Die Zeckenbisslähmung, oft im Zusammenhang mit Borreliose diskutiert, ist ein komplexes Thema, das vielfältige Ursachen haben kann. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen einer Lähmung nach einem Zeckenbiss, die Symptome und die verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten. Ziel ist es, ein umfassendes Verständnis dieser Erkrankung zu vermitteln.
Einführung
Ein Zeckenbiss kann mehr als nur eine kleine, juckende Stelle hinterlassen. In einigen Fällen kann er zu ernsthaften gesundheitlichen Problemen führen, einschließlich Lähmungen. Es ist wichtig zu verstehen, dass nicht jeder Zeckenbiss automatisch zu einer Lähmung führt, aber das Risiko besteht, insbesondere wenn bestimmte Infektionen übertragen werden.
Borreliose als Ursache für Lähmungen
Borreliose, auch bekannt als Lyme-Borreliose oder Lyme-Krankheit, ist eine bakterielle Infektionskrankheit, die durch Zeckenstiche übertragen wird. Ausgelöst wird sie durch das Bakterium Borrelia burgdorferi, das meist über Zeckenstiche und in seltenen Fällen durch andere blutsaugende Insekten auf den Menschen übertragen wird. Nicht alle Zecken sind Träger von Borrelien, daher führt nicht jeder Zeckenstich automatisch zu einer Infektion. Das Risiko steigt jedoch mit jedem Zeckenstich und abhängig vom Alter der Tiere. Ausgewachsene (adulte) Zecken sind häufiger als junge Tiere Überträger der Borreliose.
Symptome der Borreliose
Die Symptome der Borreliose können je nach Erkrankungsstadium sowie individuell unterschiedlich ausfallen. Typisch, jedoch nicht immer vorhanden, ist eine Hautrötung um die Einstichstelle, die sich von innen her verblassend ringförmig ausbreitet. Sie wird daher auch als „Wanderröte“ (Erythema chronicum migrans) bezeichnet. Grippeähnliche Beschwerden, wie Muskel- und Gelenkschmerzen, Fieber oder Müdigkeit, sind weitere Symptome. Knötchenartige Schwellungen oder chronische Entzündungen der Haut (Acrodermatitis chronica atrophicans) treten vereinzelt auf.
Neuroborreliose: Befall des Nervensystems
Ist das Nervensystem betroffen, spricht man von einer Neuroborreliose. Die Neuroborreliose ist eine seltene Form der Lyme-Borreliose und tritt bei etwa drei von 100 Erkrankten auf. Sie entwickelt sich, wenn Borrelien - die bakteriellen Erreger der Borreliose - das Nervensystem befallen. Typische Symptome sind brennende Nervenschmerzen oder auch Gesichtslähmungen. In seltenen Fällen können entzündliche Nervenreizungen zu Taubheitsgefühl, Seh- oder Hörstörungen sowie Lähmungen von Rumpf, Armen oder Beinen führen. Insbesondere bei Kindern tritt häufig eine Hirnhautentzündung mit starken Kopfschmerzen, Gesichtslähmungen und Fieber auf.
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Silvia Heinze, eine Endsechzigerin aus Mecklenburg, erfuhr dies am eigenen Leib. Nach einem Zeckenstich, der nicht sofort mit Antibiotika behandelt wurde, entwickelten sich Monate später Taubheitsgefühle in den Gliedern. Sie konnte keine Treppen mehr steigen und brach bei einem ihrer Malkurse zusammen. Erst eine Untersuchung des Nervenwassers brachte die Ursache ans Licht: Borrelien hatten sich in ihrem Nervengewebe eingenistet.
Professor Sebastian Rauer, leitender Oberarzt an der Neurologischen und Neurophysiologischen Universitätsklinik Freiburg, betont, dass die häufigste Manifestation der Neuroborreliose die Gesichtslähmung ist, einseitig oder beidseitig.
Diagnose der Neuroborreliose
Wenn ein Patient einige der oben genannten Symptome aufweist und von einem zurückliegenden Zeckenstich berichtet, ergibt sich für den Arzt der Verdacht auf eine Neuroborreliose. Das gilt auch, wenn sich ein Patient an keinen Zeckenstich erinnert, aber die Möglichkeit zu einem solchen bestand oder besteht (durch Waldspaziergänge, Gartenarbeit etc.).
Zur Abklärung des Verdachts kann der Arzt verschiedene Labortests durchführen. Dazu gehören der Nachweis von Borrelien-Antikörpern im Blut und der Gehirn-/Rückenmarksflüssigkeit sowie der Nachweis entzündlicher Liquor-Veränderungen. In Einzelfällen kann auch eine CXCL13-Messung im Nervenwasser durchgeführt werden.
