Safran: Wirkung auf das Gehirn – Studien und Erkenntnisse

Safran, das "rote Gold", ist mehr als nur ein kostbares Gewürz. Seit Jahrtausenden wird es auch in der traditionellen Medizin eingesetzt. Moderne wissenschaftliche Studien bestätigen nun das breite Spektrum an gesundheitlichen Vorteilen, insbesondere im Hinblick auf die Gehirnfunktion und psychische Gesundheit.

Safran als Stimmungsaufheller und Angstlöser

Eine aktuelle Meta-Analyse (Shafiee et al., 2024) untersuchte die Wirkung von Safran im Vergleich zu selektiven Serotonin-Wiederaufnahmehemmern (SSRIs) bei der Behandlung von Depressionen und Angststörungen. Die Ergebnisse von acht randomisierten, kontrollierten Studien mit insgesamt 656 Teilnehmern zeigten, dass Safran bei der Reduktion von depressiven Symptomen ähnlich wirksam war wie SSRIs. Auch bei der Behandlung von Angstsymptomen waren die Ergebnisse vergleichbar. Ein wesentlicher Vorteil von Safran war jedoch das deutlich geringere Auftreten von Nebenwirkungen im Vergleich zu SSRIs.

Diese Ergebnisse deuten darauf hin, dass Safran eine vielversprechende natürliche Alternative für Menschen mit leichten bis mittelschweren Depressionen und Angststörungen sein könnte. Es ist jedoch wichtig zu betonen, dass Safran nach aktuellem Stand nicht als vollwertiger Ersatz für SSRIs, insbesondere bei schweren Depressionen, angesehen werden sollte. Weitere Forschung ist erforderlich, um die Ergebnisse zu bestätigen und die spezifischen Wirkmechanismen von Safran besser zu verstehen.

Mögliche Wirkmechanismen

Mehrere Mechanismen könnten für die positiven Auswirkungen von Safran auf die psychische Gesundheit verantwortlich sein:

  • Beeinflussung von Neurotransmittern: Safran kann die Konzentration von Neurotransmittern wie Serotonin, Dopamin und Noradrenalin im Gehirn erhöhen, indem es deren Wiederaufnahme hemmt (Ghasemi et al.). Diese Neurotransmitter spielen eine wichtige Rolle bei der Stimmungsregulation.
  • Modulation der Hypophysen-Hypothalamus-Nebennieren-Achse (HPA-Achse): Safran kann die HPA-Achse beeinflussen, die eine zentrale Rolle bei der Stressreaktion spielt (Kim et al., 2023).
  • Antiinflammatorische und antioxidative Effekte: Entzündungen und oxidativer Stress können die Gehirnfunktion beeinträchtigen und zu psychischen Erkrankungen beitragen. Safran besitzt starke antioxidative und entzündungshemmende Eigenschaften, die das Gehirn schützen können (Wauquier et al., 2022; Zeinali et al., 2019). Safran (Crocin, Crocetin, Safranal) besitzt eine starke (dosisabhängige) antioxidative Aktivität, macht freie Radikale unschädlich, fördert die endogene Produktion antioxidativ wirkender Enzyme und schützt vor oxidativem Stress.

Safran bei ADHS: Eine vielversprechende Alternative?

In den letzten Jahren haben Studien auch die potenzielle Wirksamkeit von Safran bei der Behandlung der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) untersucht.

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Vergleich mit Methylphenidat

Eine randomisierte, doppelblinde Pilotstudie von Baziar et al. (2019) verglich die Wirkung von Safran mit Methylphenidat (Ritalin), einem gängigen Medikament zur Behandlung von ADHS. Die Ergebnisse zeigten, dass Safran bei der Verringerung von ADHS-Symptomen ähnlich wirksam war wie Methylphenidat. Beide Behandlungen waren gut verträglich und zeigten keine signifikanten Unterschiede in Bezug auf Nebenwirkungen.

Eine weitere Studie von Blasco-Fontecilla et al. (2022) bestätigte diese Ergebnisse. Die Studie ergab, dass Safran bei Hyperaktivitätssymptomen tendenziell wirksamer war, während Methylphenidat bei Unaufmerksamkeitssymptomen wirksamer war. Darüber hinaus verbesserte Safran das Einschlafen, während beide Behandlungen die Anzahl der Schlafstunden erhöhten.

Kombinationstherapie mit Methylphenidat

Eine Studie von Khaksarian et al. (2021) untersuchte die Wirksamkeit einer Kombinationstherapie mit Methylphenidat und Safran bei Kindern und Jugendlichen mit ADHS. Die Ergebnisse zeigten, dass die Kombinationstherapie wirksamer war als die Monotherapie mit Methylphenidat. Eine ähnliche Studie von Pazoki et al. (2022) bestätigte diese Ergebnisse auch bei Erwachsenen.

Zusammenfassende Bewertung

Die bisherigen Ergebnisse deuten darauf hin, dass Safran eine vielversprechende Behandlungsoption bei ADHS sein könnte, insbesondere als natürliche und sichere Alternative zu herkömmlichen ADHS-Medikamenten. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass weitere Studien mit größeren Stichprobengrößen erforderlich sind, um die Ergebnisse zu bestätigen und die optimale Dosierung und Anwendungsweise von Safran bei ADHS zu bestimmen.

