Die Magnetresonanztomographie (MRT) spielt eine entscheidende Rolle bei der Diagnose und Beurteilung von Erkrankungen des zentralen Nervensystems (ZNS). Dieser Artikel beleuchtet die Bedeutung von MRT-Befunden bei Verdacht auf ZNS-Schädigungen, mögliche Ursachen, Diagnoseverfahren und Behandlungsansätze.
Einführung
Bei neurologischen Beschwerden wie Kopfschmerzen, Schwindel oder anderen Symptomen ist oft eine schnelle und präzise Diagnose entscheidend. Die MRT des Schädels und Gehirns ist eine wertvolle Methode, um die Ursache der Beschwerden zu identifizieren und eine geeignete Behandlung einzuleiten.
MRT-Befund: Was bedeutet das?
Ein MRT-Befund kann vielfältige Informationen liefern. Im vorliegenden Fall deutet der Befund auf eine "progrediente Herdlast im Rahmen einer vermutlich entzündlichen ZNS-Erkrankung wie z.B. Multiple Sklerose" hin. Konkret wurden im Vergleich zu einer Voruntersuchung (2016) neue Herde im Myelon (Höhe HWK 1/2) und im Pons (paramedian rechts) festgestellt. Es wurden keine Anzeichen für einen Infarkt, eine Blutung oder eine Ischämie gefunden.
Wichtig ist, dass ein solcher Befund noch keine endgültige Diagnose darstellt, sondern lediglich einen Verdacht auf eine entzündliche ZNS-Erkrankung äußert.
Mögliche Ursachen für ZNS-Schädigungen
Neben der Multiplen Sklerose (MS) gibt es weitere mögliche Ursachen für entzündliche ZNS-Erkrankungen und entsprechende MRT-Befunde:
Lesen Sie auch: Therapie bei vestibulärer Schädigung
- Multiple Sklerose (MS): Eine Autoimmunerkrankung, bei der das Myelin, die Schutzschicht der Nervenfasern im Gehirn und Rückenmark, angegriffen wird.
- Neuroinfektionen: Entzündungen des Nervensystems, die durch Viren (z.B. Zytomegalie, Röteln, Varizellen, Herpes simplex, Zika), Bakterien (z.B. Neurosyphilis, Neuroborreliose) oder andere Erreger verursacht werden können.
- Nicht-infektiöse chronisch-entzündliche Erkrankungen: Dazu gehören beispielsweise Sarkoidose, Vaskulitis und Kollagenosen.
- Stoffwechselerkrankungen: Vitamin B12-Mangel (funikuläre Myelose), Leukodystrophien und andere Stoffwechselstörungen können ähnliche Symptome und MRT-Befunde verursachen.
- Tumoren und Metastasen: Primärtumoren oder Metastasen im ZNS können ebenfalls zu neurologischen Symptomen und Auffälligkeiten im MRT führen.
Diagnoseverfahren
Um die Ursache der ZNS-Schädigung zu ermitteln, sind weitere Untersuchungen erforderlich:
- Anamnese und klinische Untersuchung: Eine ausführliche Befragung des Patienten und eine neurologische Untersuchung sind grundlegend.
- Lumbalpunktion: Bei dieser Untersuchung wird Nervenwasser (Liquor) entnommen und auf Entzündungszeichen, Antikörper und andere Auffälligkeiten untersucht. Dies kann helfen, MS von anderen Erkrankungen wie der Neuromyelitis optica (NMO) zu unterscheiden.
- Blutuntersuchungen: Zum Ausschluss anderer Erkrankungen wie Borreliose, HIV-Infektion oder Stoffwechselstörungen.
- MRT-Kontrolluntersuchungen: Um den Verlauf der Erkrankung zu beurteilen und neue Herde oder Veränderungen zu erkennen.
Bedeutung der MRT bei Multipler Sklerose
Die MRT ist ein wichtiges Instrument bei der Diagnose und Verlaufsbeurteilung der Multiplen Sklerose. Sie ermöglicht den Nachweis von:
- Multiplen, disseminierten Demyelinisierungsherden: Diese Läsionen sind typisch für MS und treten bevorzugt periventrikulär, im Corpus callosum und in der Medulla oblongata auf.
- Veränderungen der weißen Substanz: Die MRT ist sehr sensitiv für Veränderungen der weißen Substanz im Gehirn und Rückenmark.
- Krankheitsaktivität: Durch den Nachweis von Kontrastmittel-aufnehmenden Läsionen kann die aktuelle Entzündungsaktivität beurteilt werden.
Die MRT-Bilder werden anhand formaler Kriterien beurteilt, um die Wahrscheinlichkeit einer MS-Erkrankung einzuschätzen.
Therapieansätze bei ZNS-Schädigungen
Die Therapie richtet sich nach der Ursache der ZNS-Schädigung.
- Multiple Sklerose:
- Akuttherapie: Cortison-Stoßtherapie zur Behandlung akuter Schübe.
