Spastische Tetraplegie: ICD-10-Code, Ursachen und Auswirkungen

Die spastische Tetraplegie ist eine Form der Zerebralparese, die durch erhöhten Muskeltonus (Spastik) in allen vier Extremitäten gekennzeichnet ist. Dies führt zu Schwierigkeiten bei Bewegung, Koordination und Haltung. Die Diagnose wird anhand klinischer Untersuchungen und bildgebender Verfahren gestellt. Der ICD-10-Code für spastische Tetraplegie ist G80.0. Es gibt verschiedene Ursachen und Behandlungen für diese Erkrankung.

Was ist Spastische Tetraplegie?

Spastische Tetraplegie ist eine neurologische Erkrankung, die durch Schädigung des Gehirns oder des Rückenmarks verursacht wird. Diese Schädigung führt zu einer Störung der Muskelkontrolle, was zu Spastik, Steifheit und Schwierigkeiten bei der Bewegung führt. Die spastische Tetraplegie betrifft alle vier Extremitäten, was bedeutet, dass sowohl Arme als auch Beine betroffen sind.

Wie wirkt sich die Schädigung des Rückenmarks aus?

Die knöcherne Wirbelsäule besteht aus einzelnen Wirbeln. Hinten an der Wirbelsäule bilden die Wirbel den Wirbelkanal. Im Wirbelkanal verläuft das Rückenmark. Vom Gehirn laufen Nervenfasern über das Rückenmark in den Körper und bilden dort Nerven. Jeder Nerv ist für einen bestimmten Abschnitt der Haut und für bestimmte Muskeln verantwortlich. Diese Nerven sind wichtig, damit man zum Beispiel fühlen und die Muskeln bewegen kann. Es kann aus verschiedenen Gründen dazu kommen, dass das Rückenmark im Wirbelkanal geschädigt wird. Das Rückenmark kann zum Beispiel eingeklemmt oder verletzt werden. Das Rückenmark kann auch aufgrund von anderen Erkrankungen geschädigt werden.

Ursachen der Spastischen Tetraplegie

Spastische Tetraplegie kann durch verschiedene Faktoren verursacht werden, die das Gehirn oder das Rückenmark schädigen. Einige der häufigsten Ursachen sind:

  • Geburtstrauma: Komplikationen während der Geburt, wie z.B. Sauerstoffmangel, können zu Hirnschäden führen.
  • Frühgeburt: Frühgeborene haben ein höheres Risiko für Hirnschäden, da ihr Gehirn noch nicht vollständig entwickelt ist.
  • Infektionen: Infektionen des Gehirns, wie z.B. Meningitis oder Enzephalitis, können zu Hirnschäden führen.
  • Schädel-Hirn-Trauma: Verletzungen des Kopfes können das Gehirn schädigen und zu spastischer Tetraplegie führen.
  • Genetische Faktoren: In einigen Fällen kann spastische Tetraplegie durch genetische Mutationen verursacht werden.
  • Schädigung des Rückenmarks: Ihr Rückenmark ist an einer bestimmten Stelle geschädigt.

Symptome der Spastischen Tetraplegie

Die Symptome der spastischen Tetraplegie können von Person zu Person variieren, abhängig vom Ausmaß der Hirnschädigung. Einige der häufigsten Symptome sind:

