Das Glaukom, im Volksmund auch als „Grüner Star“ bezeichnet, ist eine der häufigsten Augenerkrankungen und eine der Hauptursachen für Erblindung weltweit. Charakteristisch ist ein kontinuierlicher Nervenfaserverlust, der sich am Sehnervenkopf als zunehmende Aushöhlung bemerkbar macht. Dies führt zu Gesichtsfeldausfällen, die vom Patienten zunächst unbemerkt bleiben. Erst wenn das Glaukom weiter fortgeschritten ist, bemerkt der Patient den fortgeschrittenen Gesichtsfeldausfall.
Was ist ein Glaukom?
Der Begriff Glaukom fasst verschiedene Augenerkrankungen zusammen, bei denen der Sehnerv geschädigt wird. Dabei weist das Gesichtsfeld immer größere Lücken auf - meist bleibt dies zunächst unbemerkt. Unter Gesichtsfeld versteht man den Sehbereich, der wahrgenommen wird, ohne die Augen zu bewegen. In den fortgeschrittenen Stadien nimmt auch die Sehschärfe ab. Mit über 80 Prozent ist das Weitwinkelglaukom (Offenwinkelglaukom) die häufigste Form des Glaukoms. Es schreitet langsam voran. Schäden am Sehnerv führen erst nach vielen Jahren zu Sehstörungen.
Der Sehnerv: Das Datenkabel zum Gehirn
Der Sehnerv lässt sich mit einem Datenkabel vergleichen, das das Auge mit dem Gehirn verbindet. Er ist etwa vier Millimeter dick und besteht aus rund einer Million Nervenfasern. Am Sehnervenkopf (Papille) verlässt der Sehnerv das Auge durch eine siebartige knöcherne Struktur, die Lamina cribrosa. Beim Glaukom sterben die Nervenfasern allmählich ab - das geschieht völlig schmerzfrei und es verursacht oft über Jahre hinweg keine Symptome.
Ursachen und Risikofaktoren
Lange galt ein erhöhter Augeninnendruck als Hauptparameter für die Diagnosestellung, das Entstehen und das Fortschreiten eines Glaukoms. Der Augeninnendruck resultiert dabei aus dem Verhältnis zwischen der Produktion des Kammerwassers des Auges und dem Kammerwasserabfluss über das Trabekelwerk mit Schlemm-Kanal und den augapfelnahen Venen. Der normale Augeninnendruck liegt zwischen 10 mm und 21 mmHg. Das Risiko für die Entstehung eines Glaukoms steigt mit erhöhten Augeninnendruckwerten an. Es gibt jedoch auch Patienten, die trotz einigermaßen normaler Augeninnendruckwerte glaukomatöse Schäden aufweisen (Normaldruckglaukom).
Hauptursachen im Überblick:
- Erhöhter Augendruck: Hauptursache vieler Glaukomformen. Es besteht ein Ungleichgewicht zwischen Produktion und Abfluss des Kammerwassers. Der Abfluss des Kammerwassers durch das Trabekelwerk und den Schlemm-Kanal ist blockiert oder ineffektiv.
- Genetische Faktoren: Eine familiäre Vorbelastung erhöht das Risiko.
- Alter: Das Risiko steigt mit zunehmendem Alter. Ärzte empfehlen eine Glaukomvorsorge ab dem 40. Lebensjahr.
- Medizinische Bedingungen: Erkrankungen wie Diabetes können ein Glaukomrisiko erhöhen. Die langfristige Verwendung von Kortikosteroiden kann ebenfalls ein Risikofaktor sein.
- Anatomische Faktoren: Anomalien in der Struktur des Auges sowie Augenverletzungen oder Entzündungen, die den Abfluss des Kammerwassers behindern, können eine Rolle spielen.
- Weitere Risikofaktoren: Niedriger Blutdruck, wechselhafter Blutdruck, Durchblutungsstörungen, Migräne, starke Kurz- oder Weitsichtigkeit.
Formen des Glaukoms
Es gibt unterschiedliche Formen des Glaukoms, die sich hinsichtlich ihrer Ursachen und ihres Verlaufs unterscheiden. Grundsätzlich wird zwischen primären und sekundären Glaukomen unterschieden. Primäre Glaukome treten ohne vorherige andere Augenerkrankungen auf, während sekundäre Glaukome die Folge einer bestehenden Augenerkrankung, eines Unfalls, einer Operation oder der Einnahme von Medikamenten sein können.