- Intervalltherapie: Langfristige Immunmodulation mit Medikamenten wie Interferonen oder Glatirameracetat, um die Schubfrequenz zu reduzieren und die Krankheitsprogression zu verlangsamen.
- Symptomatische Therapie: Behandlung von Beschwerden wie Schmerzen, Blasenstörungen oder Gangstörungen.
- Neuroinfektionen: Antibiotische oder antivirale Therapie zur Bekämpfung der Infektion.
- Andere entzündliche Erkrankungen: Immunsuppressive Therapie mit Medikamenten wie Cortison oder anderen Immunsuppressiva.
- Tumoren: Operation, Strahlentherapie oder Chemotherapie, je nach Art und Lage des Tumors.
- Stoffwechselerkrankungen: Behandlung der Grunderkrankung, z.B. Vitamin B12-Gabe bei Mangel.
Cortisontherapie: Nutzen und Risiken
Die Cortison-Stoßtherapie wird häufig bei akuten MS-Schüben eingesetzt, um Entzündungen zu reduzieren und die Symptome zu lindern. Allerdings birgt Cortison auch Risiken, wie z.B. ein erhöhtes Thromboserisiko. Daher sollte die Indikation für eine Cortisontherapie sorgfältig geprüft werden, insbesondere bei Patienten mit Vorerkrankungen wie einer Thrombose.
Lesen Sie auch: Alkohol und Gehirn: Auswirkungen
Lumbalpunktion: Angst und Realität
Viele Patienten haben Angst vor einer Lumbalpunktion. Moderne atraumatische Nadeln und eine sorgfältige Durchführung können die Schmerzen jedoch minimieren. In den meisten Fällen ist die Lumbalpunktion schmerzlos und ohne größere Nachwirkungen. Kopfschmerzen nach der Punktion können durch ausreichendes Trinken und Liegen vermieden werden.
Entwicklungsstörungen des Zentralnervensystems
Entwicklungsstörungen des ZNS sind mit einer Häufigkeit von 1 pro 100 Lebendgeburten die häufigsten Entwicklungsstörungen des Menschen. Sie können isoliert oder im Rahmen von Syndromen auftreten. Ursächlich spielen sowohl genetische Veränderungen als auch Umweltfaktoren eine Rolle. Die Kenntnis des zeitlichen Ablaufs der ZNS-Entwicklung ermöglicht eine zeitliche Einordnung der Entstehung unterschiedlicher Entwicklungsstörungen. Für eine ätiologische und prognostische Einordnung einer Malformation des ZNS ist neben einer detaillierten Anamnese und klinischen Untersuchung die prä- und postnatale Bildgebung entscheidend. Während pränatal die Ultraschalldiagnostik, oft ergänzt durch fetale Magnetresonanztomografie (MRT), von großer Bedeutung ist, ist postnatal die MRT die Methode der Wahl.
Dysraphien oder Verschlussstörungen des Neuralrohrs
Dysraphien entstehen um die 3. und 4. Schwangerschaftswoche (SSW). Neben Umweltursachen (Medikamente, Infektionen, Diabetes der Mutter, Folsäuremangel) spielen genetische Faktoren eine wichtige Rolle. Es werden offene (Spina bifida aperta) von geschlossenen (Spina bifida occulta) Defekten unterschieden. Die Therapie von Patienten mit Spina bifida aperta sollte von Anfang an und lebenslang in einem interdisziplinären und multiprofessionellen Team erfolgen.
Holoprosenzephalie
Eine Holoprosenzephalie bezeichnet eine inkomplette oder fehlende Trennung der Großhirnhemisphären und tritt mit einer Prävalenz von ca. 0,5-1:10.000 Lebendgeburten auf. Ursächlich ist eine Störung der Trennung des Prosencephalons in eine rechte und eine linke Hemisphäre zwischen dem 18. und 28. Tag post conceptionem. Betroffen sind oft auch Mittelhirnstrukturen, und es treten Gesichtsfehlbildungen auf.
Primäre ZNS-Lymphome
Primäre ZNS-Lymphome sind seltene, aggressive Non-Hodgkin-Lymphome, die im Gehirn, den Meningen, den Augen oder dem Rückenmark lokalisiert sind. Die Diagnose erfordert eine Biopsie des betroffenen Gewebes. Die Behandlung umfasst in der Regel eine hochdosierte Chemotherapie mit Methotrexat, oft in Kombination mit anderen Medikamenten und/oder einer Strahlentherapie. In einigen Fällen kann auch eine autologe Stammzelltransplantation in Betracht gezogen werden.
Lesen Sie auch: Umfassender Überblick: Nervenschädigung
Schnelle MRT-Termine
Da eine schnelle Diagnose bei neurologischen Beschwerden entscheidend ist, bieten einige Kliniken und Praxen kurzfristige MRT-Termine an. Dies ermöglicht eine rasche Abklärung der Symptome und den Beginn einer geeigneten Therapie.
tags: #schadigung #zns #im #mrt