Weitere positive Auswirkungen von Safran auf das Gehirn

Neben den bereits genannten Wirkungen gibt es Hinweise darauf, dass Safran auch bei anderen neurologischen und psychischen Erkrankungen positive Effekte haben könnte:

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  • Alzheimer-Krankheit: Studien deuten darauf hin, dass Safran den Rückgang kognitiver Fähigkeiten bei Alzheimer-Patienten verlangsamen kann (Khaksarian et al., 2021). In einer Studie wirkte Safranextrakt bei leichter bis mittelgradiger Alzheimer ähnlich gut wie Donepezil, ein gängiges Medikament zur Behandlung von Alzheimer (Pazoki et al., 2022). Safranextrakt scheint selbst bei schweren Formen der Demenz zu wirken.
  • Schizophrenie: In einem Tiermodell besserte Safranextrakt die Symptome einer Schizophrenie. Eine placebokontrollierte Doppelblindstudie ermittelte eine gute Verträglichkeit und Sicherheit bei schizophrenen Erwachsenen.
  • Parkinson-Krankheit: Weitere Ergebnisse sprechen für eine Wirksamkeit bei M. Parkinson.
  • Gedächtnis und Lernfähigkeit: Safran kann die kognitiven Funktionen bei gesunden Menschen verbessern und hat eine positive Wirkung auf Gedächtnis, Konzentration und Lernfähigkeit.

Die neuroprotektiven Eigenschaften von Safran werden auf seine starke antioxidative Aktivität, entzündungshemmende Eigenschaften und die Fähigkeit, die Aggregation von Beta-Amyloid im Gehirn zu hemmen, zurückgeführt.

Safran und Augengesundheit

Safran kann auch die Augengesundheit fördern und vor degenerativen Netzhauterkrankungen schützen. Studien haben gezeigt, dass Safran die Durchblutung im Auge verbessert, die Photorezeptoren und retinalen Ganglionzellen vor Schädigungen schützt und den Augendruck bei Glaukom senken kann.

Altersbedingte Makuladegeneration (AMD)

Drei Pilotstudien am Menschen mit Patienten mit beginnender AMD liefern den wissenschaftlichen Beweis, dass Safranextrakt das Fortschreiten der Krankheit hemmt, dass seine neuroprotektive Wirkung bei langfristiger Supplementierung fortbesteht (und bei deren Absetzen verschwindet) und dass Safran auch bei Patienten mit einer erblichen Genmutation wirksam ist.

Safran und das Metabolische Syndrom

Wissenschaftler vermuten, dass sich Safran (Extrakt, Crocin, Crocetin, Safranal) zur Prävention und Behandlung des metabolischen Syndroms und von Diabetes und Diabeteskomplikationen (wie z. B. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Fettleber, Verschlechterung der kognitiven Fähigkeiten, Nephropathie, Neuropathie) eignet. Safran werden außer antioxidativen und entzündungshemmenden Wirkungen auch antidiabetische, antiobesogene, blutdrucksenkende und lipidsenkende Eigenschaften zugeschrieben. Dabei kann Safran den Appetit hemmen.

Safran in der traditionellen Medizin

In der altpersischen Medizin wurde Safran für eine Vielzahl von Krankheiten empfohlen, darunter Magen-Darm-Probleme, Epilepsie, prämenstruelles Syndrom, Libidoverlust, Asthma, Schlaflosigkeit, Depressionen, Gedächtnisprobleme und Schmerzen.

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Inhaltsstoffe und ihre Wirkung

Die wichtigsten pharmakologischen Inhaltsstoffe von Safran sind Crocin, Crocetin, Picrocrocin und Safranal. Sie sind für die Farbe, den Geschmack und den Geruch von Safran verantwortlich und tragen maßgeblich zu seinen gesundheitlichen Vorteilen bei.

  • Crocin und Crocetin: Diese Carotinoide wirken antioxidativ, entzündungshemmend und neuroprotektiv. Sie können die Stimmung verbessern, das Gedächtnis stärken und die Augengesundheit fördern.
  • Safranal: Dieses ätherische Öl hat beruhigende und angstlösende Wirkungen. Es kann auch die Schlafqualität verbessern und die kognitiven Funktionen unterstützen.
  • Picrocrocin: Precursor von Safranal, Metabolit des Carotinoids Zeaxanthin.

Anwendung und Dosierung

Safran ist in verschiedenen Formen erhältlich, darunter als Gewürz, Extrakt und Nahrungsergänzungsmittel. Die meisten Studien wurden mit 20-30 mg Safranextrakt pro Tag durchgeführt, und es wurden signifikante Gesundheitseffekte erzielt. Es ist wichtig, eine qualitativ hochwertige Safranergänzung mit einer hohen Konzentration an Crocin, Crocetin, Picrocrocin und Safranal zu wählen.

Sicherheitshinweise und Nebenwirkungen

Safran ist im Allgemeinen sicher, wenn es in normalen Mengen als Gewürz oder Nahrungsergänzungsmittel eingenommen wird. Hohe Dosen (über 5 Gramm pro Tag) können jedoch zu unerwünschten Nebenwirkungen wie Erbrechen, blutigen Durchfällen oder Gelbfärbung der Haut führen. Schwangere Frauen sollten Safran meiden, da er Uterusblutungen auslösen kann.

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