Synapsen Podcast: Trauma, Scham und die Auswirkungen auf das Gehirn

Der Synapsen Podcast des NDR beleuchtet in verschiedenen Ausgaben komplexe wissenschaftliche Themen. Dabei werden nicht nur die Faktenlage dargestellt, sondern auch die gesellschaftliche Relevanz und die Auswirkungen auf den Einzelnen betrachtet. Einige Folgen widmen sich besonders dem Thema Trauma, seinen Ursachen und Folgen sowie möglichen Therapieansätzen. Ebenso wird das Gefühl der Scham und seine vielfältigen Auswirkungen aus psychologischer und gesellschaftlicher Sicht analysiert.

Trauma: Mehr als nur eine Verletzung

Der Begriff Trauma wird oft leichtfertig verwendet, doch er beschreibt weit mehr als nur körperliche Verletzungen. Ein Trauma ist eine Erfahrung, die eine Person tiefgreifend erschüttert und überwältigt. In der Medizin und Psychologie wird Trauma als ein Ereignis oder eine Reihe von Ereignissen definiert, die emotionale und/oder physische Verletzungen hervorrufen und das normale Funktionieren des Individuums stören. Besonders relevant ist dieses Thema für Menschen im Autismus-Spektrum, da sie aufgrund ihrer besonderen sensorischen und emotionalen Wahrnehmung empfindlicher auf traumatische Ereignisse reagieren können.

Die Auswirkungen von Trauma auf das Gehirn

Es ist mittlerweile gut erforscht, dass Trauma das Gehirn sowohl auf struktureller als auch auf funktioneller Ebene verändern kann. Für Menschen mit Autismus können diese Auswirkungen noch ausgeprägter sein, da ihr Gehirn Informationen auf eine einzigartige Weise verarbeitet, was bedeutet, dass Trauma andere oder verstärkte Reaktionen auslösen kann.

Das menschliche Gehirn ist ein komplexes Organ, das aus etwa 86 Milliarden Neuronen und Billionen von Verbindungen, den sogenannten Synapsen, besteht. Die Struktur des Gehirns ist in verschiedene Bereiche unterteilt, die jeweils spezifische Funktionen erfüllen. Bei Menschen mit Autismus können diese Bereiche teilweise anders arbeiten. Dennoch besitzt das Gehirn die Fähigkeit, sich zu verändern - eine erstaunliche Eigenschaft, die als Neuroplastizität bekannt ist. Durch Lernprozesse formt sich das Gehirn neu und kann sich auch nach Schäden zumindest teilweise erholen.

Trauma hat nicht nur emotionale und psychologische Auswirkungen, sondern auch physische Auswirkungen auf das Gehirn. In Angstsituationen produziert der Körper Stresshormone, die uns auf Gefahr vorbereiten. Bei einem Trauma ist diese Reaktion oft übermäßig stark. Studien haben gezeigt, dass anhaltender Stress und Trauma zu Veränderungen in der Struktur des Gehirns führen können. Besonders betroffen sind Bereiche wie der präfrontale Kortex, der Hippocampus und die Amygdala.

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  • Präfrontaler Kortex: Dieser Bereich ist für die Ausführungsfunktionen verantwortlich und kann durch Trauma schrumpfen, was zu Schwierigkeiten bei der Entscheidungsfindung und der emotionalen Regulation führen kann.
  • Hippocampus: Der Hippocampus spielt eine Schlüsselrolle bei der Gedächtnisbildung und kann ebenfalls schrumpfen, was zu Problemen mit dem Gedächtnis und dem Lernen führen kann.
  • Amygdala: Die Amygdala ist an der Verarbeitung von Emotionen, insbesondere Angst, beteiligt. Bei traumatisierten Menschen kann die Amygdala überaktiv sein, was zu erhöhter Angst und Reaktivität führt.

Trauma kann auch die Art und Weise, wie das Gehirn Erinnerungen bildet und speichert, erheblich beeinflussen. Menschen, die ein Trauma erlebt haben, können Schwierigkeiten haben, sich an bestimmte Details des traumatischen Ereignisses zu erinnern, oder sie können sich an das Ereignis in einer fragmentierten oder desorganisierten Weise erinnern. Die langfristigen Auswirkungen von Trauma auf das Gehirn können tiefgreifend sein.

Therapie und Rehabilitation nach Trauma

Trotz der weitreichenden Auswirkungen von Trauma auf das Gehirn gibt es Hoffnung. Rehabilitationsmethoden und therapeutische Interventionen werden immer weiterentwickelt. Eine Reihe therapeutischer Ansätze wurden speziell entwickelt, um Menschen zu helfen, die unter den Auswirkungen von Trauma leiden.

Die Fähigkeit, mit Stress umzugehen und sich von Traumata zu erholen - bekannt als Resilienz - spielt eine wichtige Rolle bei der Rehabilitation. Resilienz kann durch verschiedene Faktoren unterstützt werden, darunter positive zwischenmenschliche Beziehungen, Selbstfürsorge und Bewältigungsstrategien. Soziale Unterstützung ist ebenfalls von entscheidender Bedeutung.

Neue Entwicklungen in der Neurologie und Psychologie bieten weitere Hoffnung für Menschen, die sich von traumabedingten Gehirnveränderungen erholen. Ein Bereich ist die Neurofeedback-Therapie, bei der Menschen lernen, ihre Gehirnwellenaktivität zu kontrollieren, um ihren emotionalen Zustand und ihr Verhalten zu verbessern.

Es ist wichtig zu betonen, dass, obwohl Trauma tiefgreifende Auswirkungen auf das Gehirn haben kann, Erholung und Heilung möglich sind.

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Scham: Ein überwältigendes Gefühl

Eine weitere Folge des Synapsen Podcasts widmet sich dem Gefühl der Scham. Scham ist ein unangenehmes, überwältigendes Gefühl, das uns dauerhaft abhalten kann, bestimmte Dinge zu tun oder sogar zu Gewaltverbrechen anstiften kann. Der Podcast ergründet das Wesen der Scham: Wie entsteht sie, was passiert im Gehirn, wenn wir uns schämen, und warum schämen wir uns manchmal sogar für fremde Menschen?

Mit Soziologinnen, Psychologen und Historikerinnen wird untersucht, unter welchen Umständen Scham beim Zusammenleben hilft und wann sie so mächtig wird, dass sie krank macht.

Scham in der Gesellschaft

Scham hat sowohl individuelle als auch gesellschaftliche Dimensionen. Sie kann dazu beitragen, soziale Normen und Hierarchien aufrechtzuerhalten, indem sie unerwünschtes Verhalten sanktioniert. Gleichzeitig kann Scham aber auch zu sozialer Ungleichheit und Ausgrenzung führen, wenn sie als Machtmittel eingesetzt wird, beispielsweise in Diplomatie und Justiz.

Die Masken der Scham

Scham kann sich auf unterschiedliche Weise äußern. Manchmal wird sie offen gezeigt, manchmal wird sie hinter einer Maske verborgen. Diese Masken können verschiedene Formen annehmen, wie z.B. Aggression, Rückzug oder Perfektionismus. Das Erkennen der Masken der Scham ist ein wichtiger Schritt, um mit diesem Gefühl konstruktiv umzugehen.

Weitere Themen im Synapsen Podcast

Neben Trauma und Scham behandelt der Synapsen Podcast auch andere relevante Themen aus den Bereichen Wissenschaft und Gesellschaft. Einige Beispiele sind:

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