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Die wichtigsten Formen im Überblick:
- Primär chronisches Offenwinkelglaukom (PCOWG): Hier kommt es zu einer Schädigung des Sehnerven bei einer Erhöhung des Augeninnendruckes. Neben dem Augeninnendruck können auch andere Risikofaktoren zu einer glaukomatösen Sehnervenschädigung beitragen. Definitionsgemäß muss der Augeninnendruck mindestens einmalig über 21 mmHg gemessen werden.
- Normaldruckglaukom (NDG): Ähnlich wie beim PCOWG kommt es zu einer Schädigung des Sehnerven, jedoch bei Augeninnendruckwerten von bis zu 21 mmHg. Im Vergleich zum PCOWG treten andere Risikofaktoren, wie z.B. Durchblutungsstörungen, in den Vordergrund.
- Okuläre Hypertension (OHT): Es liegt ein erhöhter Augeninnendruck über 21 mmHg vor, aber keine glaukomatösen Veränderungen. Sowohl der Sehnerv als auch das Gesichtsfeld sind normal.
- Winkelblockglaukom: Hier kommt es zu einer Einengung des Kammerwinkels bis hin zu einer vollständigen Verlegung des Abflussweges. Die Basis der Iris verlegt dabei das Trabekelwerk. Man unterscheidet akute und chronische Verläufe.
- Pseudoexfoliationsglaukom: Dabei wird in dem Auge eine staubähnliche Substanz produziert, die sich auf der Linsenvorderfläche und in den Abflusswegen ablagert. Dadurch kommt es zu einer Verstopfung des Trabekelwerks und zu einem Anstieg des Augeninnendruckes.
- Pigmentdispersionsglaukom: Betroffen sind in der Regel jüngere Männer. Bei dieser Erkrankung wird das Pigment von der Rückfläche der Iris vom Halteapparat der Linse abgescheuert. Diese kleinen Pigment-Körnchen verstopfen dann das Trabekelmaschenwerk, was zu einer Augeninnendrucksteigerung führt.
- Neovaskularisationsglaukom: Bei allen Erkrankungen, bei denen es zu einer verminderten Durchblutung des Auges oder zu einem Sauerstoffmangel des Auges kommt, werden im Auge neue Blutgefäße gebildet. Diese Blutgefäße entwickeln sich jedoch an Stellen, wo sie normalerweise nicht hingehören.
Diagnose
Eine frühzeitige Diagnose ist entscheidend, um das Fortschreiten des Glaukoms zu verlangsamen oder aufzuhalten. Da die Erkrankung oft lange Zeit unbemerkt bleibt, sind regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen beim Augenarzt wichtig, insbesondere ab dem 40. Lebensjahr.
Untersuchungsmethoden zur Diagnose:
- Anamnese: Der Arzt erfragt die Krankengeschichte und eventuelle Risikofaktoren.
- Spaltlampenuntersuchung: Die Spaltlampe ermöglicht eine detaillierte Beurteilung des vorderen und hinteren Augenabschnitts, einschließlich des Sehnervenkopfes.
- Augeninnendruckmessung (Tonometrie): Der Augeninnendruck wird mit einem Applanationstonometer oder einem Pneumotonometer gemessen.
- Gonioskopie: Mit einem Kontaktglas wird der Kammerwinkel untersucht, um Anomalien zu erkennen.
- Gesichtsfelduntersuchung (Perimetrie): Hierbei werden Gesichtsfeldausfälle mithilfe der Perimetrie bestimmt.
- Optische Kohärenztomographie (OCT): Die OCT ermöglicht eine detaillierte Darstellung der Netzhaut und des Sehnervs. Es wird die retinale Nervenfaserschichtdicke, die Durchblutung der Netzhaut und des Sehnervs und weitere morphologische Parameter des Sehnervenkopfes und der Netzhaut bestimmt.
- HRT (Heidelberg Retina Tomograph): Ein Laserscanner, mit dem die Oberflächenkonfiguration des Sehnervenkopfes dreidimensional dargestellt werden kann.
- GDxPRO: Ein Laserpolarimeter, mit dem die Dicke der Nervenfaserschicht bestimmt werden kann.
- Pachymetrie: Messung der Hornhautdicke, da diese Einfluss auf den Augeninnendruck und die Zieldruckbestimmung in der Behandlung des Grünen Stars nimmt.
Behandlung
Ein Glaukom kann nicht geheilt werden, da sich Schäden am Sehnerv nicht rückgängig machen lassen. Ziel der Behandlung ist es, den Augeninnendruck zu senken und so das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen oder aufzuhalten.
