Rückenschmerzen sind ein häufiges Problem bei Hunden, insbesondere bei älteren Tieren. Eine mögliche Ursache für Rückenschmerzen im hinteren Bereich des Körpers beim Collie ist die Spondylose. Es handelt sich dabei um eine degenerative Erkrankung der Wirbelsäule, die mit der Bildung von Knochenspangen zwischen den einzelnen Wirbelkörpern einhergeht.
Degenerative Myelopathie
Eine weitere mögliche Ursache für Rückenschmerzen und neurologische Ausfälle bei Collies ist die degenerative Myelopathie (DM). DM ist eine fortschreitende Erkrankung des Rückenmarks, die vor allem ältere Hunde betrifft.
Was ist degenerative Myelopathie?
Die degenerative Myelopathie ist eine chronisch fortschreitende Rückenmarkserkrankung bei älteren Hunden. Sie wurde erstmals 1973 in der veterinärmedizinischen Fachliteratur beschrieben. Lange wurde angenommen, dass ausschließlich große Hunderassen erkranken, aber theoretisch kann jede Rasse - auch kleine - betroffen sein. Betroffen sind fast ausnahmslos Hunde ab einem Alter von 8-10 Jahren. Werden jüngere Patienten mit identischen Symptomen vorgestellt, muss unbedingt nach einer anderen Ursache geforscht werden.
Ursachen
Nachdem lange über die Ursache gerätselt wurde, ist heute bekannt, dass es sich zumindest bei einigen Rassen um eine genetische Erkrankung handelt. 2009 wurde bei an degenerativer Myelopathie erkrankten Pembroke Welsh Corgis eine Mutation im kaninen SOD1-Gen (SOD1:c.188G>A) nachgewiesen. Die gleiche Mutation führt - neben anderen Ursachen - beim Menschen zur Ausbildung der amyotrophen Lateralsklerose (ALS).
Symptome
Die spinalen Reflexe der Hintergliedmaßen und der Muskeltonus sind gesteigert, häufig kombiniert mit einem positiven gekreuzten Flexor-Extensor-Reflex. Analreflex und Bulbo-/Vulvourethralreflex sind normal. Klassischerweise fällt dabei zuerst der Patellarsehnenreflex aus. Später können auch die anderen spinalen Reflexe der Hintergliedmaßen herabgesetzt sein. Harn- und Kotabsatz sowie der Rutentonus bleiben aber sehr lange normal.
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Diagnose
- Gentest: Seit 2009 ist ein Gentest verfügbar. Sofern der Gentest ausgereift sein wird, könnte z. B. beim Deutschen Schäferhund bereits im Welpenalter, d. h. möglichst vor dem Verkauf des Hundes getestet werden.
- Ausschlussdiagnostik: Ausschlussdiagnostik wie bisher mittels bildgebender Verfahren, evtl. auch Elektrodiagnostik. Muskelbiopsie und Liquoruntersuchung.
- Bildgebende Verfahren: Eine direkte Diagnose mittels bildgebender Verfahren (MRT, CT, Myelografie, Myelo-CT) ist momentan nicht möglich. Es gibt aber erste Erkenntnisse darüber, dass die demyelinisierten Rückenmarksareale mit besonders starken Hochfeld-Kernspintomografen (MRT, 3-7 Tesla) in den transversalen Rückenmarksprojektionen evtl. direkt erkannt werden können.
Behandlung
Wird degenerative Myelopathie vermutet, ist keine ursächliche medikamentöse Therapie bekannt. Bei akuten Krankheitsschüben kann kurzfristig Kortison versucht werden. Auf Dauer essenziell ist ausreichende Bewegung, um die Koordination zu verbessern und die Muskulatur zu erhalten. Im Frühstadium wären dies z. B. Bei stärkeren Lähmungserscheinungen muss unbedingt Physiotherapie durchgeführt werden.
Spondylose
Spondylose ist eine degenerative Erkrankung der Wirbelsäule, bei der es zur Bildung von Knochenspangen zwischen den Wirbelkörpern kommt. Diese Knochenspangen können die Beweglichkeit der Wirbelsäule einschränken und Schmerzen verursachen.
Ursachen
Die genaue Ursache der Spondylose ist nicht immer klar, aber sie wird oft mit dem natürlichen Alterungsprozess der Wirbelsäule in Verbindung gebracht. Traumatische Verletzungen oder übermäßige Belastung der Wirbelsäule können ebenfalls eine Rolle spielen. Es wird angenommen, dass es eine genetische Veranlagung für Spondylose geben kann.
Symptome
Die Symptome von Spondylose bei Hunden können variieren und hängen von der Schwere der Erkrankung ab. Hunde mit Spondylose können Steifheit in der Wirbelsäule zeigen und Schwierigkeiten haben, sich zu bewegen, insbesondere nach dem Aufstehen oder längeren Ruhephasen. Berührungsempfindlichkeit oder Schmerzreaktionen, wenn der Rücken berührt wird, können auf Spondylose hinweisen. Aufgrund von Schmerzen und Unwohlsein können Vierbeiner mit Spondylose weniger aktiv sein, sich weniger bewegen und bestimmte Bewegungen ganz vermeiden. Hunde können Schmerzen im Bereich der Wirbelsäule verspüren, was sich durch Lahmheit oder ein verändertes Gangbild äußern kann.
