Saunabesuche sind in vielen Kulturen ein beliebter Bestandteil der Gesundheits- und Wellnessroutine. Besonders in Finnland hat die Sauna eine lange Tradition und ist tief in der Lebensweise verwurzelt. Studien deuten darauf hin, dass regelmäßige Saunagänge positive Auswirkungen auf die Gesundheit haben können, darunter eine Senkung des Schlaganfallrisikos. Allerdings ist Vorsicht geboten, insbesondere für Menschen mit Vorerkrankungen wie Herz-Kreislauf-Problemen oder nach einem Schlaganfall. Dieser Artikel beleuchtet die potenziellen Risiken und Vorteile von Saunabesuchen nach einem Kleinhirninfarkt und gibt Empfehlungen für Betroffene.
Studienlage zum Schlaganfallrisiko und Saunabesuchen
Eine prospektive Kohortenstudie aus Kuopio, Finnland, veröffentlicht in Neurology (2018), untersuchte den Zusammenhang zwischen der Häufigkeit von Saunabesuchen und dem Schlaganfallrisiko. Die Studie umfasste 1.628 Männer und Frauen im Alter von 53 bis 74 Jahren, die über einen Zeitraum von durchschnittlich 14,9 Jahren beobachtet wurden.
Die Ergebnisse zeigten, dass Personen, die häufiger in die Sauna gingen, ein geringeres Schlaganfallrisiko hatten. Bei den Teilnehmern, die nur einmal pro Woche die Sauna besuchten, traten 8,1 Schlaganfälle pro 1.000 Personenjahre auf. Bei denjenigen, die zwei- bis dreimal pro Woche saunierten, waren es 7,4 Schlaganfälle pro 1.000 Personenjahre, und bei denjenigen, die vier- bis siebenmal pro Woche in die Sauna gingen, sank die Rate auf 2,8 Schlaganfälle pro 1.000 Personenjahre.
Die Forscher ermittelten für die häufigsten Saunabesucher eine Hazard Ratio von 0,38 (95-%-Konfidenzintervall 0,18 bis 0,81), was einer Risikominderung von 62 % entspricht. Diese Analyse berücksichtigte Störfaktoren wie Alter, Geschlecht, Diabetes, Body-Mass-Index, Blutfette, Alkoholkonsum, körperliche Aktivität und sozioökonomischen Status. Die Assoziation war bei Männern und Frauen gleich stark.
Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass diese Studie in Ostfinnland durchgeführt wurde, wo Saunabesuche weit verbreitet sind. Eine Vergleichsgruppe ohne Saunabesuche fehlte, was die Interpretation der Ergebnisse erschwert. Trotzdem deuten die Ergebnisse darauf hin, dass häufige Saunagänge potenziell vor Hirninfarkten schützen könnten.
Lesen Sie auch: Erfahrungen mit Sauna bei Neuralgien
Auswirkungen von Saunabesuchen auf den Körper
Ein Saunabesuch stellt eine Belastung für Herz und Kreislauf dar. Der Körper reagiert auf die Hitze mit einer vermehrten Hautdurchblutung, die durch eine Erhöhung des kardialen Schlagvolumens sichergestellt wird. Während eines Saunagangs kann der Puls deutlich ansteigen, und der Blutdruck kann sowohl steigen als auch fallen.
Nach dem Abkühlen normalisieren sich Puls und Herzfrequenz in der Regel rasch wieder. Bei Menschen mit vorgeschädigtem Herz-Kreislauf-System kann es nach dem Saunagang sogar zu einer vorübergehenden Senkung des Blutdrucks und einer Entspannung der Blutgefäße kommen.
Risiken von Saunabesuchen nach einem Schlaganfall
Obwohl Saunabesuche potenziell positive Auswirkungen haben können, birgen sie auch Risiken, insbesondere für Menschen, die bereits einen Schlaganfall erlitten haben. Nach einem Schlaganfall ist es wichtig, den behandelnden Arzt zu konsultieren, bevor man eine Sauna besucht.
Einige Experten raten, die 60-Grad-Grenze in der Sauna nicht zu überschreiten und auf eiskaltes Wasser zum Abkühlen zu verzichten. Stattdessen sollte der Körper langsam abgekühlt werden, beispielsweise mit lauwarmem Wasser (20 bis 25 Grad).
Personen mit Herzproblemen oder hohem Blutdruck sollten ebenfalls vorsichtig sein, da hohe Temperaturen und hohe Luftfeuchtigkeit riskant sein können. Es ist ratsam, in der Sauna zu sitzen statt zu liegen, um den Rückfluss des Blutes ins Herz besser zu regulieren.
