Aphasie nach Schlaganfall: Therapie, Sprachstörung und Heilungschancen

In Deutschland leben mehr als 100.000 Menschen mit Aphasie, einer Sprachstörung, die häufig nach einem Schlaganfall auftritt. Jährlich erkranken etwa 25.000 Menschen neu an einer Aphasie. Die Aphasie ist eine von verschiedenen Störungen, die das menschliche Sprachsystem betreffen. Bei der Aphasie handelt es sich um eine erworbene Störung des Sprachsystems, bei der die Fähigkeit zu sprechen in der Regel nicht vollständig verloren gegangen ist. Aphasie ist keine geistige Behinderung. Eine Aphasie betrifft das Sprachsystem des Betroffenen. Die geistigen Fähigkeiten des Aphasikers, wie beispielsweise das Denken, Wissen oder Erinnern sind weitgehend unbeeinträchtigt.

Was ist Aphasie?

Der Begriff Aphasie bedeutet wörtlich übersetzt „Sprachverlust“. Medizinisch versteht man darunter eine durch Krankheit erworbene Sprachstörung. Bei der Aphasie handelt es sich um eine im Laufe des Lebens erworbene Störung des Sprachsystems. Das heißt, die Sprache wurde erlernt und die Aphasie entsteht aufgrund einer Erkrankung, die das Gehirn betrifft. Die Dysphasie hingegen ist eine medizinische Bezeichnung für angeborene Hör- und Sprachstörungen. Ursache einer Aphasie ist immer eine Erkrankung des Gehirns. In den meisten Fällen liegt die Schädigung im Bereich der linken Großhirnhälfte. Eine plötzlich auftretende Aphasie kann aufgrund einer Schädigung des Gehirns auftreten. In den meisten Fällen liegt die Schädigung im Bereich der linken Großhirnhälfte. Die häufigste Ursache einer Sprachstörung im Erwachsenenalter ist ein Schlaganfall, genauer ein Hirninfarkt, also eine lokale Durchblutungsstörung mit anschließendem Untergang von Hirngewebe. Ein Schlaganfall (Apoplex) ist mit Abstand die häufigste Ursache für eine Aphasie. Das bedeutet, die Aphasie wird im Verlauf der Schlaganfall-Behandlung und Rehabilitation chronisch. Die Aphasie entsteht infolge einer Hirnschädigung, meist durch einen Schlaganfall (laut Stiftung Deutsche Schlaganfallhilfe in 80 Prozent der Fälle). Betroffene, die ihren ersten Schlaganfall erleiden, erleben zu circa 30 Prozent auch die Sprachstörung Aphasie. In Deutschland betrifft dieser pro Jahr ca. 270.000 Menschen, 80 Prozent davon sind älter als 60 Jahre. In den ersten Tagen nach einem Schlaganfall sind ca. 40 Prozent aller Patient*innen aphasisch. Mehr als die Hälfte der Betroffenen hat eine schwere Aphasie. Ursachen können verschiedene Schädigungen oder Erkrankungen sein, die das sogenannte Sprachnetzwerk des Gehirns betreffen. Eine Aphasie entsteht meist, wenn davon die linke Hirnhälfte betroffen ist.

Ursachen für Aphasie

Eine Aphasie kann durch verschiedene Erkrankungen entstehen, die jeweils unterschiedliche Schädigungen im Gehirn verursachen. Bei einem Schlaganfall führt eine Durchblutungsstörung beispielsweise häufig dazu, dass das Sprachzentrum im Gehirn geschädigt wird.

Eine Aphasie tritt nach Schädigungen oder Erkrankungen des Gehirns auf wie z.B.:

  • Schlaganfall (verursacht 80 Prozent der Aphasien)
  • Schädel-Hirn-Trauma
  • Tumoren
  • Hirnblutungen
  • Entzündungen
  • weiteren Erkrankungen des zentralen Nervensystems