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  • Spastik: Erhöhter Muskeltonus, der zu Steifheit und Schwierigkeiten bei der Bewegung führt. Die betroffenen Muskeln an Ihren Armen und Beinen sind angespannt.
  • Muskelschwäche: Schwäche in den Armen und Beinen, die die Bewegung erschwert. Aus diesem Grund können Sie die Muskeln von beiden Armen und Beinen nicht oder nicht richtig bewegen. Sie können Ihre Arme und Beine nicht bewegen.
  • Koordinationsschwierigkeiten: Schwierigkeiten bei der Koordination von Bewegungen, was zu Ungeschicklichkeit und Gleichgewichtsproblemen führen kann.
  • Bewegungseinschränkungen: Schwierigkeiten bei der Durchführung von alltäglichen Aufgaben, wie z.B. Anziehen, Essen und Gehen. Sie können Ihre Arme und Beine nicht richtig bewegen.
  • Sprach- und Schluckstörungen: Schwierigkeiten beim Sprechen und Schlucken können auftreten, wenn die Muskeln im Mund und Rachen betroffen sind.
  • Kognitive Beeinträchtigungen: Einige Menschen mit spastischer Tetraplegie können auch kognitive Beeinträchtigungen haben, wie z.B. Lernschwierigkeiten oder Aufmerksamkeitsdefizite.
  • Sensibilitätsstörungen: Es kann auch sein, dass Sie an einer bestimmten Stelle vom Körper Berührungen nicht richtig spüren können. An bestimmten Stellen vom Körper können Sie außerdem zum Beispiel Berührungen nicht mehr richtig spüren.
  • Weitere Symptome: Es kann außerdem sein, dass Sie Probleme beim Wasserlassen oder Stuhlgang haben.

Diagnose der Spastischen Tetraplegie

Die Diagnose der spastischen Tetraplegie wird in der Regel von einem Arzt gestellt, der sich auf neurologische Erkrankungen spezialisiert hat. Die Diagnose basiert auf einer körperlichen Untersuchung, einer Überprüfung der Krankengeschichte und verschiedenen diagnostischen Tests. Zu den diagnostischen Tests können gehören:

  • Magnetresonanztomographie (MRT): Ein MRT kann verwendet werden, um Bilder des Gehirns und des Rückenmarks zu erstellen. Dies kann helfen, Schäden oder Anomalien zu erkennen.
  • Computertomographie (CT): Ein CT-Scan kann auch verwendet werden, um Bilder des Gehirns zu erstellen.
  • Elektroenzephalogramm (EEG): Ein EEG misst die elektrische Aktivität im Gehirn. Dies kann helfen, Anfälle oder andere neurologische Probleme zu erkennen.
  • Elektromyographie (EMG): Ein EMG misst die elektrische Aktivität in den Muskeln. Dies kann helfen, Muskel- oder Nervenprobleme zu erkennen.

ICD-10-Code für Spastische Tetraplegie

Der ICD-10-Code ist ein internationaler Standard für die Klassifizierung von Krankheiten und Gesundheitsproblemen. Der ICD-10-Code für spastische Tetraplegie ist G80.0. Dieser Code wird von Ärzten und anderen medizinischen Fachkräften verwendet, um die Diagnose spastische Tetraplegie in medizinischen Unterlagen zu dokumentieren.

Behandlung der Spastischen Tetraplegie

Es gibt keine Heilung für spastische Tetraplegie, aber es gibt eine Reihe von Behandlungen, die helfen können, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität zu verbessern. Zu den Behandlungen können gehören:

  • Physiotherapie: Physiotherapie kann helfen, die Muskelkraft, Flexibilität und Koordination zu verbessern.
  • Ergotherapie: Ergotherapie kann helfen, die Fähigkeiten zu verbessern, die für alltägliche Aufgaben benötigt werden, wie z.B. Anziehen, Essen und Schreiben.
  • Logopädie: Logopädie kann helfen, Sprach- und Schluckstörungen zu verbessern.
  • Medikamente: Medikamente können verwendet werden, um Spastik, Schmerzen und andere Symptome zu lindern.
  • Operation: In einigen Fällen kann eine Operation erforderlich sein, um Muskeln oder Sehnen zu verlängern oder um andere Probleme zu korrigieren.

