heilbar, aber mit einer abgestimmten Behandlung bei sehr vielen Patient:innen sehr gut in den Griff zu bekommen.

Als Migräne-Patientin oder -Patient können Sie aktiv dazu beitragen, Ihre Migräneanfälle zu reduzieren. Mit der richtigen Balance aus zuträglichen Lebensstilmaßnahmen, einer ausgewogenen Ernährung und bewusstem Stressmanagement erreichen Sie schon sehr viel Gutes für Ihr Wohlbefinden.

Fazit

Die Erforschung der Migräne hat in den letzten Jahren große Fortschritte gemacht, insbesondere im Hinblick auf die Rolle von Botenstoffen wie CGRP und Serotonin. Ein besseres Verständnis der komplexen Zusammenhänge zwischen genetischer Veranlagung, Umweltfaktoren und individuellen Triggern ermöglicht eine gezieltere Behandlung und Vorbeugung von Migräneattacken. Durch eine Kombination aus medikamentöser Therapie, Lebensstiländerungen und Stressmanagement können Betroffene ihre Lebensqualität deutlich verbessern und die Häufigkeit und Intensität von Migräneanfällen reduzieren.

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