Symptome und Formen der Aphasie

Die Aphasie beeinträchtigt das Sprechen, Verstehen, Lesen und Schreiben. Häufigste Ursache ist ein Schlaganfall oder eine andere Schädigung des Gehirns. Die wissenschaftliche Erforschung der Aphasien begann im 19. Jahrhundert. Im Jahre 1861 beschrieb der französische Arzt Paul Broca erstmalig einen Patienten mit einer erworbenen Sprachstörung aufgrund eines Gehirntumors im linken Stirnlappen. Dieser Patient konnte jahrelang nur noch die Silbe „an“ aussprechen, obwohl er vor seiner Erkrankung mal gesprochen hatte. Sein Sprachverständnis blieb allerdings intakt. Broca nahm daraufhin an, dass die Fähigkeit zur Sprachproduktion im Stirnlappen lokalisiert sei. Das frontale Sprachareal wird deshalb als Broca-Areal bezeichnet, die entsprechende Sprachstörung nennt man Broca-Aphasie. Kurze Zeit später beschrieb der deutsche Neurologe Karl Wernicke eine komplementäre Störung. Er hatte Patienten beobachtet, die zwar weiterhin flüssig sprechen konnten, deren Sprachverständnis allerdings schwer gestört war. Die Obduktion ergab später eine Lokalisation der Störung im linken Schläfenlappen und das entsprechende Areal wird heute noch als Wernicke-Areal bezeichnet. Die eigentliche Leistung Wernickes bestand darin, dass er als erster ein neurologisches Modell der menschlichen Sprache und ihrer Störungen entwickelte.

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Die Entwicklung der Aphasie hängt zudem stark von der Ursache und dem Ausmaß der Hirnstörung ab. Schwere Aphasien durch einen großen Schlaganfall verbessern sich zum Beispiel nicht so sehr wie leichte Störungen nach einer stärkeren Gehirnerschütterung.

Symptome

Bei der Aphasie handelt es sich um eine im Laufe des Lebens erworbene Störung des Sprachsystems. In der Regel sind mehrere sprachliche Fähigkeiten gleichzeitig in unterschiedlichem Ausmaß betroffen. Es können sowohl rezeptive als auch expressive Modalitäten betroffen sein, das heißt Sprechen und Verstehen, Lesen und Schreiben. Bei einem Teil ist vor allem das Verstehen von Sprache, Lesen und Schreiben gestört. Beim anderen ist besonders das Erzeugen von Sprache beeinträchtigt. Auch Gestik und Mimik können begleitend zur Aphasie eingeschränkt sein und die Kommunikation erschweren. Betroffene suchen oft beim Sprechen nach den passenden Begriffen. Der Redefluss wirkt dadurch häufig stockend. Begriffe werden fehlerhaft verwendet, wodurch das Gesprochene für andere unverständlich werden kann.

Die Möglichkeiten zur Behandlung einer Aphasie und die Prognose hängen von der ursächlichen Erkrankung ab. Grundsätzlich hilft vielfach ein sprachtherapeutisches Training (Logopädie), das so früh wie möglich beginnen sollte.

Typische Störungen bei Aphasie

Bei einer Aphasie ist die Fähigkeit zur sprachgebundenen Kommunikation gestört. Gerade in der akuten Erkrankungsphase müssen die Betroffenen erleben, dass sie nur noch eingeschränkt oder nicht mehr in der Lage sind, ihre Gedanken in Worte zu fassen. Ebenso sind gehörte Worte, d.h. verbale Äußerungen anderer, häufig unverständlich. Auch Versuche sich schriftlich zu äußern sind nicht selten zunächst erfolglos. Typische Störungen einer Aphasie sind somit Störungen beim Sprechen, Verstehen, Lesen und Schreiben.

Begleitende neurologische Störungen

Entsprechend treten Aphasien meist nicht isoliert sondern zusammen mit anderen neurologischen Störungen auf. Dazu gehören:

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  • Sprechapraxie (Störung der sprechmotorischen Programms)
  • Dysarthrie (Artikulationsstörung)
  • Dysphagie (Schluckstörungen)
  • Apraxie (Störungen von Bewegungsabfolgen)
  • Akalkulie (Einschränkungen bei der Verarbeitung von Zahlen)
  • Hemianopsie (teilweise Einschränkungen des Gesichtsfelds/“Halbseitenblindheit“)
  • halbseitige Lähmung
  • Sensibilitätsstörungen
  • Krampfanfälle (epileptische Anfälle)
  • Gedächtnisstörungen
  • Konzentrations- und Aufmerksamkeitsstörungen
  • Orientierungsstörungen
  • Gefühlsschwankungen mit depressiver Verstimmung, Reizbarkeit oder auch Ängsten