Lesen Sie auch: Myasthenie und Sauna: Infos
Empfehlungen für Saunabesuche nach einem Kleinhirninfarkt
Nach einem Kleinhirninfarkt ist besondere Vorsicht geboten. Das Kleinhirn spielt eine wichtige Rolle für die Koordination von Bewegungen und das Gleichgewicht. Ein Infarkt in diesem Bereich kann zu Ataxie (Koordinationsstörungen), Schwindel und Gleichgewichtsstörungen führen.
Für Schlaganfallpatienten gelten folgende allgemeine Empfehlungen:
- Arzt konsultieren: Vor dem ersten Saunabesuch nach dem Schlaganfall sollte unbedingt der behandelnde Arzt konsultiert werden, um mögliche Risiken abzuklären.
- Temperatur beachten: Die Temperatur in der Sauna sollte nicht zu hoch sein (maximal 60 Grad Celsius). Auch Aufgüsse sollten nicht heißer als 60 Grad sein.
- Aufenthaltsdauer begrenzen: Die Aufenthaltsdauer in der Sauna sollte kurz sein (nicht länger als zehn Minuten).
- Langsam abkühlen: Auf eiskaltes Wasser sollte verzichtet werden. Stattdessen sollte der Körper langsam mit lauwarmem Wasser abgekühlt werden.
- Sitzposition bevorzugen: In der Sauna sollte man besser sitzen als liegen, um den Kreislauf zu entlasten.
- Auf den Körper hören: Bei Unwohlsein, Schwindel oder anderen Beschwerden sollte die Sauna sofort verlassen werden.
- Medikamente beachten: Wer regelmäßig Medikamente einnehmen muss, sollte seinen Arzt fragen, ob der Saunabesuch die Wirkung der Medikamente beeinträchtigen kann. Insbesondere Diabetiker und Personen, die entwässernde Medikamente einnehmen, sollten vorsichtig sein.
Zusätzlich zu diesen allgemeinen Empfehlungen sollten Menschen nach einem Kleinhirninfarkt folgende Punkte beachten:
- Gleichgewichtsstörungen: Aufgrund möglicher Gleichgewichtsstörungen ist es wichtig, sich in der Sauna sicher zu bewegen und gegebenenfalls eine Begleitperson mitzunehmen.
- Schwindel: Bei Schwindelgefühl sollte die Sauna sofort verlassen und ein Arzt konsultiert werden.
- Koordination: Aufgrund möglicher Koordinationsstörungen sollte man sich in der Sauna nicht überanstrengen und auf ruckartige Bewegungen verzichten.
Allgemeine Tipps für sichere Saunabesuche
Unabhängig von Vorerkrankungen sollten folgende allgemeine Tipps für sichere Saunabesuche beachtet werden:
- Ausreichend trinken: Vor, während und nach dem Saunabesuch sollte ausreichend Flüssigkeit zu sich genommen werden, um den Flüssigkeitsverlust durch Schwitzen auszugleichen.
- Nicht mit vollem oder leerem Magen in die Sauna gehen: Eine leichte Mahlzeit vor dem Saunabesuch ist ideal.
- Kein Alkohol: Alkohol erweitert die Blutgefäße und kann den Kreislauf zusätzlich belasten.
- Regelmäßige Pausen: Zwischen den Saunagängen sollten ausreichend Pausen eingelegt werden.
- Auf den Körper hören: Bei Unwohlsein oder Beschwerden sollte die Sauna sofort verlassen werden.
Rehabilitation nach einem Schlaganfall
Die Rehabilitation spielt eine entscheidende Rolle bei der Genesung nach einem Schlaganfall. Ziel der Rehabilitation ist es, die durch den Schlaganfall verursachten Schäden zu kompensieren und die Selbstständigkeit des Patienten wiederherzustellen.
Lesen Sie auch: Hilft Sauna bei Nervenschmerzen?
Die Rehabilitation sollte so früh wie möglich beginnen, idealerweise bereits in den ersten Tagen nach dem Schlaganfall. In spezialisierten Stroke Units werden die Patienten engmaschig überwacht und erhalten erste Rehamaßnahmen wie Krankengymnastik, Sprachtherapie und Ergotherapie.
Nach der Akutbehandlung sollte die Rehabilitation in einer spezialisierten Rehabilitationseinrichtung fortgesetzt werden. Dort werden gezielte Therapien eingesetzt, um das Gehirn dazu zu bringen, neue Strukturen aufzubauen und die geschädigten Funktionen zu kompensieren (Neuroplastizität).