ICD-10-GM-Codes im Detail

Die Internationale statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme, 10. Revision, German Modification (ICD-10-GM) ist die deutsche Version der ICD-10. Sie wird zur Verschlüsselung von Diagnosen in der ambulanten und stationären Versorgung eingesetzt. Im Zusammenhang mit spastischer Tetraplegie sind folgende Codes relevant:

  • G80-G83: Zerebrale Lähmung und sonstige Lähmungssyndrome. Diese Kategorie dient zur Verschlüsselung von Paresen und Plegien bei Querschnittlähmungen oder Hirnerkrankungen, wenn andere Schlüsselnummern nicht zur Verfügung stehen. Diese Kategorie dient auch zur multiplen Verschlüsselung, um diese durch eine beliebige Ursache hervorgerufenen Krankheitszustände zu kennzeichnen. Für den Gebrauch dieser Kategorie in der stationären Versorgung sind die Deutschen Kodierrichtlinien heranzuziehen. Soll die funktionale Höhe einer Schädigung des Rückenmarkes angegeben werden, ist eine zusätzliche Schlüsselnummer aus G82.6-! zu verwenden. Besteht eine (langzeitige) Beatmungspflicht, so ist Z99.1 als zusätzliche Schlüsselnummer zu benutzen.

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    • Inkl.: Paraplegie chronisch, Quadriplegie chronisch, Tetraplegie chronisch
    • Exkl.: Akute traumatische Querschnittlähmung (S14.-) (S24.-) (S34.-), Angeborene und infantile Zerebralparese (G80.-)
  • G82.-: Diese Kategorie dient zur Verschlüsselung von Paresen und Plegien bei Querschnittlähmungen oder Hirnerkrankungen, wenn andere Schlüsselnummern nicht zur Verfügung stehen.

  • G82.3-: Schlaffe Tetraparese und Tetraplegie

    • G82.30: Schlaffe Tetraparese und Tetraplegie: Akute komplette Querschnittlähmung nichttraumatischer Genese
      • Akute nichttraumatische schlaffe Tetraplegie
    • G82.31: Schlaffe Tetraparese und Tetraplegie: Akute inkomplette Querschnittlähmung nichttraumatischer Genese
      • Akute nichttraumatische schlaffe Tetraparese
    • G82.32: Schlaffe Tetraparese und Tetraplegie: Chronische komplette Querschnittlähmung
      • Schlaffe Tetraplegie
    • G82.33: Schlaffe Tetraparese und Tetraplegie: Chronische inkomplette Querschnittlähmung
      • Schlaffe Tetraparese
    • G82.39: Schlaffe Tetraparese und Tetraplegie: Nicht näher bezeichnet
  • G82.4-: Spastische Tetraparese und Tetraplegie

    • G82.40: Spastische Tetraparese und Tetraplegie: Akute komplette Querschnittlähmung nichttraumatischer Genese
      • Akute nichttraumatische spastische Tetraplegie
    • G82.41: Spastische Tetraparese und Tetraplegie: Akute inkomplette Querschnittlähmung nichttraumatischer Genese
      • Akute nichttraumatische spastische Tetraparese
    • G82.42: Spastische Tetraparese und Tetraplegie: Chronische komplette Querschnittlähmung
      • Spastische Quadriplegie
      • Spastische Tetraplegie
    • G82.43: Spastische Tetraparese und Tetraplegie: Chronische inkomplette Querschnittlähmung
      • Spastische Tetraparese
    • G82.49: Spastische Tetraparese und Tetraplegie: Nicht näher bezeichnet
      • Tetraspastik
  • G82.5-: Tetraparese und Tetraplegie, nicht näher bezeichnet