Formen der Aphasie

Um bei einer Aphasie die Vielzahl möglicher sprachlicher Symptome im klinischen Alltag besser einordnen und behandeln zu können, werden bestimmte sprachliche Symptome zu Bündeln (Syndromen) zusammengefasst. Aphasien werden unterteilt in flüssige Aphasie und nicht-flüssige Aphasie. Am häufigsten finden sich die folgenden vier Standardsyndrome der Aphasie:

  • Globale Aphasie: Die Globale Aphasie ist die schwerste Form einer Aphasie. Die Betroffenen können kaum oder gar nicht sprechen. Die Störung beeinträchtigt ebenso das Sprachverständnis und in der Regel auch die Fähigkeit zum Lesen und Schreiben. Sprachverständnis wie auch die eigene Sprache sind massiv gestört, ganze Sätze sind selten. Häufig nutzen Global-Aphasiker einzelne Worte und wiederkehrende Halbsätze und Floskeln. Auch ein Wort für sich zu verstehen (ohne aus der Situation zu schließen) fällt Betroffenen schwer.
  • Broca-Aphasie (motorische Aphasie): Die Broca-Aphasie wurde früher auch als motorische Aphasie bezeichnet. Die Broca-Aphasie zählt zu den nichtflüssigen Aphasien. Das heißt, die betroffene Person kann in der Regel nicht flüssig sprechen. Außerdem ist das Sprechen mit erheblichen Anstrengungen verbunden. Bei der Broca-Aphasie können die Betroffenen nicht flüssig sprechen und keine kompletten Sätze bilden. Typisch ist ein sogenannter „Telegrammstil“ der Sprache. Das Sprachverständnis ist dagegen in der Regel weitgehend ungestört. Das heißt, es können keine vollständigen Sätze gebildet werden. Ausgesprochen werden nur einzelne Satzbestandteile oder Wörter. Dadurch ist die Möglichkeit, sich ausdrücken, für den Betroffenen stark eingeschränkt. Das Sprachverständnis ist gut erhalten.
  • Wernicke-Aphasie: Die veraltete Bezeichnung der Wernicke-Aphasie lautet „sensorische Aphasie“. Sie gehört zur Gruppe der flüssigen Aphasien. Bei der Wernicke-Aphasie ist der Redefluss gut erhalten, manchmal sogar gesteigert. Dagegen ist das Sprachverständnis und häufig auch das Störungsbewusstsein für die Sprachstörung stärker beeinträchtigt. Die Betroffenen verstehen häufig auch einfache Wörter nicht. Das bedeutet, sie können zwar flüssig sprechen, das Gesprochene aber nicht mit Inhalt füllen. Die Satzbauteile geraten beim Sprechen durcheinander und Wörter werden verwechselt. So lässt sich der Sinn des Gesagten für den Zuhörenden nur schwer erkennen. Das heißt, der Aphasiker versteht das Gesagte nicht oder nur eingeschränkt. Lesen und schreiben ist für die Betroffenen nicht möglich.
  • Amnestische Aphasie: Die Amnestische Aphasie gehört zur Gruppe der flüssigen Aphasien. Patient*innen mit Amnestischer Aphasie zeigen oft nur leichte Defizite. Hauptsymptom sind Wortfindungsstörungen. Das vorrangige Symptom ist die Wortfindungsstörung. Die Satzinhalte wiederholen sich oft und es werden Floskeln oder Umschreibungen verwendet, um die Wortfindungsstörung zu überspielen. Die Betroffenen zeigen ein gutes Störungsbewusstsein und versuchen Fehler zu korrigieren. Häufig werden Statthalterwörter wie „Ding“, „das da“ oder „es“ verwendet. Amnestische Aphasiker können das in der Regel durch Redefloskeln oder Umschreibungen kaschieren. Diese leichteste Aphasieform fällt oft erst spät auf. Betroffene zeigen Wortfindungsstörungen in der Spontansprache und beispielsweise beim direkten Benennen von Gegenständen.

