Predigt Harry Zns Meghan Deutung: Eine Analyse der kirchlichen und gesellschaftlichen Reaktionen

Die Hochzeit von Prinz Harry und Meghan Markle war zweifellos ein globales Ereignis, das nicht nur die Herzen von Millionen Menschen berührte, sondern auch eine Plattform für wichtige gesellschaftliche und politische Botschaften bot. Insbesondere die Predigt des anglikanischen Bischofs von Chicago, Michael Bruce Curry, erregte weltweites Aufsehen und löste eine breite Debatte über Liebe, Gerechtigkeit und den Zustand der Welt aus. Dieser Artikel analysiert die Deutung von Currys Predigt im Kontext der kirchlichen und gesellschaftlichen Reaktionen, insbesondere in Deutschland, und beleuchtet die tieferliegenden Themen, die sie ansprach.

Michael Curry und seine Botschaft der Liebe

Am 19. Mai fand die Trauung von Prinz Harry und Meghan Markle in der St.-Georgs-Kapelle auf dem Gelände von Schloss Windsor statt. Neben Mitgliedern der königlichen Familie und zahlreichen Prominenten aus Showbiz und Sport nahm auch Michael Bruce Curry, der Bischof der Episkopalkirche der Vereinigten Staaten, eine zentrale Rolle im Gottesdienst ein. Als erster Afroamerikaner in dieser Position hielt er eine Predigt, die von der Kraft der Liebe handelte und dabei den schwarzen Bürgerrechtler Martin Luther King zitierte.

Curry betonte, dass die Liebe, die Prinz Harry und Meghan Markle zusammengebracht hat, ihren Ursprung in Gott habe und der Schlüssel zum Leben und Glück sei. Er setzte sich besonders für soziale Gerechtigkeit und die Rechte von Homosexuellen ein. Seine Predigt war nicht nur emotional, sondern auch politisch brisant, da er die Zuhörer dazu aufrief, sich für eine gerechtere und liebevollere Welt einzusetzen.

Reaktionen in den Vereinigten Staaten: "Reclaiming Jesus"

Currys Predigt fand nicht nur in der Hochzeitsgesellschaft Anklang, sondern inspirierte auch eine breitere Bewegung in den Vereinigten Staaten. Zusammen mit anderen Kirchenvertretern und Lehrenden der Theologie verfasste Curry die Resolution „Reclaiming Jesus“, die eine Reaktion auf die besorgniserregende Entwicklung und Spaltung in der US-amerikanischen Gesellschaft darstellt.

Die Unterzeichner der Resolution, darunter der US-amerikanische Franziskanerpater und Bestseller-Autor Richard Rohr, äußerten ihre tiefe Besorgnis über das Wiederaufleben von weißem Nationalismus, Rassismus, Fremden- und Frauenfeindlichkeit sowie von Angriffen gegenüber Immigranten, Flüchtlingen und Armen. Sie kritisierten zudem die Verbreitung von Unwahrheiten und ständiges Lügen von den höchsten Führern der Nation.

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Die Resolution „Reclaiming Jesus“ bekennt sich zu folgenden Grundsätzen:

  1. Jedes menschliche Wesen wurde als ein Ebenbild Gottes geschaffen.
  2. In Christus gibt es keine Benachteiligung, die sich auf Rasse, Geschlecht, Identität oder Klasse bezieht.
  3. Wie wir die Hungrigen und Durstigen, die Nackten, die Fremden, die Kranken und die Gefangenen behandeln, so behandeln wir Christus selbst.
  4. Wahrhaftigkeit im persönlichen wie im öffentlichen Leben ist von zentraler moralischer Bedeutung.
  5. Christus ist nicht gekommen, um zu herrschen, sondern um zu dienen.
  6. Unsere Kirchen und unsere Länder sind Teil einer internationalen Gemeinschaft, deren Interessen immer über die Landesgrenzen hinausgehen.

Aufgrund dieser Bekenntnisse verwerfen die Unterzeichner unter anderem die Formulierung „America first“ als eine theologische Irrlehre für Nachfolger Christi. Sie riefen dazu auf, in einer moralischen und politischen Krise wieder die Kraft des Bekenntnisses ihres Glaubens zu entdecken.

Deutsche Perspektiven: Der Reformierte Bund und die Übertragbarkeit auf europäische Verhältnisse

In Deutschland stieß die Resolution „Reclaiming Jesus“ ebenfalls auf positive Resonanz. Der Reformierte Bund, der Dachverband der etwa 1,5 Millionen reformierten Gemeindeglieder in Deutschland, begrüßte die Erklärung als ein „Bekenntnis des Glaubens in einer Zeit der Krise“. Moderator Martin Engels und Generalsekretär Achim Detmers betonten, dass die Glaubenssätze und Verwerfungen der Resolution sich auch auf europäische und deutsche Verhältnisse übertragen ließen.

Der Reformierte Bund engagiert sich seit Jahren gegen den neuen Nationalismus und gegen gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit. Aus dem Bekenntnis zu Jesus Christus müsse der Verachtung von Schwächeren, Geflüchteten und Armen in der Gesellschaft entgegengetreten werden, so die Vertreter des Bundes. Sie riefen alle Mitglieder dazu auf, in Gedanken und mit Gebeten dabei zu sein, wenn am 24. Mai eine Kerzenandacht vor dem Weißen Haus in Washington stattfand.