Behandlungsmöglichkeiten im Überblick:
- Medikamentöse Behandlung: Augentropfen zur Senkung des Augeninnendrucks. Diese können entweder den Abfluss des Kammerwassers verbessern oder die Kammerwasser-Produktion reduzieren.
- Lasertherapie:
- Selektive Lasertrabekuloplastik (SLT): Hier wird das Trabekelmaschenwerk mit einem Laserstrahl belichtet, um den Abfluss des Kammerwassers zu verbessern.
- YAG-Iridotomie: Bei einem Winkelblockglaukom wird durch eine Laserbehandlung eine Öffnung in der Iris geschaffen, um den Kammerwasserabfluss zu ermöglichen.
- Zyklophotokoagulation: Mit Hilfe eines Laserstrahls wird der Ziliarkörper verödet, um die Kammerwasserproduktion zu reduzieren.
- Operative Behandlung:
- Trabekulektomie: Hierbei wird eine Art Überdruckventil in die Augenwand präpariert, um den Abfluss des Kammerwassers zu ermöglichen.
- Drainageimplantate: Bei dieser Operation wird ein winziges Silikonschläuchlein in die Vorderkammer eingeführt, über das die Flüssigkeit aus dem Auge abfließen kann.
- Katarakt-OP und Mikroimplantat: Kombinierte Katarakt-Operation mit Glaukom-Implantat zur optimalen Sehverbesserung und langfristigem Schutz vor Sehverlust.
Leben mit einem Glaukom
Viele Menschen lassen sich davon verunsichern, wenn bei ihnen ein erhöhter Augeninnendruck festgestellt wird, selbst wenn sie noch völlig normal sehen. Der Gedanke, der hohe Augeninnendruck könnte das Risiko für ein Glaukom erhöhen, kann dann schon bei kleinen Sehproblemen Sorgen auslösen - auch wenn diese Probleme vielleicht ganz andere Ursachen haben. Glaukom-Patienten sorgen sich oft sehr, dass sie irgendwann erblinden könnten. Daher wünschen sich viele Betroffene frühzeitig ausführliche Informationen über die Behandlungsmöglichkeiten und mögliche Folgen der Erkrankung.
Tipps für den Alltag:
- Anpassung des Wohnraums: Bei deutlichem Sehverlust sollte der Alltag an die Gegebenheiten angepasst werden. Die Wohnung kann so umgestaltet werden, dass die Orientierung leichter fällt - zum Beispiel durch zusätzliche Lichtquellen. Zudem sollten Stolperfallen entfernt werden, um Stürze zu vermeiden.
- Mobilität: Es ist wichtig zu erkennen, ab wann das Glaukom Autofahren nicht mehr zulässt. Wer ein Glaukom hat, sollte daher unbedingt genau darauf achten, wann die Einschränkungen zu groß und gefährlich werden. Auch weil Autofahren bei zu starker Einschränkung des Gesichtsfelds gesetzlich nicht mehr erlaubt ist.
- Unterstützung suchen: Es ist für die Erkrankten aber dennoch wichtig zu lernen, an manchen Stellen Kontrolle abzugeben. Ihre Mitmenschen können ihnen dann dabei helfen, Aktivitäten so gut wie möglich beizubehalten und soziale Kontakte zu pflegen.
- Gespräche führen: Für Entlastung können auch Gespräche über Nöte und Ängste mit Angehörigen oder Freunden sorgen.
Glaukomvorsorge
Eine Prävention von Glaukom ist nicht immer möglich, aber regelmäßige Augenuntersuchungen können helfen, die Krankheit frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. Risikopersonen sollten ab dem 40. Lebensjahr regelmäßige Kontrolluntersuchungen durchführen lassen. Besonders wichtig ist dies für Menschen mit einer familiären Vorbelastung, Diabetiker, Menschen mit erhöhtem Augeninnendruck und Personen afrikanischer oder asiatischer Herkunft, da diese Gruppen ein höheres Risiko für die Entwicklung eines Glaukoms aufweisen. Neben den Untersuchungen ist es hilfreich, auf einen gesunden Lebensstil zu achten, der eine ausgewogene Ernährung, regelmäßige körperliche Aktivität und das Vermeiden von Rauchen umfasst. Diese Maßnahmen tragen dazu bei, den Blutdruck zu regulieren und die Durchblutung des Sehnervs zu fördern, was das Risiko von Augenerkrankungen verringern kann.
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