Diagnose von Aphasie

Die Aphasie-Diagnostik beginnt in der Akutphase im Krankenhaus und wird von Logopäden, also Sprachtherapeuten, durchgeführt. Viele Patienten haben sind zu Beginn dieser Phase noch schwach und ihr Gesundheitszustand ist instabil. Erst nach etwa sechs Wochen kann eine detaillierte Beurteilung der sprachlichen Fähigkeiten des Betroffenen stattfinden. Dafür stehen unterschiedliche Tests zur Verfügung. Sollten Sie als angehörige Person wiederholt Sprachstörungen bei Ihrem Familienmitglied bemerken, kann es sich lohnen, diese zu dokumentieren und für ein späteres Arztgespräch bereitzuhalten. Gibt es Muster, wie zum Beispiel Wortfindungsstörungen oder Verwechslungen? Der Aphasie-Schnell-Test (AST) wurde für leichte bis mittelgradige akute Aphasien entwickelt. Der Test kann einfach durchgeführt werden und dauert etwa fünf bis 15 Minuten. Mit diesem Test kann zum einen ermittelt werden, ob eine Aphasie vorliegt oder nicht. Der Test dauert zwischen 60 und 90 Minuten.

Im Rahmen der neurolinguistischen/logopädischen und neuropsychologischen Diagnostik werden die folgenden Bereiche der Sprachfunktion untersucht:

  • Lautstruktur (Phonologie)
  • Wortgestalt (Morphologie)
  • Satzbau (Syntax)
  • Wort- und Satzbedeutung (Semantik)
  • Sprachverständnis
  • Störungen des Lesens (Dyslexie)
  • Störungen des Schreibens (Dysgraphie)
  • Störungen von Sprechbewegungen (Sprechapraxien)
  • Störungen der Artikulation, der Stimmgebung und der Sprechatmung (Dysarthrophonie)

Zudem werden mögliche zusätzliche Einschränkungen folgender Bereiche erfasst:

  • Konzentration und Aufmerksamkeit
  • Orientierung
  • Gedächtnis
  • Auditive und visuelle Wahrnehmung
  • Räumlich-konstruktive Störungen
  • Handlungsplanung
  • Rechenfähigkeit
  • Antrieb und psychomotorisches Tempo
  • Stimmung und Affektivität

Therapie von Aphasie

Die Behandlung einer Aphasie ist nicht invasiv, das heißt, Betroffene müssen nicht befürchten, am Gehirn operiert zu werden. Das übergeordnete Ziel der Aphasie-Therapie ist es, die sprachlichen Fähigkeiten des Patienten wiederherzustellen, zu verbessern oder zu erhalten. Betroffene lernen, die Sprachstörung durch andere Ausdrucksmöglichkeiten wie Gestik oder durch die Zuhilfenahme von Hilfsmitteln zu kompensieren. Entscheidend ist es, dass die Patienten dazu befähigt werden, wieder kommunizieren zu können. Die Behandlung der Aphasie liegt im Aufgabenbereich der Logopädie, also des Sprachtherapeuten. Patienten führen speziellen Aphasie-Übungen unter der Anleitung der Logopäden durch. Das genaue Therapieziel orientiert sich am Einzelfall, je nach Aphasie-Form, Schweregrad sowie allgemeiner gesundheitlicher Verfassung des Betroffenen.

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Ziel der Aphasietherapie ist es, die Kommunikationsfähigkeit so gut es geht zu verbessern und vorhandene Fähigkeiten zu fördern. Nach wissenschaftlichen Studien gilt auch für die Aphasietherapie: Je intensiver die Behandlung, desto effektiver ist das Ergebnis. Gerade in der akuten und subakuten Phase einer Aphasie hat sich gezeigt, dass vor allem eine intensive Sprachtherapie (IST) die Kommunikationsfähigkeit verbessern kann. Aber auch im Krankheitsverlauf, d.h. zu einem späteren Zeitpunkt, sind durch ein ausreichend intensives Training Besserungen der Symptome einer Aphasie möglich.