Kritik an der Predigtform: Ist die Zeit der Predigt vorbei?

Während Currys Predigt und die darauf folgende Resolution „Reclaiming Jesus“ viel Zustimmung fanden, gab es auch kritische Stimmen, die die Predigtform an sich in Frage stellten. Hanna Jacobs argumentierte in der ZEIT-Beilage „Christ & Welt“, dass die Zeit der Predigt vorbei sei und es andere Formen der Verkündigung brauche, die dialogischer und erfahrungsorientierter sind.

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Jacobs kritisierte, dass die Predigt oft als ein langweiliger und langatmiger Monolog wahrgenommen werde, der wenig Bezug zur Lebenswelt der Menschen habe. Sie schlug stattdessen dialogische Formen wie Bibliolog, Bibelteilen oder gemeinsame Meditation eines Bibelverses vor, die es ermöglichen, gemeinsam Fragen zu stellen und zu erörtern.

Diese Kritik an der Predigtform ist jedoch nicht neu. Seit der Aufklärung wird über den Wandel der Predigt diskutiert, und im 20. Jahrhundert gab es eine breite Debatte um die „Krise der Predigt“. Es stellt sich jedoch die Frage, ob das Problem wirklich die Predigtform an sich ist oder vielmehr die Inhalte und die Art und Weise, wie sie vermittelt werden.

Die Vielschichtigkeit der Predigt: Mehr als nur ein Monolog

Es ist wichtig zu betonen, dass Predigt nicht gleich Predigt ist. Der Begriff bündelt zahlreiche sprachliche Handlungen und erfüllt unterschiedliche Funktionen: Verkündigen, Lehren, eine gute Botschaft verbreiten, Ermahnen, Trösten, Erbauen, Kritisieren. Entsprechend vielfältig sind die Formen: Predigt kann monologisch sein und dialogisch, sie kann als Essay auftreten und als Erzählung, sie kann Vortragscharakter haben, Gesprächsimpulse geben und Diskurse bündeln.

Die Predigt von Michael Curry anlässlich der Hochzeit von Prinz Harry und Meghan Markle zeigte, dass eine Predigt auch in der heutigen Zeit noch relevant und wirkungsvoll sein kann, wenn sie von Herzen kommt, aktuelle Themen anspricht und die Menschen emotional berührt. Es kommt also nicht nur auf die Form, sondern vor allem auf den Inhalt und die Authentizität des Predigers an.

Die Bedeutung von Inhalten und Kontext: Perikopenrevision und gesellschaftliche Relevanz

Ein weiterer wichtiger Aspekt ist der Kontext, in dem eine Predigt gehalten wird. In den evangelischen Kirchen steht die Einführung einer neuen Perikopenordnung bevor, die die Auswahl der Bibeltexte für die Predigt regelt. Es stellt sich die Frage, ob diese Revision dazu beiträgt, die Predigt stärker an den Bedürfnissen und Fragen der Menschen von heute auszurichten.

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Hanna Jacobs kritisierte, dass die Perikopenordnung und die Perikopenpredigt oft ihrer Tradition mehr verpflichtet seien als den religiös suchenden und glaubenden Menschen von heute. Sie forderte, dass die Predigt stärker auf die Erfahrungen und Fragen der Menschen eingehen und ihnen helfen solle, ihren Glauben im Alltag zu leben.

Johannes der Täufer als Vorbild: Demut, Zeugnis und der Blick auf den, der nach ihm kommt

Ein interessantes Beispiel für eine Predigt im biblischen Kontext ist das Auftreten Johannes des Täufers. Er lebte als Asket in der Wüste, trug ein Gewand aus Kamelhaar und lebte von Heuschrecken und wildem Honig. Er verkündete das nahe Gottesreich und rief die Menschen zur Buße und Umkehr auf.

Johannes widerstand der Versuchung, sich zu einer politischen Äußerung hinreißen zu lassen, die ihm einen Platz auf den Titelseiten gesichert hätte, aber auch einen Platz in den römischen Folterkammern. Stattdessen beschwichtigte er, dass er zwar taufe, aber nur mit Wasser. Es gäbe aber jemanden, der nach ihm komme und von größerer Bedeutung sei.

Johannes' Demut und sein Zeugnis für Jesus Christus sind ein Vorbild für alle Predigerinnen und Prediger. Es geht nicht darum, sich selbst in den Vordergrund zu stellen, sondern darum, auf den hinzuweisen, der die Sünde der Welt trägt und den Menschen Heil und Hoffnung schenkt.

Die Herausforderung der Weihnachtspredigt: Routine und Leidenschaft

Ein besonderes Beispiel für die Herausforderung des Predigens ist die jährliche Weihnachtspredigt. Wie kann man alle Jahre wieder eine Predigt halten, die die Menschen berührt und ihnen die Bedeutung von Weihnachten neu erschließt?

Die Weihnachtszeit ist oft von Routine und Kommerz geprägt. Umso wichtiger ist es, dass die Predigt die Menschen aus dem Alltag herausholt und ihnen die Augen für das Wunder von Weihnachten öffnet: Gott wird Mensch und schenkt uns seine Liebe und seinen Frieden.

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