Behandlung der Neuroborreliose
Eine Neuroborreliose wird (wie die normale Borreliose) mit Antibiotika behandelt. Zur Verfügung stehen verschiedene Antibiotika wie Doxycyclin, Ceftriaxon, Cefotaxim und Penicillin G. Welches Antibiotikum der Arzt im Einzelfall auswählt, hängt von den individuellen Gegebenheiten ab. Die Dauer der Antibiotikatherapie richtet sich danach, ob eine frühe oder späte Neuroborreliose vorliegt.
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Professor Rauer betont, dass die Lyme-Borreliose in jedem späten Stadium durch eine Antibiotika-Behandlung gestoppt werden kann.
Spätfolgen der Neuroborreliose
Eine Neuroborreliose ist gut behandelbar und heilt in den meisten Fällen vollständig aus. Spätfolgen treten nur selten auf. Bestehen nach einer behandelten Neuroborreliose auch Monate und Jahre Beschwerden, sprechen Ärzte von einem "Post-Lyme-Disease-Syndrome" oder "Post Treatment Lyme Disease Syndrome" (PTLDS). Dabei werden unspezifische chronische Beschwerden wie anhaltende Müdigkeit, Antriebslosigkeit und Konzentrationsschwäche in Verbindung mit einer früheren Borreliose-Infektion gebracht - ohne dass sich ein entzündlich-infektiöser Prozess labordiagnostisch nachweisen lässt.
Andere durch Zecken übertragene Krankheiten, die Lähmungen verursachen können
Neben der Borreliose gibt es auch andere durch Zecken übertragene Krankheiten, die Lähmungen verursachen können.
Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME)
Die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) ist eine Viruserkrankung, die ebenfalls durch Zecken übertragen wird. Sie kann zu einer Entzündung des Gehirns und der Hirnhäute führen, was in schweren Fällen Lähmungen verursachen kann. Die FSME tritt vor allem in bestimmten Risikogebieten wie Baden-Württemberg, Bayern, Südhessen sowie im südöstlichen Thüringen auf.
Zeckenparalyse
Ein weiteres, aber eher exotisches Beispiel ist die Zeckenparalyse (Zeckenlähmung), die sich unter anderem durch Kribbeln, Doppeltsehen, Schluckbeschwerden, Sprachstörungen sowie eine Lähmung der Arme und Beine bemerkbar macht. Sie entsteht durch nervenschädigende Giftstoffe, die manche Zeckenarten beim Stechen in den menschlichen Körper abgeben. Diese Arten sind vor allem außerhalb Europas anzutreffen, etwa mancherorts in Kanada sowie den USA.
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Vorbeugung von Zeckenbissen
Um Zeckenbissen und den damit verbundenen Risiken vorzubeugen, sollten folgende Maßnahmen beachtet werden:
- Bei Aufenthalten in risikoreichen Außenbereichen lange, glatte und helle Kleidung sowie geschlossene Schuhe tragen.
- Nach dem Aufenthalt im Freien den Körper gründlich nach Zecken absuchen, vor allem in Hautfalten, etwa unter den Achseln.
- Zecken so schnell wie möglich entfernen, entweder mit einer speziellen Pinzette oder mit den Fingern.
- Gegen die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) impfen lassen.
Was tun nach einem Zeckenbiss?
Nach einem Zeckenbiss sollte die Zecke so schnell wie möglich entfernt werden. Wichtig ist es, die Zecke nicht zu quetschen, da sie dabei ihren Magen-Darm-Inhalt über den Saugrüssel in die Haut erbricht. Am besten greift man die Zecke unbehandelt möglichst weit vorn am Kopf und zieht sie ohne Drehbewegung ab. Sollte der Zeckenkopf in der Haut stecken bleiben, ist dies kein Problem und er fällt nach einiger Zeit von allein ab. Reinigen Sie die Einstichstelle nach Entfernung der Zecke mit einem Desinfektionsmittel, um eine Entzündung zu vermeiden.
Beobachten Sie die Einstichstelle in den folgenden Wochen auf Veränderungen wie Rötungen oder Schwellungen. Treten grippeähnliche Symptome auf, suchen Sie einen Arzt auf und weisen Sie auf den Zeckenbiss hin.
Die Rolle der Früherkennung und Behandlung
Die frühzeitige Diagnose und Behandlung von durch Zecken übertragenen Krankheiten ist entscheidend, um schwerwiegende Komplikationen wie Lähmungen zu verhindern. Eine schnelle Behandlung mit Antibiotika bei Borreliose kann das Risiko einer Neuroborreliose und damit verbundener Lähmungen deutlich reduzieren. Auch bei anderen durch Zecken übertragenen Krankheiten ist eine frühzeitige Behandlung wichtig, um die bestmöglichen Ergebnisse zu erzielen.
Impfung gegen FSME
Gegen die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) gibt es eine wirksame Impfung. Sie ist besonders für Menschen empfehlenswert, die in Risikogebieten leben oder sich dort häufig aufhalten. Die Impfung kann das Risiko einer FSME-Erkrankung und damit verbundener Lähmungen deutlich reduzieren.
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