Sprach- und Sprechtherapie sind jedoch nur dann wirksam, wenn wesentliche Faktoren der Wirksamkeit in einem mehrdimensionalen Behandlungskonzept zusammenfließen. Eine intensive Sprachtherapie (IST) erfolgt daher vorzugsweise im Rahmen einer Rehabilitationsmaßnahme - in einer neurologischen Fachklinik (stationär oder teilstationär). Vorteil dabei ist, dass neben der intensiven Sprachtherapie die häufig vorhandenen neurologischen Begleitsymptome mitbehandelt werden können.

Die Rehabilitationsbehandlung der Aphasien kann folgende Therapiemodule umfassen:

  • Sprachtherapie (Logopädie und/oder Linguistik) inkl. computerunterstützte Sprachtherapie
  • Neuropsychologische Therapie (zur Verbesserung u. a. von Aufmerksamkeit und Gedächtnis)
  • Physiotherapie (bei Lähmungen und Bewegungseinschränkungen)
  • Ergotherapie (Übungen zum Wiedererlernen von Alltagsfähigkeiten)
  • Physikalische Therapien (Elektrotherapie, Massage, Bäder)

Die Aphasie-Therapien finden in der Regel in Einzel- und Gruppentherapien statt. Ein wesentliches Ziel ist dabei, Aphasiker*innen wieder in die Lage zu versetzen, trotz eventueller Einschränkungen wieder möglichst selbstständig im Alltag zurechtzukommen. Im hierzu beispielsweise durchgeführten Real Life-Training können die Betroffenen lernen, während der Behandlung eingeübte Kommunikationsmuster in einer realen Alltagssituation anzuwenden (z.B. beim Einkaufen). Wichtig ist immer, ein verständnisvolles Umfeld der Betroffenen zu fördern, um die ansonsten wirksamen natürlichen Sprach- und Sprechängste abbauen zu können. Dabei ist es hilfreich, wenn auch die Angehörigen frühzeitig in die Therapien eingebunden werden und durch Beratungen und Seminare das Verständnis für die Störung gefördert wird.

Aphasie-Behandlung: Je früher, desto besser

Grundsätzlich gilt, dass die logopädische Therapie so früh wie möglich begonnen werden sollte, am besten noch während des Krankenhausaufenthaltes. Wenn der Betroffene wieder zuhause ist, muss die logopädische Therapie von einem Arzt verordnet werden. Grundsätzlich kann die ambulante Logotherapie einzeln oder in Gruppen stattfinden.

Technische Hilfsmittel und Apps

Technische Entwicklungen erleichtern Therapeuten die Behandlung und Betroffenen ihren Alltag. Dazu gehören beispielsweise Sprachapps wie Neolexon, Constant Therapy, Tactus oder Lingraphica und spezielle Computerprogramme wie EvoCare, aphasiaware und Lingware. Studien wie die Big-CACTUS-Studie von 2019 zeigen, dass Patienten mit Sprachapps und Sprachsoftware zur Aphasie-Behandlung größere Fortschritte erzielen als ohne die Übungen.

Umgang mit Aphasie

Die Sprachstörung ist für Erkrankte und ihr Umfeld eine Herausforderung. Doch es gibt Wege, die den Umgang erleichtern. Im Gespräch empfiehlt es sich, die Sätze immer kurz und einfach zu halten und den Betroffenen ausreichend Zeit zum Verarbeiten zu geben. Menschen mit Aphasie brauchen vor allem Verständnis für ihre Situation. Es ist enorm wichtig, einfühlsam mit ihnen umzugehen und die Sprachstörung immer im Blick zu haben. Hier sind Geduld und ein ruhiges, störungsarmes Umfeld wichtig. Da sich Aphasiker sprachlich nicht mehr so gut mitteilen können, werden sie manchmal als verwirrt angesehen und teils nur noch eingeschränkt in Gespräche einbezogen. Ein solcher Umgang bringt viele Menschen mit Aphasie verständlicherweise in eine hilflose und unmündige Situation. Das verlangt manchmal außergewöhnliche Mittel und Wege. Doch in den meisten Fällen sind es genau diese Mittel, die den Alltag erheblich erleichtern. Seien Sie also kreativ.