Diagnose
Die Diagnose von Spondylose basiert in erster Linie auf den klinischen Symptomen und den Ergebnissen der bildgebenden Verfahren. Es ist wichtig sicherzustellen, dass die Symptome nicht auf andere Erkrankungen zurückzuführen sind, die ähnliche Anzeichen wie Spondylose zeigen könnten. Der Tierarzt oder die Tierärztin wird zunächst eine klinische Untersuchung Ihres Vierbeiners durchführen. Dies beinhaltet das Abtasten des Rückens und die Überprüfung auf Schmerzreaktionen, Empfindlichkeit oder andere Anzeichen von Rückenproblemen. Um Spondylose zu bestätigen und den Grad der Erkrankung zu beurteilen, werden Röntgenaufnahmen der Wirbelsäule angefertigt. Auf den Röntgenbildern können Knochenwucherungen und Veränderungen an den Wirbeln sichtbar gemacht werden.
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Behandlung
Die Lebenserwartung von Hunden mit Spondylose hängt von verschiedenen Faktoren ab, einschließlich des Schweregrads der Erkrankung, des Alters des Hundes, der Behandlung und der allgemeinen Gesundheit. Die Behandlung kann Schmerzmedikamente, physiotherapeutische Maßnahmen und in einigen Fällen chirurgische Eingriffe umfassen, je nach Schweregrad der Erkrankung. Nichtsteroidale entzündungshemmende Medikamente (NSAIDs) werden häufig verschrieben, um Schmerzen und Entzündungen im Zusammenhang mit Spondylose zu lindern. Dies kann die Lebensqualität des Hundes während eines akuten Schubs erheblich verbessern. In einigen Fällen können Muskelrelaxantien verschrieben werden, um Muskelverspannungen und -schmerzen zu reduzieren. Ein/e Tierphysiotherapeut/in kann Übungen und Massagen durchführen, um die Muskulatur des Hundes zu stärken, die Beweglichkeit zu verbessern und Schmerzen zu lindern. Die Aufrechterhaltung eines gesunden Körpergewichts ist wichtig, da Übergewicht die Symptome verschlimmern kann. In schweren Fällen von Spondylose, bei denen die Knochenwucherungen die Wirbelsäule stark beeinträchtigen und erhebliche Schmerzen verursachen, kann eine chirurgische Entfernung der Knochenwucherungen in Erwägung gezogen werden. Es ist wichtig zu betonen, dass die Behandlung individuell auf das Tier und den Schweregrad der Erkrankung abgestimmt sein sollte. Die Zusammenarbeit mit einem erfahrenen Tierarzt oder einer erfahrenen Tierärztin ist entscheidend, um die besten Behandlungsoptionen für Ihren Hund zu ermitteln und sicherzustellen, dass er eine angemessene Pflege und Schmerzlinderung erhält.
Weitere mögliche Ursachen für Rückenschmerzen beim Collie
Neben der degenerativen Myelopathie und der Spondylose gibt es noch weitere mögliche Ursachen für Rückenschmerzen beim Collie, darunter:
- Bandscheibenvorfall: Der Bandscheibenvorfall ist die häufigste neurologische Erkrankung beim Hund.
- Cauda-equina-Syndrom: Das Cauda-equina-Syndrom ist eine Verengung des Rückenmarks im Übergang Lendenwirbelsäule/Kreuzbein, wobei es zu neurologischen Ausfällen der betroffenen Nervenbahnen kommen kann.
- Wobbler-Syndrom: Beim Wobbler kommt es zu einer chronisch fortscheitenden Verengung des Rückenmarks in Höhe der caudalen (hinteren) Halswirbelsäule.
- Hemivertebrae: Damit wird eine angeborene Fehlentwicklung der Wirbelkörper bezeichnet.
Diagnose von Rückenschmerzen beim Collie
Um die Ursache für Rückenschmerzen beim Collie zu diagnostizieren, wird der Tierarzt eine gründliche körperliche Untersuchung durchführen und die Krankengeschichte des Hundes erheben. Zusätzlich können bildgebende Verfahren wie Röntgenaufnahmen, CT-Scans oder MRT-Scans eingesetzt werden, um die Wirbelsäule und das Rückenmark zu beurteilen. In einigen Fällen kann auch eine neurologische Untersuchung erforderlich sein, um die Funktion der Nerven zu überprüfen.
Behandlung von Rückenschmerzen beim Collie
Die Behandlung von Rückenschmerzen beim Collie richtet sich nach der zugrunde liegenden Ursache. In einigen Fällen können Schmerzmittel und entzündungshemmende Medikamente ausreichend sein, um die Schmerzen zu lindern. In anderen Fällen kann eine Operation erforderlich sein, um die Ursache der Schmerzen zu beheben. Physiotherapie kann ebenfalls eine wichtige Rolle bei der Behandlung von Rückenschmerzen beim Collie spielen.
Prävention von Rückenschmerzen beim Collie
Es gibt einige Maßnahmen, die Sie ergreifen können, um das Risiko von Rückenschmerzen beim Collie zu verringern:
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- Achten Sie auf ein gesundes Gewicht: Übergewicht belastet die Wirbelsäule zusätzlich und kann das Risiko von Rückenschmerzen erhöhen.
- Sorgen Sie für regelmäßige Bewegung: Regelmäßige Bewegung hilft, die Muskeln zu stärken und die Wirbelsäule zu stabilisieren.
- Vermeiden Sie übermäßige Belastung: Vermeiden Sie übermäßige Belastung der Wirbelsäule, z. B. durch Springen oder Treppensteigen.
- Verwenden Sie ein gut sitzendes Geschirr: Ein gut sitzendes Geschirr verteilt den Druck gleichmäßig auf den Körper und verhindert, dass die Wirbelsäule überlastet wird.
- Achten Sie auf eine gesunde Ernährung: Eine gesunde Ernährung mit ausreichend Omega-3-Fettsäuren kann helfen, Entzündungen zu reduzieren und die Gesundheit der Wirbelsäule zu fördern.
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