    • Inkl.: Quadriplegie o.n.A.
    • G82.50: Tetraparese und Tetraplegie, nicht näher bezeichnet: Akute komplette Querschnittlähmung nichttraumatischer Genese
      • Akute nichttraumatische Tetraplegie
    • G82.51: Tetraparese und Tetraplegie, nicht näher bezeichnet: Akute inkomplette Querschnittlähmung nichttraumatischer Genese
      • Akute nichttraumatische Tetraparese
    • G82.52: Tetraparese und Tetraplegie, nicht näher bezeichnet: Chronische komplette Querschnittlähmung
      • Chronische Tetraplegie
      • Tetraplegie
    • G82.53: Tetraparese und Tetraplegie, nicht näher bezeichnet: Chronische inkomplette Querschnittlähmung
      • Tetraparese
    • G82.59: Tetraparese und Tetraplegie, nicht näher bezeichnet: Nicht näher bezeichnet
      • Chronische Quadriplegie
      • Paralyse aller vier Extremitäten
      • Quadriplegie - s.a.
  • G82.6-!: Funktionale Höhe der Schädigung des Rückenmarkes. Diese Subkategorie dient zur Verschlüsselung der funktionalen Höhe einer Rückenmarksschädigung. Unter der funktionalen Höhe einer Rückenmarksschädigung wird das unterste motorisch intakte Rückenmarkssegment verstanden. So bedeutet z.B. "komplette C4-Läsion des Rückenmarkes", dass die motorischen Funktionen des 4.

    Lesen Sie auch: Spastische Tetraplegie: Ein umfassender Überblick

    • G82.60!: Rückenmarkschädigung bei einer funktionalen Höhe von C1-C3
    • G82.61!: Rückenmarkschädigung bei einer funktionalen Höhe von C4-C5
    • G82.62!: Rückenmarkschädigung bei einer funktionalen Höhe von C6-C8
    • G82.63!: Rückenmarkschädigung bei einer funktionalen Höhe von T1-T6
    • G82.64!: Rückenmarkschädigung bei einer funktionalen Höhe von T7-T10
    • G82.65!: Rückenmarkschädigung bei einer funktionalen Höhe von T11-L1
    • G82.66!: Rückenmarkschädigung bei einer funktionalen Höhe von L2-S1
    • G82.67!: Rückenmarkschädigung bei einer funktionalen Höhe von S2-S5

Zusatzkennzeichen

Auf ärztlichen Dokumenten wird der ICD-Code oft durch Buchstaben ergänzt, die die Sicherheit der Diagnose oder die betroffene Körperseite beschreiben.

  • G: Gesicherte Diagnose
  • V: Verdacht
  • Z: Zustand nach
  • A: Ausschluss
  • L: Links
  • R: Rechts
  • B: Beidseitig

Leben mit Spastischer Tetraplegie

Leben mit spastischer Tetraplegie kann eine Herausforderung sein, aber es gibt viele Ressourcen und Unterstützungsmöglichkeiten, die Menschen mit dieser Erkrankung helfen können, ein erfülltes Leben zu führen. Zu den Ressourcen und Unterstützungsmöglichkeiten können gehören:

  • Familie und Freunde: Die Unterstützung von Familie und Freunden ist unerlässlich für Menschen mit spastischer Tetraplegie.
  • Selbsthilfegruppen: Selbsthilfegruppen bieten Menschen mit spastischer Tetraplegie die Möglichkeit, sich mit anderen zu treffen, die die gleichen Erfahrungen machen.
  • Organisationen für Menschen mit Behinderungen: Es gibt viele Organisationen, die Menschen mit Behinderungen, einschließlich Menschen mit spastischer Tetraplegie, unterstützen.
  • Therapeuten und Ärzte: Therapeuten und Ärzte können Menschen mit spastischer Tetraplegie helfen, ihre Symptome zu lindern und ihre Lebensqualität zu verbessern.

Hinweis

Diese Informationen dienen nicht der Selbstdiagnose und ersetzen keinesfalls die Beratung durch eine Ärztin oder einen Arzt. Wenn Sie einen entsprechenden ICD-Code auf einem persönlichen medizinischen Dokument finden, achten Sie auch auf Zusatzkennzeichen für die Diagnosesicherheit. Ihre Ärztin oder Ihr Arzt hilft Ihnen bei gesundheitlichen Fragen weiter und erläutert Ihnen bei Bedarf die ICD-Diagnoseverschlüsselung im direkten Gespräch.

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