Tipps zum Umgang mit Aphasikern

  • Behandeln Sie den oder die Aphasiker*in als Gesprächspartner auf Augenhöhe.
  • Nehmen Sie der aphasischen Person „nicht das Wort aus dem Mund“
  • Sprechen Sie nicht über sieihn, sondern mit ihrihm.
  • Sprechen Sie in normaler Sprache und in einfachen Sätzen.
  • Sprechen Sie langsam, klar und deutlich.
  • Insbesondere bei den ausgeprägten Formen einer Aphasie versuchen Sie Fragen vorzugsweise so zu formulieren, dass sie mit „Ja“ oder „Nein“ beantwortet werden können.
  • Korrigieren Sie nicht.
  • Halten Sie Blickkontakt.
  • Setzen Sie alle Mittel der Kommunikation ein: Gesten und Mimik, zeichnen oder schreiben Sie, wenn nötig, zeigen auf Gegenstände oder Abbildungen und motivieren gegebenenfalls auch dendie Betroffenen ebenfalls dazu.
  • Warten Sie geduldig auf eine Antwort.
  • Sorgen Sie im Gespräch für eine ruhige Umgebung und schalten Sie störende Geräuschquellen wie Radio oder TV möglichst aus.
  • Wenn der*die Betroffene in einem Satz nicht weiterkommt, drängen Sie nicht. Gegebenenfalls ist es auch hilfreich, zunächst das Thema zu wechseln. Ein erneuter späterer Versuch ist oft erfolgreich.
  • Manche Betroffene sind leichter gereizt oder haben Gefühlsschwankungen. Hierbei handelt es sich um häufige Begleitsymptome der Grunderkrankung. Versuchen Sie dennoch verständnisvoll und geduldig zu sein.

Pflegekurse und Kommunikation

Pflegekurse werden von den Pflegekassen finanziert und sind gemäß § 45 SGB XI für die Teilenehmenden kostenfrei. Kommunikation spielt in vielen Modulen von Pflegekursen eine wichtige Rolle. Mit entsprechenden Fragen können Sie herausfinden, worüber der Betroffene sprechen möchte. Ein Beispiel: „Geht es um das Thema Urlaub? Meinst Du den Sommerurlaub im letzten Jahr? Wichtig ist, dass Sie ehrlich sind und es dem Betroffenen mitteilen, wenn Sie ihn nicht verstanden haben.

Hilfsmittel zur Kommunikation

Es gibt Hilfsmittel, die es Aphasikern trotz eingeschränkter Sprachfähigkeit ermöglichen, an Gesprächen teilzunehmen. Darüber hinaus gibt es inzwischen eine große Vielfalt an elektronischen Kommunikationshilfen. Bevor sich Aphasiker Hilfsmittel anschaffen, sollten sie einen Antrag auf Kostenübernahme für elektronische oder nicht-elektronische Hilfsmittel beim zuständigen Kostenträger stellen. Dem Antrag muss ein Kostenvoranschlag beigefügt werden. Kommunikationshilfen gibt es inzwischen auch als digitale Anwendungen (Apps) für Smartphones und Tablets. Nicht jede Krankenkasse übernimmt die Kosten für Aphasie-Apps. Zur therapeutischen Begleitung von Krankheiten etablieren sich Digitale Gesundheitsanwendungen jedoch immer mehr.

Selbsthilfegruppen

Viele Aphasiker*innen und ihren Angehörigen hilft der Austausch mit anderen Betroffenen, wir er beispielsweise in Selbsthilfegruppen möglich ist. Es gibt Selbsthilfegruppen, deren Angebote sich speziell an Aphasiker richten. Für viele Betroffene ist es hilfreich, sich in diesem Rahmen über Themen auszutauschen, die sie mit nicht betroffenen Menschen schwierig nur besprechen können. Selbsthilfegruppen unterscheiden sich zum einen in professionell geführte Gruppen, die auch therapeutische Angebote haben. Zum anderen gibt es von Betroffenen selbst organisierte Gruppen. Eine zentrale Interessenvertretung ist der Bundesverband für die Rehabilitation der Aphasiker e.V.

Berufliche Wiedereingliederung

Der berufliche Wiedereinstieg mit einer Aphasie kann Betroffene vor große Herausforderungen stellen. Nicht alle Berufe sind mit einer Aphasie gleichermaßen vereinbar. Das Heidelberger Aphasie-Modell ist ein Angebot des Berufsförderungswerks in Kooperation mit dem Bundesverband Aphasie e. V. und den SRH Fachschulen. In dieser Zeit werden die Menschen zudem darüber beraten, welche beruflichen Tätigkeiten in Frage für sie kommen könnten. Danach absolvieren sie eine drei- bis sechsmonatige Berufsvorbereitung. Im gewählten Berufszweig folgt eine Qualifizierung in Form einer Umschulung oder Ausbildung.

Heilungschancen und Prognose

Etwa ein Drittel der Aphasie-Betroffenen erholt sich aber binnen vier Wochen wieder von der Sprachstörung und erlebt "weitestgehend eine Normalisierung der Sprachfunktion", so die Deutsche Schlaganfallhilfe. Bei etwa einem Drittel der Patient*innen mit initialer Aphasie normalisieren sich die Sprachfunktionen in den ersten vier Wochen weitgehend, danach flacht die Kurve der Spontanrückbildung zunehmend ab. Eine Aphasie kann ohne bleibende Beeinträchtigungen rückgebildet werden.

Die Deutsche Schaganfallhilfe gibt an, dass sich die Beeinträchtigungen von Schlaganfallpatienten mit Aphasie in etwa einem Drittel der Fälle binnen der ersten vier Wochen normalisieren und die Fähigkeiten der Sprache dementsprechend wieder zurückgewonnen werden können.

Allerdings zeigen inzwischen einige Studien, dass intensives Sprachtraining als Therapie auch sechs Monate oder länger nach dem auslösenden Schlaganfall zu einer entscheidenden Verbesserung der Sprachstörung und der Lebensqualität der Aphasiker und Aphasikerinnen führen kann - beispielsweise die FCET2EC- Studie aus Deutschland, die 2017 erschien. Intensives Sprachtraining bedeutete in der Studie: mindestens zehn Stunden pro Woche bei mindestens drei Wochen Dauer des Intensivtrainings. Auch durch Betroffene selbst gesteuertes Sprachtraining per Software konnte bei chronischer Aphasie die Wortfindung effektiv verbessern (auch das konnte die BigCACTUS-Studie zeigen).

  • Ausmaß der Hirnschädigung: Kleine Hirnschädigungen haben in der Regel eine günstigere Prognose als große Schädigungen, in denen große Teile des Gehirns betroffen sind.

Forschung und neue Therapieansätze

Bisher sind Aphasien trotz der Fortschritte moderner Sprachtherapie nur bedingt behandelbar. Wissenschaftliche Studien aphasischer Patienten tragen sowohl zu einem besseren Verständnis der menschlichen Sprache als auch ihrer Störungen bei.

Ein leichter, von außen gezielt zugefügter Stromfluss kann das Zusammenspiel verschiedener Hirnareale stimulieren. Funktionsverluste nach einem Schlaganfall können so besser kompensiert werden. Flöels Team verbesserte durch die Stimulation übrigens auch die Hirnfunktionen älterer Menschen mit beginnenden kognitiven Einschränkungen, zum Beispiel Gedächtnisstörungen.

  • Individualisierte Netzwerktherapien: Die UKL-Neurologen entwickeln nun in Kooperation mit Privatdozentin Dr. Gesa Hartwigsen und der gemeinsamen Doktorandin Sandra Martin vom benachbarten Max-Planck-Institut (MPI) für Kognitions- und Neurowissenschaften eine Studie, in der die für die Spracherholung kritischen Netzwerke bei Schlaganfallpatienten mit chronischer Aphasie mit Magnetstimulation angeregt werden.

Patientenverfügung

Eine Patientenverfügung ist ein wichtiges Dokument, das sicherstellt, dass Ihre medizinischen Wünsche respektiert werden, wenn Sie aufgrund von Krankheit oder Verletzung nicht in der Lage sind, sie selbst auszudrücken. Sie entlastet auch Angehörige von schwierigen Entscheidungen, vermeidet Missverständnisse und schützt vor unerwünschter Über- oder Unterbehandlung.

Pflegegrad

Betroffene sollten prüfen, ob ihnen ein Pflegegrad zusteht, womit sie finanzielle Unterstützung erhalten können.

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